Zur Ausgabe
Artikel 70 / 71

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Energiepolitik, toxische Männlichkeit, der »Fall« Ofarim und Coronapolitik – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 15/2022

Projekt Eiszeit

Heft 14/2022 Deutschland wappnet sich für Tag X 

  • So habe ich mir Politiker mit Verantwortung immer vorgestellt: Nicht Phrasen und Floskeln, die entweder keiner versteht oder die den Wohlfühlschleier über alle Probleme legen, sondern die Realität ungeschönt darstellen, Auswege skizzieren und Schwierigkeiten offen benennen. Dies alles zeigt Robert Habeck und beweist dabei so viel persönliche Betroffenheit und innere Zerrissenheit ob der Zumutungen, dass mir die Tränen kommen. Ich bin froh, dass wir in diesen Zeiten einen Politiker wie ihn an unserer Seite wissen, der wirklich seinen Amtseid zum Maßstab seines Handelns werden lässt.
    Monika Kunth, Bad Saarow (Brandenb.)

  • Ihr Artikel lässt die sonst übliche kritische Distanz zu einem Politiker vermissen, der in vier Monaten alle seine Grundsätze über Bord geworfen hat. Robert Habeck hat sich im Wahlkampf als Anti-Lindner positioniert. Jetzt hat er das lindnersche Motto »es ist besser, nicht zu regieren als falsch zu regieren« auf den Kopf gestellt: Es ist besser, falsch zu regieren, als nicht zu regieren. Genuin grüne Anliegen sind auf der Strecke geblieben: Ein allgemeines Tempolimit kommt wohl nicht, stattdessen diskutieren wir Waffenlieferungen und eine Laufzeitverlängerung der Kohlekraftwerke. Schön, dass Sie Habecks Krisenmanagement bewundern. Er ist angekommen im Kreis der deutschen Industriebosse, auf Kungeltour in Katar unterwegs und zum Ritterschlag in Washington. Mehr Realo geht nicht.
    Dr. Franz Egid Börner, Ingolstadt

  • Das Titelbild zeigt wirklich sehr treffend, in welcher Lage sich Deutschland aktuell befindet: Wir sitzen in einem »Knast«, bei dessen Bau unsere eigenen Regierungen über die Jahre zugeschaut, wenn nicht sogar mitgewirkt haben. Und jetzt brauchen wir einen Ausbruchsplan, um diesem selbst gezimmerten Dilemma wieder zu entkommen. Dass Energieimporte auch eine strategische Komponente haben und eine Diversifikation bei der Auswahl der Exportländer wichtig ist, um die eigene Unabhängigkeit zu sichern, war schon vor Ausbruch dieses schlimmen Krieges bekannt. Stattdessen wollte man offenbar die Gitterstäbe dieses Knastes mit Nord Stream 2 für sich noch ein bisschen enger setzen.
    Oliver Löbert, Bremen

  • Bei einem »Notfallplan Gas«, der im Fall des Falles privaten Verbrauchern und deren Heizungen den Vorrang einräumt, sollte die Prioritätensetzung dringend überdacht werden. Insbesondere im Hinblick auf die multiplen Dominoeffekte eines Gasmangels im industriellen Bereich. Die würden uns private Verbraucher nämlich höchstwahrscheinlich härter treffen als eine kalte Wohnung.
    Erwin Bixler, Rodalben (Rhld.-Pf.)

  • Kein russischer Gasimport heißt übersetzt: Deutlich weniger Gewinn für Unternehmen, deren Inhaberverhältnisse oft internationalisiert sind. Das trennt von Moral und nationaler Verbundenheit und ermöglichte in Deutschland eine destruktive Niedriglohnpolitik, im europäischen Vergleich geringere Renten, sowie die Aufweichung der paritätischen Aufteilung der Beitragszahlungen zu den Sozialversicherungen. Kein russischer Gasimport heißt nicht, dass in Deutschland gefroren werden muss. Es wäre ein Booster für die erneuerbaren Energien, teurer als vorher, aber unvermeidbar.
    Thomas Richter, Herne (NRW)

  • Der Ausbruch aus der russischen Gasumklammerung wird einen Einbruch beim BIP zur Folge haben. Da gibt es bislang keinen Durchbruch am Horizont, eher einen Zusammenbruch unserer Volkswirtschaft.
    Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)

  • Während die baltischen Staaten jetzt komplett auf russisches Gas verzichten, bringen wir nicht einmal eine Energieeinsparmaßnahme wie ein temporäres Tempolimit zuwege, nur damit eine privilegierte Minderheit mit ihren Über-200-PS-Nobelschlitten weiter über deutsche Autobahnen brettern kann. Wie pervers und beschämend ist die Verteidigung solcher Art von vermeintlichen »Freiheitsrechten« in Krisenzeiten wie diesen? Der »Verein der Besserverdienenden« hat sich damit jedenfalls bei mir für alle Zeiten disqualifiziert.
    Ronald Mandler, Pirmasens (Rhld.-Pf.)

