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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Was die Inflation für unser Geld bedeutet, das tödliche Ende einer Rasertour und das SPIEGEL-Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch und Herta Müller – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 8/2022
  • Die Inflationsbekämpfung sollte oberstes Ziel der EZB sein. Doch einstweilen herrscht Attentismus, anders als in den USA. Die Achillesferse der Geldpolitik sind aus deutscher Sicht die Machtverhältnisse im 25-köpfigen EZB-Rat, weil die wirtschaftlichen Proportionen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Deutschland hat ganze zwei Stimmen und damit das Nachsehen gegenüber einer eher durch die südlichen Länder geprägten Fiskalpolitik.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Ihre Lösungsansätze für Privatverbraucher sind lächerlich. Stromsparende LEDs, Luftsprudler an Wasserhähnen ... Einfach weniger konsumieren, weniger verreisen, kürzer duschen und weniger heizen. Wenn die Generation der Neunziger- und Nullerjahre das nicht mehr kann, hat sie eh verloren. Wer nicht verzichten möchte, wird untergehen.
    Heino Matthies, Berlin

  • Eine steigende oder länger anhaltende Inflation wird zu steigenden Anleiherenditen der Südländer führen, die diese bald nicht mehr bedienen können. Die Spekulanten stehen bereit, Länder wie Italien in den Konkurs zu treiben. Mit ihrer Methode, Divergenzen in der Währungsunion mit Geld zuzuschütten, sich damit Zeit zu erkaufen, die nicht zur Problembehebung genutzt wurde, hat die Merkel-Regierung dem massiv Vorschub geleistet. Jetzt steckt die EZB in der Falle. Sie kann entweder die Inflation weiter laufen lassen oder die Zinsen erhöhen, was unweigerlich zum Zusammenbruch der Währungsunion führen würde.
    Hans Gerd Scholz, Delbrück (NRW)

  • Der Neulußheimer Versicherungsangestellte, der beim täglichen Pendeln nach Wiesbaden 900 Euro im Monat für Sprit ausgibt, sollte seinen mindestens 12,5 Liter Super auf 100 Kilometer fressenden SUV zügig abschaffen oder aufhören zu heulen. Mit einem soliden Pendlerfahrzeug, das 6 Liter Diesel verbraucht und auch groß genug ist für eine fünfköpfige Familie, würde er selbst bei den hohen derzeitigen Spritpreisen monatlich nicht einmal 400 Euro verbrauchen.
    Dr. Malte Helfer, Saarbrücken

  • Für 900 Euro kann man für unter der Woche eine kleine Wohnung suchen, ein oder zwei Tage Home­office vereinbaren, den Arbeitgeber beteiligen, einen anderen Job suchen – nach Mannheim sind es 20 Minuten – oder schlicht ein sparsameres Auto fahren.
    Martina Zimmermann-Brase, Pfinztal (Bad.-Württ.)

Einzigartiger Wahn

Heft 6/2022 Lamborghini gegen Škoda – tödliches Ende einer Autobahnfahrt 

  • Ungeachtet der persönlichen Schuld der Beteiligten halte ich es für eine Tatsache, dass es bei einem generellen Tempolimit auf unseren Autobahnen nicht zu diesem Unfall hätte kommen müssen. Und der abartige »Rasertourismus« aus dem Ausland wäre uns auch erspart geblieben. Es ist erwiesen, dass in unserem Autobahnnetz auf Strecken mit Geschwindigkeitsbeschränkung die Zahl der Todesopfer deutlich niedriger liegt als auf Abschnitten mit »freier Fahrt für freie Bürger«. Dabei wird es wohl bleiben, wenn sich unsere Regierung nicht doch eines Besseren besinnt. Ansonsten sind nicht nur die Führungsriege der FDP, sondern auch SPD und Grüne mit ihrem Einknicken bei Tempo 130 im letzten Herbst für die auf unseren Bundesautobahnen weiterhin zu erwartenden zusätzlichen Todesopfer infolge des fehlenden Tempolimits verantwortlich.
    Wulfhard Bäumlein, Bad Vilbel (Hessen)

  • Ich war viele Jahre lang als Lkw-Fahrer in ganz Europa unterwegs, aber wirklich in keinem anderen Land fühlte ich mich als langsamer Verkehrsteilnehmer so unter Druck gesetzt und gestresst wie auf deutschen Autobahnen. Ständig wird gerast, dicht aufgefahren, mit Lichthupe genötigt, rechts überholt, mit Vorsatz ausgebremst und so weiter. Ich schätze Deutschland als modernes Land mit großem kulturellem Hintergrund, aber wenn es um Autos geht, haben unsere deutschen Nachbarn Scheuklappen auf. Sie wollen nicht sehen, welch ein Anachronismus schranken­lose Autoraserei in einer fortgeschrittenen Zivilisation ist und wie barbarisch so ein Verhalten anmutet. In zahllosen Unfällen wurden schon Tausende Menschen getötet, weil jemand auf ein paar Kilometern unbedingt ein paar Minuten Zeit einsparen wollte – koste es, was es wolle.
    Elmar Mostegl, Koblach (Österreich)

