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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Kriegskanzler Scholz, Nato-Luftüberwachung, Gesundheitsminister Lauterbach, Agrarminister Özdemir und Barbara Schöneberger – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 14/2022

Auf dem Weg zum Feuerwehrauto

Heft 13/2022 Titel: Krieger wider Willen 

  • Olaf Scholz mit Barett und mit seinem typischen zurückhaltenden Lächeln ein »Krieger wider Willen«? Wie passt das bei diesem doch ausgesprochen zivilen und zivilisierten Mann – so jedenfalls der öffentliche Eindruck – zusammen? Und dazu dann noch die Unterzeile? Olaf Scholz ist der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Ist Deutschland damit »sein Land«? Und verändert sich ein Politiker und sogar ein ganzes Land innerhalb der vier Wochen, die diese Tragödie jetzt schon dauert?
    Rosemarie Leonhardt, Stockach (Bad.-Württ.)

  • Bei der Gestaltung des Titelbilds hat sich die Redaktion eine seltene Fehleinschätzung erlaubt. Der Politiker Scholz ist nun wirklich kein gewandeter Militär, wie es das Titelbild suggeriert. Treffender wäre das Bild von Herrn Scholz mit der Zipfelmütze des »deutschen schläfrigen Michels«.
    Dr. Udo Küppers, Bremen

  • Leider hadern Melanie Amann und Martin Knobbe für meinen Geschmack zu sehr mit dem Auftreten von Kanzler Scholz. Für mich spricht in diesen unsicheren Zeiten nichts gegen einen Kanzler wie diesen, der sich selbst offenbar so sieht: »Exzellent präpariert, gewieft, notfalls knallhart«. Also keine wortreichen Schwafeleien, wie sie uns andere Politiker gerne auftischen. Boulevard war gestern. Lasst das mal den Olaf machen!
    Cornelia Wesemann, Ludwigsburg (Bad.-Württ.)

  • Es heißt, man beginne sein Leben als Brandstifter und beende es als Feuerwehrhauptmann. Kanzler Olaf Scholz ist auf dem Weg zum Feuerwehrauto: gegenständlich zweckmäßig und die meiste Zeit verborgen in der Garage.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)

  • Ihr Kanzlerporträt verdeutlicht, dass Olaf Scholz als Regierungschef die weniger schlechte Alternative zu Laschet, Söder oder Merz ist. Er sollte die soziale Gerechtigkeit aber nicht dem Koalitionsfrieden opfern wie etwa beim jüngst verabschiedeten Energie-Entlastungspaket. Zahler des Spitzensatzes bei der Einkommensteuer können die gestiegenen Energiepreise im Gegensatz zu Geringverdienern ohne staatliche Unterstützung tragen.
    Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)

  • Unter der Rubrik »Gespaltene Lager« finde ich es sehr befremdlich und absolut irreführend, bei nur einem Prozent Unterschied einen dicken, fetten Balken zu zeigen, der »sehr unzufrieden« anzeigt. »Unzufrieden« sind demnach 43 Prozent der Bundesbürger. Aber 42 Prozent sind »sehr zufrieden«. Mit diesem Bild suggerieren Sie, wie viele unzufrieden sind. Warum machen Sie das so? Sie sind absolut nicht souverän mit Ihrer Grafik.
    Martina Möller, Bad Marienberg (Rhld.-Pf.)

  • Krisenkanzler mit Bundeswehrbarett: merkwürdig für einen Wehrdienstverweigerer. Immerhin hat er den Wumms mit dem Sondervermögen initiiert. In der vergangenen Koalition mit Frau Merkel hat er deren sicherheitspolitische Schlafwagenpolitik mitgetragen und die Geldverbrennung des Koblenzer Beschaffungsamts nicht gestoppt. Hoffentlich kommt die Erkenntnis nicht zu spät, dass Verweigern oft nicht hilft. Theodore Roosevelt hat gesagt: »Deine Rede sei sanft, aber trage einen langen Stock.« Wir haben über Jahrzehnte nicht mal den Stock finanziert.
    Albert Waldhoff, Düsseldorf

  • Wenn der Krieg, so Friedrich Nietzsche, der Winterschlaf der Kultur ist, dann wäre es Zeit, dass der Krieger wider Willen Scholz im Angesicht des Genozids in der Ukraine beginnt aufzuwachen. Ein Barett der Panzertruppe mit Eichenlaub und Bundesflagge entwürdigt den vermeintlichen Krieger und passt einfach nicht in die vermeintliche Zeitenwende, die man »verpennt« hat.
    Uwe Rakow, Kirn (Rhld.-Pf.)

