Nachtsichtgerät fürs Auto Laser gegen schwarze Löcher

Der Autohersteller DaimlerChrysler hat ein neues Nachtsichtsystem für Fahrzeuge vorgestellt, das eine deutlich bessere Sichtweite als herkömmliche Scheinwerfer ermöglicht. Der Trick: Das Gerät arbeitet mit Infrarotscheinwerfern und Videotechnik.


Der Test-Bus der DaimlerChrysler-Forscher ist mit Infrarotscheinwerfern und einer Videokamera ausgerüstet

Der Test-Bus der DaimlerChrysler-Forscher ist mit Infrarotscheinwerfern und einer Videokamera ausgerüstet

Präsentiert wurde das vom DaimlerChrysler-Forschungszentrum in Ulm entwickelte System in einem Setra-Bus. Die komplexe Technik bleibt dabei fast vollständig im Verborgenen: Von außen sichtbar sind lediglich zwei zusätzliche Scheinwerfer über den herkömmlichen Lichtquellen und eine Ausbuchtung im Dach des Busses, hinter der sich eine Videokamera verbirgt.

Im zweiten Scheinwerferpaar erzeugen Laser ein Licht im Infrarotbereich, mit dem die Straße ausgeleuchtet wird. Das von der Infrarotkamera aufgezeichnete Bild kann der Fahrer auf einem Display am Armaturenbrett ablesen. Möglich ist auch eine Projektion auf die Frontscheibe.

Da die erzeugte Infrarotstrahlung knapp unterhalb des Bereichs des für Menschen sichtbaren Lichtes liegt, wird der Gegenverkehr nicht geblendet. Die Forscher haben auch an Blendeffekte des Kamerasystems gedacht, die durch die Infrarotscheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge entstehen könnten: Durch ein Pulsen des ausgesandten Lichtes zeichnet die darauf abgestimmte Kamera nur die Infrarotstrahlen auf, die von den Scheinwerfern des eigenen Autos stammen.

Den Grund für die aufwendige Technik liefern das Alltagswissen und die Unfallstatistik. Bei Dunkelheit beträgt die Sichtweite eines Autofahrers mit konventionellem Abblendlicht nur rund 40 Meter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ereignen sich rund 40 Prozent der schweren Verkehrsunfälle bei Nacht, obwohl der Anteil der Nachtfahrten an der Gesamtfahrleistung unter 20 Prozent liegt.

Auf dem Display am Armaturenbrett kann der Fahrer das Bild der Infrarotkamera kontrollieren

Auf dem Display am Armaturenbrett kann der Fahrer das Bild der Infrarotkamera kontrollieren

Das System der Ulmer Werksforscher könnte in Zukunft möglicherweise dabei helfen, viele solcher Unfälle zu vermeiden: "Die Infrarotkamera macht die Straße und alle Hindernisse bis zu einer Distanz von 150 Metern auf dem Bildschirm sichtbar, auch wenn man mit Abblendlicht fährt", erläutert Günter Hertel, der Forschungsleiter des Projekts.

Noch ist die Entwicklung nicht serienreif, doch daran wird gearbeitet. Möglicherweise könnte das System in den nächsten Jahren bereits in Fahrzeugen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen - also etwa Omnibussen, Gefahrguttransportern, Einsatzfahrzeugen und Taxis - zum Einsatz kommen.

Hertel zufolge soll das Nachtsichtgerät in Zukunft nicht teurer sein als ein gutes Autoradio. Dafür könnte es ungleich größeren Nutzen bringen. Denn eigentlich, so der Experte, dürfe keiner auf der Autobahn bei Abblendlicht mit einer Reichweite von rund 40 Metern so schnell fahren, wie es tatsächlich geschieht. Hertel: "Im Prinzip fährt man dabei in ein schwarzes Loch."



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.