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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Der Krieg in der Ukraine und wie die Ukrainer der russischen Übermacht trotzen, sowie die fehlende Strategie für Biogas als Energiequelle – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 13/2022

Dies ist kein Film!

Heft 12/2022 Titel: Die Unbeugsamen 

  • Das aktuelle Cover spricht mir bildlich aus der Seele. Für mich sind das Helden, die ums Überleben ihres Landes, ihre Ehre und ihre Freiheit kämpfen. Danke auch, dass der SPIEGEL klar und kritisch über Putins Politik berichtet. Es gibt zu viele »Putinversteher« – auch in unserer Gesellschaft –, die selbst für Krieg, Unterdrückung und Vertreibung von Millionen Kindern und Frauen aus ihrer Heimat noch einen Rechtfertigungsgrund finden. Das ist erbärmlich!
    Marc Straube, Potsdam

  • Ohne den Respekt gegenüber den ukrainischen Widerständlern zu mindern, hat mich dennoch Ihr Titelbild unangenehm berührt. Ihre martialische, heroische Darstellung in Hollywood-Rambo-Manier verleiht den furchtbaren kriegerischen Handlungen, dem Sterben und Leiden vieler Menschen einen verherrlichenden, kriegspielerischen Aspekt und bringt meines Erachtens die Schrecken auf ein geschmackloses Boulevard-Niveau.
    Werner Wulf, Hamburg

  • Putin muss für mich schon lange als Kriegsverbrecher angeklagt und verurteilt werden. Und der Ukraine muss mit allen Mitteln, die nicht zu noch mehr und gefährlicherer Eskalation führen, geholfen werden. Aber das allgemeine unkritische Hochjubeln von Herrn Selenskyj geht mir gehörig auf den Geist. Er verheizt sein Volk und sein Land mit Durchhalteparolen, anstatt eine Alternative zu suchen, die noch etwas übrig lässt von Menschen und Städten. Die unaufhörliche Forderung nach mehr Waffen und die Versuche, andere Länder in den Krieg zu ziehen, finde ich ebenso unerträglich wie den an amerikanische Heldenfilme erinnernden Titel »Die Unbeugsamen«.
    Gunther Weckherlin, München

  • Dass das Titelbild an ein Kinoplakat für einen Blockbuster erinnert, ist sicherlich gewollt. Und bestimmt bin ich nicht der Einzige, der sich daran stößt. Aber auch wenn wir uns wünschen, dass bald der Abspann über die Leinwand flimmert und wir uns von den Kinosesseln erheben können: Dies ist kein Film! Dessen sollte sich auch der SPIEGEL bei der Gestaltung des Titelbildes bewusst sein.
    Christian Bartels, Gnadau (Sachs.-Anh.)

  • Der zu Beginn seiner Amtszeit von vielen unterschätzte Wolodymyr Selenskyj hat sich für sein Land in Kenntnis seiner Verantwortung mächtig ins Zeug gelegt. Er zeigt Heldenmut und vermittelt seinen Landsleuten Zuversicht, auch einem übermächtigen Gegner Paroli bieten zu können. Er macht sich zum Grundsatz: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und Selenskyj kämpft! Ein bewundernswerter Zeitgenosse – angstfrei und vorbildhaft.
    Horst Winkler, Herne

  • Es stellt sich die Frage, warum alle deutschen Regierungen und »der Westen«, wer immer das auch sein mag, nicht spätestens im Jahr 2014 nach der Annexion der Krim gemerkt haben, wohin sich Russland unter Putin bewegt. Man hat die Ukraine viel zu lange allein gelassen und sich gleichzeitig über viele Jahre hinweg zunehmend abhängiger von russischen Rohstofflieferungen gemacht. Immer in der – leider falschen – Hoffnung, dass der russische Präsident die Dinge, die er sagt, nicht so meint. Was für ein unglaublicher Irrtum!
    Michael Kaiser, Stuttgart

  • Wenn Friedensnobelpreis, dann an Marina Owsjannikowa! Warum? Weil sie für ihren fünf Sekunden dauernden Fernsehauftritt, bei dem sie Frieden fordert, mit mehreren Jahren Haft in russischen Gefängnissen rechnen muss.
    Rainer Zörlein, Satteldorf (Bad.-Württ.)

