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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Olaf Scholz, Putins Russland, Altpapst Benedikt XVI. – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 18/2022

Als Hasenfuß hingestellt

Nr. 17/2022 Titel: Wovor haben Sie Angst Herr Scholz? 

  • Der SPIEGEL ist nicht bekannt für dumme Fragen. Und jetzt gleich vorne auf dem Titel! Die Impertinenz, mit der die Frieden und Entspannung verpflichtete Haltung des Kanzlers von einer geifernden Meute als unentschlossenes Zaudern diffamiert wird, ist schon ärgerlich. Dabei sah deutsche Politik nun wirklich oft genug anders aus. Welcher Kanzler wäre denn besser als einer, der Atomkriege mehr fürchtet als die öffentliche Meinung? Die Nachwelt wird finden, dass dieser SPD-Kanzler in unserer hochgefährlichen Zeit ein Segen war.
    Peter Limburg, Ralingen-Kersch (Rhld.-Pf.)

  • Wovor der Kanzler Angst haben könnte? Vielleicht hat er mehr Verantwortungsgefühl als seine (grünen) Koalitionspartner, welche von jetzt auf gleich ihre Grundsätze über Bord werfen, oder als die vielen Journalisten, auch vom SPIEGEL, deren Artikeln man die Ungeduld entnimmt, dass auch Deutschland sich endlich am Krieg beteiligen möge. Ohne die Rolle Putins verharmlosen zu wollen – vielleicht sollten die Medien lieber der Frage nachgehen, wem ein solcher Krieg nutzt? Vielleicht will Olaf Scholz nicht der Kanzler sein, der das Go gibt für eine weitere Führungsrolle Deutschlands in einem Dritten Weltkrieg? Halten Sie durch, Herr Scholz!
    Annegret Schumann, Chemnitz

  • Die Fragen an den Kanzler sind oft unangemessen, bissig und dumm. Vor allem die Fragestellung auf dem Titel. Eine Unverschämtheit. Olaf Scholz versucht im Interview mit großem Ernst und sachlicher Argumentation seine Position darzulegen. Und das gelingt ihm überzeugend auch bei unpräzisen Fragen.
    Bernd Hanewinkel, Bülstedt (Nieders.)

  • Jeder seriöse Journalist weiß, dass Scholz natürlich keine Angst hat, sondern seine Entscheidungen ausschließlich nach sachlichen Gesichtspunkten fällt und sich nicht von Emotionalität leiten lässt. Ich bin froh, dass wir in dieser kritischen Situation einen besonnenen Kanzler haben.
    Uwe Pankel, Hamburg

  • Eine Titelseite mit der Schlagzeile »Es darf keinen Atomkrieg geben!« wäre meines Erachtens besser und hilfreicher gewesen.
    Achim Behrenwaldt, Bremen

  • Seit geraumer Zeit bekommt man in Radio und Fernsehen zu einem hohen Prozentsatz Politiker, Experten und Journalisten zu sehen und zu hören, die Olaf Scholz dafür tadeln, dass er keine »schweren Waffen« an die Ukraine liefert. Weil er alles tun will, um einen Atomkrieg zu verhindern, wird er als Hasenfuß hingestellt. Und nun auch im SPIEGEL. Statt Angst erlebe ich bei Scholz Verantwortungsbewusstsein für Deutschland. Durch diese Waffenforderungen wird die Legende vorbereitet, Deutschland werde schuld sein an der Niederlage der Ukraine, weil es die erforderliche Unterstützung vorenthalten habe. Diese Legende reiht sich dann nahtlos an den ersten Teil, dass die verfehlte Russlandpolitik der Bundesregierung (unter Angela Merkel, CDU) erst den Krieg gegen die Ukraine möglich gemacht habe. Ich bin froh, dass wir einen Bundeskanzler haben, der in dieser Situation einen kühlen Kopf behält, sich mit den Verbündeten abstimmt und, vor allem, weiter denkt – über das Kriegsende hinaus.
    Ernst F. Jochum, Bonn

