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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Zum SPIEGEL-Jubiläum haben uns sehr viele bewegende, persönliche, zustimmende wie kritische Zuschriften von Leserinnen und Lesern erreicht, so dass wir diese Seite ausnahmsweise nur diesem Thema widmen. Wir bedanken uns für Ihre Treue!
aus DER SPIEGEL 3/2022

Das ist wahre Liebe!

Heft 2/2022 Titel: Unbequem seit 1947 

  • Der SPIEGEL gehörte als bevorzugte Lektüre über Politik und das Geschehen in Deutschland und der Welt zum größten Teil meines bisherigen Lebens – 86 Jahre! Schon die negativen Kommentare der letzten Zeit durch die Anhänger einer bestimmten politische Richtung, Querdenker und Coronaleugner, sind der Beweis dafür, wie wichtig der SPIEGEL für die (Gott sei Dank) nicht immer neutrale Berichterstattung in Deutschland ist. Habe mich selbst auch schon einige Male in Leserbriefen kritisch zu Artikeln geäußert, aber heute nur Lob mit dem Wunsch auf viele weitere erfolgreiche Jahre!
    Franz Koshorst, Kassel

  • Während der SPIEGEL sein 75-jähriges Bestehen feiert, begehe ich im kommenden Monat stolz mein 17-jähriges SPIEGEL-Jubiläum. Eingestiegen mit einem Schülerabo als 16-Jährige, bin ich nun 33 Jahre alt und kann mir ein Leben ohne den wöchentlichen SPIEGEL nicht mehr vorstellen. Er hat mich durch das Ende der Schulzeit, mein Studium sowie den Berufsanfang und -alltag begleitet und ich ließ ihn mir sogar zwei Jahre lang während eines Auslandsaufenthalts nach England schicken. In diese Zeit fällt auch die einzige Ausgabe, die ich nicht gelesen habe. Damals musste ich empört feststellen, dass die englische Post schon bei leichtem Schneefall ihre Arbeit einstellt, und eine Woche lang auf meinen geliebten SPIEGEL verzichten – heute noch stellt sich ein leichter Anflug von Panik ein, wenn er nicht pünktlich im Briefkasten liegt. In diesem Sinne: Ein großes Lob an die Redaktion und auf die nächsten 75 Jahre!
    Sarah Ruhnau, Borken (NRW)

  • Ich bin 83 und habe fast 60 Jahre lang immer wieder den SPIEGEL gekauft und abonniert. Viele Jahre habe ich förmlich danach gefiebert, die neue Ausgabe zu lesen. Weil er keine politische Illustrierte war. Zu oft habe ich ihn aus Zeitgründen aber nicht geschafft und gestapelt mit schlechtem Gewissen weggelegt, um später noch einmal hineinzuschauen. Was natürlich meistens verblieb, denn dann war schon wieder ein neuer SPIEGEL mit neuen spannenden Themen da. Sie haben unseren kritischen Blick vor allem auf die Politik im besonderen Maße geschärft und uns fast immer spannend unterhalten. Sie haben mutig hinter die Vorhänge geschaut uns miterleben lassen, was da so geschah oder geschehen sollte. Dafür meinen herzlichen Dank und noch einmal herzlichen Glückwunsch.
    Wilhelm Klack, Wiesbaden

  • Der SPIEGEL zeigt sich in der Jubiläumsausgabe vermehrt als Wegbereiter für einen offenen Dialog mit seinen Leser:innen. Er will überzeugen, nicht mehr als »Sturmgeschütz der Demokratie«, sucht lieber die leisen Töne, auch im Streit, was ihm nicht immer gelingt. So ist er für mich zu einer Leuchtboje geworden, draußen in der rauen politischen See.
    Karl-Heinz Groth, Goosefeld (Schl.-Holst.)

  • Ich lese den SPIEGEL seit Anfang 1958 und habe in dieser Zeit nur die beschlagnahmte Ausgabe im Jahr 1962 nicht lesen können. Aber mir fällt auf, dass von der Prämisse des Gründers, »Sagen, was ist«, nicht mehr viel übrig, sondern zunehmend eine Berichterstattung im Konjunktiv entstanden ist. Es wird im SPIEGEL oft nicht mehr geschrieben, was ist, sondern was könnte, sollte, müsste, et cetera, mit Ergänzungen wie »doch« oder »womöglich«. Als müsste nur ein SPIEGEL-Redakteur an die jeweils beschriebene Baustelle gesetzt werden und alles wäre im Lot! Ich denke, solche Formulierungen tragen nicht zur Meinungsbildung bei. Verwirren lassen kann ich mich auch anderswo.
    Hans Schuka, Waldkirch (Bad.Württ.)

