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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Krieg in der Ukraine, Manuel Neuer, Gebühren und Pflege – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 19/2022

Was ist ein echter Pazifist?

Heft 18/2022 Titel: Die Olivgrünen 

  • Ihre Farbenlehre ist recht hübsch. Sie erinnern den greisen Politikbeobachter an die Prophezeiung von Franz Josef Strauß, dass grüne Tomaten rot werden, wenn sie reifen. – Und wenn sie alt werden, braun, möchte man fassungslos hinzufügen. Kenner der deutschen Geschichte verwundert es nicht, wenn plötzlich wieder Rüstzeit ist. Offensichtlich vermag ein kommender Weltenbrand die Herzen der Intellektuellen, Künstler und Friedensfreunde so zu entfachen, dass sie mitbrüllen: »Zu den Waffen!«
    Dr. Dr. Franz Egid Börner, Ingolstadt

  • Herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Titelblatt! Herr Hofreiter mit einer Panzerfaust – herrlich. Man könnte bei ihm auf den Gedanken kommen: kein Ministeramt, nun treibe ich die Ampel. Von der Basis der Grünen, die ja immer noch pazifistisch sein will, hört man überhaupt nichts.
    Hans-Ulrich Bresch, Cuxhaven (Nieders.)

  • Das Titelbild ist völlig unangemessen. Die Grünen sind keine Kriegstreiber. Ich verstehe nicht, was dieser Artikel bezweckt. Wollen die Autoren der Ukraine nicht helfen, sich gegen Putin zu wehren, wollen sie einige SPD-Mitglieder wie Mützenich in ihrer Haltung bestärken? Vertreten sie die Position einiger Friedensbewegter, die sich, egal, was in der Ukraine passiert, zurückhalten wollen? Dass Diplomatie bei Putin am Ende ist, muss doch jedem klar geworden sein. Wir sollten, auch aus eigenem Inte­resse, die Ukraine militärisch unterstützen.
    Dietlind Thiessen, Hamburg

  • Es ist erschreckend, wie die Grünen, die den Pazifismus einst als Markenzeichen hatten, fast re­flektionslos in eine Eskalationsspirale hineinmarschieren. Sie wollen den Krieg gewinnen, das verlangt ihr Gerechtigkeitssinn so. Aber was man tun kann, um die kriegführenden Parteien zum Waffenstillstand zu bewegen, daran denken sie nicht.
    Marc Nottelmann-Feil, Düsseldorf

  • Frau Baerbock ist mit weitem Abstand das Beste, was wir seit fast 20 Jahren in ihrem Amt hatten. Keine Diplomatie, sondern Klartext. Genau richtig so. Mit frommen Wünschen à la »Frieden schaffen ohne Waffen« verteidigt man doch nicht die Ukraine. Erst kommt die Freiheit, dann die Partei.
    Frank Platte, Wuppertal

  • Einen dümmeren Bericht habe ich lange nicht gelesen, und mit Verlaub, ein passenderes Wort kann ich nicht finden. Tatsächlich erwarte ich von gewählten Repräsentant:innen und Regierungsmitgliedern eine andauernde kritische Auseinandersetzung mit den eigenen politischen Positionen und Werthaltungen. Der schon fast hämische Tenor des Beitrags ist unangebracht, ebenso wie das Titelbild. Die Situation ist ernst. Eine Anbiederung an die »Titanic« ist doch sicherlich nicht gewollt.
    Anne Danowski, Berlin

  • Was ist ein echter Pazifist? Wer jegliche Waffe und Verteidigungsmethode ablehnt? Wer auf die linke Wange geschlagen wird und dann die rechte hinhält? Wer sich als Ukrainer:in von russischen Soldaten erschießen oder per Bombe töten lässt? Ich bin gegen Angriffskriege. Aber ich bin dafür, jemandem in einer Notwehrsituation, wie sie Putin den Ukra­inern aufzwingt, beizustehen. Appelle internationaler Politiker an Putin und Boykottmaßnahmen haben nichts bewirkt. Vielleicht sind Waffenlieferungen eine Sprache, die bei ihm Verhandlungsbereitschaft auslöst.
    Dr. Angelika Koller, München

  • Haben Sie in Ausgabe 17 dem Bundeskanzler noch zögerliches Verhalten vorgeworfen, so schwenken Sie in Ausgabe 18 um – auf den Vorwurf des zu forschen Verhaltens der Grünen. Wie eine Fahne im Wind scheint sich die Redaktion drehen und dem anpassen zu können, was der Mainstream gerade fordert. Und eine alberne und naive Einleitung über die Wehrtauglichkeit von Herrn Hofreiter muss herhalten, um die friedenssichernde Einstellung der Grünen grundsätzlich infrage zu stellen.
    Andreas Habel, Siegen