  • Der weltweit einzigartige Raserwahn auf deutschen Autobahnen wird vor allem mit dem dümmlichen Motto »freie Fahrt für freie Bürger« begründet. Dass »Freiheit der Zweck des Zwanges« ist, müsste eigentlich besonders Politikern geläufig sein: Der Zwang, die Geschwindigkeit sinnvoll zu begrenzen, dient dem Zweck, Schäden an Menschen, Sachen und Umwelt zu reduzieren. Warum Parteien, auch die Grünen, die Rasermanie bis heute dulden, ist hinreichend bekannt. Weniger eingängig ist, wie die FDP den Freiheitsbegriff auslegt. Vor allem die Spitzenpolitiker der FDP scheinen Freiheit inhaltlich als »freier Fall für freie Lemminge« zu verstehen. Fazit: Die rasenden Lemminge werden weiterhin nicht zu bremsen sein.
    Manfred Litke, Bocholt (NRW)

  • Beim Lesen dieses Artikels hatte ich Mühe, die Fassung zu bewahren. In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, die solch aggressiven Psychopathen und potenziellen Mördern erlaubt, nach Lust und Laune auf Straßen und Autobahnen andere Menschen zu gefährden oder sogar umzubringen? Warum sind wir das einzige europäische Land ohne Tempolimit? Wieso konnte sich der Porschefahrer Lindner durchsetzen? Wieso werden solche Autos gebaut, mit denen amoralische, toxische Männer nach Belieben ihre Aggressionen ausleben und unschuldige Mitmenschen verletzen oder sogar töten? Ich klage auch die politischen Instanzen und die Auto­mobilindustrie an, die solch ein wahnsinniges Verhalten eigentlich verhindern müssten. Warum werden nicht ausschließlich einfache und billige Autos gebaut, die nur der Fortbewegung dienen und nicht schneller als 130 Stundenkilometer fahren können? Ich hoffe, dass diese drei Wahnsinnigen nie mehr Auto fahren dürfen und eine hohe Freiheitsstrafe bekommen. Nötig wäre auch ein gesamtgesellschaftlicher Wandel von dieser totalitären Autogesellschaft zu einer Gesellschaft, die Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr endlich einmal in den Vordergrund stellt.
    Stephan Fedler, Düsseldorf

  • Je schneller man fährt, umso mehr verheizt man dabei. Der seit 1953 bestehende Wegfall einer Obergrenze für das Tempo auf öffentlichen Autobahnen ist untragbar. Das Tempolimit 130 muss ebenso wie in allen anderen europäischen Ländern her. Aus Gründen der Verkehrssicherheit und zur Reduktion der klimaschädlichen Abgase. Jetzt!
    Dr. Richard Goedeke, Braunschweig

Es tut weh und so gut

Heft 6/2022 SPIEGEL-Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch und Herta Müller 

  • Danke für das Gespräch mit den beiden Literaturnobelpreisträgerinnen. Sie halten der gegenwärtigen deutschen Russlandpolitik schonungslos den Spiegel vor. Sie sind dabei glaubwürdig und unbestechlich, im Gegensatz zum Gaslobbyisten und Putin-Freund Gerhard Schröder, der eine Schande für unser Land ist. Man sollte dieses Gespräch allen Putin­-Verstehern und -Verharmlosern zu lesen geben. Es geht um nichts weniger als um den Kampf zwischen Demokratie und Autokratie. Putin hat im Kern eine große Angst vor einem funktionierenden demokratischen Staat direkt vor seiner Haustür.
    Johannes Rietberg, Engelsbrand (Bad.-Württ.)

  • Der SPIEGEL bedient sich des Labels »Nobelpreisträgerin«, um mit Unterstützung zweier entsprechend ausgezeichneter Schriftstellerinnen seiner antirussischen, säbelrasselnden Position mit einhergehender Diffamierung der friedensorientierten Haltung der SPD-Spitze zusätzliches Gewicht zu geben. Politische Unbedarftheit kombiniert mit blankem Hass, der aufgrund individueller Schicksale nachvollziehbar ist, befähigen auch Nobelpreisträgerinnen nicht zu Kronzeuginnen für eine vermeintlich begründete aggressive deutsche Politik gegen Russland. Wie tief will dieses Blatt noch sinken?
    Josef Adrian, Husum (Schl.-Holst.)

