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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Kostenfalle Klimaschutz, Kindesmissbrauch, Missbrauch in der katholischen Kirche, Elektroautos und die Machtspiele Putins – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 6/2022
  • Ich bin wirklich sprachlos über das Cover. Wer im Jahr 2022 das Thema Klimaschutz nur auf die Kosten reduziert, hat so was von überhaupt nichts verstanden! Ja, die Herausforderung ist groß, und es wird teuer – aber nichts zu tun oder nur mal so ein bisschen zu tun ist zwar kurzfristig und monetär »billiger«, langfristig aber viel, viel, viel, viel teurer! Und diesen Zusammenhang sollten Sie als Journalisten kennen und dann nicht solchen Blödsinn schreiben.
    Georg Lösel, Potsdam

  • Man kann nur staunen und den Kopf schütteln. Die Grünen in Gestalt von Wirtschaftsminister Habeck lassen sich ein Superthema wegnehmen. Das Thema klimagerecht bauen und sanieren, Altbauten klimagerecht umbauen betrifft 80 Prozent aller Deutschen. Hier zu punkten hätte die Grünen groß rausgebracht! Energiekosten sparen und Häuser sanieren ist das Megathema der nächsten Jahre. Habeck sollte sich mit der Wohnungsbauministerin verbünden, um Scholz zurechtzurücken und gemeinsam mit ihm Lindner zu zwingen, Altbausanierung und Neubaueffizienz wieder anlaufen zu lassen. Vielleicht auch aus dem 60-Milliarden-Klima-Sonderfonds.
    Peter Drewitzki, Zweibrücken (Rhld.-Pf.)

  • Die Streichung der KfW-Förderung trifft auch die deutsche Häuslebauer-Mentalität ins Mark. Denn Tausende Eigenheimbesitzerin spe werden sich jetzt gewaltig nach der noch unverputzten Decke strecken, Tausende ihren Traum vom mietfreien Wohnen streichen müssen, nachdem Wirtschaftsminister Habeck angesichts des überforderten KfW-Etats radikal die Notbremse gezogen hat. Fehlplanungen der Vorgängerregierung hatten ihm dieses faule Ei ins Nest gelegt, aber an Habeck wird es sich festmachen, dass der angeträumte Traum vom Eigenheim für viele Bauherren nun zum Albtraum wird. War es nicht der Grüne Anton Hofreiter, der vor geraumer Zeit den Mut zum Sakrileg hatte, als er angesichts von rasantem Flächen- und Ressourcenverbrauch durch Eigenheimbau forderte, das Thema grundsätzlich einmal auf den Prüfstand zu stellen?
    Peter Seelmann, Hamburg

  • Meine Ölheizung ist defekt und muss zeitnah ersetzt werden. Und zwar erneut durch einen Ölbrenner. Dabei habe ich absolut kein schlechtes Umweltgewissen. Denn solange Tausende Lkw die A2 bevölkern, solange Flugzeuge leer durch die Lüfte fliegen und die US-Air-Force täglich Millionen Barrel Treibstoff vernichtet, werde ich nicht versuchen, mit einem Wärmepümpchen das Weltklima zu retten.
    Hans Gerd Scholz, Delbrück (NRW)

  • Der SPIEGEL kann es also doch noch! Danke für den gut recherchierten Artikel »Die Altbaufalle«. Die ehrliche Recherche bringt es an den Tag: Der Modernisierungsbedarf bei vielen Häusern ist extrem hoch. Auf viele Hausbesitzer und Mieter werden hohe Kosten zukommen, Einsparpotenzial und Gewinne durch Modernisierungen wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Zu den generell hohen Kosten kommen noch steigende Preise für Baumaterial, Bauleistungen und ein Mangel an wirklichen Fachleuten. Die Unterstützung des Staates wäre hilfreich, denn nur mit Verteuerung der Energie und markigen Worten ist die Umwelt nicht zu retten. Aber der stellt ohne Vorwarnung die KfW-Förderung für Energiesparhäuser ein. Die finanziellen Mehrbelastungen für Hausbauer und Modernisierer werden dazu führen, dass bei Neubauten die Energieeffizienz abgesenkt wird, um den Hausbau überhaupt abschließen zu können. Mancher Neubau wird nicht zu Ende gebracht, Planungen werden abgebrochen und Modernisierungen nicht getätigt. Schaden wird es der Umwelt, finanziell schwachen Althausbesitzern, Mietern und letztlich auch der Wirtschaft. Besonders schlimm ist aber, dass das Vertrauen in Staat und Regierung schwinden wird.
    Hartmut Germann

