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Artikel 65 / 66

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Organisierte Kriminalität in den Niederlanden, die Korruptionsaffäre um Österreichs Ex-Bundeskanzler Kurz und der schlechte Zustand der deutschen Wälder – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 43/2021

Repressive Gesetze, sprudelnde Gewinne

Nr. 42/2021 Titel: Im Griff der Mafia 

  • Das Cover des SPIEGEL hat in Holland viel Aufmerksamkeit bekommen. Das Bild von Frau Antje mit einem Joint im Mund ist zwar nicht originell, aber wir nehmen die Meinung unserer östlichen Nachbarn auf jeden Fall ernst. Jeder hier weiß, dass es den Niederlanden nicht gut geht. Die Politik der Toleranz hat zu einer Schattenwirtschaft in den Niederlanden geführt, einer Subkultur, die junge Leute in die Arme des schnellen Geldes jagt, eine Welt die Gewalt verherrlicht. Netflix-Serien wie »Narcos« helfen nicht, die Romantik zu entlarven, die junge Leute in der Drogenwelt sehen. Aber ihr Deutsche habt – wie wir hier sagen – Butter auf dem Kopf, wenn ihr meint, wir hätten das bewusst gewählt. Die Politik, den Konsum zu tolerieren, aber die Cannabis-Produktion unberührt zu lassen, ist das Ergebnis des europäischen Drucks auf die niederländische Drogenpolitik. Aber als Niederländer stimme ich der Titelgeschichte zu: Holland scheint ein unschuldiges Land an der Nordsee zu sein. Aber Holland ist nicht unschuldig oder war es vielleicht nie.
    Pieter Keesen, Heiloo (Niederlande)

  • Ich erinnere mich noch an das SPIEGEL-Titelbild der Ausgabe 31/1977: ein Teller Spaghetti und darauf ein Revolver. Halb Italien war empört. Viele Kioskbesitzer in Italien wollten diesen Titel, der gegen die Mafia gerichtet war, damals nicht verkaufen. Ich freue mich schon auf den Titel, auf dem ein Investor mit einem Hundert-Franken-Schein im Zürichsee untergeht. Es lebe die Satire.
    Dieter Feigenwinter, Basel (Schweiz)

  • Keine Frage, die Organisierte Kriminalität hat den Drogenhandel nicht nur in den Niederlanden im Griff. Daran hat und wird auch eine repressive Drogenpolitik nichts ändern. Dass der SPIEGEL aber den Umgang der Niederländer mit der Rauschdroge Cannabis als »Kapitulation vor der Hippie-Bewegung« bezeichnet, ist doch angesichts des wissenschaftlichen Erkenntnisstands zum Thema Cannabis sehr reißerisch. Wohin hat denn der Krieg gegen die Drogen geführt? Genau an die Stelle, die im Artikel geschildert wird. Die Kontrolle über den Markt haben die Kartelle. Die repressiven Gesetze lassen die Gewinne sprudeln. Wenn den Niederlanden etwas vorzuwerfen ist, dann, dass sie im Zusammenhang mit Cannabis den Weg des Laissez-faire gegangen sind. Damit meine ich, dass sie den Cannabis-Markt nie unter staatliche Kontrolle gebracht haben. Ein Kontrollgesetz, also eine echte Regulierung des Marktes vom lizenzierten, staatlich kontrollierten Anbau und Verkauf über lizenzierte Fachgeschäfte, hätte den Kartellen dieses Standbein entzogen.
    Markus Sautter, Schlaat (Bad.-Württ.)

  • Wenn ein drittklassiger TV-Kommentator bei der Übertragung von Fußballspielen ständig von »Holland« quasselt, muss das der SPIEGEL auf seiner Titelseite nicht nachmachen. Immerhin wissen die Verfasser der Reportage auf Seite 10, dass unser Nachbarland die Niederlande sind – und Holland nur aus 2 von 12 Provinzen besteht. Etwas mehr sprachliche Sorgfalt sollte doch möglich sein.
    Günter Steinke, Wiesbaden

Beim Dopen ertappt

Heft 41/2021 Österreich: Übersteht Bundeskanzler Sebastian Kurz seine Korruptionsaffäre? 