  • Einfach wunderbar, dieses Gespräch zwischen zwei intelligenten Frauen, die wissen, wovon sie reden. Es tut weh und so gut. Danke, SPIEGEL!
    Elisabeth Schlanstein, Krefeld

  • Ich bin zunehmend ungehalten über die derzeitige Krisenberichterstattung. Ich möchte nicht, dass meine Abonnementsgebühren für einen Kampagnenjournalismus vergeudet werden, bei dem Sie jede Woche irgendwelche Promis herankarren, die mir die Notwendigkeit von Waffenlieferungen ins Krisengebiet erläutern. Ich erwarte, dass die Analysten des SPIEGEL auch mal ein anderes Szenario durcharbeiten als immer nur das des russischen Einmarsches in die Ukraine.
    Rainer Brannolte, Mainz-Kastel (Hessen)

  • Die letzten Kriege vor unserer Haustür hatten verheerende soziale und wirtschaftliche Konsequenzen für Europa. Die Bundesregierung liegt richtig, wenn sie keine Waffen an die Ukraine liefert und Putin zu verstehen gibt, dass eine weitere Kriegshandlung in der Ukraine ruinös wäre.
    Gérard Hengel, Luxemburg

  • Vielen Dank für das interessante Interview. Hier wird ganz ehrlich und direkt gesagt, wie die Dinge liegen. Wer Aggressor ist und wer nicht. Geballte Lebenserfahrung und Realismus sprechen aus beiden Frauen. Die Dinge klar zu benennen, wie zum Beispiel militärische Hilfe zur Selbstverteidigung eines souveränen Staates, das wünschte man sich von der aktuell verantwortlichen Politik.
    Marc Straube, Potsdam

Lange nicht so amüsiert

Heft 6/2022 Kolumne: Alles Gutsch - Ich, der Plastik-Öko 

  • Die Plastiktüte ist ein aussterbender Anachronismus, und das ist auch gut so. Trotzdem scheint Herr Gutsch ja nun sehr an seiner Plastikmuttertüte und ihren vielen Kindern zu hängen. Sie sei ihm gegönnt. Aber vielleicht sollte er dann beim nächsten Hosenkauf einfach einen seiner vielen Polyethylen-Lieblinge einpacken. Dann erspart er sich die Belehrung durch den Verkäufer und den Lesern des SPIEGEL solch einen bescheidenen Text.
    Simon Schaffrath, Hürth (NRW)

  • Danke! Auch ich besitze eine »Muttertüte«, sie hatte allerdings bisher keinen Namen. Vielen Dank für die wunderbare Wortschöpfung! Meine ist ebenfalls gefüllt mit zahlreichen Plastikbehältnissen jeden Alters und jeder Größe, von »sehr geräumig« (für Wandkalender, Kissen) bis »eher klein« (Bücher, CDs). Niemals käme es mir in den Sinn, einen schönen Büchereinkauf in einem regenwasserundichten Stoffbeutel nach Hause zu transportieren. Daher habe ich, als es noch ging, vorsorglich einen kleinen Vorrat an Plastiktüten bei meiner Buchhandlung erworben, den ich hoffentlich noch lange nutzen kann. Ich behandle die Tüten so pfleglich es geht, bis zu ihrem natürlichen Ende als Mülltüte.
    Bettina Badiel, Braunschweig

  • Lange hat mich kein Artikel so amüsiert wie dieser! Sie bringen den Öko-Hype auf den Punkt. Auch ich habe eine Muttertüte. In ihr stecken noch die Plastiktüten, in denen auf unseren Bergtouren vor 40 Jahren Ersatzwäsche und Trainingsanzug regendicht in den Rucksäcken verpackt waren. Wie schön, wenn man nach einem langen Regenmarsch in der Berghütte in trockene Klamotten schlüpfen konnte – dank der Öko-Tüte. Noch heute tun sie ihre Dienste und wandern nach Gebrauch wieder in die Muttertüte zurück. Danke für diesen Lesegenuss.
    Michael Polewsky, Celle (Nieders.)

Nr. 6/2022 Wilderer und mutmaßlicher Mörder – das verbotene Geschäft des Andreas S. 

  • Zwei Menschen würden noch leben, hätten deutsche Behörden gründlicher ermittelt und vor allem die Alibis dubioser Zeugen hinterfragt. Vom deutschen Rechtsstaat erwarte ich nunmehr die juristische Aufarbeitung jener verhängnisvollen Falschaussagen samt strafrechtlichen Konsequenzen.
    Ingrid Ruff, Ebern (Bayern)

Nr. 6/2022 Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger im SPIEGEL-Gespräch über Bafög und Föderalismus 

  • Eine kluge, analytisch und konstruktiv denkende Politikerin. Sie antwortet klar und ohne Abschweifungen auf Fragen und wird hoffentlich bei ihrer zukünftigen Arbeit nicht zu sehr von den erstarrten Akteuren in Bund und Ländern behindert werden.
    Dr. Diethard Mai, Merzhausen (Bad.-Württ.)

Nr. 6/2022 Wie stabil steht das imposante Immobilienreich des René Benko? 

  • Die schäbige Vermarktung der Gletscherleiche »Ötzi« empfinde ich als würdelose Leichenfledderei. Kein Wunder, dass die neoliberalen Strategen Benko und Hager sie in ihrem Konsumtempel haben wollen, um die Besucher noch gründlicher abzukassieren.
    Josef Fulterer, Kastelruth (Italien)

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