  • Mich begleitet der SPIEGEL seit dem 12.07.1992. Die damalige Ausgabe »Neue Goebbels-Tagebücher – Chronist der NS-Verbrechen« befasste sich mit den Tagebüchern des Chefpropagandisten der Nazis und ich beschloss, die Meinung und Recherchen eines »linken« Nachrichtenmagazins zu diesem heiklen Thema auf mich wirken zu lassen. In dieser Zeit interessierte ich mich als 15-jähriger Hauptschüler sehr für die Zeit des Nationalsozialismus. Jedoch bestand damals für mich die Gefahr, den perfide inszenierten Aufmärschen der Naziorganisationen, den Fahnenwäldern auf den Reichsparteitagen und dem »Führerkult« zu erliegen. Der Hitler-Biografie von Joachim Fest und dem SPIEGEL hatte ich es zu verdanken, dass ich diese furchtbare Zeit als das ansah, was sie wirklich war – ein monströser Zivilisationsbruch und der Verlust jeglicher Humanität. So lese ich seitdem das »Sturmgeschütz der Demokratie« mit großem Interesse. Ich entspreche nicht ganz Ihrer Leser-Statistik – katholisch, kein Akademiker und konservativ-ländlich geprägt. Daher teile ich natürlich nicht jede Ihrer Meinungen. Manchmal sind Sie mir zu einseitig, vertreten Ihren Standpunkt zu undifferenziert. Ein kleiner Schuss Konservatismus täte Ihnen gut. Die Themen der Menschen in den Städten sind dem SPIEGEL wichtiger. Trotzdem danke ich Ihnen für die vielfältige Berichterstattung und Ihre investigativen Recherchen.
    Klaus Wiegers, Marsberg (NRW)

  • 75 Jahre SPIEGEL, davon habe ich, demnächst 85, bestimmt 60 Jahre per Abo ganz regelmäßig, unter wechselnden Anschriften, mitbekommen. Immer interessiert, manchmal verärgert, aber ohne geht bis heute noch nicht. Mit Anmerkungen – die sicherlich ignoriert wurden – an Sohn weitergereicht und weiter gespannt auf die nächste Ausgabe wartend: Eine der vielzitierten schwäbischen Hausfrauen.
    Gertrud Fischer, Laupheim (Bad.-Württ.)

  • Ein Leben ohne SPIEGEL? Undenkbar. Den ersten kaufte ich vom Taschengeld 1951 mit dreizehn, mit dreiundachtzig bin ich Abonnent.
    Klaus Wellhardt, Essen

  • 40 Jahre musste ich warten, ehe ich den SPIEGEL abonnieren durfte. Einzelne Exemplare erhielt ich ab und zu durch Gäste; sie wurden von vielen Menschen in meinem Freundeskreis mitgelesen und letztendlich zerlesen. Ich, 87, hoffe, noch einige Zeit Ihre Leserin bleiben zu können.
    Helga Hülz, Leipzig

  • Dass der treue SPIEGEL-Leser Jürgen Abraham schon mal zehn Kilometer gefahren ist, um ein Exemplar des Magazins zu erstehen, ist verständlich, jedoch mäßig. Während eines dienstlichen Aufenthalts Mitte 1990 bis April 91 in den USA fuhr ich fast jeden Samstag von Clayton, Georgia, nach Atlanta zu einer Buchhandlung in der Peachtree Street, nur um den SPIEGEL zu erwerben. Hin- und Rückfahrt betrugen etwa 220 Meilen, also circa 350 Kilometer. Auf der Rückfahrt war erste Stopp für eine Lesepause in der vemeintlichen »Schwarzwald-Idylle« Helen, bei einem deutschen Bier. Das ist doch wahre Liebe!
    Erich Krappen, Wegberg (NRW)

