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Artikel 75 / 76

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die steigenden Mieten, die Grünen, Klimaproteste, das Tempolimit der evangelischen Kirche und Medienkritik – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 48/2022

Am Rand des Ruins

Heft 47/2022 Drei Zimmer, Küche, Bankrott

  • Wohnraumknappheit entsteht durch Zuzug und durch Auflockerung. Würden jetzt Heizkosten nicht subventioniert, würde sich die Auflockerung ins Gegenteil umkehren: Kinder würden später ausziehen, Witwen eher in kleinere Wohnungen umziehen, freie Zimmer an Studenten vermietet. Die Bundesregierung erzeugt derzeit mit ihrer Heizkostensubventionierung Wohnraumknappheit.
    Wolfgang Maucksch, Herrieden (Bayern)

  • Die jahrzehntelange Vernachlässigung auch des sozialen Mietwohnungsbaus hat die Mieten so unanständig nach oben getrieben, dass sich viele Familien trotz eines zu schmalen Budgets quasi dazu genötigt sahen, statt Miete an Miethaie lieber Abtragungen an Banken zu entrichten, was nun vielfach in einen Albtraum mündet. Dieser Aspekt, der auch auf das Konto der Politik geht, findet leider zu wenig Beachtung. Wie auch immer: Die politische Verpflichtung zu Artikel 1 des Grundgesetzes (Menschenwürde) dürfte einen »Albtraum Wohnen« gar nicht zulassen.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Ich bin ja sehr für eine kritische journalistische Begleitung der amtierenden Regierung, aber sie sollte fair sein: Wie es der Bauministerin gelingen sollte, bei einem Amtsantritt Ende 2021 bereits im Jahr 2022 die genannte Zielgröße von 400.000 Neubauten zu erreichen, bleibt ein Geheimnis des Autors. Entweder, er kennt die Planungs- und Realisierungsfristen im Wohnungsbau nicht, dann sollte er über andere Themen schreiben, oder er kennt sie und will bösartig sein, dann sollte er besser gar keine Artikel im SPIEGEL schreiben.
    Peter Mewes, Hamburg

  • Die Werbung vom SPIEGEL-Buchverlag auf Seite 13 für das Kochbuch von Sebastian Maas (»Gar es ohne Bares!«) passt auf sehr tragische Weise zum Immobiliendrama in unserem Land: »Für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit.« Unsere deutsche Mittelschicht eben.
    David Malecki, Tübingen

  • Seit Jahren betreiben die Lobbyisten von Haus und Grund ein perfides Einflusssystem, um Mieter an den Rand des Ruins zu führen. Für eine Energiesanierung an einem vermieteten Zweifamilienhaus werden dann schon einmal 70.000 Euro angesetzt, und die Miete wird von 700 Euro auf 1200 Euro angehoben unter Androhung von Kündigung bei Einspruch. Selbstverständlich bleibt die Miete so hoch, auch wenn die Maßnahmen sich schon längst amortisiert haben. Mit Steuer-, also auch Mietergeldern. Zudem könnten Tausende von Wohnungen dem Mietermarkt zugeführt werden, wenn Zweit- oder meist leer stehende Ferienwohnungen effektiv besteuert würden.
    Detlev Neufert, Bernau am Chiemsee (Bayern)

Nackenschmerzen vom Kopfschütteln

Heft 46/2022 Kolumne »Die da unten«: Himmelfahrtskommando 

  • Ja, ihr steht für Vielfalt, sehr zu begrüßen. Und deshalb lasst ihr auch regelmäßig Menschen wie Nikolaus Blome oder Anna Clauß ihre Meinung von sich geben. Dass ihr aber Frau Clauß unreflektiert behaupten lasst, dass Menschen, die auf der Autobahn 100 Kilometer pro Stunde fahren, andere Menschen, die 200 fahren, gefährden – sorry, das ist gefährlicher Unfug. Wer 200 fährt, muss jederzeit damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmer:innen (oder er/sie selbst) Fehler machen. Ein Lkw fährt nur 100. Nun soll ein Pkw, der 100 fährt, auf einmal Menschen gefährden? Nein, das tut der, der in der Situation zu schnell fährt. Erst mal macht es ja nichts, Frau Clauß muss jederzeit Unfug behaupten dürfen. Aber dieses Narrativ, das nicht nur Union und FDP, sondern auch die AfD sehr gerne hochhalten, erhält halt durch den SPIEGEL auf einmal die vermeintliche Sachlichkeit. Und das ist nicht nur für die Glaubwürdigkeit des SPIEGEL schlecht, sondern vor allem für die Gesellschaft.
    Dirk Jugov, Lörrach (Bad.-Württ.)

  • Echt jetzt? Frau Clauß ist der Meinung, wenn ein Fahrer mit Tempo 200 auf einen anderen mit Tempo 100 auffährt, ist es die Schuld des Vorausfahrenden? Denkt sie tatsächlich, Fahrer mit Tempo 100 verursachen Staus und gefährden Menschenleben? Ich kann es nicht glauben. Ich habe schon Nackenschmerzen vom Kopfschütteln.
    Jürgen Rolser, Sinzig (Rhld.-Pf.)

  • Zunächst einmal gebührt dem SPIEGEL ein Lob für seine Meinungsvielfalt bei den Kolumnen. Das ist bisweilen lehrreich, manchmal ärgerlich – oder auch peinlich, wie beim »Himmelfahrtskommando« von Anna Clauß. Ihr kluger Fahrlehrer hat natürlich recht, wenn er vor dem Kriechen auf Landstraßen warnt. Aber meinte er damit auch Tempo 100 auf Autobahnen? Wer ohne ausreichende Beschleunigung überholt, gefährdet den Verkehr, richtig. Das kann man mit 50, 100 oder 200 Kilometern pro Stunde. Mit 100 gefährdet man Menschenleben? Mit 200 nicht? Auf jeden Fall gefährdet zu viel CO2-Ausstoß Menschenleben – nämlich unser aller. Deswegen brauchen wir dringend ein Tempolimit. Und jede(r), der oder die vorher schon freiwillig langsamer fährt, ist auf dem rechten Weg.
    Stefan Siller, Stuttgart

  • Wenn ich mein Tempo von 130 auf 100 Kilometer pro Stunde reduziere, dann verbrauche ich rund 25 Prozent weniger Treibstoff. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich durch ignorantes und dummes Fahrverhalten rund ein Viertel mehr Treibstoff verbrauche, als erforderlich wäre, um von A nach B zu kommen. Klimakatastrophe? Vielleicht braucht es erst das Kippen des Golfstroms, damit wir dann mit 80 über die Autobahn zuckelnd versuchen, da noch etwas zurückzubiegen.
    Fred Ludwig, Aalen (Bad.-Württ.)

Eine verzweifelte Generation

Heft 46/2022 Was darf der Klimaprotest? 

  • Die jungen Aktivisten der »Letzten Generation« sind – infolge mangelnder Lebenserfahrung – überzeugt, die Bürger mit ihrer Klebeaktion auf die schrecklichen Folgen eines Klimakollapses aufmerksam zu machen. Warum weisen ihre erfahreneren Gesinnungsgenossen sie nicht darauf hin, dass sie mit derartigen Methoden bei der Mehrheit der Bevölkerung das Gegenteil erreichen? Um erfolgreich zu sein, muss man die Menschen mitnehmen, anstatt sie gegen sich aufzubringen. Greta Thunberg ist das gelungen: Ihre glaubwürdige Verzweiflung hat auch uns Ältere zum Nachdenken gebracht. Und darüber hinaus zahlreiche Politiker, die nicht der grünen Partei angehören.
    Annemarie Fischer, Wielenbach (Bayern)

  • Wie respektlos muss man sein, um sich wie Trophäen von der Polizei wegtragen zu lassen? Diese hat Besseres zu tun. Warum wird nicht bei den schlimmsten Verursachern protestiert, China oder Russland?
    Heitrud Neuwirth-Trautmann, Oberhausen (NRW)

  • Der Unfall der Frau in Berlin ist ein sehr trauriges Ereignis. Die Art, wie es im Zusammenhang mit den Protestaktionen der »Letzten Generation« diskutiert wird, ist jedoch scheinheilig. Der Tod der Frau wird instrumentalisiert. Bei fast jeder Demonstration und bei vielen Großveranstaltungen kommt es zu Staus, in denen Einsatzfahrzeuge stecken bleiben können. Ich halte die Blockadeaktionen nicht für zielführend, aber angesichts der dramatischen Entwicklung, die da auf uns zukommt, für verständlich.
    Willi Seipp, Grevenbroich (NRW)

  • Sandra Umann ist aus einem einzigen Grund ums Leben gekommen: Weil Lkw noch immer nicht per Gesetz mit elektronischen Warnsystemen und Abbiegeassistenten ausgestattet sind, obwohl es die relevante Technik seit Langem gibt. Schuld hieran ist allein die Lobby der Logistikbranche und der Transportunternehmer. Tausende tödliche Unfälle von Radfahrern hätten so schon vermieden werden können.
    Renate Fink, Osterwieck (Sachs.-Anh.)

  • Über den Sinn und die Methoden der Akteure der »Letzten Generation« kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Und ob die Radfahrerin in Berlin ohne die Blockade hätte gerettet werden können – diese Frage zu klären ist Aufgabe der Ermittlungsbehörden. Allerdings sei daran erinnert, dass ohne ein Tempolimit auf Autobahnen dort ein Drittel mehr Menschen ums Leben kommen, als wenn wir eine Geschwindigkeitsbegrenzung hätten. Und angesichts dessen hört man wenig an öffentlicher Empörung.
    Wulfhard Bäumlein, Bad Vilbel (Hessen)

  • Es macht einen zutiefst traurig zu sehen, wie eine verzweifelte junge Generation, die weiß, dass ihre Zukunft düster aussieht, auf eine alte trifft, die in völliger Ignoranz ihres Anteils daran beschlossen hat, dass sie lieber die menschliche Zivilisation zugrunde gehen lässt, als auch nur eine Winzigkeit ihres blöden Wohlstands aufzugeben. Was sind wir doch für eine erbärmliche Spezies.
    Gebhard Boddin, Hamburg

