Schneekettentest Elf Modelle ausgerutscht

Wenn auf stark verschneiten Alpenstraßen selbst Winterreifen durchdrehen, müssen Schneeketten aufgezogen werden. Das geht ruckzuck – wenn man gut vorbereitet ist. Doch die wenigsten Ketten sind wirklich winterfest, wie ein aktueller Test des ADAC zeigt.

16 Modelle untersuchte der ADAC auf Handhabung, Verschleiß und Verhalten bei Schnee und Eis. Dabei konnten sich nur fünf Modelle bewähren und das Urteil "empfehlenswert" verdienen: König Logo, Milz easy, Ottinger Speedspur Maxi, Pewag Brenta C und Pewag Sportmatik. Elf Ketten - zwei Drittel der Kandidaten - rutschte bei dem umfangreichen Test des Automobilclubs aus: Sechs Produkte waren nur "bedingt empfehlenswert", fünf sogar "nicht empfehlenswert". Die Note "sehr empfehlenswert" konnten die ADAC-Experten gar nicht vergeben.

Die Disziplin, in der die meisten Schneeketten Mängel aufwiesen, war ausgerechnet die wichtigste, das Verhalten auf Schnee. Vor allem Schnellmontageketten mit Radadapter - die Modelle Confon Spikes-Spider Sport, Rud-comfort Centrax und Maggi Trak - blieben hier unter dem Durchschnitt, obwohl sie bis zu fünf Mal so teuer sind wie herkömmliche Schneeketten. Auf Eis, der schwierigsten Disziplin, konnten mit Ottinger Speedspur Maxi und Pewag Sportmatik überhaupt nur zwei Anfahrhilfen befriedigende Ergebnisse erzielen. Das zeigt, dass selbst Schneeketten - wie der Name schon sagt - nicht für alle winterlichen Witterungsverhältnisse geeignet sind. Bei Glatteis kommen Fahrer und Auto trotz Winterreifen und Ketten einfach an ihre Grenzen. Nur in einer Disziplin konnten die meisten Modelle überzeugen: in der Handhabung.

Doch gerade der letzte Punkt sollte Autofahrer nicht dazu verleiten, die Schneeketten kurz vor dem Winterurlaub einfach unbesehen in den Kofferraum zu packen. "Man sollte die Montage auf jeden Fall zu Hause in einer stressfreien Situation vor der Garage proben", rät ADAC-Experte Jürgen Grieving. "Ich hab's selbst schon erlebt, dass man nach 700 Kilometern kurz vor dem Ziel am letzten Berg bei Schnee und Eiseskälte Ketten aufziehen muss und nicht weiß, wie die Dinger funktionieren. Das kann sehr, sehr nervig sein." Außerdem sollte man sich treu an die Bedienungsanleitung halten. Nur so ist garantiert, dass sich die Kette nicht plötzlich lockert und den Radkasten beschädigt.

Im Prinzip sind Ketten recht einfach zu montieren. Auf jeden Fall sollte man vor der Abfahrt darauf achten, die richtige Größe dabei zu haben. Die exakte Dimensionsbezeichnung, die auf der Flanke eines jeden Reifen steht, ist ausschlaggebend für die Wahl der Schneekette. Ketten sollten nicht zu fest und nicht zu locker an den Reifen angebracht werden. Sind sie zu fest, schädigen sie die Pneus, weil sich einzelne Kettenglieder zu sehr ins Gummi drücken. Sind sie zu locker, haben sie zuviel Spiel und können gegen die Karosserie schlagen. Auf jeden Fall werden Ketten auf die Antriebsräder montiert. Bei Allradern im Prinzip die Hinterachse wählen, vorher zur Sicherheit aber in der Bedienungsanleitung für das Fahrzeug nachschauen. Nach den ersten Kilometern empfiehlt es sich, die Ketten noch einmal nachzuziehen.

Für die Montage sollte man sich einen geräumten Parkplatz suchen. "Wer versucht, die verschneite Passstraße bis zuletzt ohne Ketten zu bewältigen und dann schließlich am Anstieg mitten auf der Straße die Montage versucht, handelt grob fahrlässig", sagt ADAC-Sprecher Jürgen Grieving. Blaue Straßenschilder mit weißen Kettenreifen sowie aktuelle Hinweise im Radio weisen auf Kettenpflicht hin. Sollten auf der Strecke einige schneefreie Flächen auftauchen, müssen die Ketten nicht gleich wieder bis zum nächsten Schneefeld hundert Meter weiter demontiert werden. Im Schritttempo weiterfahren, bis der Untergrund wieder weiß ist. Längere Asphaltstrecken sollten jedoch nicht mit Ketten gefahren werden, das schädigt die Reifen. Grundsätzlich gilt laut Straßenverkehrsordnung ein Tempolimit für Kettenfahrten von 50 km/h.