  • Wenn diese Zeit nicht so dramatisch wäre, würde ich behaupten, Kanzler Scholz sieht auf Ihrem Titelbild dem Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh ähnlich. Ich hoffe, der Kanzler und die Regierung bleiben standhaft auf Friedenskurs. Dennoch leiden meines Erachtens die Regierenden seit Jahren entweder an Schluckauf oder Panikattacken: Fukushima – sofort Atomstrom aus. Klimakrise – nur noch E-Mobilität. Krieg in der Ukraine – Gas aus Katar, Fracking-Gas aus den USA nach Brunsbüttel. 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr – gern geschehen, aber wo bleiben die 100 Milliarden für den Klimaschutz? Wir brauchen Frieden und keinen Nato-Einsatz.
    Barbara Schantz-Derboven, Lüneburg

  • Es ist unsinnig bis verwerflich, Olaf Scholz’ Kanzlerschaft in dieser Situation anzuzählen. Keine Bundesregierung außer vielleicht der ersten war gleich zu Beginn ihrer Amtszeit mit derart existenziellen Herausforderungen konfrontiert und musste in so kurzer Zeit ohne Rückversicherungsmöglichkeit so fundamentale Entscheidungen treffen. Dass diese dann nicht alle ganz perfekt sind und dass auch einige schwere Fehler passieren, liegt mehr an den Umständen, weniger an den Handelnden.
    Alexander Kühn, Essen

Empathie und Vernunft

Heft 12/2022 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand

  • In Zeiten der Aggression gegen die Ukraine ist gründliche und genaue Berichterstattung darüber von entscheidender Bedeutung. Ich danke dem SPIEGEL für die großartige Arbeit, die er hier leistet. Herausgreifen möchte ich die Kolumne von Markus Feldenkirchen: einfühlsam, nüchtern und abwägend. Sie könnte als Lehrstück in einem Seminar über den gesunden Menschenverstand dienen.
    Eckart Herold, Berlin

  • Ich schätze die analytischen Fähigkeiten von Markus Feldenkirchen, aber hier liegt er falsch. Putin ist ein Kriegsverbrecher wie Hitler. Auch dieser musste militärisch besiegt werden. Die Nato muss eine »no-fly zone« einrichten. Sonst müssen wir uns an die Bilder von verwüsteten Städten gewöhnen: Grosny, Mariupol, Charkiw, Kiew. Wir sollten die Appeasement-Politik von Angela Merkel beenden. Putin versteht keine andere Sprache als die der militärischen Gewalt. Wir müssen die »German Angst« ad acta legen. Wo bleibt die werteorientierte Außenpolitik?
    Nikolaus Kollin, München

  • Ich bin seit Jahrzehnten ein treuer SPIEGEL-Leser. Das hätte sich seit den letzten Heften fast geändert. Dann las ich diese Kolumne von Markus Feldenkirchen. Inmitten der Kriegsberichterstattung der einzige Beitrag, der Empathie und Vernunft verbindet. Solange solche Texte eine Chance auf Veröffentlichung habe, bleibe ich Ihrem Magazin verbunden.
    Dr. Jürgen Vahle, Bielefeld

  • Herr Feldenkirchen bringt es auf den Punkt: »Ja, das ist zu viel verlangt«, dass die Nato aktiv in den Kampf eingreifen soll, weil dadurch das Elend der Bewohner in der Ukraine nicht verringert, sondern nur auf unendlich viele Menschen in anderen Ländern ausgeweitet würde. Wir müssen für diese längst fällige Klarstellung dankbar sein, weil mit ihr Verantwortung bewiesen wird entgegen den gefährlichen Meinungsäußerungen vieler gedankenlos schreibender und plappernder Zeitgenossen, denen nicht bewusst ist, wie schnell ein Krieg mit unabsehbaren Folgen sich ausbreiten und unter Umständen auch sie betreffen könnte. Ihnen kann man nur zurufen: Denkt endlich einmal nach, bevor ihr etwas zu Papier bringt oder sagt.
    Volkmar Menke, Kipfenberg (Bayern)

Hasenfüßigkeit statt Führung

Heft 12/2022 Öffentlich mahnt Gesundheitsminister Karl Lauterbach, intern gibt er nach 

  • Damit steht nun also fest, dass wir die mit Sicherheit kommende sechste Welle im Herbst vor allem der FDP zu verdanken haben. Aber auch der Regierung insgesamt, die es immer noch nicht geschafft hat, gegen spinnerte Faktenleugner die Impfpflicht durchzusetzen.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • Wer Führung bestellt, bekommt Hasenfüßigkeit. Anders ist das Agieren von Kanzler, SPD und Grünen bei der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes nicht zu erklären. Das Bild ihrer Redner bei der Gesetzeslesung im Bundestag: jämmerlich. Auch wenn die Angst davor offenbar groß war: Die FDP hätte wegen einer Maskenpflicht im Einzelhandel wohl kaum die Regierung platzen lassen. Oder ist die Durchseuchung der Bevölkerung das Ziel? Das wäre bei der Möglichkeit zur Mehrfachansteckung wohl kaum zielführend. Sollte bei weiterhin hohen Inzidenzen auf Betreiben der FDP auch noch die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr abgeschafft werden, so wäre die Verkehrswende wohl erledigt. Ohnehin kein Herzensanliegen der FDP.
    Wolfgang Fengler, Bonn

Von der Lebensrealität entkoppelt?