  • Unbequem sicherlich. Für Strauß und seine rechten Leute, für die Regierung, die Mächtigen. Der SPIEGEL war für das BRD-Establishment immer eine Reißzwecke auf der Sitzfläche. Für die AfD und Co. war er nicht nur unbequem, sondern boshaft, teilweise sogar gemein. Aber im Umgang mit den Grünen? Wohl eher ein sehr bequemes und angepasstes Magazin.
    Gert Wölfert, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Das Alter Ihres Magazins habe ich um zehn Jahre überschritten, erinnere mich aber noch an diese oder jene Geschichte. Das erste Mal habe ich Anfang April 1947, ich war Schüler am Gymnasium Brühl, den SPIEGEL am Kiosk der KBE-Haltestelle Brühl-Nord – für 1 Reichsmark – gekauft. Seitdem habe ich, wann immer die geografische und pekuniäre Lage es mir ermöglichte, ein Exemplar erstanden. 1965 habe ich mir den SPIEGEL – jeweils die erste Monatsausgabe im Februar, März, April und Mai – nach Mt. Gambier in Australien schicken lassen, wohin ich als junger Ingenieur zur Montageüberwachung und Inbetriebnahme einer Holztrocknungsanlage geschickt worden war. Die »Lieferzeit« Deutschland-Australien betrug in jener Zeit zwei bis drei Wochen. 1962 habe ich an einem Samstag mit zwei Freunden vor dem Gefängnis in Opladen gegen die Inhaftierung von Rudolf Augstein protestiert. Den höchsten mir in Erinnerung gebliebene Preis für den SPIEGEL musste ich 1978 in Buenos Aires/Argentinien bezahlen, es waren umgerechnet 18 DM. Da die Orte meiner weltweiten Tätigkeiten (insgesamt 82 Länder) selten große Flughäfen oder Hauptstädte waren, gab es relativ wenige Gelegenheiten, fündig zu werden. Wann immer ich mich in Deutschland befand, habe ich stets am Erscheinungstag ein Exemplar erstanden; ab dem 1. November 2001, dem Beginn meines Rentnerlebens, an diversen Tankstellen, seit April 2003 ist bei einem Kiosk in Krefeld jeden Samstag – um die Mittagszeit – der SPIEGEL für mich reserviert. »Sagen, was ist« … lesen werde ich, solange die Götter wollen!
    Alfred Schenkmann, Krefeld (NRW)

  • Seit nun schon mehr als 60 Jahren lese ich Woche für Woche so gründlich wie es mir meine Zeit erlaubt(e) Ihr Magazin und habe davon, auch wenn ich mal nicht einverstanden war, immer profitiert. Natürlich zuerst von der nationalen und internationalen politischen Berichterstattung, aber ebenso von Ihrem kritischen Kultur- und Sportteil. Es hat mich, wohl eher indirekt, stets in meiner atheistischen Haltung bestärkt, wofür ich dankbar bin. Mit meinen seit gestern 82 Jahren bin ich nur wenig älter als der SPIEGEL selbst. Ich werde ihm, solange ich lesen kann, die Treue halten und ihn als meine wichtigste Informationsquelle weiterhin schätzen. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!
    Elmar Volk, Remshalden (Bad.-Württ.)

  • Ich wurde am letzten Oktobertag des Jahres 1944 als Arbeiterkind in Frankfurt am Main geboren und bin gefühlt seit diesem Tag SPIEGEL-Leserin. Nun muss ich allerdings zugeben, dass ich doch schon zwei Jahre und zwei Monate alt war, als ich mit Hilfe meines Vaters der ersten SPIEGEL-Ausgabe habhaft wurde. Einmal, auf einer Japan-Reise, musste ich im Irrgarten der U-Bahn von Osaka (eine Stadt unter der Stadt mit Wegweisen nur mit japanischen Schriftzeichen) ein wahres Abenteuer bestehen. Immer weiter musste ich hinein. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie ich da wieder rausgefunden habe. Meine einzige Erklärung dafür: der SPIEGEL unter meinem Arm verlieh mir übersinnliche Kräfte. Sie haben mich mein (erfolgreiches und sehr buntes) Leben lang begleitet und mir Orientierung gegeben. Fragen bleiben bei mir keine offen, nur das Bedürfnis, danke, danke, danke zu sagen! Und meine Zusicherung, dass auch weiterhin der Montag mein SPIEGEL-Tag bleibt. Die Liebe hat mich vor 20 Jahren nach Österreich verschlagen und die Postzustellung hier bewirkt, dass mir der alte Erscheinungstag erhalten bleibt.
    Anne Maisenberg, Klosterneuburg (Österreich)