  • »Lügen haben Kurz' Beine« könnte man kalauern, läge aber völlig daneben. Sebastian Kurz, der große Illusionist, hat es seit 2013 geschafft, erst als Bundesminister, dann als Bundeskanzler Österreichs ganz Europa mit seinem großen Wiener Revuetheater zu faszinieren. Selbst wenn ihm einmal ein Trick misslingt, weil etwa das braune Kaninchen auf Ibiza zu betrunken ist, um die Illusion zu wahren, schadet es ihm nie wirklich. Er ersetzt dann eben schnell das braune Kaninchen durch ein grünes: The show must go on. Als Darsteller seiner selbst ist er einfach perfekt.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)

  • Sebastian Kurz übt sich zurzeit im politischen Dreisprung: Wunderknabe, Zauberlehrling, Mephisto. Mit ihm wurde Felix Austria zur »Schwammerl-Republik«.
    Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)

  • Unterscheidet sich das Vorgehen der Politiker in Österreich wirklich so sehr von dem anderer in der EU? Nicolas Sarkozy in Fußfesseln wegen unerlaubter Parteifinanzierung, Helmut Kohl entkam wunderbar diesem Schicksal, Angela Merkels Regierung hielt mit Steuergeldern finanzierte Umfragen unter Verschluss, und Jean-Claude Juncker gestand, Politiker müssten im Notfall lügen. Wahlen werden das nicht ändern. Daher lohnt es sich für eine unabhängige Justiz und freie Presse weiterzukämpfen.
    Dr. Roland Werchota, Kottingbrunn (Österreich)

  • Wenn ich diesen Artikel lese, kann ich mir nur fassungslos an die Stirn schlagen. Dennoch, es gibt aus deutscher Sicht keinen Grund für Schadenfreude und Hochmut. Wir haben unsere eigenen korrupten Systeme, die keines Falls besser sind, sie funktionieren nur nach einem anderen Prinzip und haben einen anderen Namen. Umso wichtiger ist es daher, Sorge dafür zu tragen, dass die Presse in einer Demokratie weiterhin frei, kritisch und vor allen Dingen unabhängig bleibt.
    Thomas Hector, Osann-Monzel (Rhld.-Pf.)

  • Man kann ja den großen Politiker Kurz auch als großen Sportler betrachten: Er hat oft gewonnen, aber man hat ihn beim Dopen ertappt. Wie jeder entzauberte Sportler sollte er die Konsequenzen ziehen!
    Harald Büchele, Innsbruck (Österreich)

Brüchiges Haus

Heft 41/2021 Leitartikel: Eine Ampelregierung könnte Deutschland wieder modern machen 

  • Nun ja, das Haus ist brüchig und in die Jahre gekommen. Aber leider wird vergessen, dass einer der Verursacher dem Verfall mindestens 16 Jahre zugeschaut hat und offensichtlich zu schwach war sich durchzusetzen. Wenn der mögliche kommende Hausherr, wie im Wahlkampf verbrämt, so weitermachen möchte wie bisher, wird das Haus früher oder später wohl zusammenstürzen, es sei denn, seine neuen Mitbewohner werfen ihn vorher raus.
    Jens Lippert, Magdeburg

  • Der Leitartikel enthält eine, wie ich finde, zutreffende Analyse der Situation bei uns im Land. Deutschland ist sicherlich nicht »abrissreif«. Es muss sich nicht verstecken. Aber es gibt einzelne Bereiche, in denen eine Grunderneuerung dringend geboten ist. Vieles muss auch neu gedacht werden. Herrn Feldenkirchen persönlich mache ich ein großes Kompliment. Als regelmäßiger SPIEGEL-Leser kann ich manches beurteilen. Seine Beiträge sind informativ, sachlich, aus meiner Sicht auch unterhaltsam und entspannend. Für mich kein Widerspruch.
    Peter Treder, Reppenstedt (Nieders.)

Weckruf an alle

Heft 41/2021 Natur – Warum wir den Wald retten müssen, damit er uns vor dem Klimawandel retten kann 

  • Der Artikel ist sehr gut gelungen. Er beschreibt treffend den schlechten Zustand der Wälder, die unterschiedlichen Positionen und Interessen und die Chancen. Der Bürgermeister von Bad Berleburg, Bernd Fuhrmann, hat einen nachahmenswerten Weg eingeschlagen.
    Günter Pfeiffer, Windeck (NRW)

  • Interessanter Bericht, aber ein Aspekt fehlt: Wurde früher der »saure Regen« für das Waldsterben verantwortlich gemacht, so müsste man heute eigentlich über »Giftregen« sprechen, denn all die schädlichen Emissionen von Verkehr, Industrie, Müllverbrennung und Fabriken lösen sich ja nicht folgenlos in Luft auf, sondern summieren sich, schwächen den Wald und machen ihn weniger widerstandsfähig gegen Klimaextreme und Schädlinge. Dagegen hilft letztlich kein Waldumbau, sondern nur ein Umbau unserer nicht nachhaltigen, wachstums- und gewinnorientierten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.
    Heidemarie Wegener, Osterode am Harz (Nieders.)