  • Zwischen der vehement Scholz-kritischen Einrahmung Ihrer Berichterstattung, die in Zweifeln an der Regierungstauglichkeit des Bundeskanzlers gipfelt und der seriös-differenzierten Wiedergabe seiner Position im selben Artikel sehe ich einen Widerspruch, der Ihre These widerlegt, dass es Scholz nicht gelänge, seine Position zu erklären. Es zeigt sich vielmehr, dass besserwisserische politische und journalistische Wichtigtuer und Scharfmacher:innen sie nicht hören wollen. Übrigens zeigt Herr Scholz im Interview, dass er sie auch zu kommunizieren vermag. Es ist gut zu verstehen, dass der SPIEGEL keine Regierungspostille sein will und kann, aber meine Bitte ist, dem Bundeskanzler für sein besonnenes Handeln Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wie gut, dass er sein Tun mit seinen Bündnispartnern abstimmt und der geschundenen Ukraine alle unserem Staat mögliche und zuträgliche Unterstützung zukommen lässt, ohne sich dem von »Bild« angeführten journalistischen Mainstream-Chor mit den Forderungen nach schwerstem Kriegsgerät und gefährlicher Offenlegung aller getroffenen Maßnahmen oder den Forderungen eines zunehmend entgleisenden Botschafters vor sich hertreiben zu lassen. Sein zentrales Bemühen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und dabei der Ukraine in ihrer Verteidigungstüchtigkeit zu helfen, verdient höchsten Respekt.
    Prof. Dr. Rudolf Messner, Kassel

  • Bei seiner Vereidigung zum Bundeskanzler hat Olaf Scholz geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden – und nicht vom ukrainischen.
    Manfred Mengewein, Arnsberg (NRW)

  • Mit "Bild"-verdächtigen roten Lettern ballert der SPIEGEL auf Olaf Scholz, als sei es letztlich hinzunehmen, wenn deutsches Schwermetall den Krieg in der Ukraine verlängert und den russischen Usurpator womöglich in eine Ecke drängt, in welcher er nur noch Platz für einen Befehl zu haben glaubt: »Lasst sie die Macht unserer Raketen fühlen!« Dass Präsident Selenskyj und sein Lautsprecher in Deutschland, Melnyk, keine Bitten an unsere Regierung richten, sondern Forderungen, erhöht bei vielen Politiker:innen offenbar den Druck, ihren Anliegen ohne zu viel Nachdenken zu entsprechen. Und keinesfalls mag jemand nebenbei erwähnen, wer am meisten davon profitiert, wenn Europa im allgemeinen und speziell Deutschland als Konkurrenten auf dem Weltmarkt an Potenz verlieren. In der Tat: Unser Kanzler müsste auf den Tisch packen, was wirklich passieren kann und auch, wie Deutschland politisch und wirtschaftlich dastehen könnte, wenn Amerika unter Trump II aus der Nato ausscheiden sollte – oder was uns sonst noch in absehbarer Zeit aus unserer Wohlfühlzone rauskegeln könnte.
    Reinhard Bartsch, Hameln

  • Auch 100 Marder werden nicht verhindern, dass weiter Städte in der Ukraine zerbombt und Zivilisten getötet werden. Ich bin froh, von einem Bundeskanzler regiert zu werden, der sich auch von den unsäglichen Fragen von Melanie Amann und Martin Knobbe nicht provozieren lässt.
    Dr. med. Markus Schmidt, Wohnort angefragt

  • Herr Scholz erscheint mir weder ängstlich noch zögerlich, sondern verantwortungsbewusst. Schließlich geht es um die Verhinderung einer atomaren Katastrophe. Und wir Deutschen sollten uns zurückhalten, was Kriegstreiberei betrifft.
    Karin Geissler, Mardorf (Nieders.)

  • Über 20 Jahre war ich SPD-Mitglied und habe in Altona mit und für Olaf Scholz Wahlkampf gemacht, aber am 8. März bin ich trotzdem und schweren Herzens wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine und der Milliarden für die Bundeswehr ausgetreten. Und nun kritisieren Sie im SPIEGEL seit Wochen zwar auch die Politik unserer Regierung – aber genau andersrum! Sind es Ihnen nicht schon jetzt genug militärische Hilfe, genug Risiko einer atomaren Verwüstung, genug Leiden, Zerstörung und Tod für die Bevölkerung der Ukraine und Russlands?
    Julia Berendsohn, Hamburg

  • Für das Interview mit Kanzler Scholz, in dem er wie der berühmte Pudding um jede konkrete Antwort herum laviert und auch auf Nachfragen nur wiederholt, was er (nicht) gesagt hat, hätten Sie sich nicht zu bedanken brauchen.
    Lutz Krieghoff, Berlin