  • Ich lese immer, wie schlecht es uns ohne russisches Gas und Öl gehen würde. Warum können wir nicht alle zusammenstehen, die Heizung zwei Grad runterdrehen, den Kühlschrank zwei Grad wärmer einstellen, weniger Auto fahren, mehr LED-Lampen verwenden, kurz, auf einige Annehmlichkeiten verzichten? Es sollte wieder ein Ruck durch Deutschland gehen und alle sollten an einem Strang ziehen. Wie heißt es so schön: Man muss auch mal einen Nachteil in Kauf nehmen dafür, dass man das Richtige tut.
    Rüdiger Stuis, München

  • Das Titelbild zeigt das Dilemma hintergründig, aber deutlich. Was passiert, wenn man gasführende Leitungen so verbiegt, dass sie reißen? Das kann sich wohl jeder selbst beantworten.
    Josef Riga, Celle

Der Spielraum ist groß

Heft 13/2022 Deutschland muss sich auf Verzicht einstellen 

  • Das dröhnende Schweigen unserer Politiker bezüglich zu erwartender zukünftiger Entbehrungen ist für mich unfassbar! Um den deutschen Lebensstandard weltweit zu implementieren, bräuchten wir etwa zweieinhalb Erden. Es ist absehbar, dass andere Länder in Zukunft Ihren Anteil fordern werden. Unser aktueller Lebensstandard wird daher nicht mehr zu halten sein.
    Walter Kohlbauer, Kaufbeuren (Bayern)

  • Ich behaupte, die meisten Menschen der westlichen Welt wissen nicht, wie sich echte Entbehrungen anfühlen. Oder sind Tempolimit, ein Dieselpreis über zwei Euro oder eine »kalte Wohnung« von 20 Grad Celsius schon eine Entbehrung?
    Michael Jaffke, Münster

  • Im vergangenen November war ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf Dienstreise. Die Hotelzimmer in München und Wien waren fürchterlich überheizt und die Heizungen nicht zu regulieren. Ich musste das Fenster öffnen. Die meisten Klimaanlagen sind so eingestellt, dass man im Sommer friert und im Winter schwitzt. 30 Prozent aller Autofahrten sind kürzer als drei Kilometer, also Fahrradentfernung. Der Spielraum für Einsparungen ist also noch groß, bevor wir hungern, frieren und alle Wege zu Fuß erledigen müssen.
    Stephanie Günther, Paris

Ende der Ego-Trips

Heft 13/2022 Die Bundesländer klagen, sie könnten kaum noch Coronamaßnahmen beschließen 

  • In den zwei Jahren der Pandemie konnte es den Vertretern der Länder nach diversen Ministerpräsident:innenkonferenzen oft nicht schnell genug gehen, die vom Bund vorgeschlagenen Beschlüsse auszuhebeln. Man fühle sich vom Bund bevormundet und könne regional alles besser regeln, hieß es. Jetzt, wo die Zuständigkeit bei den Ländern liegt, ist das Geschrei unisono groß, weil man festgestellt hat, dass mit der gesetzlichen Zuständigkeit auch die politische Verantwortung einhergeht. Da wollen sie den Schwarzen Peter für hohe Inzidenzen doch wieder lieber dem Bund in die Schuhe schieben. Es lebe der Föderalismus!
    Harald Liebmann, Pulheim (NRW)

  • Die Entscheidung kann man diskutieren. Aber eines ist absolut richtig: sie den Ländern aus der Hand zu nehmen. Denn die vergangenen zwei Jahre über haben egozentrische, selbstsüchtige und von ihrer Macht über die Bürger berauschte Selbstdarsteller wie Markus Söder, Winfried Kretschmann oder Hendrik Wüst Corona zu ihrer Profilierung genutzt. Endlich ein Ende dieser »Hobbycovidautokraten« und ihrer erratischen Ego-Trips auf Kosten des Bürgers.
    Ralf Brechtel, Pommelsbrunn (Bayern)

Mit Vorsicht bewerten

Heft 14/2022 Ermittlungen im Fall Ofarim legen nahe, dass es keine antisemitischen Beleidigungen gab 