  • Je länger der Krieg dauert, desto größer sind menschliche und sachliche Verluste für die Ukraine. Russlands Chancen auf einen Waffenstillstand zu seinen Gunsten steigen hingegen. Selenskyj möge um seines Volkes willen schnell Zugeständnisse machen, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern. Verträge, geschlossen unter Bombenhagel, haben eine Bedeutung wie Geständnisse unter Folter. Niemand wird ihm und den Ukrainern Unredlichkeit oder gar Betrug vorwerfen, wenn sie diese Verträge später ignorieren.
    Prof. Dr. Alfred Wirth, Melle (Nieders.)

Weder gesehen noch gewollt

Heft 11/2022 Wie Klaus von Dohnanyi sich in Putin getäuscht hat 

  • Herr von Dohnanyi hat sich geirrt. Er gibt diesen Irrtum zu, und das ist nobel und ehrenvoll. Wir haben uns allerdings alle geirrt. Niemand hat geglaubt, dass Putin einen brutalen Vernichtungskrieg beginnt, weil das für jeden geistig normalen Menschen unvorstellbar ist. Am meisten geirrt aber hat sich Putin, weil er nicht gewinnen kann. Er kann nur die Ukraine in eine Mondlandschaft verwandeln.
    Rainer Kollewe, Laer (NRW)

  • Auch ich habe mich geirrt, habe den Fehler gemacht, die Dinge von ihrem Ursprung aus zu betrachten und nicht vorausschauend mit den gegenwärtigen Verwerfungen hantiert. Uns alle hat die Intensität der Aggression eines außerhalb aller globalen Interessen agierenden Landesfürsten mit rückwärtsgewandten territorialen Ansprüchen sprachlos gemacht. Ich lasse mich, auch in meinem eigenen Interesse, dazu herab, Herrn von Dohnanyi und mir selbst zu sagen: Wir haben das weder kommen sehen noch gewollt. Ich werde Ihr Buch also dennoch lesen und, wie Sie offensichtlich auch, die Zeichen dieser Zeit erkennen.
    Ulli Stein, Erlangen (Bayern)

  • Zugegeben, auf den ersten Seiten habe ich gedacht: Oh je. Was für ein Missgeschick. Aber sein Irrtum über die unvorhersehbare Idiotie Putins ändert doch gar nichts an der Richtigkeit seiner Analyse des euro-atlantischen Sicherheitsproblems und an den von ihm dargestellten unterschiedlichen Interessenlagen Deutschlands, Europas und der USA. Und auch die Darstellung grundsätzlicher Fehler der USA in ihrer Russlandpolitik nach 1990 bleibt unabhängig von der Kriminalität Putins richtig.
    Dr. Klaus Dreessen, Schlangenbad (Hessen)

  • Sie schreiben »Seine ganze Familie ist bekannt: Sein Vater Hans war auch im NS-Widerstand.« Hans von Dohnanyi ist am 9. April 1945 im KZ Sachsenhausen von den Nazis ermordet worden. Er hat seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime mit seinem Leben bezahlt – dem wird Ihre Formulierung nach meinem Empfinden nicht gerecht.
    Stefan Endter, Hamburg

Augstein würde sich bedanken

Heft 11/2022 Kolumne Die da unten: Waren wir naiv? 