  • Bundeskanzler Scholz hängt an dem alten Hirngespinst und der bewährten Selbsttäuschung der SPD, dass ihre Ost- und Entspannungspolitik in irgendeiner Form zu der Wende 1989 geführt hätte. Der einzige Grund hierfür war der wirtschaftliche und moralische Bankrott des sozialistischen Systems und dessen vollständige Erschöpfung, ein System, welches sich, für alle sichtbar, überholt hatte, genauso wie das Putin-Regime jetzt. Damals spielte keine deutsche Regierung oder deren Politik eine Rolle. Heute sollte die SPD-geführte Bundesregierung zumindest aufhören, die Aktionen des Westens in der Konfrontation mit Putin auszubremsen und zu behindern.
    Nedju Buchlev, Berlin

  • Schreiben Sie doch einmal deutlich, was die Alternative zu »Reden und Handel treiben« gewesen wäre. Wir kennen den Kalten Krieg und die Aufrüstung und wir kennen die Variante Krieg: Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, Libyen, alle mit sehr vielen Toten und unmenschlichem Leid für die Bevölkerung. Der SPIEGEL redet einen neuen Krieg herbei. Sind Sie sich der Konsequenzen bewusst? Ich möchte Sie daran erinnern, dass der viel gescholtene Bundeskanzler Schröder die Suche nach den Atombomben im Irak und den damit begründeten Krieg nicht mitgemacht und dafür noch mehr Schelte als jetzt Scholz bekommen hat. Wie hat sich der SPIEGEL eigentlich damals geäußert? Ich befürchte, dass Sie mit Ihrer Art, demokratische Politiker zu demontieren und zu verunglimpfen, den Kräften in Europa Aufwind geben, die in Zukunft regieren werden oder schon regieren: Trump, Johnson, Le Pen, Wilders, Orban, Kaczynski, Höcke, Salvini, Erdoğan und so weiter. Es wäre sicherlich besser, sich den Problemen der Menschen vor allem in Ostdeutschland in den »abgehängten« Gegenden zu widmen und nicht der AfD weiteren Aufwind zu geben.
    Klaus-Dieter Wolfram, Saalfeld

  • Wieder sucht der Bundeskanzler neue Begründungen für seine Weigerung, der Ukraine zeitnah schwere Waffen zu liefern. Jetzt ist es die Sorge, einen dritten Weltkrieg auszulösen. Wenig überzeugend. Die Entscheidung, ob Russland die Nato als Kriegsteilnehmer definiert, liegt allein bei Putin. Er wird diese Entscheidung wohl kaum von der militärischen Liefermenge Deutschlands abhängig machen, sondern allenfalls vom letztlich alles entscheidenden Beitrag der USA. Da der Krieg vermutlich noch länger anhält, wäre es auch sinnvoll schon jetzt Waffensysteme zu liefern, die, wegen erforderlichem Training, nicht sofort einsetzbar sind. Diese Überlegung wird von Scholz überhaupt nicht angestellt. In dem Interview offenbart der Kanzler seine Arroganz (nur er allein weiß alles besser), wirft Nebelkerzen (alles mit den Verbündeten abgestimmt) und kann nicht erklären, warum er bisher die deutsche Bevölkerung nicht in einer Rede über seine Strategie informiert.
    Thomas Butz, Sulzbach (Hessen)

  • Im Augenblick versuche ich, mir vorzustellen, wie Putin und sein Umfeld sich die Hände reiben, wenn sie nach Deutschland schauen. Eine Regierung, die sich gerade destabilisiert, befeuert durch eine Opposition, besonders CDU/CSU. Hier geht es nur um parteipolitisches Geplänkel und nicht um den Ernst der Lage. Man überbietet sich besonders im Fordern nach dem Senden schwerer Waffen. Einige Mitglieder der Grünen und der FDP geben das Bild von Kriegsparteien ab – nicht einer Klimapartei oder Partei der Freiheit.
    Janni Zoll, Hamburg

  • Es ist keine gute Idee in schwierigen Krisenzeiten, die Regierung fast ohne Grund herunterzuschreiben. Diese Regierung wägt ab zwischen allen Fronten und versucht im Schulterschluss mit der Nato angemessen zu reagieren. Unsere Zeitungen, und da sind Sie keine Ausnahme, haben nur die Auflage im Blick und nicht ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen. Früher konnten Sie mal einen Bundespräsidenten zur Strecke bringen, heute können kriegstreiberische Ansichten von Journalisten schon helfen, einen dritten Weltkrieg auszulösen.
    Willy Winkler, Wohnort angefragt