  • Vielen Dank für schon viele Jahre interessante, spannende und lehrreiche Lektüre. Nun sollt Ihr auch wissen, was ich vom SPIEGEL halte: 1999 lernte ich jenen Mann kennen, mit dem ich dieses Jahr den 20. Hochzeitstag feiern werde. Mit ihm lernte ich eine mir bis dahin unbekannte Welt kennen, unter anderem Fußball, sogar Regionalfußball. Im Gegenzug erlebte mein neuer Partner erstmalig eine Theatervorstellung, ein Ballett und ein Musical. Ebenfalls neu für mich war die regelmäßige Einkehr in einer Stammkneipe, wenn ich jeden Mittwoch Uwe an seinem damaligen Wohnort besuchte. In der »Palette« machte ich die Bekanntschaft mit dem SPIEGEL. Weil mich anfänglich interessante Gespräche mit den »Kumpels« nach kurzer Zeit doch langweilten, begann ich im dort ausliegendem SPIEGEL zu lesen. Deswegen wurde es zum Ritual: mittwochs in die »Palette«: Uwe zu seinen Kumpels, ich zum SPIEGEL-Lesen. Nachdem Uwe zu mir gezogen war und einen neuen Freundeskreis aufgebaut hatte, versandeten die Besuche in der Palette und ich abonnierte den SPIEGEL. Die einzige Fremdlektüre – ab und zu der "»Stern«" im Wartezimmer meines Arztes – bestätigt jedes Mal aufs Neue: Der SPIEGEL ist besser.
    Heike Ritter, Damp (Schl.-Hol.)

  • Liebe Redaktion, seit etwa 50 Jahren treuer Leser des SPIEGEL bin ich in letzter Zeit enttäuscht über die politische Berichterstattung. Der Ton, weniger der Inhalt Ihrer Kritik über die Grünen stört mich, sodass ich mich aktuell mehr der konservativeren »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« hingezogen fühle, die genauso kritisch, aber wohlwollend über die Grünen, jetzt in Regierungsverantwortung berichtet. Ich bin unsicher, wie lange Sie noch mein »Leitmedium« sein werden.
    Peter Stein-Spitczok von Brisinski, Hameln (Niedes.)

  • Sie werden es kaum glauben, aber ich habe dem SPIEGEL sehr viel zu verdanken. Bis auf acht Jahre Volksschule habe ich keine Ausbildung genossen. Allerdings habe ich den SPIEGEL seit über 50 Jahren jede Woche gelesen. Meinen guten Freunden, ein Ehepaar, beide Oberstudienräte, habe ich immer gesagt: Wer den SPIEGEL regelmäßig liest, benötigt kein Studium, denn er ersetzt jeden Hochschulabschluss.
    Kurt Trögner, Gronau (Nieders.)

  • Ich denke, dass das Format des SPIEGEL das beste und ausgewogenste ist, was die deutsche Zeitungslandschaft zu bieten hat. Deswegen war es für mich als 75-jährigen Neubundesbürger ein Bedürfnis, mir jede Woche eine Printausgabe schicken zu lassen, die mich, da bin ich überzeugt, umfangreich unterhält und informiert. Eine Anregung auch von mir, wie der Beitrag des Chefredakteurs der »Freien Presse«, Sascha Aurich: Berichterstattung über Impfgegner, Nazis, AfD-Wähler im Osten, ja – aber auch die überwiegende Mehrzahl der Menschen, die leise sind, die die Demokratie als Grundfeste der Gesellschaft sehen, müssen sich ausreichend repräsentiert fühlen. Wenn nicht im SPIEGEL, wo sonst?
    Volker Dierschke, Schulzendorf (Brandenb.)

  • Den SPIEGEL hatte mein Mann schon lange bevor ich ihn kennenlernte. Als er 2008 starb, kündigte ich sein Abo. Aber bald bemerkte ich meinen Irrtum, sodass ich ihn selbst neu abonnierte. Seitdem schätze ich Ihr Magazin sehr, schneide oft Artikel oder ganze Serien aus, wie etwa die vielen Etappen von Navid Kermani 2017 und 2018. In vielen Heften, die ich oft viel später wieder zur Hand nehme, finde ich Berichte zu den verschiedensten Themen, die mich interessierten und die es wert waren, aufgehoben zu werden. Mit Respekt und großem Mitgefühl las ich Ihre Reaktion auf den »Fall Relotius«. Ich finde es aller Ehren wert, dass Sie den Mut aufbrachten, schonungslos Fehler zu bekennen und echte Reue zu zeigen. Kein Grund für mich, das Abo zu kündigen.
    Jutta Schettler, Heidelberg

  • Der SPIEGEL erhebt den Anspruch, alles besser zu wissen. Das »Schlimme« daran ist: Es stimmt, er weiß es besser! Herzlichen Glückwunsch zum 75. und weiter so.
    Helmut Degethoff, Hofgeismar (Hessen)

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