Volvo-Elektronik Jedem eine Extrawurst

Mehr als drei Viertel aller Innovationen im Auto finden bei der Elektronik statt. Das hört man immer wieder, wenn man sich mit Entwicklungsingenieuren unterhält. Der schwedische Hersteller Volvo nutzt die Chips und Bus-Systems nun zur Personalisierung der Autos.


Multiplex-System bei Volvo: Wenn das Auto zum Neustart muss...

Multiplex-System bei Volvo: Wenn das Auto zum Neustart muss...

Die Volvo-eigene Programmiersprache trägt den Namen "Vulcano", was allein schon ganz gut veranschaulicht, wie explosionsartig sich die Elektronik im Auto ausgebreitet hat. Beim ersten Volvo aus dem Jahre 1927 gab es nur eine Hand voll elektrischer Komponenten: Batterie, Anlasser, Zündspule, Verteiler, Scheinwerfer und Hupe. Die Bordelektronik hatte ein Kabelaufkommen von gerade mal 30 Metern und kam mit vier Sicherungen aus.

In den siebziger Jahren jedoch begann die zunehmende Vermehrung von Komfortbauteilen wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, elektrische Sitzverstellungen, Alarmanlagen und aufwändige Musiksysteme. Zudem wurde die Technik um elektronische Bauteile wie Antiblockier-, Antischlupf- und Fahrstabilitätssysteme erweitert. Außerdem wurden komplexe Motorsteuerungen nötig, um die Abgaswerte und den Kraftstoffverbrauch in Grenzen zu halten. Das Resultat am Beispiel von Volvo: In einem V70-Kombimodell aus dem Jahre 1997 sind rund 1200 Meter Kabel, 54 Sicherungen und 20 Steuergeräte verbaut.

Volvo XC90: Die Bordelektronik wird den persönlichen Vorlieben des Fahrers angepasst

Volvo XC90: Die Bordelektronik wird den persönlichen Vorlieben des Fahrers angepasst

Rein physisch waren dieser Entwicklung Grenzen gesetzt, weshalb die Ingenieure komplexe elektronische Systeme entwickelten, um die Vielzahl der Komponenten miteinander zu verbinden und zu steuern. Die Entwickler bei Volvo nennen dieses Netzwerk Multiplex-System. Im Prinzip besteht dies beim aktuellen Volvo V70 aus lediglich zwei Leitungen, die quasi ringförmig durch das Auto laufen und an die sämtliche Verbraucher angeschlossen sind. Gesteuert wird der so genannte Daten-Bus von Rechnern mit Mikroprozessoren. Salopp gesagt ermöglicht diese Technik die Übertragung großer Datenmengen mit sehr hoher Geschwindigkeit. Die Vorteile eines solchen Systems sind die drastisch verringerte Zahl von Kabelverbindungen (und damit die Verringerung von Gewicht und möglichen Fehlerquellen), die Fähigkeit der Selbstdiagnose und die problemlose Installation von weiteren Elektronik-Bauteilen.

Volvo XC90: Kombi-Van mit Allradantrieb - und Multiplex-System

Volvo XC90: Kombi-Van mit Allradantrieb - und Multiplex-System

"Das aktuelle Volvo-Multiplex-System geht noch einen Schritt weiter", sagt Udo Bub, der Leiter des technischen Service der Marke in Deutschland. Dank der neuen "Vulcano"-Software sei es nämlich möglich, diverse Komfortfunktionen den persönlichen Vorlieben des Fahrers anzupassen. Bub: "Ist ihm zum Beispiel die erste Stufe der zweistufigen Sitzheizung nicht heiß genug oder die zweite Stufe zu heiß, so lässt sich das ebenso problemlos programmieren wie die Dauer der Wegbeleuchtung oder der wahlweise helle oder dunkle Hintergrund des Monitors." In Zukunft sollen sich auch die persönlichen Einstellungen wie bevorzugte Radiosender, Sitz- und Spiegeleinstellungen oder Navigationsziele vorprogrammieren, speichern und übertragen lassen. Der Sinn dieser Vernetzung: Volvo möchte einem Stammkunden künftig "einen Neuwagen exakt mit seinen persönlichen Einstellungen ausliefern", sagt Bub.

Sämtliche Daten aller Volvo-Neufahrzeuge sind auf einer zentralen Datenbank des Unternehmens in Göteborg gespeichert. Auf diesen Server haben Händler via Modem und Internet jederzeit Zugriff und können so jede benötigte Software auf den betriebsinternen Rechner laden. Schöne neue Auto-Zukunft: Wenn der Wagen nicht nur zum Ölwechsel, sondern auch mal wieder zum Neustart muss.



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