  • In der Sondersitzung zum russischen Überfall auf die Ukraine warf AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel der Regierung vor, sich statt mit realen Problemen mit »Gender-Gaga« und ideologischen Experimenten beschäftigt zu haben. Dass der SPIEGEL in einer missratenen Glosse nun in eine ähnliche Kerbe haut und den Münchner Bürgerausschuss Haidhausen-Au für seine Anregung, Einladungen künftig in moderner Sprache zu formulieren, nicht nur kritisiert, sondern diesen Vorstoß angesichts der Weltkrisen seine Berechtigung wie seine Bedeutung abspricht, ist – mit Verlaub – komplett daneben. Weil das Thema nicht verfängt, tut es auch die Schlusspointe nicht. Wo Herr Putin landen wird, wissen wir nicht. Aber sicher nicht am selben Ort wie das Gendersternchen.
    Karin Unkrig, München

  • An Formulierungen wie »in der Hölle wäre er gut aufgehoben« muss man sich im führenden deutschen Nachrichtenmagazin erst gewöhnen. Jammerschade. Außerdem ist das eine eindeutige Befürwortung katholischer Glaubenspositionen. Im Impressum des SPIEGEL steht Rudolf Augstein nach wie vor in der ersten Zeile als Herausgeber. Der würde sich bedanken.
    Rainer George, Schwalmstadt (Hessen)

  • Wie auch immer Sie es geschafft haben, in die »Niederungen« der Münchner, ja sogar der Au-Haidhauser Lokalpolitik hinabzustoßen: Es ist Ihrer Aufmerksamkeit anscheinend entgangen, dass der Antrag auf die Umbenennung der Bürgerversammlung in Bürger*innenversammlung am 16. Februar 2022 im Bezirksausschuss gestellt wurde. Das heißt: nicht in der Zeit eines Krieges in Europa. Natürlich gibt es auch Amtsschimmel und alberne Anträge, aber hüten Sie sich, demokratische Strukturen ins Lächerliche zu ziehen, nur weil Ihnen ein bestimmter Antrag komisch vorkommt. Dass Ihnen ausgerechnet die gendergerechte Sprache komisch vorkommt, ist meiner Ansicht nach nicht besonders originell, über dieses Thema sind doch weiß Gott genug Argumente ausgetauscht worden.
    Kathrin Taube, München

  • Dass die Truppe in Moskau sich nicht darum schert, ob wir gendern oder ob hier jemand »für Gleichberechtigung betet«, dürfte jedem, der sich im Hier und Jetzt der Realpolitik aufhält, klar sein – auch dass es bei Weitem nicht sicher ist, ob Putin irgendwann vor irgendeinem Gericht sitzen wird. Wer also ist naiv?
    Rolf Lorenz, Stuttgart

Ökologisch kontraproduktiv

Heft 11/2022 Die Politik hat versäumt, eine nachhaltige Strategie für Biogas zu entwickeln 

  • Warum werden bei den erneuerbaren Energien eigentlich immer die Biogasanlagen vergessen? Können sie doch laut Experten bis zu 30 Prozent des Bedarfs ersetzen. Und weiter: Übrig bleibt eine Menge guter Humuserde, die den immer teurer werdenden Kunstdünger ersetzen kann. Im Moment kippen viele Bauern auch mit Stroh versetzte Gülle auf die Felder, weil Kali im Moment nicht lieferbar ist. Und noch einen Vorteil gibt es: Der Boden wird nicht mehr überdüngt, was ja in vielen Gebieten Deutschlands das Grundwasser versaut und zu Strafzahlungen an die EU führt. Einziger Nachteil: Der Bau neuer Anlagen dauert zu lange.
    Joachim Kussin, Bremerhaven