  • Der gut recherchierte Artikel macht es sich in einem Punkt einfach: Vermieter hätten kein Interesse an Sanierungen, denn sie trügen die Kosten nicht. Das ist ein Denkfehler, der in der aktuellen Debatte häufig vorkommt. Die ökonomische Betrachtung sieht vereinfacht so aus: Der Vermieter will die maximale Miete bekommen. Ein Haushalt hat für Kosten der Unterkunft Budget X. Dem Mieter ist egal, welchen Anteil er von seinem Budget für die Kaltmiete und welchen er für Energie und Heizung ausgibt. Es ist der Vermieter, dem es wichtig ist, möglichst viel des Budgets auf seine Einkommensseite zu ziehen. Je niedriger die Heizkosten, desto höher die Kaltmiete bei gleichem Budget des Haushalts. (Abgesehen davon, dass es für Besitzer ohnehin im eigenen Interesse ist, die Gebäude in gutem Zustand zu halten). Wenn Gebäude nicht saniert werden, ist der wahrscheinlichste Grund daher, dass Sanierungskosten und Einsparungen in einem schlechten Verhältnis stehen. Solange sich Sanierungen nicht rechnen, wird es ein unangenehmer Kraftakt der Regierung, sie zu erzwingen.
    Nicolas Kolowski, Berlin

Der eigentliche Durchbruch

Heft 4/2022 »Putin ist ein kalkulierender, vorsichtiger Spieler« 

  • Zu der Feststellung von Frau Chruschtschowa, dass »damals Gorbatschow zugesichert worden sei, dass die Nato keinen Zoll weiter nach Osten expandieren werde«: Dies ist nicht richtig. Präsident Bush hat Gorbatschow beim Treffen in Camp David im Mai 1990 darauf hingewiesen, dass beide Seiten im Abkommen von Helsinki festgelegt hatten, dass jedes Land frei sei, sein Bündnissystem zu wählen. Das hat Gorbatschow zum Erstaunen aller Beteiligten dann zugestanden. Darüber informierte HansDietrich Genscher auch den Nato-Rat: Es war nach Meinung der Historiker des Instituts für Zeitgeschichte »der eigentliche Durchbruch zur Lösung der Deutschen Frage«. Die frühere DDR wurde Teil der Nato, wie später nach Auflösung des Warschauer Paktes die osteuropäischen Staaten. Die genannte Zusicherung hat es nicht gegeben, weder von Deutschland – wie hätten wir souveräne Staaten bevormunden können und wollen – noch von der Nato. Die Entscheidung im Helsinki-Vertrag, dass jeder Staat frei sei, sein Bündnissystem zu wählen, wurde nicht aufgegeben. So hat es Genscher auch mir gegenüber dargestellt. In dem sehr aufschlussreichen Interview fehlt der Hinweis, dass die »Supermacht« Russland ein ökonomischer Zwerg ist. Ihre Wirtschaftskraft liegt deutlich unter der von Italien.
    Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D., Köln

Wenn die Steine weinen könnten

Heft 4/2022 1900 Seiten Schande 

  • Das Gutachten mit 1900 Seiten Umfang zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München liegt nun vor. Was geschehen ist, kann leider nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aber was hört man von den klerikalen Tätern beziehungsweise von den sie beschützenden Bischöfen? Leider bis jetzt nicht viel mehr, als dass sie peinlich berührt sind und sich schämen und entschuldigen; man hört nichts von Reue, Buße und Schuld sowie großzügigen Entschädigungszahlungen. Wahrscheinlich denken sie nicht im Entferntesten, was ihr Religionsgründer, kein Geringerer als Jesus selbst, einst sagte: »Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, dem wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt wird und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde« (Mt 18,6). Wie wäre es, wenn die Bischöfe eine Zeit lang auf die Insignien ihrer Macht verzichten und in diesem Zeitraum den Hirtenstab und die Bischofsmütze weglegen würden, da sie beim Hüten ihrer Herde falsch reagiert oder sogar versagt haben?
    Jakob Förg, Augsburg

