In eigener Sache SPIEGEL schafft Ombudsstelle

Der SPIEGEL hat ein Gremium eingerichtet, das Hinweise auf Unregelmäßigkeiten entgegennimmt und diesen nachgeht. Für Hinweisgeber, die anonym bleiben wollen, gibt es einen eigenen Kanal.
Das Verlagsgebäude des SPIEGEL in Hamburg

Das Verlagsgebäude des SPIEGEL in Hamburg

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Maxim Sergienko/ DER SPIEGEL

Anfang 2019 haben Chefredaktion und Geschäftsführung des SPIEGEL eine dreiköpfige Kommission damit beauftragt, die Vorgänge rund um den Fälschungsfall Claas Relotius aufzuklären. Ende Mai 2019 hat der SPIEGEL den Abschlussbericht der Kommission veröffentlicht und angekündigt, den darin enthaltenen klaren Empfehlungen zu folgen und unterschiedliche Maßnahmen zu ergreifen, um einen Wiederholungsfall zu verhindern.

Nachdem der SPIEGEL unter anderem seine journalistischen Standards für Recherche, Erzählung und Verifikation überarbeitet und in einem verbindlichen Leitfaden, den SPIEGEL-Standards, zusammengefasst hat, ist nun außerdem wie geplant eine Ombudsstelle eingerichtet worden, die unter ombudsstelle@spiegel.de  Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Berichterstattung entgegennimmt und diesen nachgeht. Ihr gehören drei Personen an: Susmita Arp, Dokumentationsjournalistin beim SPIEGEL, Stefan Weigel, Nachrichtenchef beim SPIEGEL, und Jan Siegel, Leiter der Rechtsabteilung beim SPIEGEL.

Auch der anonyme Meldeweg ist möglich: Hinweisgeber, die dem SPIEGEL gegenüber ungenannt bleiben wollen, können an den externen Rechtsanwalt Tilmann Kruse unter Hinweisgeber-SPIEGEL@bmz-recht.de  schreiben. Dieser gibt vollständig anonym die Hinweise, die sich auf journalistische, aber auch auf sonstige Themen (zum Beispiel Compliance) beziehen können, an die Ombudsstelle oder an andere zuständige Gremien des SPIEGEL (zum Beispiel den Compliance-Beauftragten) weiter.

Die Aufklärungskommission zum Fall Relotius, die aus Nachrichtenchef Stefan Weigel und der freien Journalistin und ehemaligen Chefredakteurin der Berliner Zeitung Brigitte Fehrle besteht, wird durch die Ombudsstelle abgelöst, verfolgt aber die restlichen Hinweise aus dem Relotius-Zusammenhang weiter und dokumentiert gegebenenfalls die Ergebnisse (etwa die Recherche zur Titelgeschichte "Der Todesschuss" aus DER SPIEGEL 27/1993).

Mitglieder der Ombudsstelle:

Susmita Arp, 51, seit 2011 Dokumentationsjournalistin beim SPIEGEL für den Deutschlandteil. Nach einem Studium der Indologie, Religionswissenschaft und asiatischen Geschichte arbeitete sie als Wissenschaftlerin, später auch für die Verifikationsabteilungen von "Geo" und "Stern". Sie leitet seit 2016 Workshops für Fact-Checking, unter anderem an der Henri-Nannen-Schule.

Jan Siegel, 51, seit 2011 Leiter der Rechtsabteilung im SPIEGEL-Verlag. Er ist Prokurist und Compliance-Beauftragter des Unternehmens. Er gehört außerdem als eines von 28 Mitgliedern dem Deutschen Presserat an.

Stefan Weigel, 54, seit Januar 2019 Nachrichtenchef des SPIEGEL. Davor war er zuletzt stellvertretender Chefredakteur der "Rheinischen Post" und der "Financial Times Deutschland" und dort unter anderem für juristische und Compliance-Fragen zuständig. Weigel war Mitglied der dreiköpfigen Aufklärungskommission zum Fall Relotius.

Externer Rechtsanwalt:

Tilmann Kruse, 55, war bis 2016 langjähriger Leiter der Rechtsabteilung und Chief Ethics and Compliance Officer eines internationalen Medienunternehmens mit Sitz in Hamburg, wo er bei zahlreichen Gesellschaften Compliance-Systeme eingeführt und interne Untersuchungen durchgeführt hat, insbesondere im Kartellrecht und im Bereich der Korruptionsbekämpfung und -prävention. Seit 2017 ist er als Anwalt tätig.

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