Heft 12/2022 Agrarminister Cem Özdemir warnt vor Hungersnöten 

  • Bei der Ernennung von Cem Özdemir zum Landwirtschaftsminister wurde allgemein gelächelt. Aber wenn Özdemir nur einen Teil seiner Vorschläge umsetzt, die er jetzt nennt, ist er besser auf diesem Posten aufgehoben als seine Vorgängerin Julia Klöckner.
    Björn Uhlhorn, Laatzen (Nieders.)

  • Vor zwei oder drei Wochen wünschte sich Karl Lauterbach 80 Prozent weniger Fleischkonsum im SPIEGEL. Jetzt sagt Cem Özdemir: »Weniger Fleisch zu essen wäre ein Beitrag gegen Putin.« Ich habe den Eindruck, mit Weniger-Fleisch-Essen lösen wir alle Probleme der Welt. Mein zweiter Eindruck: Wir haben Politiker, die sich von der Lebensrealität der Bevölkerung entkoppelt haben.
    Heino Matthies, Berlin

  • Ich habe noch die Zeiten erlebt, als es Lebensmittelmarken gab. Das alles könnte wieder geschehen. Ich stelle mir die Frage, ob wir unsere Energieabhängigkeit und unsere Energiekosten und deren direkte Folgen für die Klimakrise nicht durch Energiemittelkarten etwa für Mobilität oder Heizen in den Griff bekommen könnten, solange das noch freiwillig geht.
    Peter Erk, München

Laut, flach, irgendwie komödiantisch

Heft 12/2022 SPIEGEL-Gespräch mit Barbara Schöneberger über Geld und Feminismus 

  • Frau Schöneberger geht mir fast immer auf die Nerven, egal ob im TV, mit ihrer Zeitschrift oder wo auch immer. Das Interview aber war klasse! Gute Fragen vom SPIEGEL und gute, ehrliche und intelligente Antworten von Frau Schöneberger. In Zukunft werde ich wohl immer noch keine ihrer Sendungen gucken oder ihr Magazin lesen, aber ich werde definitiv anders und mit Hochachtung über sie denken.
    Andreas Kahl, Reinbek

  • Ich liebe den SPIEGEL, weil er es regelmäßig schafft, den Menschen hinter die Stirn zu schauen, und andererseits mag ich den SPIEGEL nicht, weil er mir immer wieder Dinge präsentiert, die ich gar nicht wissen möchte, weil sie mich richtig ärgern. Aber wenn der SPIEGEL es nicht macht, wer dann? Das ist ja sein Alleinstellungsmerkmal. In die letzte Kategorie gehört auch das Schöneberger-Interview. Hier ist mein Verhalten wie bei einem schlimmen Verkehrsunfall: Man möchte es nicht sehen, aber man schaut doch immer wieder hin. Diese Moderatorin-Entertainerin-Künstlerin steht für mich sinnbildlich für den deutschen Medienkonsum im Weichspülmodus. Hauptsache: laut, flach, irgendwie komödiantisch und regelmäßig.
    Peter Mutzek, Faßberg (Nieders.)

»Genuss- und Rauschmittel gehören zur Gesellschaft dazu«

Heft 12/2022 Bundesdrogenbeauftragter Burkhard Blienert über die Cannabislegalisierung 

  • Die Einführung eines »Drogenführerscheins« anstatt idiotischer Antidrogenkampagnen dürfte einen Fortschritt bringen. Endlich ehrlich aufklären anstatt zu verklären und verteufeln.
    Markus Sautter, Schlat (Bad.-Württ.)

Was nun, Herr Scholz?

Heft 12/2022 Leitartikel: Die Bundesregierung braucht einen Neustart 

  • Treffender könnte man die Erkenntnisse von hundert Tagen Ampelschaltung im Berliner Wohlfühlbetrieb nicht beschreiben. Es wird offenbar so weitergemerkelt wie bisher.
    Claus Spielmann, Egling an der Paar (Bayern)

Invasion der Ukraine

Heft 12/2022 Vom Riss durch russlanddeutsche Familien 

  • Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man es als amüsant-lächerlich betrachten, dass Putin die Ukraine zu entnazifizieren beabsichtigt. Ausgerechnet ein ausgemachter Faschist will entnazifizieren, da soll er mal bei sich selbst beginnen.
    Reinhold Rubner, Nürnberg

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