Reifen-Typen Pneu à Pneu

Sommer oder Winter, Asphalt oder Gelände, neu oder recycelt: Reifen gibt es für alle Zwecke in beinahe unendlich vielen Varianten. Eine Übersicht über die Vor- und Nachteile der gängigsten Typen.


Breites Spektrum: Reifen werden für in fast unendlich vielen Variationen und für jeden Zweck hergestellt
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Breites Spektrum: Reifen werden für in fast unendlich vielen Variationen und für jeden Zweck hergestellt

Sommerreifen:

Vor allem in zwei Kategorien unterscheiden sich die Sommerpneus von den Wintermodellen: im Profil und in der Gummimischung. Große Profilblöcke und eine harte Mischung bieten größtmögliche Sicherheit, Spurtreue und Komfort bei warmen Temperaturen, trockenen Straßen und schnellem Tempo. Denn bei diesen Faktoren entstehen hohe Reibwerte zwischen Gummi und Asphalt - der Sommerreifen zeigt sich dank seines harten Gemischs und des klar strukturierten Profils unbeeindruckt. Natürlich müssen sich Sommerreifen auch auf nassen Straßen behaupten: Oft mit asymmetrischen Profilmustern, die das Wasser möglichst schnell zur Seite abführen und Aquaplaning verhindern helfen.

Sinken allerdings die Außentemperaturen und sind die Straßen matschig oder verschneit, dann wird den Sommerreifen die mangelnde Flexibilität zum Verhängnis, sie verlieren ihre optimale Bodenhaftung. Vor allem Hochleistungsreifen für Geschwindigkeitsklassen ab V (ausgelegt für Spitzengeschwindigkeiten von 240 km/h und mehr) bringen bei winterlichen Verhältnissen auch die schwerste Limousine in Schwierigkeiten. Durchschnittsreifen bis zur Größe 185/65 R 14 und der Speed-Klasse T (max. 190 km/h) allerdings können auch - mit Einschränkungen - im Winter Dienst tun.

Winterreifen: Der Winterreifen ist ein Nachkriegskind - 1950 kam der erste spezielle Matsch- und Schneereifen (M+S) auf den Markt. Für die modernen Wintervarianten haben die Reifenbäcker das Rezept der Gummimischung im Vergleich zur Sommerversion entscheidend verändert. Für die Winterstraßen werden weichere Pneus produziert. Dadurch sind die Reifen flexibler und können Schnee und Matsch besser verdichten. Wo Sommerreifen schnell ins seitliche Rutschen kommen, halten Winterreifen das Auto den Umständen entsprechend präzise in der Spur, die Haftung am Boden wird deutlich erhöht. Dazu trägt natürlich auch das markante Profil mit scharfen Quer- und Längsrillen bei. Viele tausend feine Lamellen in den Profilblöcken sorgen zudem für soliden Grip bei widrigen Winterverhältnissen. Mittlerweile gibt es sogar schon Winterreifen in der W-Version - ob es allerdings vernünftig ist, mit 270 Sachen über winterliche Straßen zu heizen, steht auf einem anderen Blatt.

Ganzjahresreifen: Sie sind die Kompromiss-Version zwischen Sommer- und Winterreifen. Im Winter sind die Allwetterreifen deutlich leistungsfähiger als die Sommermodelle. Auf Schnee aber kommen sie an ihre Grenzen, der Grip lässt im Vergleich zu vollwertigen Winterreifen deutlich nach. Und auf trockenen oder nassen Sommerstraßen sind die meisten herkömmlichen Sommerreifen den Allroundreifen überlegen. Dennoch können sie sinnvoll sein: "Ganzjahresreifen als Mittelweg eignen sich insbesondere für Autos mit geringer Jahreskilometerleistung, guten Wintereigenschaften (Allrad, Frontantrieb) und begrenzter Motorleistung (bis etwa 100 PS)", schreiben die Reifenexperten Klaus Peter Backfisch und Dieter Heinz in ihrem Standardwerk "Das neue Reifenbuch" (Motorbuch Verlag).

Reifen-Produktion/ Kontrolle CENTER/KLEIN
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Reifen-Produktion/ Kontrolle CENTER/KLEIN

Offroadreifen: Reifen für den Ritt abseits der Piste gibt es in vielen Variationen: Als Winterreifen, als Geländespezialist oder als Allround-Version A/T (All-Terrain). Die meisten müssen natürlich auf dem Feldweg wie der Autobahn eine gute Figur machen und weisen vor allem ein markantes, oft asymmetrisches Profil mit starker Lamellierung auf, um bei nassen und rutschigem Untergrund Traktion, Laufruhe und Spurtreue zu gewähren. Doch damit die oft tonnenschweren und PS-starken Offroader, oder kurz: SUVs, auch bei weit über 200 km/h gut unterwegs sind und sich Rollwiderstand und Geräuschpegel in Grenzen halten, unterscheidet sich das Profil im Prinzip oft gar nicht so sehr von herkömmlichen Sommer- oder Winterreifen.

Breitreifen: Reifen der Speed-Klasse V werden immer breiter, um schwere und sportliche Wagen auch bei Hochgeschwindigkeiten bis 240 km/h und darüber möglichst sicher und spurtreu über den Asphalt zu führen. Eine extrem harte Gummimischung sorgt für die nötige Traktion - bei winterlichen Wetter aber sind Breitreifen nur in der Garage gut aufgehoben. Auch bei Nässe schwächeln die breiten Pneus: Der Weg von der Laufflächenmitte bis zur Schulter des Reifens ist lang, das Wasser ist auch mit vielen Rillen nur schwer abzuleiten - die Gefahr von Aquaplaning steigt mit zunehmender Reifenbreite. Durch den größeren Rollwiderstand steigt naturgemäß der Kraftstoffverbrauch, auch wenn neue Zusätze in der Gummimischung wie Silica den Rollwiderstand deutlich senken helfen.

Runderneuerte Reifen: In Deutschland wird etwa jeder fünfte Reifen runderneuert - Sommer- wie Winterreifen. Beim Reifen-Recycling bekommt die wieder verwendete Karkasse einen neuen Laufstreifen verpasst. Das schont die Umwelt und nicht zuletzt den Geldbeutel des Verbrauchers. Allerdings zeigen Tests immer wieder, dass die runderneuerten Reifen vor allem bei hohen Geschwindigkeiten nicht die gleichen Laufleistungen bringen wie Neureifen. Daher bieten sich Runderneuerte vor allem für Wagen mit etwas schwächeren Motoren an.

Laufrichtungsgebundene Reifen: Reifen für hohe Geschwindigkeiten, für den Offroad-Einsatz oder mit guten Nässeeigenschaften sind oft laufrichtungsgebunden, d.h. sie dürfen sich wegen der besonderen Profilgestaltung (z.B. für die Wasserverdrängung und eine hohe Fahrstabilität) nur in eine festgelegte Richtung drehen. Ein Pfeil auf der Reifenflanke gibt Auskunft über die richtige Drehrichtung. Die Vor- und Nachteile richten sich nach dem jeweiligen Typ, zum Beispiel Sommer- oder Winterversion.



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