  • Auf eine schöne Darstellung der Einigkeit der Grünen die Waffenlieferungen betreffend folgt am Ende des Artikels eine an den Haaren herbeigezogene Kritik. Die klare Linie, die die Grünen aktuell fahren, sei schlecht für das politische Klima und unsere Demokratie, da zu ihr Meinungsvielfalt gehöre. Das ist Unsinn, denn eine Partei, die sich bei einem Thema komplett einig zu sein scheint, ist sicherlich kein Grund, um die Demokratie in unserem Land zu bangen. Noch unsinniger wirkt die Kritik, wenn dann der nächste Abschnitt davon handelt, dass sich die SPD beim selben Thema uneinig ist, was in diesem Fall als schlecht angesehen wird und als Grundlage dazu dient, die Kanzlerpartei zu mehr Geschlossenheit aufzurufen. Hier hätten sich die 14 (!) Autoren vielleicht besser über ihre Forderungen absprechen sollen.
    Anne Pfeiffer, Heidelberg

Längst widerlegte Scheinargumente

Heft 17/2022 Unsere drei Nuklearwaffen gegen Putin

  • Mit Vergnügen und meist völliger Zustimmung verfolgte ich bislang Alexander Neubachers Kolumnen, die, anders als die seines Vorgängers Jan Fleischhauer, zumeist unparteiisch und sachbezogen sind, teilweise mit feingeistigem Hintersinn. Mit dem Plädoyer für eine Weiternutzung der Atomkraft jedoch greift er alte, längst widerlegte Scheinargumente auf. Selbst die betroffene Industrie winkt ab und verweist auf die technische Unmöglichkeit, so schnell die Kraftwerke auf längere Laufzeiten vorzubereiten, da die Abschaltungen längst im Gange sind. Auch finanziell ist es ein Irrweg, jegliches Geld ist besser und vor allem schneller in erneuerbare Energiegewinnung angelegt. Darüber hinaus sollte
    sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass der Betrieb von Atomanlagen keineswegs »klimaneutral« ist – vom Bau bis hin zur Urangewinnung und -anreicherung.
    Hatto Weber, Kressbronn (Bad.-Württ.)

  • Herr Habeck findet es sicherlich nicht einfacher, den Weg nach Katar zu gehen, als die Laufzeit deutscher Atomkraftwerke zu verlängern – diese Attacke ist sehr unangebracht. Ich ahne außerdem, was ich lesen werde, wenn es zum GAU kommen sollte: »Wäre es nicht sicherer gewesen, sich zu überwinden und mit Katar zu reden, Herr Habeck?«
    Martin Klaus, Ostrava (Tschechien)

Es fehlen drei Punkte

Heft 17/2022 Auf der Alm mit Nationaltorhüter Manuel Neuer 

  • Vielen Dank für das sehr ausführliche und interessante Porträt von und Interview mit Manuel Neuer. Manuel Neuer ist wirklich ein Segen für den deutschen Fußball. Trotzdem fehlen in dem Porträt drei Punkte, die das Bild komplett machen. Erstens: Durch die nun zwölf Jahre Neuers als Nationaltorhüter haben leider andere wirklich gute Torhüter, wie Marc-André ter Stegen, keine Chance als Nummer eins gehabt. Zweitens: Im Sommer 2020 hat Manuel Neuer im Kroatienurlaub ein Lied einer rechtsnationalistischen Band gesungen und sich nicht der Kritik gestellt. Warum hat Ihr Autor dieses Thema mit Herrn Neuer nicht besprochen? Drittens: Herr Neuer hat bei der Fußball-WM 2018 als Kapitän zunächst nicht Mesut Özil verteidigt und geschwiegen, wie es ein Kapitän nicht machen sollte. Später hat er dann auch noch Mesut Özil abgesprochen, ein stolzer Deutscher zu sein. Diese Aussagen waren damals nahezu rassistisch. Dazu schweigt Ihr Autor in diesem Artikel ebenfalls. Ich finde es sehr wichtig, dass der SPIEGEL einen so wichtigen Protagonisten des deutschen Fußballs porträtiert. Bitte machen Sie das dann aber auch, indem Sie die ganze Komplexität des Herrn Neuer in ihre verschiedenen Facetten aufbrechen.
    Jens Blümchen, Köln

  • Vier Seiten für ein inhaltsloses Porträt! Ich schätze Manuel Neuer; dieses niveaulose Interview hat er nicht verdient.
    Alexander Reiter, Kirchzarten (Bad.-Württ.)

Lachen verboten!

Heft 17/2022 Warum ist ein neuer Pass so teuer? 

  • Als ebenfalls Betroffene von abgelaufenen Dokumenten möchte ich erwähnen, dass es nicht nur die Gebühren sind, die wir berappen dürfen. Für jedes neue Dokument wird ein aktuelles Passbild verlangt. Das darf nicht ein Porträt vom Handy sein, nein, es muss ein biometrisches Passbild vom Fotografen sein. Was das kostet ...
    Hannelore Sattelmaier, Asperg (Bad.-Württ.)

