Ramponierte Autos Wer für Silvesterschäden zahlen muss

Böller, Raketen, Betrunkene - die Silvesternacht birgt viele Gefahren für unbedacht abgestellte Autos. Wer für den Schaden haftet, ist meist nicht leicht ausfindig zu machen. Deshalb raten Experten zu Vorbeugung, um sich Ärger zu ersparen.


Berlin - Ein rauschendes Fest war es. Tolles Feuerwerk, große Gefühle, alles drum und dran - doch der Katzenjammer kommt am nächsten Tag: Das unachtsam an der Straße abgestellte Auto wurde Opfer von Böllern, Raketen oder Randalierern. Auf frischer Tat ertappt, haftet der Verursacher in jedem Fall für den entstandenen Schaden. Seine Privathaftpflichtversicherung muss die Reparaturkosten begleichen - aber nur dann, wenn der Schaden nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde.

Silvester-Knaller: Werden Böller aus kurzer Entfernung auf oder in ein Auto geworfen, können erhebliche Schäden entstehen
DPA

Silvester-Knaller: Werden Böller aus kurzer Entfernung auf oder in ein Auto geworfen, können erhebliche Schäden entstehen

Wird das mitternächtliche Malheur erst im Licht des nächsten Tages entdeckt, kann erfahrungsgemäß der Übeltäter nicht mehr ermittelt werden, und der Schaden ist ein Fall für die Teilkaskoversicherung. "Bei einem unbekannten Täter ist es auf jeden Fall sinnvoll, den angerichteten Schaden vor dem Gang zur Versicherung der Polizei anzuzeigen", empfiehlt Johannes Hübner, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD).

Die Silvesterschäden müssen der Versicherung - wie andere auch - innerhalb einer Woche gemeldet werden. Außerdem muss dem Versicherer die Möglichkeit gegeben werden, den entstandenen Schaden zu begutachten.

Ein wenig kompliziert ist die Rechtslage, wenn Kinder mit Böllern gespielt und Schäden angerichtet haben. "Ein Kind unter sieben Jahren haftet grundsätzlich nicht für Schäden, die es anrichtet", erläutert Rechtsanwalt Michael Winter: "Wenn jedoch die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, wird der Schaden von deren Privathaftpflicht beglichen. Das Versäumnis muss freilich nachgewiesen werden."

Cabriofahrer müssen zu Silvester besonders aufpassen. Ihre Teilkaskoversicherung zahlt Schäden am Dach durch glimmende Raketenreste nämlich in aller Regel nicht. Für einen Teilkaskoschaden muss schon ein offenes Feuer ausbrechen. Ansonsten greift hier nur die Vollkaskoversicherung.

"Auto am besten im Auge behalten"

Rund 38 Millionen Euro zahlen die Versicherer jedes Jahr für Schäden durch brennende Adventskränze, Weihnachtsbäume und verunglückte Silvesterknaller. Für parkende Autos sind Feuerwerkskörper in der Regel keine ernstzunehmende Gefahr.

"Grundsätzlich ist die Karosserie eines Personenwagens durch handelsübliche Silvesterraketen kaum gefährdet", gibt Maximilian Maurer vom ADAC in München Entwarnung. Wenn Reste oder ausgebrannte Raketen auf die Autos fallen, sind keine größeren Beschädigungen zu befürchten. Auch dass das Auto Feuer fängt, ist im Grunde ausgeschlossen. Werden die Kracher jedoch aus kurzer Entfernung auf ein Auto oder in das Innere eines Pkw geworfen, können größere Schäden an Lack, Scheiben oder Inneneinrichtung entstehen.

"Autofahrer sollten prinzipiell Vorsorge gegen Silvesterschäden treffen", meint AvD-Mitarbeiter Hübner: "Man sollte dort parken, wo erwartungsgemäß nicht mit viel Knallerei zu rechnen ist, abseits der Straßen etwa, in Höfen oder Unterständen. Wer nicht kaskoversichert ist, sollte sein Auto zwischen Mitternacht und ein Uhr sogar am besten im Auge behalten." Da empfiehlt es sich, einige Tage vor dem Jahreswechsel bei einem abendlichen Spaziergang in der Umgebung nach geeigneten Parkmöglichkeiten Ausschau zu halten.

Norbert Michulsky, ddp



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