  • Ihr Artikel über unseren zwar kränkelnden, aber immer noch schönen deutschen Wald ist sehr informativ und umfassend geschrieben. Sie haben damit bestimmt einen Weckruf an alle für das Wohl unseres Waldes Verantwortlichen erreicht. Einen solchen Weckruf würden sicher viele Leser begrüßen, wenn Sie auf die unwiederbringliche Vernichtung der weltweiten tropischen Regenwälder aufmerksam machen würden. Die ganze Welt schaut zu, wie der rechtspopulistische Präsident von Brasilien, Jair Bolsonaro, es wohl nicht schafft, die Rodungen zu stoppen. Der als »Grüne Lunge der Welt« bezeichnete Regenwald hat Einfluss auf das Weltklima und geht uns alle an.
    Paul-Hermann Mackes, Viersen (NRW)

C wie chaotisch?

Heft 41/2021 Union: Wie Marcus Söder seine Macht weiter ausbaut 

  • Sind wirklich Herr Laschet oder Herr Söder schuld am schlechten Abschneiden der Union? Liegt das Problem nicht viel tiefer bei anderen Mitgliedern wie Herrn Scheuer, der in unbeschreiblicher Weise Steuergelder zum Fenster rauswirft, ohne dass Konsequenzen gezogen wurden? Oder einer Frau Bär, die aus meiner Sicht inhaltlich überhaupt nichts geleistet hat, dafür auf irgendwelchen Conventions medienwirksam unterwegs war? Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Das wären aus meiner Sicht wichtige Fragen, die sich die Partei stellen sollte, um Wählerinnen wie mich wieder zurückzugewinnen.
    Andrea Memminger-Wäsch, Konstanz

  • Hoffentlich hat der Nachfolger des von Dolchstößen aus den eignen Reihen beschädigten Armin Laschet den Willen und den Mut, die CDU von der »Schwesterpartei« CSU zu lösen, einen eignen CDU-Landesverband-Bayern zu gründen und die Fraktionsgemeinschaft mit der CSU aufzukündigen. Dann hätte die CDU sich endlich von Störenfrieden wie Horst Seehofer und Markus Söder befreit. Dann müsste Markus Söder sich mit der CDU arrangieren und nicht die CDU mit Markus Söder. Und ein CSU-Kanzler wäre für die CDU auch kein Thema mehr. Die CDU könnte ihre Kraft auf Sachthemen lenken und wieder zukunftsfähig werden.
    Hans Lafrenz, Hamburg

  • Das C der Schwesterparteien steht derzeit für chaotisch. Jetzt haben sie die Gelegenheit, den »Geist von Kreuth« Jahrgang 1976 zu entkorken. Nur ein Neuanfang als Einzelkinder wäre ein echter Neuanfang.
    Gerhard Wesel Reitende, Lüneburg

Digital zerfleddert?

Heft 41/2021 Künstliche Intelligenz: Ein Computer hat Beethovens unvollendete 10. Sinfonie zu Ende komponiert 

  • Eigentlich ist die Bewertung dieses Werkes einfach. Man höre sich nur einmal die letzten Streichquartette von Beethoven an und frage sich dann, ob ein Komponist, der auf dieser Stufe angelangt war, jemals auf die Idee gekommen wäre, so etwas wie diese »10. Sinfonie« auf die Menschheit loszulassen.
    Peter Heinrichs, München

  • Das, was die Deutsche Telekom an Wissenschaftler, Komponisten und Computerfachleute in Auftrag gegeben hat, zeugt von der Ignoranz von Menschen, die sich anmaßen, die Gedanken- und Gefühlswelt Beethovens nach dessen wenigen erhaltenen Skizzen und Aufzeichnungen einer 10. Sinfonie nachvollziehen zu wollen. Das ist schlichtweg irrational und Unsinn. Die Musik ist ein Ausdrucksmittel menschlicher Gefühls- und Gedankenwelt, die durch nichts zu ersetzen ist.
    Dr. Claus Rabe, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Wie kann der SPIEGEL behaupten, Beethovens 10. Sinfonie sei von wem auch immer »vollendet« worden? Ist der Nachlass eines Künstlers Freigut, das man nach Belieben nutzen kann? Hat das Unternehmen einen Auftrag aus dem Jenseits oder irgendwelche Rechte? Zum Glück kann Beethoven sich für diese Schmach nicht rächen. Er hätte viel zu tun. Wir sind dem guten Manne dankbar, dass er die Geheimnisse seines Genies mit ins Grab genommen hat. Das Aufmacherbild des Artikels passt zum Tatbestand: Die Büste des Komponisten leidet sichtlich unter Auszehrung – eine Hälfte hat sich bereits aus dem Staub gemacht, sie ist schon weg, digital zerfleddert.
    Ulrich Horndash, München

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