  • Genau wie Frau Supp habe ich mich auch immer gefragt, warum vorgeschriebene Dokumente eigentlich so teuer sind, also warum überhaupt dafür gezahlt werden muss. Die Antwort darauf hätte mich sehr interessiert, ich habe es aber nicht wirklich beantwortet gefunden.
    Frank Schwerdtfeger, Kiel

  • Dass Menschen, denen mit der sogenannten Grundsicherung nur das finanzielle Existenzminimum zugestanden wird, sich die Gebühr für einen Personalausweis vom Munde absparen müssen, ist ein kaum zu toppender Zynismus unseres Sozialstaates.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • 60 Euro für den Reisepass, 37 Euro für den Personalausweis? In Felix Austria darf man 61,50 Euro für den Personalausweis und 75,90 Euro für den Pass berappen. Foto (lachen verboten!) extra. Also seid froh, wenn ihr bei den Preußen haust.
    Friedrich Strassegger, Eggesin (Meckl.-Vorp.)

Das Schlimmste ist der Fraß

Heft 17/2022 Wie es wirklich ist, wenn man alt wird - eine Pflegerin berichtet 

  • Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen, obwohl ich nicht so lange Nachtschichten gemacht habe. Es ist einfach unmenschlich, was da abgeht. Hat mich damals an eine Massenstation im Tierbereich erinnert. Man versucht, den Menschen gerecht zu werden, aber man schafft es nicht. Es ist ein Anrennen gegen die Zeit. Die letzten Jahre habe ich die Senioren von und zur Tagespflege gefahren, das hat mir wirklich Spaß gemacht. Das Schlimmste ist, dass in den Heimen aus Kostengründen so ein Fraß serviert wird, von dem niemand gesund werden kann. Allein schon ausreichend Wasser trinken würde so manche Probleme minimieren.
    Elke Hellmich, Wismar (Meckl.-Vorp.)

  • Mich hat der Text verstört und entsetzt. Beruhigend ist, dass keine:r der bis ins peinlichste Detail beschriebenen Heimbewohner:innen noch lebt. Die Vorstellung, dass ich im hohen Alter nicht nur gebrechlich, dement und inkontinent wäre, sondern riskieren müsste, in diesem Zustand in die (literarische) Öffentlichkeit gezerrt zu werden, bestärkt mich darin, rechtzeitig zu gehen – in Würde. Das Wort »Sterbehilfe« fehlt auf den vier Seiten. Zwischen den Zeilen habe ich es mehrfach gelesen: als selbstbestimmtes Ende eines erfüllten Lebens, dem man keinen kostspieligen Zustand des Ausgeliefertseins, der Trostlosigkeit und Einsamkeit anfügen muss.
    Karin Unkrig, München

Lolita wurde missbraucht

Heft 17/2022 Nachrufe

  • Es ist erstaunlich, wie lange Fehlinterpretationen sich halten können. Catherine Spaak gab also die »lolitahafte Verführerin«? Bei Vladimir Nabokov ist Lolita ein 12-jähriges Kind, das von einem Erwachsenen missbraucht wird, der ihr Leben zerstört. Humbert Humbert ist ein pädophiler Vergewaltiger. Er redet sich seinen Trieb allerdings selbst so schön, dass der männliche Leser bereitwillig darauf hereinfällt. Ich habe das bereits mit 16 Jahren begriffen, als ich das Buch zum ersten Mal las. Das war vor genau 50 Jahren. Aber auch heute ist eine »Lolita« offenbar immer noch eine kindliche Verführerin und nicht das vergewaltigte Kind, das sie tatsächlich ist. Schuld daran war auch Stanley Kubricks Verfilmung mit einer Darstellerin, die keinerlei Ähnlichkeit mit der Romanfigur hat.
    Helgard Rodenkirchen, Berlin

»Sicht der FDP hat sich durch­ge­setzt«

Heft 17/2022 Interview mit Christian Dürr (FDP) über die Ampelkoalition

  • Der Logik der Fachleute Kubicki, Dürr und Kollegen folgend, die Bürger müssten nicht per Gesetz zum Selbstschutz gegen Covid-19 verpflichtet werden, können nun die Sicherheitsgurte in Pkw abgeschafft werden. Das engt die freien Bürger nach dieser Logik unzulässig ein.
    Klaus Kellner, Bremen

Der Slimfit-Politiker

Heft 17/2022 Wie Hendrik Wüst die Landtagswahl gewinnen will 

  • Hendrik Wüst ist für mich der Söder von Nordrhein-Westfalen. Beide flüssiger als Wasser, nämlich komplett überflüssig.
    Barbara Maisch, Ditzingen (Bad.-Württ.)

Made in Harsewinkel

Heft 17/2022 Meltem Kaptan überzeugt in der Rolle als Mutter von Murat Kurnaz 

  • Leider war wohl nicht mal Platz für einen Halbsatz darüber, welche Rolle unser derzeitiger Bundespräsident beim jahrelangen Martyrium des Murat Kurnaz spielte.
    Ralph Siegl, Esslingen (Bad.-Württ.)

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