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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Deutschland und der Ukraine-Krieg, Johnny Depp gegen Amber Heard und der Mangel an Spitzenbeamten mit ostdeutscher Biografie – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 25/2022

Von wegen Weltmacht

Heft 24/2022 Titel: Im Stich gelassen? 

  • Herr Fichtner hat recht. Den Ukrainern gegenüber schäme ich mich, Deutscher zu sein.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • Was für eine journalistische Meisterleistung. Ein hochinteressanter Artikel, sehr strukturiert, logisch aufgebaut, sehr gut lesbar – meines Erachtens sollten Sie öfters solche Artikel von nur einem Autor veröffentlichen.
    Thomas Rieger, München

  • Selten hat mich ein Artikel des SPIEGEL so bewegt und mir die Augen so geöffnet wie dieser.
    Günter Schumacher, Roetgen (NRW)

  • Der SPIEGEL ist wie Scholz – beide trauen sich nicht. Ein SPIEGEL, der sich traut, hätte hinter »im Stich gelassen« ein Ausrufungszeichen gesetzt! Und Scholz würde der Ukraine schnell und wirksam helfen.
    Alf Tondern, München

  • Durch die ständig wiederholte Aussage, dass die Nato auf keinen Fall in den Krieg hineingezogen werden will, schafft man genau die Bedingungen, die es Putin ermöglichen, in aller Ruhe die Ukra­ine zu zerstören. Zynisch formuliert, verteidigt die Nato die Ukraine bis zum letzten ukrainischen Soldaten. Man schaut von den sicheren Rängen auf das Kampfgeschehen, lobt die Tapferkeit der Armee und belohnt mit Waffenlieferungen und Geld. Inzwischen wird aber deutlich, dass aus dieser Situation ein länger dauernder Krieg resultiert, der von beiden Seiten so nicht gewonnen werden kann. Zusätzlich droht dem Westen ein entsetzliches moralisches Desaster, wenn Putin über die Besetzung der Ostukraine die Weizenlieferungen als Waffe benutzt. Schon jetzt führt dieser Krieg weltweit zur Verschärfung von Hunger und Armut und hindert die Weltgemeinschaft daran, wirklich wichtige Dinge wie den Klimaschutz anzugehen. Nur wenn die Nato ihre mutlose Zuschauerposition aufgibt, kann der Krieg kurzfristig beendet werden. Und zwar mit Gewalt.
    Martin Fraumann, Berlin

  • Deutschland ist keine Weltmacht, kann es auch gar nicht sein. Der deutsche Drang nach Geltung hat zwei Weltkriege provoziert. Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik erfolgt in enger Abstimmung mit unseren Verbündeten – nur gemeinsam sind wir stark. Sich dabei eine Führungsrolle anzumaßen, zeugt von Hybris. Es ist verdammt einfach, dem Impuls nachzugeben: Bombt die Russen aus der Ukraine, selbstverständlich unter Einsatz von Flugzeugen und Panzern westlicher Produktion! Es ist dagegen unbequem, die schrecklichen Bilder auszuhalten und sich vor­behaltlos dem Dilemma zu stellen, in das uns Putin gestürzt hat: Er macht uns so oder so auch zu Schuldigen – am Leid der Ukrainer, wenn keine effiziente militärische Hilfeleistung erfolgt, an der deutschen Bevölkerung, wenn der Krieg eskaliert.
    Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)

  • »Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral«, heißt es bei dem in der Titelgeschichte bemühten Bertolt Brecht, wobei von Fressen-und-gefressen-Werden im Artikel viel, von Moral nur im Sinne von bedingungsloser militärischer Solidarität die Rede ist. Dass es bei Millionen Menschen nicht einmal zum konkreten Fressen reicht, dass der globale Krieg gegen unsere Lebensgrundlagen bald verloren gehen wird, scheint an den Rändern dieses auf Europa fokussierten Blicks zu verschwimmen. Was wir brauchen, sind die im Artikel geschmähten Zweifler, zu allem entschlossene Zweifler allerdings, die grundsätzliche Fragen stellen und entschlossen handeln.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)

  • Meiner Generation wurde der Horror, der von Deutschland ausgegangen ist, so aufdringlich immer wieder gezeigt, dass unser ganzes Wesen sich gegen alles Soldatische sträubt. Tiefe Traurigkeit und Entsetzen empfinde ich, wenn ich von den vielen Millionen Menschen lese, die durch Deutschland als ehemaliges militaristisches Land umgekommen sind. Ich finde es unverschämt, das »Bequemlichkeit« zu nennen. Diese tiefe Scheu ist uns Westdeutschen so natürlich geworden, dass auch die meisten Politiker davon durchdrungen sein dürften. Uns hat es nicht aus »Lässigkeit« gestört, dass so wenig in die Bundeswehr investiert wurde, sondern es war uns ein Grauen, uns mit solchen Dingen zu beschäftigen. Warum muss denn ein wirtschaftlich führender Staat auch auf militärischem Gebiet führend sein? Vielleicht ja nicht.
    Susanne Wehberg-Bonhomme, Argenteuil, Frankreich

  • Was für ein gefährliches Pam­phlet erlaubt sich der Autor da – gänzlich unberührt von der eigenen Widersprüchlichkeit. Es ist eine Dreistigkeit, sich auf Brecht zu berufen, um anschließend völlig irrationale und unlogische Thesen aufzustellen: Im Titel wie im Text wird Deutschland der Status einer Weltmacht angedichtet, die »führen« solle, vor allem militärisch. Wenig später wird (korrekterweise) klargestellt, dass es »Jahre« dauern werde, die maroden Brigaden der Bundeswehr voll einsatzfähig zu machen, und dass kein Gerät zum Spenden da sei. Von wegen Weltmacht! Natürlich muss man die Kriegsverbrechen und die Opfer beklagen. Aber was bringt den Autor zu der Auffassung, dass mit immer mehr Waffen dem Leid ein Ende gesetzt werden könnte? Russland hat militärisch einen langen Atem. Und wie kann man in einem Atemzug referieren, dass es als Wunder gesehen werden muss, dass der dritte Weltkrieg während des Kalten Kriegs nicht ausgebrochen ist – und gleichzeitig kritiklos die Äußerung übernehmen, dass durch den wachsenden Wohlstand bei den Deutschen die Kriegslust eingeschlafen sei? Nein, auf Brecht sollte man sich bei so einem Text nicht berufen!
    Martin Heberlein, Würzburg

Weiter Weg zur Einheit

Heft 23/2022 Mehr Ostdeutsche in hohe Ämter? 

  • In Leitungsposten im Osten sitzen meistens Westdeutsche. Die Netzwerke des Westens sichern das und die Ostdeutschen haben keine Lobby. In den Neunzigerjahren war das alles noch verständlich und auch sinnvoll, heute aber ist es unfair und bar jeder Moral. Bis zur deutschen Einheit ist es noch ein weiter Weg.
    Wolfhard Noack, Greifswald

  • Dieser Beitrag belegt nichts anderes, als dass der Osten Deutschlands von den Westdeutschen beherrscht wird, die den Osten offenbar als kolonisiertes Gebiet betrachten. Die Ostdeutschen haben in diesem Staat, absehen von ein paar Strohmännern und -frauen, zu denen auch Ex-Bundeskanzlerin Merkel und Ex-Bundespräsident Gauck zählen, nichts zu bestimmen. Es ist traurig, dies feststellen zu müssen, nachdem Frau Merkel 16 Jahre lang am Ruder saß. Um ihre Landsleute aus dem Osten dieses Landes hat sie sich nicht gekümmert. So überrascht es nicht, dass sich die Ossis in diesem Land schlecht oder überhaupt nicht vertreten fühlen und dies der Obrig­keit bei allen Gelegenheiten, insbesondere zu Wahlen, zu verstehen geben. Es wird höchste Zeit, dass sich hier etwas ändert.
    Frank Wunderlich, Nöbdenitz (Thüringen)

Es ist der Mensch!

Heft 23/2022 Ein Therapiezentrum an der Ahr hilft Betroffenen der Flut, ihr Trauma zu überwinden 

  • Vielen Dank für diesen Artikel. Es ist unendlich wichtig, dass nicht nur das Aufbaugebiet mit seinen vielen Baustellen im Bewusstsein bleibt, sondern ebenso die psychischen Folgen geschildert werden. Es ist Ihnen gelungen, die Situation der Betroffenen im Ahrtal realitätsnah darzustellen
    Roswitha Stockhorst, Lantershofen (Rhld.-Pf.)

  • »Die Natur spielt verrückt«, meint eine Betroffene der Ahrtal-Katastrophe. Nein, nicht die Natur, es ist der Mensch! Eine Aufarbeitung, die die menschengemachten Klimasünden als Ursachen unterschlägt, verdient diesen Namen nicht. Die überlebenden Opfer könnten überzeugende Influencer sein, die ihr Leid und ihre Traumata in einen unüberhörbaren Weckruf für eine verdrängungssüchtige Öffentlichkeit ummünzen.
    Rolf Oesterlein, Nieder-Olm (Rhld.-Pf.)

»Eure Alten werden alleingelassen«

Heft 23/2022 Kriminalität: Trickbetrüger nehmen Senioren aus 

  • Wenn ich diesen Artikel zwei Tage früher gelesen hätte, wären mir vielleicht einige Schwierigkeiten erspart geblieben. Am Freitag um die Mittagszeit erreichte mich ein Anruf mit einer sehr verweinten Stimme: »Papa, mir ist etwas Fürchterliches passiert, ich habe einen Unfall verursacht und ein Kind ist dabei gestorben.« Als Naturwissenschaftler bildete ich mir ein, immer klar und logisch denken zu können, aber in diesem Augenblick, als ich die verzweifelte Stimme meiner vermeintlichen Tochter, mit der ich mich tags zuvor noch getroffen hatte, hörte, sind alle Sicherungen durchgebrannt. Ich war bereit, mich auf Aufforderung der falschen »Polizeibeamtin«, mit dem Staatsanwalt zu treffen, um eine Kaution zu hinterlegen, obwohl ich viel über Trickbetrüger gelesen hatte. Ich machte mich sogar auf den Weg in eine nahe gelegene andere Stadt. Dabei wurde von den Betrügern das Ganze im Artikel beschriebene Repertoire eingesetzt, zum Beispiel ein zusätzlicher Anruf auf dem Handy. Erst ganz langsam kamen mir Zweifel, die sich verstärkten, als es Verzögerungen mit dem Staatsanwalt gab und meine Tochter nicht zu sprechen war. Kontakte mit Polizei und Staatsanwaltschaft gaben dann Gewissheit: Trickbetrüger, also so schnell wie möglich weg. Die langwierige Anzeige bei der Polizei diente sicher nur statistischen Zwecken. Ich habe keine Sachen oder Geld verloren, aber den Glauben, dass ich immer logisch handeln könnte – und das erschüttert mich sehr. Man kann also nicht genug warnen und alle diese Tricks bekannt machen.
    Name und Wohnort der Redaktion bekannt

  • Eine Clanchefin in einem osteuropäischen Land sagte bei ihrer Verhaftung im Beisein eines deutschen Polizisten: »Eure Alten werden alleingelassen. Warum passt ihr nicht auf sie auf?« Irgendwie hat sie recht.
    Michael Wundling, Oberursel (Hessen)

Auch Männer können Opfer sein

Heft 23/2022 Beziehungen: Wahrheit oder Schauspiel – ein Prozess als Racheporno 

  • Es ist die Frage, ob sich das führende Nachrichten-Magazin tatsächlich in die unappetitlichen Niederungen dieser Beziehungskiste begeben sollte. Die Krone hat man sich dann aber mit den anschließenden Auslassungen angeblicher Experten zum Thema aufgesetzt.
    Dr. Thomas Bernstein, Leipzig

  • Zehn Seiten! Es scheint, als wollte der SPIEGEL nicht mehr, wie es eins Rudolf Augstein postulierte, das »Sturmgeschütz der Demokratie« sein, sondern die Panzerhaubitze unter den Boulevardblättern.
    Werner Übelacker, Nürnberg

  • Ich weiß jetzt, wie sich »Gala«-Leserinnen fühlen. Diese Erfahrung hätten Sie mir ersparen können.
    Karin Fehse, Velbert (NRW)

  • Ich habe es geschafft, mich durch die zehn Seiten hindurchzuquälen, mich aber gefragt, ob es denn in Ihrer Redaktion nicht die eine oder andere Kollegin gibt, die mal in die Runde fragt, wie viel geradezu begnadet dämliche Küchenpsychologie man der Leserschaft zumuten darf (»Schauen Sie mal auf seine Augenbrauen. Sie sind wellig wie Donauwellen«). Da­rüber hinaus erfahren wir, dass kindliche Traumata Falten nur in Stirnmitte hinterlassen. Im Ernst?
    Dr. Manfred Simons, Frankfurt am Main

  • Sie schreiben: »#MeToo aber bleibt, die Idee von mehr Gleichberechtigung lässt sich aus den Köpfen nicht mehr verbannen. Der Kampf der Geschlechter ist noch lange nicht beendet« – und verfehlen damit so dermaßen den Kern dessen, worum es sowohl bei #MeToo als auch in diesem Prozess geht: #MeToo thematisiert körperliche und sexuelle Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen und gibt Opfern eine Plattform, sich zu äußern. Im Fall Depp vs. Heard hat die Jury befunden, dass Depp das Opfer körperlicher Gewalt ist. #MeToo ist keinesfalls der Kampf der Geschlechter – von Frauen gegen Männer – sondern der Kampf von Opfern gegen Täter*innen. Dabei wird leider viel zu häufig übersehen, dass auch Männer Opfer sein können.
    Benedict Dingfelder, Wohnort folgt Do.

  • Die Autor:innen schreiben fast vorwurfsvoll, dass ein Gericht in der Regel im Zweifel für den Angeklagten entscheide, weshalb am Ende oft ein Freispruch stehe. Was soll denn die Alternative sein? Ohne Zweifel für den Zeitgeist? Gut, dass die Gerichte unabhängig sind.
    Alexander Pahlke, Pforzheim

Die Angst in ihm

Heft 23/2022 Karrieren: SPD-Außenpolitiker Michael Roth spricht über seine psychische Krise 

  • Erschreckend, dass man heute noch Beklemmungen hat, öffentlich über die eigene seelische Erkrankung zu reden. Ich bin Herrn Roth dankbar, dass er so ehrlich ist und seine Zeit mit der Erkran-kung im SPIEGEL beschreibt. Das ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Aufklärung.
    Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

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