  • Natürlich weiß man nicht erst seit der Veröffentlichung des Gutachtens, wie im Erzbistum München und Freising jahrzehntelang mit dem Thema Missbrauch umgegangen wurde. Aber plötzlich ist es so nah! Und mich beschäftigt wieder einmal, dass es den Bischöfen (und sogar dem emeritierten Papst) vor allem auf die Wahrung des »guten Rufs« der Kirche ankam, auf Kosten von Hunderten missbrauchter vor allem junger Menschen. Mir persönlich ist physisch nie etwas angetan worden, aber seelisch bin ich erschüttert. Ich bin nicht mehr jung genug, um mir eine neue spirituelle Heimat zu erschließen. Obwohl ich 25 Jahre im evangelischen Kirchenchor gesungen habe und seit einiger Zeit die evangelischen Universitätsgottesdienste besuche, kann ich nicht einfach bei der evangelischen Kirche andocken. Ich bin katholisch sozialisiert, der Katholizismus ist meine geistige, meine spirituelle Heimat. Evangelische Gottesdienste erreichen meinen Verstand, aber das Herz, die Seele erreichen sie nicht. Nein, zu konvertieren ist keine Option für mich. Aber die katholische Kirche, so wie sie sich zurzeit darstellt, ist nicht mehr meine Heimat. Und darüber bin ich viel trauriger, als ich es je für möglich gehalten hätte.
    Marlen Zimniok, Ebersberg (Bayern)

  • Kardinäle wie Ratzinger, Müller, Woelki oder Meisner stehen für eine Kirchenführung, die keinerlei echte Empathie für die misshandelten Kinder in ihrer Obhut zeigte, da ihr die Darstellung einer heiligen Kirche wichtiger ist, als sich verantwortlich zu den Taten ihrer Institution zu bekennen. Wie lange muss man noch warten, bis Staatsanwälte endlich verantwortliche Bischöfe und Kardinäle wegen Strafvereitelung, Unterstützung und Vertuschung von Straftaten rechtlich belangen?
    Andreas Käse, Auenwald/Mittelbrüden (Bad.-Württ.)

  • Wie nachlässig. Wurde da tatsächlich eine Enzyklika versäumt, die päpstliche und ex-päpstliche Lügen vom neunten Gebot freistellt?
    Rudolf Webinger, Aalen (Bad.-Württ.)

  • Wenn die Steine in den Kirchen und Kathedralen weinen könnten, würden die Pfaffen bis zu den Knien in einem Meer aus Blut, Schweiß und Tränen stehen und sich die Ohren zuhalten vor dem Geschrei der von ihnen gequälten, geschändeten und ermordeten Männer, Frauen und Kinder!
    Rudolf Schüpferling, Höchstadt (Bayern)

Noch viel Potenzial

Heft 4/2022 Sind die neuen Treibstoffe die Rettung für Verbrenner? 

  • Den »schleichenden Tod des Verbrenners« sehe ich leider nicht mal im Ansatz, denn bei allen diskutierten Modellen wird der gewerbliche und der kommunale Verkehr total übersehen. Ein PKW wird im Schnitt nur eine Stunde am Tag bewegt, ein Bus oder LKW dagegen mindestens 10 Stunden lang – mit einem mehrfachen Kraftstoffverbrauch. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie der gewerbliche Güterverkehr, der Baustellenverkehr mit Hydrokränen und Baggern, der private und öffentliche Busverkehr und vor allem die Schifffahrt ohne Dieselaggregate funktionieren soll. Da ist noch viel Entwicklungspotenzial für das Ingenieurland Deutschland.
    Wolfram Küther, Berlin

  • Batterieautos werden mit immenser Förderung bedacht, sodass viele Unternehmen sie für Ihre Mitarbeiter anschaffen. Ich kenne Leute, die eins bekommen haben, sie fahren alle mit ihrem Verbrenner in den Urlaub. Aber die Zulassungszahlen der E-Autos werden künstlich in die Höhe getrieben. Die Alltagstauglichkeit der Batterie ist extrem miserabel, bei frostigen Temperaturen fällt die Reichweite in sich zusammen, selbst bei Wochenendausflügen muss geraume Zeit im Auto SPIEGEL-lesend an diversen Steckdosen verbracht werden, damit das Auto wieder nach Hause kommt. Bis zu 10 000 Handyakkus mit Motor und Lenkrad ist eine Steinzeitmobilität, abgesehen vom enormen Wasser- und Ressourcenverbrauch bei Lithiumgewinnung und -verarbeitung. Japan und Südkorea setzen auf die Wasserstoff Brennstoffzelle, China stellt darauf um, alle 350 km eine Tankstelle, Reichweite zuverlässig bei -10 genau wie bei +30 Grad. Elektro ist super, aber bitte mit Mobilität!
    Ottmar Hartmann, Berlin