  • Kann man den »Fall« Ofarim abschließend bewerten? Wohl nur mit Vorsicht. Da hat sich offensichtlich ein Promi, der doch nicht so bekannt ist, wie er gerne wäre, der Tatsache bedient, dass der Antisemitismus in Deutschland nach wie vor sein hässliches Haupt erhebt, um sich für eine vermeintliche Benachteiligung zu rächen. Das alles wird unser Rechtsstaat klären und gegebenenfalls ahnden. Es bleibt allerdings die traurige Erkenntnis, dass wir Gil Ofarim nur deshalb so lange geglaubt haben, weil
    seine Version des Geschehens durchaus hätte wahr sein können.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • Ihre hervorragend zusammengestellte Chronik der Eskalation verstärkt bei mir den Glauben an die Durchsetzbarkeit von Gerechtigkeit in unserem Land. Wie leicht scheint es zuweilen zu sein, Unschuldige durch Lügen oder bewusst falsche Darstellungen
    zu diffamieren, vor allem über die sozialen Netzwerke. Es ist erschütternd, dass Politikerinnen und Politiker, insbesondere auch unser Justizminister Buschmann, schon kurz nach der Veröffentlichung der Instagram-Videos, für deren Prüfung auf den Wahrheitsgehalt jegliche Zeit fehlte, wegen vermutlich erhoffter Vorteile beim Wählervolk offen Partei ergriffen. Mindestens von einem Justizminister müsste man die Anwendung der Unschuldsvermutung bis zur Aufklärung der Sachverhalte erwarten können.
    Dr. Gunter Frank, Dietzenbach (Hessen)

Eier schützen nicht vor Einfalt

Heft 13/2022 Ist der neue sanfte Großstadtmann bereit für die Krisen dieser Welt? 

  • Ich bin enttäuscht, dass Sie diesen Text abgedruckt haben. Es ist ganz einfach: Toxische Männlichkeit ist sowohl zu Friedenszeiten in einer progressiven Demokratie, als auch während eines Angriffskriegs zu verurteilen.
    Claas Hüter, Düsseldorf

  • Das ungefähr Dümmste, was ich seit sehr langer Zeit gelesen habe. Warum diesem Aufzählen von blödesten Klischees Raum geben, SPIEGEL? Ich hoffe, dass Herrn Haberl jetzt zumindest Til Schweiger und Julian Reichelt auf Twitter folgen und er normal denkende Menschen nicht mehr mit seinem reaktionären Stuss belästigt.
    Nicole Spilker, Wien

  • Willkommen in der Vergangenheit! Ich hätte mich vor Lachen gekringelt, wenn es nicht so traurig wäre. Wenn eine derartige Aufreihung von Stereotypen und Vorurteilen, zwecks besserer Aufmerksamkeitserregung und Verkäuflichkeit noch hübsch überspitzt, im SPIEGEL veröffentlicht wird, bin ich doch ziemlich befremdet, gelinde gesagt. Das Ganze ist ja nicht einmal geistreich genug, um als Satire durchzugehen. Auch bei einer Situation wie jetzt in der Ukraine brauchen wir keine Superhelden, sondern einfach nur Menschen, die anpacken, wo es nötig ist.
    Heide Itasse, Ettlingen (Bad.-Württ.)

  • Die Überschrift ist schlimm. Der Inhalt ist schlimmer. Viel schlimmer. Wie es überhaupt zu diesem Text im SPIEGEL kam, stelle ich mir in etwa so vor: Herr Haberl hat ein Buch über Männlichkeit geschrieben, das gerade erschienen ist und beworben werden muss. Klar. Weil es aber eben leider schon vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine fertig war, hat er das Thema Krieg darin wohl eher zurückhaltend behandelt. Jetzt, als sein Buch rauskommt, herrscht überraschend Krieg in Europa. Jetzt ist Männlichkeit plötzlich nicht mehr nur toxisch, sondern auch wieder ein bisserl en vogue. Und jetzt hört und liest man überall Worte und Sprüche, die man bis vor Kurzem nur von Hooligan-T-Shirts und aus Böhse-Onkelz-Texten kannte. Da wollte Herr Haberl wohl nicht zurückstehen und unbedingt noch etwas nachholen. Hätte er es doch gelassen. Denn bleibt man im schlechten Bild des Pesto-Pistolen-Titels, dann kann man die Erkenntnisse, die man aus seinen Einlassungen zieht, so zusammenfassen: Eier schützen nicht vor Einfalt.
    Gregor Himmler, Regensburg

Kriegswirtschaft statt Klimaschutz

Heft 13/2022 Getreidemangel gefährdet die Agrarreform der EU 

  • Afrika soll also hungern, damit Europa seinen Green Deal auch in Kriegszeiten durchziehen kann? Der Krieg vernichtet Leben und Lebensmittel. Wenigstens zur Produktion des Essens auch der anderen sollten wir bereit sein.
    Robert Dübbers, Frankfurt am Main

Warum Robotern die Zukunft im All gehört

Heft 13/2022 Hofastronom der Queen über Raumfahrtmissionen 

  • Wenn man nicht an die Rettung der Menschheit durch Auswandern auf den Mars glauben mag, bleibt als Grund für bemannte Raumfahrt nur noch das persönliche oder nationale Prestigedenken. Astronauten müsste es eigentlich peinlich sein, sich als solche zu outen.
    Kunz Brunner, Odenthal (NRW)

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 70 / 71
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die zeitgleiche Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten