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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die ungesühnten Verbrechen im Bistum Trier, die Versäumnisse der Politiker in der Coronakrise und die Frage nach dem richtigen Umgang mit Impfverweigerern – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 51/2021

Eine Schande für die Gläubigen

Heft 50/2021 Titel: Das Schweigen der Hirten 

  • Abtreibung als »Mord« bezeichnen und dann selbst bei Bedarf in Auftrag geben: Offensichtlich glauben sehr viele Priester keine Sekunde an die Moral, die sie selbst predigen. Und die Bischöfe, die Oberhirten, vertuschten und vertuschen Tausende Verbrechen an ihren schutzbefohlenen »Schäfchen«, finden aber nichts dabei, sich als moralische Instanz aufzuspielen. Es wird höchste Zeit, diesem jahrtausendealten Verbrechersyndikat mit dem ellenlangen Vorstrafenregister und der unübertroffenen Heuchelei jedwedes Vertrauen zu entziehen.
    Sissy Vogg, Augsburg

  • Dieser Artikel ist ein wahrhaft christlicher Beitrag zu diesem kirchlichen Sumpf. Respekt dafür! Danke für die Recherche. Dadurch wird diese Unrechtsstruktur wieder einmal öffentlich, und die betroffenen Menschen werden gehört. Mein Mitgefühl gilt den Menschen, die schwer geschädigt wurden und aktuell geschädigt werden. Sie sind mindestens doppelt traumatisiert. Durch den sexuellen Missbrauch und den Umgang damit durch die katholische Kirche und ihr Umfeld. Die im Artikel beschriebenen Fälle sind sicherlich nur die Spitze des Eisbergs. Dieses kirchliche System sollte nicht mehr vom Staat geschont und unterstützt werden.
    Karin Hengst, Walzbachtal (Bad.-Württ.)

  • Was ich bis heute nicht verstehe: Wieso steht nicht einfach mal eine Hundertschaft der Polizei beim Bistum vor der Tür, macht Hausdurchsuchungen, beschlagnahmt Unterlagen, PCs und so weiter, um den ganzen pädophilen Filz aufzudecken? Wieso traut sich da keiner ran? Für mich unverständlich. Bei wirtschaftlichen Delikten wie bei VW, Daimler, Deutsche Bank und Co. ging das doch eben so.
    Walther Merz, Weiterstadt (Hessen)

  • In meinen Augen betreiben Obere der katholischen Kirche eine Form von Clankriminalität und verhalten sich wie eine erfahrene Männervereinigung in der Organisierten Kriminalität. Es ist eine Schande nicht allein gegenüber den hilflos ausgelieferten Opfern, sondern auch für die vielen (Gut-)Gläubigen, die dort Halt und Seelenheil suchen und sich sozial engagieren. Was hat sich der Herr bloß dabei gedacht?
    Joachim Niepel, Pattensen (Nieders.)

  • Wenn ich nicht bereits nach der Enzyklika »Humanae vitae« aus der katholischen Kirche ausgetreten wäre, würde ich es nach der Lektüre dieses erschreckenden Artikels tun. Was für ein Horror für die betroffenen Kinder, Männer, Frauen. Und kein Ende in Sicht. Keine Entschuldigung, kein »Schmerzensgeld«, keine Empathie.
    Marlen Theiß, Mainz

  • Mit den diversen Straftaten der Kirchen machen sich die Kleriker selbst völlig unglaubwürdig, beweisen sie doch, dass sie selbst nicht an einen allwissenden und liebenden Gott oder »Schutzengel« glauben. Bei ihrem so stark ausgeprägten Narzissmus geht ihnen jede Empathie mit den Opfern ab. Kindesmissbrauch ist nach Kirchenrecht nur ein verzeihlicher Verstoß gegen den Zölibat, aber kein Verbrechen. Es ist höchste Zeit, dass unsere Politiker Schluss machen mit den diversen Privilegien der Kirchen. Sowohl im Arbeitsrecht, im Finanzrecht, im Strafrecht und im Bildungswesen genießen die Religionsgemeinschaften Vorrechte, die in einem säkularen Staat nicht mehr zeitgemäß sind. Wer Respekt erwartet, muss ihn sich auch verdienen.
    Bernd Kockrick, Braunschweig

  • Der Bericht hat mich zutiefst erschüttert. Wieder mal! Aus der katholischen Kirche bin ich schon lange ausgetreten. Und ich habe kein Verständnis für die Unterstützung der Kirche in unserem Staat. Weder für den Einzug der Kirchensteuer noch für die diversen finanziellen Unterstützungen, die der Kirche zuteilwerden.
    Birgit Hartwig, Berlin

  • Warum werden die Missbrauchsfälle in den Kirchen nicht generell von der Staatsanwaltschaft behandelt? Man akzeptiert in Deutschland schließlich auch keine Rechtsprechung nach der Scharia.
    Dr. Rudolf Winkel, Bad Kreuznach (Rhld.-Pf.)

  • Überraschen die geschilderten Missbrauchsfälle im Bistum Trier wirklich noch jemanden? Es ist ja nicht der erste und wird auch nicht der letzte Skandal sein, den die katholische Kirche ihren verkorksten Moralvorstellungen und dem unsäglichen Zölibat zu verdanken hat. Aber notfalls kann man ja alles dem Teufel zuschieben!
    Georg Malkowsky, Bockenem (Nieders.)

  • Das Decken von Straftätern mutet an wie das Gebaren einer kriminellen Organisation. Doch die katholische Kirche ist kein Teil des organisierten Verbrechens, da sie keine kriminellen Ziele hat. In den Missbrauchsfällen haben Personen der Kirchenadministration sich schuldig gemacht, ihr Fehlverhalten muss sanktioniert werden. Natürlich kann das nur der Staat leisten. Wer sonst? Die Kirche selbst etwa? Und wenn dabei die Hälfte der Bischöfe und andere Kleriker in den Bau wandert – was soll’s. Ein größerer personeller Wechsel, ein Aderlass an hochkarätigen Persönlichkeiten wäre kein Nachteil für diese so wichtige Institution. Ein Neuanfang wäre möglich, die Glaubwürdigkeit – existenziell für eine Institution, die Glauben vermitteln will – könnte zurückgewonnen werden. Und noch ein Tipp von mir als einem evangelischen Kirchenvorsteher an die Katholiken in Deutschland: Da muss man auch mal die Zentrale in Rom ignorieren und selbst das Heft in die Hand nehmen!
    Dirk Stein, Hohenstein (Hessen)

Von Alpha bis Omega auf den Punkt

Heft 49/2021 Essay: Die Versäumnisse der Politiker in der Coronakrise 

  • Selten einen so gut formulierten Artikel zur momentanen politischen Lage gelesen. Klar definierte Schwächen der Regierenden werden offengelegt, sachlich, ohne Polemik. Hoffentlich werden nicht wieder alle inzwischen getroffenen Maßnahmen vergeudet und Pläne sofort in Taten umgesetzt. Denn es muss nun wirklich etwas geschehen!
    Angelika Hinz, Hannover

  • Jeder Satz spricht mir aus der Seele, genau meine Meinung! Nur besser formuliert, als ich es könnte. Und dann behaupten diese Politiker gern, die Bevölkerung sei politikverdrossen. Nein – wir sind dieser Politiker verdrossen!
    Heinz Wagner, Berlin

  • Mein Vater war der Mann mit den 2500 SPIEGEL-Ausgaben, wie ich in seinem Nachruf erwähnte. Diese Tradition setze ich nun fort. Dieser glänzende Versuch einer Beschreibung des deutschen Politikversagens hätte auch ihn begeistert. Hier stimmt einfach alles: jeder Gedanke, jedes Wort, sozusagen von Alpha bis Omega auf den Punkt gebracht.
    Gabriele Pohl, Berlin

  • Herr Fichtner meint, es »müsste eine Regierung doch in der Lage sein, sofortige Entscheidungen zum Schutz des Landes und der Leute zu fällen«. War sie auch, bis in den Medien, auch im SPIEGEL, solche Entscheidungen als Eingriff in die Selbstverantwortung der Bürger bekämpft wurden und die Ampel das Infektionsschutzgesetz auf Druck der FDP so geändert hat, dass Einschränkungen der Freiheit nur noch von einzelnen Bundesländern und nur in einem parlamentarischen Prozess verhängt werden können.
    Jürgen Thiede, Kirchlinteln (Nieders.)

  • In verständlicher Klarheit und schonungsloser Offenheit hat Ullrich Fichtner zusammengefasst, warum wir in unserem Land in der Pandemiebekämpfung von einem Desaster in das nächste stolpern. Zum Glück hat der Souverän das Komplettversagen koordinierten staatlichen Handelns mit der Abwahl der politisch Hauptverantwortlichen bestraft. Die Folgen dieses unsäglichen Stümperns auf Regierungsebene werden uns aber noch sehr lange beschäftigen. Die Medizin hat für mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen aus einer Erkrankung den Begriff Long Covid geprägt. Einige politische Long-Covid-Folgen sind jetzt schon sichtbar: Radikalisierung und zunehmende Spaltung in der Gesellschaft, erodierendes Vertrauen in die Glaubhaftigkeit von politischen Entscheidungsträgern, Zukunftsängste bei vielen Menschen und einfach das Gefühl, aus dieser Spirale von Lockerungen und wiederkehrenden Beschränkungen nicht mehr herauszukommen. Das Leben ist einfach nicht mehr planbar!
    Jochen Polster, Elsterwerda (Brandenb.)

Aus Denkfallen herausgezogen

Heft 49/2021 Impfung: Was bringen Solidaritätsappelle an Ungeimpfte? 

  • Vielen Dank für diesen Artikel, der endlich einmal die Relationen wiederherstellt und daran erinnert, dass es deutlich unterkomplex ist, Ungeimpfte als die alleinigen Sündenböcke abzustempeln. Erinnert sich noch jemand, wer im Frühjahr als unsolidarisch und unverschämt beschimpft wurde? Es waren die Impfvordrängler*innen. Nach der aktuellen Lesart wären sie dann die wahren Held*innen, weil sie alles darangesetzt haben, um sich »aus gesellschaftlicher Solidarität« impfen zu lassen? Ich gestehe, ich war einfach nur unendlich erleichtert, dass ich mich durch die Impfungen schützen konnte.
    Isa Baumgart, Hamburg

  • Danke an Peter Maxwill! Wie kann man so jung und so klug sein? Der Artikel hat mir Luft zum Atmen geschenkt – für Kopf und Herz. Er hat auch mich aus Denkfallen herausgezogen. Toll!
    Dr. Birgit Jansen, Kassel

  • Ich habe vor allem im beruflichen, teilweise aber auch im privaten Umfeld mit relativ vielen Impfmuffeln oder gar Coronaleugnern zu tun. Da ich diese Einstellung letztlich nicht nachvollziehen kann, musste ich einen Weg finden, mich damit zu arrangieren. Die Politik macht es sich mit ihrem Ungeimpften-Bashing ziemlich leicht. Im privaten Umfeld musste ich erfahren, was das für Auswirkungen hat und wie etwa Freundeskreise darunter leiden. Herausgekommen sind viele Gedanken und Ansätze, die ich bei Herrn Maxwill in zu Ende gedachter und fundiert ausformulierter Form wiederfinde. Ich kann mich nur bedanken für diesen tollen Beitrag. Das Beste, was ich seit Langem zu dem Thema gehört oder gelesen habe. Ich hätte den schon ein paar Wochen früher gebrauchen können.
    Achim Hübner, Duisburg

  • Herr Maxwill weist zu Recht auf viele Versäumnisse der Politik hin. Sein wesentlicher Argumentationsstrang, die Impfverweigerer hätten keinen persönlichen Nutzen, trägt aber nicht. Viele Impfverweigerer bauen darauf, dass die breite Bevölkerung durch ihre Impfbereitschaft die Pandemie beherrschbar hält, Alte und Kranke schützt und dafür die Restrisiken der Impfung trägt. Durch diese breite Impfbereitschaft – so war es zumindest lange Zeit herrschende Meinung – entstünde eine Herdenimmunität, die dann auch die Impfverweigerer schützt und diesen die Restrisiken der Impfung erspart. Eben das ist der persönliche Vorteil, und dieses Verhalten ist letztlich gesellschaftliche Trittbrettfahrerei.
    Heinz Essling, Bodenheim (Rhld.-Pf.)

  • Die kluge Analyse von Peter Maxwill habe ich gerne gelesen. Ich frage mich nur, wie »ernst zu nehmende Konzepte gegen Verschwörungsnarrative« aussehen sollen. Mit Bildung allein wird es da nicht getan sein. Anhänger von Religionen oder der Homöopathie beispielsweise erlebe ich keineswegs allesamt als ungebildet. Und obwohl es für diese Lehren keinerlei wissenschaftliche Evidenz gibt, muss ich sie über meine Steuern beziehungsweise Krankenkassenbeiträge sogar mitfinanzieren.
    Gunnar Blumert, Burg (Schl.-Holst.)

  • Was Herr Maxwill behauptet, ist Unsinn. Seit Verfügbarkeit der Impfstoffe gab es wiederholt und mehrfach Appelle, sich impfen zu lassen, sowohl vom Robert Koch-Institut als auch von der Regierung, mit dem Hinweis, dass für eine Herdenimmunität eine Impfquote von mindestens 70 Prozent nötig sei. Später wurde dies mit Verweis auf die Delta-Variante auf 80 Prozent korrigiert. Deswegen ließ ich mich auch impfen – aus Gemeinsinn, und nicht aus Egoismus.
    Rainer Ludwig, Bremen

  • Laut Peter Maxwill kann und muss der Staat alles richten – wie bequem, dass die einzelnen Bürger also der Verantwortung enthoben sind. Das mag für totalitäre Staaten stimmen, die ihrer Regierung fast unbegrenzte Durchsetzungsmöglichkeiten bieten. Liberale Gesellschaften wie die deutsche räumen den Menschen aber weitgehende Freiheitsrechte ein, die sich in Krisensituationen positiv oder negativ auswirken können. Nutzt jemand diese Freiheitsrechte und lässt sich nicht impfen, kann man ihm das nicht vorwerfen – da hat Maxwill natürlich recht. Aber für die Konsequenzen dieser Entscheidung ist dann nicht mehr der Staat verantwortlich, sondern der Ungeimpfte.
    Klaus Janke, Frankfurt am Main

  • Selten so eine scharfsinnige und zutreffende Analyse gelesen. Freue mich schon auf weitere Artikel von Peter Maxwill!
    Harald Bühler, Ludwigshafen

Nr. 49/2021 SPIEGEL-Gespräch mit der künftigen Bundesministerin Anne Spiegel über eine moderne Rollenverteilung 

  • Ich frage mich, warum es in der Pandemie ein Problem ist, wenn auch mal ein Kind durchs Ministerium läuft. Bei mir in der Kita laufen ständig Dutzende durch die Gegend, ohne Abstand. Sie niesen und husten sich sogar gegenseitig ins Essen. Luftfilter gibt es auch keine. Aber niemanden interessiert’s.
    Marion Ulherr, Pommelsbrunn (Bayern)

Nr. 49/2021 Das vierte Coronasemester in Folge plagt Studierende und Dozenten 

  • Vielen Dank, dass Sie auf die Situation der Studenten in der Pandemie aufmerksam machen.
    Birgit Keetmann, Berlin

Nr. 49/2021 Bunt und wild – Sylvester Stallone als Maler  / Boris Palmer legt sich in Tübingen mit SUV-Fahrern und Ressourcenverschwendern an 

  • Das Interview mit Sylvester Stallone erfreute mein Herz – das mit Boris Palmer meinen Verstand – danke für beide!
    Katja Mackens-Hassler, Hamburg

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