  • Dass Klimaaktivisten in Bayern jetzt »vorbeugend« für vier Wochen eingesperrt worden sind, ist ein Skandal. Wenn Piloten, Lokführer und Fluglotsen streiken, ist alles blockiert, aber niemand beschwert sich. Wir sollten die Klimaaktivisten nicht einsperren, sondern ihnen dafür danken, dass sie uns jeden Tag an unser zerstörerisches Verhalten erinnern.
    Bernd Brösecke, Konstanz

  • Auch bei mir lösen die Blockaden der »Letzten Generation« Emotionen aus – vor allem Scham, weil ich nicht selbst dort klebe.
    Johannes Much, München

Höhere Form von Schwurbelei

Heft 46/2022 Die vierte Gewalt: Wie eine populistische Medienkritik ein Monster schuf, das es nicht gibt 

  • Herzlichen Dank an Professor Pörksen für die strukturelle Analyse des Buches des Autorenduos Precht und Welzer. Aber, wozu zwei Seiten, wenn zwei Spalten genügt hätten? Hier bekommt wieder mal eine lautstarke, wenn auch bemüht akademisch-wortgewandte Minderheit viel zu viel mediale Aufmerksamkeit. Auch wenn man über die Darstellung der Meinungsvielfalt in den Medien trefflich streiten kann, so sind die Ausführungen von Precht und Welzer in dieser Form letzten Endes doch nur eine weitere, höhere Form von Schwurbelei, die vor allem eines aufzeigt: Intelligente Menschen sind nicht zwangsläufig klug.
    Christoph Schneppenheim, Berlin

  • Wie Herr Pörksen »Die vierte Gewalt« mit ganz viel Furor und Polemik als populistisches Thesenbuch abqualifiziert – herrlich! Hyperventilation pur. Besonders lustig der letzte Satz, wenn nach seinem Verbalgemetzel echter Austausch und Diskurs angemahnt werden. Der Schuss hat offenbar gesessen, die Kritik von Welzer und Precht ins Schwarze getroffen. Leider kam sie etwas spät. Inzwischen gibt es jenseits des Mainstreams ein breites Spektrum an qualitativ hochwertigen Publikationen, ob im Netz oder als Print, für ein Publikum, das eine Vielfalt an Perspektiven nicht nur erträgt, sondern goutiert. Der Markt wird es schon richten, da bin ich optimistisch.
    Mary Lange, Berlin

  • Endlich jemand, der diese »Parteinahme im Gewand einer wolkig-wohlklingenden Argumentation«, wie es Bernhard Pörksen formuliert, ihres Bombasts entkleidet. Wenn das Gros von Presse, Rundfunk und Fernsehen, der Journalisten schlechthin, der Meinung ist, dass Putins Überfall zu verurteilen ist, Minderheiten mehr Rechte erfahren sollten und die Menschenrechte Richtschnur des Handelns sein müssen, ist dieses keine Selbstangleichung, schon gar keine »Selbstgleichschaltung«, sondern der Ausdruck und das Ergebnis guten, freien Journalismus. Und die Empfehlung Prechts, Servus-TV zu schauen, ist peinlich und ein Armutszeugnis für einen Intellektuellen.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

  • Der Artikel bestätigt die Richtigkeit der Thesen der Autoren, für die ich persönlich keinerlei Sympathie empfinde. Deutlich wird das bei der Einstufung der Talkshow »Hangar-7« – die ich nie gesehen habe – als Nischensendung, in der auch Verschwörungstheoretiker und so weiter zu Wort kämen. Genau das möchte aber die mündige Bürgerin bzw. der mündige Bürger: Sich selbst einen Eindruck verschaffen und sich dann ein Urteil bilden – nicht aber, die einzig politische korrekte Auffassung vorgegeben zu bekommen.
    Max Kühnel, Heidelberg

  • Etwas weniger an Wortgeklingel hätte dem nicht unwichtigen Debattenbeitrag gutgetan. Eine ermüdende Lektüre mit zu geringem Erkenntnisgewinn.
    Hans-Jürgen Siebert, Rohna (Thür.)

  • Ich möchte Bernhard Pörksen zu seinem genialen Artikel gratulieren! Fantastisch, wie er unsere beiden »Ultraintellektuellen« analysiert und in ihrer Verlogenheit vorführt und auch mir, ich gestehe es, letztendlich die Augen geöffnet hat.
    Peter Weigel, Konstanz

Darling und Schmerzensmann

Heft 46/2022 Die Rivalität zwischen Robert Habeck und Annalena Baerbock belastet die Grünen 

  • Wozu ist es wichtig zu wissen, dass die beiden Spitzenpolitiker:in möglicherweise derzeit ein angespanntes Verhältnis zueinander haben? Viel wesentlicher finde ich die unter diesen Umständen geleistete Arbeit, die ich trotz mancher Stockfehler bewundere. Ich finde, der SPIEGEL begibt sich auf Tratsch-Niveau: erbärmlich und stillos!
    Inken Pape, Essen

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