Totalschaden Lasst Chi ins Auto

My home is my car - eine britische Versicherung macht sich um die Harmonisierung des Autoinnenraums verdient. Klatschen, Singen und eine Prise Salz sollen die Energie - im Chinesischen das Chi - frei strömen lassen und das ganzheitliche Fahrgefühl verbessern.

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London - Vermüllt, verdreckt und überhaupt - so manches Auto ist eine wahre Schleuder schlechter Energie. Dabei sind schmutzige Fenster, durch die Sonne nur mit Mühe zum Fahrer gelangt, nur ein kleineres Problem. Die Insassen kämpfen mit dem Stress auf den Straßen, mit nörgelnden Beifahrern und quengelnden Kindern auf dem Rücksitz.

Putzen für besseres Chi: Feng-Shui-Regeln sollen Fahrgefühl verbessern
Foto: GMS

Putzen für besseres Chi: Feng-Shui-Regeln sollen Fahrgefühl verbessern

Die britische Autoversicherung Aon Private Clients will ihren Kunden einen leichten und schnellen Weg aus der Krise zeigen - und beauftragte die britische Gesellschaft für Feng Shui. Fünf verschiedene Modelle testeten die Experten der altchinesischen Philosophie: Nissan Micra, Volkswagen Passat, Porsche Boxster und Lexus SUV - und verfassten aufgrund ihrer Erfahrungen jede Menge Tipps.

Das bessere Leben mit und im Auto fängt für Raymond Catchpole, den Vorsitzenden der Feng-Shui-Gesellschaft, schon mit dem Parken an: Das Blechgefährt sollt nicht mit der Schnauze zur Hauswand stehen, weil Autos mit ihren Kühlern und Scheinwerfern Raubtieren ähnelten und so die Hausbewohner erschrecken könnten. Eine Alternative zur Positionierung gibt der Experte allerdings nicht an: Sonst müsste das Fahrzeug ja mit dem Hinterteil zum Haus stehen oder ihm die kalte Schulter zeigen - ob das nicht ebenfalls eine abfällige Geste des Fahrzeugs gegenüber seinen Besitzern ist?

Weitere Regeln sollen für das Auto genauso gelten wie für Wohnräume und Häuser: Catchpole ermuntert die Fahrer zum Singen im Auto, sie sollen in die Hände klatschen und Musik abspielen. Vor allem aber sollen sie ihr Auto aufräumen, entmisten und säubern, denn: Vermüllte Fahrgastzellen drückten aufs Gemüt und "saugen dem Fahrer die Kraft aus". Saubere Fenster sind nicht nur ein Beitrag zur Verkehrssicherheit, sondern lassen laut Catchpole auch die Chi-Energie, die allgegenwärtige Lebensenergie, besser ins Innere.

Doch Catchpole vergisst: Anders als in den ungefährlichen heimischen vier Wänden ist das Klatschen in beide Hände der Sicherheit beim Fahren doch eher abträglich, und laute Musik im Auto hat schon zu Konzentrationsschwierigkeiten und so manchem Blechschaden geführt.

Nicht schwierig sei es auch, laut dem Feng-Shui-Fachmann, die negative Energie der Insassen aus dem Auto hinauszubefördern. Meersalz-Kristalle sollen das schlechte Chi binden und könnten leicht mit einem Staubsauger entfernt werden. Und ein schmales blaues Bändchen rund ums Satelliten-Navigationssystem geschnürt, begünstige den vollkommenen Autofahrer-Gemütszustand: klar, fließend und aufmerksam. Wahlweise könnten auch Rückspiegel eingefasst werden.

Was für eine Erlösung für verzweifelte Mütter und Väter! Eine Prise Salz auf das Getümmel im Fond gestreut, ein schmales Bändchen am Rückspiegel, und der Blick hinein schweift über eine friedliche Kinderschar. Die "klare und fließende" Abfahrt in den Osterurlaub ist gesichert. Manche hielten das Interesse seines Unternehmens "in so etwas wie Feng Shui" möglicherweise für ungewöhnlich, sagte Aon-Chef Ian Cullen. Doch schon wenn einige Informationen aus der Studie Fahrern helfen könnten, ruhig und achtsam zu fahren, sei es "eine nützliche Übung".



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