  • Sie stellen zu Recht die Frage: »Werden 48 Millionen Autos wertlos?« Leider sind die aufgezeigten Alternativen zur Beantwortung etwas einseitig formuliert und werden im Falle der E-Fuels als unrealistisch abgelehnt. Weltweit sind erneuerbare Energien hoch nachgefragt und stetig im Aufschwung, können aber selbst mit Wasserkraft nur knapp ein Viertel der Energieerzeugung abbilden, wobei 60 Prozent im Jahr 2030 nötig wären. Die Lücke ist also enorm. Um effektiv im Klimaschutz voranzukommen, müssen erneuerbare Energien global genutzt werden, wie Windkraft in Chile oder Sonnenenergie in der Sahara. Es gibt ideale Standorte mit großen Potenzialen, die mittels E-Fuels gespeichert und mit bestehenden Infrastrukturen verteilt werden können. Die im Artikel thematisierte Effizienz wird in der Herstellung durch die höhere Energieausbeute kompensiert. Gleichzeitig wird weltweit Wertschöpfung generiert und es werden neue Arbeitsplätze in den Ländern geschaffen. Denn klar ist auch: Erfolgreich sind wir im Klimaschutz nur gemeinsam. Das gelingt uns nur, wenn wir andere Staaten überzeugen und diese vom Wandel genauso profitieren. Diese Herangehensweise verringert auch die Rohstoffabhängigkeit beispielsweise von Seltenen Erden in der Batterieherstellung. Folgen einer solchen Abhängigkeit sieht man aktuell an fossilem Erdgas, Mikrochips oder Magnesium. Hinzu kommt, dass allein in Deutschland Millionen, global über eine Milliarde, Bestandsfahrzeuge mit Verbrennungsmotor noch Jahrzehnte auf den Straßen sind. Eine EU-weite Beimischung von nur 5 Prozent E-Fuels im Jahr 2030 entspräche dem Wegfall der CO2-Emissionen von 40 Millionen mit fossilem Kraftstoff betriebenen Autos für ein Jahr. Gleichzeitig können Preiseffekte durch den anfangs noch teuren synthetischen Kraftstoff durch die Beimischung geringgehalten werden. Bei steigender Produktion wird der Kraftstoff durch Skaleneffekte billiger und der Preis an der Tankstelle bleibt konstant. Daraus resultiert ein bezahlbarer Übergang für den Verbraucher bei gleichzeitigem Beitrag zum Klimaschutz sowie Erhalt tausender Arbeitsplätze in der Zuliefererbranche. Und das alles, ohne den Ausbau der Elektromobilität in irgendeiner Form zu behindern, im Gegenteil bietet der Ansatz ein Sicherheitsnetz, sollte beispielsweise der Infrastrukturausbau stocken.
    Dr. Monika Griefahn, Ministerin a.D., Lobbyistin und Sprecherin der eFuel Alliance e.V.

  • E-Motoren brauchen kein Motoröl. 48 Millionen Verbrenner mbrauchen dagegen 48 Millionen mal 7 Liter Motoröl – gleich 336 Millionen Liter Motoröl pro Jahr. Kosten mit Öl und Filter: circa 100 Euro, das macht 4,8 Milliarden Euro pro Jahr. Ein milliardenschwerer Markt und ein Aspekt, der im Artikel komplett vergessen wurde. Wen wundert es, wenn die Ölindustrie heimlich, ständig und seit Jahrzehnten gegen die E-Mobilität schießt.
    Ingo Rennert, Rennert Kraftwerke GbR, Müden/Aller (Nieders.)

Heft 4/2022 Die Finnen und ihr Atommüll 

  • Jede Tonne Atommüll, die gar nicht erst erzeugt wird, benötigt kein Endlager. »Atomkrebswerke« bestrahlen auch im Normalbetrieb die Welt. Atomkraft ist eine heftige Hybris-Anmaßung. Mensch, wer bist du, dass du solches verantworten willst
    Arno Schelle, Fredelsloh (Nieders.)

Heft 4/2022 Wenn die Unwilligen stärker sind als der Staat 

  • Eine ausgezeichnete Analyse unserer ach so liberalen Gesellschaft. Hoffentlich finden unsere Politiker den Mut, den zwei Kernsätzen zu folgen: Alles wird sich radikal ändern müssen – und man kann es sich nicht aussuchen, ob man mitmacht.
    Michael Ruffert, Hamburg

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