  • Mit dem Verhöhnen der absolut stichhaltigen Bedenken des Kanzlers, der im Gegensatz zu manchen Journalisten glücklicherweise über Verantwortungsgefühl verfügt, schicken Sie Ihre Leser auf einen Irrweg. Einen Irrweg, der Wollen und Wirklichkeit verwechselt, und die schrecklich realistische und nahe Bedrohung mit einem Videospiel, in dem man mutige Parolen brüllt, die man niemals einzulösen gedenkt. Ich hoffe für Sie und für mich, dass wir Ihren Mut an der Tastatur niemals auf die Probe stellen müssen.
    Kathrin Weber, Münzenberg (Hessen)

  • Vielen Dank für den luziden und präzisen Leitartikel. In Deutschland vermissen wir seit Helmut Schmidts Kanzlerschaft gute Kommunikatoren in Spitzenämtern. Einen besonderen Tiefpunkt im kommunikativen Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern markieren Bundeskanzler Scholz und seine offensichtlich als ahnungslose Strohfrau ins Verteidigungsministerium entsandte Kollegin in der gefährlichsten Periode europäischer Geschichte seit dem Untergang der Sowjetunion. Wenn ein Politiker seinen Mitarbeitenden die Anweisung gibt, man müsse nicht auf jede Frage eine Antwort geben, verweist er damit auf eine Advokatenweisheit, die für die demokratische Debatte überhaupt nicht taugt. Wäre Scholz besser Anwalt geblieben?
    Michael Marx, Garbsen (Nieders.)

  • Herr Scholz ist unser gewählter Bundeskanzler. Ich möchte gerade nicht in seiner Haut stecken. Für mich ist es authentisch, dass er einen dritten Weltkrieg verhindern will. Bei allen Diskussionen sollte man endlich aufhören mit Schuldzuweisungen, wer was wann falsch gemacht hat. Auch ich als politisch interessierter Mensch habe Putin unterschätzt. Die Besetzung der Krim habe ich ohne große Leidenschaft dagegen hingenommen. Es war alles weit weg… Es geht im Augenblick darum, dass sich die Demokratie als Gegenmodell zu den Autokratien beweist. Ich wünsche mir, dass Regierung und Opposition zueinander finden und die richtigen Maßnahmen vereinbaren.
    Wolfgang Sechser, Nürtingen (Bad.-Württ.)

Ein bewegender Trauergesang

Nr. 16/2022 Putins Russland: Die Zerstörung einer Kulturnation 

  • So nimmt er uns mit, dieser kluge Wladimir Georgijewitsch Sorokin, auf den erschreckend leichten Schwingen seiner elaborierten Verkündung des drohenden Untergangs der letzten liebenswerten, frei dahintreibenden Insel der scheinbar ausgestorbenen russischen Kultur. Nein, sie ist nicht ausgestorben und wird nicht aussterben, auch nicht in dem womöglich bevorstehenden dunkelsten der dunklen Kapitel russischer Tragödien, denn die Apologeten der drohenden Finsternis tragen selbst das glimmende Licht der Hoffnung, denn es gibt sie, die Kinder der Ulizkajas, Nabokovs, Kaminers und Sorokins.
    Hermann Rave, Filderstadt (Bad.-Württ.)

  • Was für ein bewegender Trauergesang auf die russische Kultur, die ich so liebe.
    Ursula Horine, Konstanz

  • Ein ergreifender Text – und ausdrucksstark übersetzt! Wir erkennen: ein barbarisches deutsches 20. und ein barbarisches russisches 21. Jahrhundert.
    Heinrich Grafe, Meißen (Sachsen)

Die Kirchturmuhr auf 11:59 Uhr

Heft 16/2022 Glaube: Altpapst Benedikt XVI. wird sein Lebenswerk zerbröselt 

  • Ratzinger ist eine schon tragische Figur. Einst ein fortschrittlicher Theologe, wurde er mit der Zeit immer konservativer und starrsinniger. Er war gewiss ein guter Professor, als Bischof, vor allem als der von Rom, war er allerdings eine krasse Fehlbesetzung. Insoweit war er das genaue Gegenteil seines Nachfolgers. Dass, psychologisch gesehen, die meisten Probleme in der katholischen Kirche zumindest indirekt in der Verpflichtung zur zölibatären Lebensweise ihre Ursache haben, hatten schon vor über 500 Jahren die Reformatoren nachgewiesen; es sind nun mal nur die allerwenigsten Menschen dazu in der Lage. Das muss auch der Professor Ratzinger gewusst haben. Warum hatte er nicht den Mut, hier was zu ändern? Er wäre besser Professor geblieben!
    Gerhard Bertram, Saarbrücken

  • Nicht schon wieder ein seitenlanger Kirchen-Artikel. Kann es sein, dass Glaubens-Themen bei Ihnen deutlich mehr Raum einnehmen, als ihnen nach ihrer schwindenden gesellschaftlichen Bedeutung eigentlich zustehen würden? Ich finde Häufigkeit und Umfang jedenfalls mittlerweile lästig.
    Achim Wießler, Neuenbürg (Bad.-Württ.)

