Datenanalyse in eigener Sache Männer und Frauen in SPIEGEL-Artikeln

Unsere Grafik zum Weltfrauentag veranschaulicht es: Männer kommen in SPIEGEL-Artikeln sehr viel häufiger vor als Frauen. Ein Hintergrund zu den Daten und ihrer Erhebung.

Dafür, dass Frauen die Hälfte der Gesellschaft ausmachen, sind sie in der Medienberichterstattung oft erstaunlich unterrepräsentiert. Dass das auch beim SPIEGEL der Fall ist, war uns klar. Anlässlich des Weltfrauentags wollten wir es aber genauer wissen: Wie oft kommen Frauen, wie oft kommen Männer in unserer Berichterstattung vor?

Das Ergebnis ist ernüchternd: Männer finden in SPIEGEL-Artikeln mehr als dreimal so häufig Erwähnung wie Frauen. Unser Chefredakteur Steffen Klusmann erklärt hier, welche Schlüsse wir daraus ziehen und wie wir dieses Verhältnis verändern wollen.

In unsere Auswertung sind rund 40.000 Artikel eingeflossen, die zwischen März 2020 und Februar 2021 erschienen sind. Bei einer solchen Menge führt man natürlich nicht händisch Strichliste, sondern greift zu technischen Hilfsmitteln. Unser Vorgehen möchten wir hier aus Gründen der Nachvollziehbarkeit dokumentieren.

Personen- und Geschlechtererkennung

Berücksichtigt wurden Texte aus dem gedruckten SPIEGEL und freie Texte von SPIEGEL.de. Texte, die exklusiv auf SPIEGEL+ erschienen sind, konnten aus technischen Gründen nicht berücksichtigt werden, eine systematische Verzerrung der Ergebnisse ist dadurch aber nicht zu erwarten.

Im ersten Schritt haben wir eine sogenannte Entitätenerkennung des Digas-Pressearchivs genutzt. Sie basiert auf maschinellem Lernen und identifiziert Personen, die in den Artikeln namentlich Erwähnung finden. Das bedeutet übrigens auch: Abstrakte Bezeichnungen wie »eine Sprecherin« oder »der Fahrer« konnten wir in unserer Auswertung nicht berücksichtigen. Die Personenerkennung funktioniert nicht perfekt, per Stichprobe konnten wir aber nachprüfen, dass die allermeisten erwähnten Personen korrekt erkannt wurden.

Im zweiten Schritt wurde den erwähnten Personen anhand ihres Vornamens ein Geschlecht zugeordnet. Dafür haben wir den Dienst Genderize.io  genutzt, der je Vorname neben dem mutmaßlichen Geschlecht auch eine Wahrscheinlichkeit zurückspielt. Personen, deren Vorname nicht oder nur mit niedriger Wahrscheinlichkeit einem Geschlecht zugeordnet werden konnte, wurden händisch kategorisiert.

Die Zuordnung über Vornamen geht von einem binären Geschlechterbegriff aus, bei dem nur »Mann« oder »Frau« möglich sind. Von dieser Vorstellung hat sich zwar inzwischen selbst das deutsche Meldewesen mit Einführung der Angabe »divers« verabschiedet. Bei einer weitgehend automatisierten Zuordnung kommen wir daran aber im Moment nicht vorbei.

Bei der Auswertung wurden in den rund 40.000 Artikeln etwa 135.000 namentliche Erwähnungen gefunden. Davon entfallen 107.000 auf Männer und 28.000 auf Frauen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt beispielsweise auf rund 2300 Erwähnungen. Das bedeutet, sie wird in 2300 Artikeln namentlich erwähnt; innerhalb eines Artikels kann sie mehrfach genannt werden, ohne dass sich ihr Zähler weiter erhöht.

In 42 Prozent der untersuchten Artikel werden nur Männer namentlich erwähnt, in sechs Prozent nur Frauen. In 31 Prozent kommen sowohl Männer als auch Frauen vor, in 21 Prozent der Artikel wurden keine namentlich genannten Personen erkannt.

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Zur Erinnerung: Die händische Strichliste käme womöglich auf geringfügig andere Werte – Personen- und Geschlechtererkennung funktionieren nicht perfekt. Wie viel Raum die erwähnten Frauen und Männer jeweils in unseren Artikeln einnehmen, lässt sich mit der verwendeten Methodik auch nicht erfassen. Doch die beschriebene Tendenz und ihre Größenordnung sind natürlich eindeutig: Männer sind in der SPIEGEL-Berichterstattung deutlich überrepräsentiert.