  • Liest sich gut, scheint plausibel. In der Realität läuft es aber anders. So wie hier in Karft, Nähe Schaalsee. Hier hat ein undurchsichtiges Konsortium von ehemals niedersächsischen Güllebaronen die Biogasanlage schon lange für Stinkendes von überall her geöffnet. Die vielen Ladungen von Schlachtabfällen, zeitweise mit Verpackung gehäckselten Kantinenessen oder Tierexkrementen kommen per Lkw aus Cloppenburg, Vechta, teils von noch weiter her und meist nachts. Werden also eher hunderte Kilometer rangekarrt und nicht von rund um den Kirchturm. Nach intensivem Betrieb der letzten 15 Jahre ist das Oberflächengrundwasser hier in der Gegend (so Messungen des Wasserbeschaffungsverbandes) derart belastet, dass man das Gemüse im Garten nicht damit gießen sollte. Wenn die Gärreste dann ausgebracht werden, stinkt es über Wochen immer wieder erbärmlich, die Straßenränder werden durch Kolonnen von breiten Schwersttraktoren (mit Ausnahmegenehmigung) kaputtgefahren. Ganz sicher würden hier viele Bürger wünschen, dass diese Importgülle-Unternehmer lieber Schafe züchten.
    Michael von Klodt, Karft (Meckl.-Vorp.)

  • Die Gülle aus den Massentierhaltungen wird nach wie vor in gesundheitsgefährdendem Ausmaß (Nitrit im Grundwasser, multiresistente Keime) als »Dünger« auf die Felder ausgebracht, während für die Entsorgung geeignete Biogasanlagen vorwiegend mit Mais gefüttert werden. Maisfelder, die nicht nur der Nahrungsmittelproduktion entzogen werden, sondern auch durch Pestizide und Pflanzenschutzmittel ökologisch absolut kontraproduktiv sind.
    Paul Korf, Hamburg

  • Würden alle deutschen Agrarflächen, die für die Biogasproduktion genutzt werden, mit Freiflächenfotovoltaik versehen, so würde das ein Drittel des gesamten deutschen Energiebedarfes decken. Der Energieimport könnte halbiert werden. Mit Solarpaneelen wird pro Hektar vierzig Mal so viel Energie erzeugt wie mit Mais oder Ähnlichem für die Biogasproduktion. Dieser Maisanbau benötigt viele Agrar- und EG-Subventionen, beeinträchtigt Arten, Boden und Grundwasser, erhöht die Trinkwassergebühren und verdrängt Biolandbau. Nur manche Landwirte loben Biogas.
    Wolfgang Maucksch, Herrieden (Bayern)

Heft 11/2022 First Lady Elke Büdenbender und Transplantationsmediziner Eckhard Nagel im SPIEGEL-Gespräch über ein richtiges Leben und einen guten Tod 

  • Ich auf jeden Fall würde mein Alter mit all seinen Einschränkungen viel entspannter annehmen, wenn ich wüsste: Ich kann mich jederzeit würdevoll im Kreise meiner Familie von ihr und dem Leben verabschieden.
    Name und Wohnort der Redaktion bekannt

Heft 11/2022 Familienalbum – »Todespiste, 1991« 

  • Das möchte ich im SPIEGEL nicht lesen – Abenteuerberichte von alten weißen Männern; von einem, der, um der Langeweile zu Hause zu entfliehen, trotz Warnung durch ein Kampfgebiet fährt und dann mitleidlos zur Kenntnis nimmt, wie seinem malischen Begleiter ins Bein geschossen und ein Ohr abgeschnitten wird. Und der heute zu dem Schluss kommt: »Ich bereue es nicht, es war ein Abenteuer.«
    Silke Jaruszewski, Wuppertal

Heft 11/2022 Neue Regeln für mehr Spannung in der Formel 1 

  • Wäre es angesichts der Krisen und Nöte dieser Welt nicht langsam an der Zeit, diesen ganzen Blödsinn abzuschaffen? Da jetten höchstbezahlte Fahrer und Teams ständig um die Welt und blasen Kerosin und Benzin in die Luft, um überall ein paar Runden im Kreis zu fahren. Das ist wirklich nicht mehr zeitgemäß.
    Ralf Fäckenstedt, Berlin

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