  • Es ist mir ein Bedürfnis, den Autoren zu danken, die nicht nur ohne sprachliche Attitüden, sondern ohne jede Polemik in einfach verständlichem Deutsch und mit gut recherchierten Fakten einen Essay verfasst haben, der einen Journalistenpreis verdienen würde. Als Papst war Ratzinger – in meinen Augen mehr Chefideologe als ein ernst zu nehmender, der christlichen Ethik verpflichteter Mensch – in der Position des Stellvertreters Gottes auf Erden. Ich könnte mir vorstellen, das unser (schein)heiliger Benedikt mit dieser Rolle nicht ganz zufrieden war und insgeheim das angestrebt hat, was die Religion als allerhöchste Instanz verehrt: nämlich Gott selbst zu sein, das heißt allwissend und unfehlbar.
    Dr. Gerald Jasbar, Ulm

  • Der SPIEGEL meint, Ratzinger habe die existenzielle Krise der Kirche nicht erkannt. Er ist nur einer der Kardinäle und Prälaten, die die Menschen aus der vatikanisch-katholischen Kirche treiben. Im Jahr 2022 muss Schluss sein mit Frauendiskriminierung, Machtmissbrauch sowie Sexualpessimismus und -verteufelung. Die katholische Kirche, die in einer veritablen Krise steckt, muss sich, wenn sie weitere zweitausend Jahre bestehen will, endlich dazu bekennen, dass Frauen das Priesteramt vollwertig antreten können, der Zölibat endgültig ausgedient hat und die menschliche Lust keine Sünde ist. Die absolute Monarchie ist in der Kirche unbrauchbar geworden, es ist höchste Zeit, die Laien gleichberechtigt einzubeziehen. Verabschieden sollten wir uns auch von der Männerkirche und endlich bekennen, dass die – von Gott geschaffenen – Frauen und Männer vollkommen gleichwertige Wesen sind. Die Kirche sollte nicht Angst machen, sondern den Mut haben, sich zu revolutionieren, bevor es zu spät ist. Die Kirchturmuhr steht auf 11:59 Uhr.
    Prof. Dr. Janko Ferk, Klagenfurt (Österreich)

  • Dieser Benedikt XVI. ist für mich der lebende Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt.
    Dr. Jürgen Fein, Lensahn (Schl.-Holst.)

  • Während und nach der Lektüre dieses sehr guten Artikels durchliefen mich heftige Gefühle: Ich war aufgewühlt, erbost, enttäuscht. Es ist unfassbar, wie viele Menschen durch die unsagbar überheblichen Kirchenfürsten und deren Vertreter in der katholischen Kirche verblödet sowie buchstäblich zerstört wurden.
    Petra Rühfel, Bad Waldsee (Bad.-Württ.)

Schäm dich, Linke!

Nr. 16/2022 #MeToo: Anschuldigungen gegen Mitglieder der hessischen Linkspartei 

  • Unabhängig von Parteien jedweder Couleur: Es gibt immer wieder männlichen Machtmissbrauch, der sich in Form sexueller Gewalt und sexualisierter Übergriffe oder Grenzverletzungen zeigt. Männer in gehobenen Positionen maßen sich an, über dem Recht zu stehen. Wie schlimm, eine minderjährige politisch engagierte Frau zu nötigen, durch ungewollten Eintritt über ihren Balkon! Das ist schlimmste Bedrohung und eine Straftat. Dazu dieser rassistisch-sexistische Chatkommentar von ihm an seinen Kumpel: Widerlicher geht es kaum! Dass die politisch Verantwortlichen der Linken mit Wissen über diese Ereignisse die Betroffene so allein gelassen haben, ist ein Skandal. Schäm dich, du Linke, die ich gewählt habe.
    Martina Mangels, Hamburg

  • Die Linke links liegen lassen ist jetzt das Einzige, was der Linken guttut, und dem Wähler mit.
    Harald Dupont, Ettringen (Rhld.-Pf.)

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