Zur Ausgabe
Artikel 67 / 68
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Der Sylt-Titel, Energie sparen, der Ukraine-Krieg und eine Reichensteuer – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 31/2022

Taschentuch raus fürs Millionärsghetto

Heft 30/2022 Titel: SOS Sylt – Wie Multimillionäre die Insel kapern 

  • Lieber SPIEGEL, ich konsumiere Dich mit wechselnder Begeisterung seit über einem halben Jahrhundert. Mehr als 50 Sommerlöcher habe ich gemeinsam mit Dir durchgestanden, ohne bleibenden Schaden zu nehmen. Jetzt allerdings muss ich etwas mehr journalistische Fantasie anmahnen. Sylt? Seit Jahrzehnten in allen Gazetten der gleiche Wiederkau ohne größeren Erkenntnisgewinn: Treffen sich eine Handvoll finanzstarker Kleptokraten mit dem politisch organisierten Erbrechen auf einem Sandhaufen in der Nordsee. Der Rest hat sich ergeben. Na gut, einer davon hat geheiratet.
    Sylvio Verfürth, Mainz

  • Mit diesem Titelblatt kann ich meinen SPIEGEL bei dem schönen Wetter nicht auf der Terrasse lesen. Die Leute, die vorbeischauen, könnten ja meinen, ich läse »Bravo«, Boulevard untersten Niveaus oder blätterte in Pornoheftchen. Also, Leute: Bitte bewahrt Euren distanzierten Stil.
    Frank Wenzky, Erlangen

  • Sylt, meine große Liebe. 14 Jahre lang zweimal jährlich Urlaub. Das Schlimmste ist, dass die Sylter keinen Wohnraum mehr finden. Die Kampener Schickeria ist genauso unwichtig wie jede andere – wer Obst in den Luxus-Rosé-Champagner schmeißt, hat eh keine Ahnung. Warum diese Leute aber so überproportional präsent scheinen, kann ich nicht nachvollziehen. Hunderttausende Normalos wie ich verleben dank der ungeheuren Vielfalt dieser Insel unvergessliche, glücklich machende Urlaube. Politiker, gibt es Euch auf Sylt? Ändert was für die Sylter!
    Martina Fabel, München

  • Wen interessiert, welchen Trauspruch sich Christian Lindner ausgesucht hat oder welche Oma warum mit 500-Euro-Scheinen in der Kneipe bezahlt? Wirklich interessant wären Hintergrundrecherchen zur Aussage des ehemaligen CDU-Mitglieds, »Es gibt ein mafiöses Netzwerk auf dieser Insel«, gewesen: die Verdrängung der Inselbevölkerung, Exzesse auf dem Immobilienmarkt, Tunnelbau und dreistöckige Unterkellerungen lassen sich wohl nur damit erklären, dass auf kommunaler wie Landes- und Bundesebene gesetzliche Regelungen mit »Geld unter dem Tisch« umgangen werden.
    Ernst-Martin Klein, Bielefeld

  • Was möchte der Autor uns mitteilen? Die Sylter Ureinwohner wurden nicht gezwungen, ihre Häuser an Millionäre zu verkaufen, die aus der Insel ein Seniorenheim für Gutbetuchte gemacht haben. Nach dem Artikel über den Tegernsee ist dies bereits das zweite Mal, dass der SPIEGEL über arme reiche Immobilienbesitzer berichtet. Für welches Millionärsghetto müssen wir als Nächstes unser Taschentuch rausholen?
    Claudia und Christian Wilke, Hamburg

  • Angesichts des stereotypisierenden Titelbildes eines »kapernden Multimillionärs« muss ich anmerken: Es gibt auch immer Personen oder Erbengemeinschaften, die nicht oder nicht mehr auf Sylt wohnen wollen und den höchstmöglichen Gewinn aus einem Verkauf des dortigen Hauses oder Grundstücks erzielen wollen. In den Niederlanden führen Gemeinden zum Beispiel die Residenzpflicht für Käufer:innen ein. Das ist dort wohl eine der erfolgreichen Steuerungsmöglichkeiten für Zuzug.
    Horst Bischoff, Düsseldorf

  • Moin von der Insel Föhr. Seit 31 Jahren lebe ich nun hier, aber was sich in diesen Jahren auf der Insel verändert hat, ist einfach schrecklich. Ein zweites Sylt ist es geworden. Schade!
    Alide Wolf, Süderende/Föhr (Schl.-Holst.)

  • Sylt und auch die anderen deutschen Inseln zeigen im Labormaßstab, was der Welt zukünftig droht. Da Boden nicht beliebig vermehrt werden kann, werden sich nur noch die immer reicher werdenden Reichen das Eigentum daran leisten können. Der deutsche Häuslebauer wird bald kein Bauland mehr zu erschwinglichen Preisen erwerben können. Es ist eine Frage der Zeit, wann Landwirte ihre Produktionsmittel an sogenannte Investoren verlieren und damit die Kosten für unsere Lebensmittel explodieren werden. Abhilfe könnte nur die konsequente Überführung von Grund in Gemeineigentum bringen, das dann potenziellen Nutzern in Erbpacht überlassen wird.
    Ulrich Busch, Bremen

  • Spätestens wenn Sylt wegen des Klimawandels im Meer versunken ist, ist es vorbei mit der Kaperung der Insel.
    Thomas Schiferle, Nürnberg

  • Ach nein, der ehemalige Hamburger Erste Bürgermeister Ole von Beust residiert auch auf Sylt. Vielleicht legt er jetzt Wert auf die Anrede »Freiherr«, wo er doch die Stimmen der Arbeiter nicht mehr braucht. Als er damals die Krankenhäuser gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung an Asklepios verhökerte und die Stromversorgung an Vattenfall weggab, dachten kritische Wähler wie ich schon, dass das auf diese Art enden würde. Gazprom der eine, Villa in Berlin der andere, Landhaus in der Toskana noch einer. Ergebnis: Politikverdrossenheit.
    Gert Wölfert, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Hätte es nicht Uwe Seeler verdient gehabt, auf Ihrem Titel verewigt zu werden? Es hätte gepasst, sogar zu Ihrem Titelartikel. Denn Uwe Seeler verkörperte Werte, die auch in Ihrem Vexierbild »Sylt« eine Rolle spielen: Treue, Bodenständigkeit, Selbstdisziplin, Teamgeist, Lokalpatriotismus, Arbeitsmoral, Volksnähe, Selbstironie und hanseatischen Humor – wie schön sähe unsere Welt aus, wenn jeder, korrupte Autokraten inklusive, wenigstens zwei oder drei dieser Uwe-Seeler-Tugenden im Herzen hätte.
    Clemens Weilandt, Malente (Schl.-Holst.)

Sie ist Teil des Problems

Heft 29/2022 Bundestagspräsidentin Bärbel Bas fordert eine Steuer für Reiche 

  • Leider merkt diese sympathische und kompetente Dame nicht, dass sie Teil des Problems ist. Der Vertrauensverlust zur Politik entsteht doch dadurch, dass uns die besten Politiker wie sie täglich tolle Lösungen und Strategien anbieten, davon aber so gut wie nichts umgesetzt wird, weder bei der Bahn noch beim Klimaschutz noch sonst irgendwo. Wie beim Thema Corona gelingt es dem deutschen Politikbetrieb nicht mehr, eine konsistente Politik zu entwerfen. Erst recht nicht im Sinne der einfachen Leute – knapp 3300 Lobbyisten mit rund 10.000 Beschäftigten in Berlin gehen vor. Es ist ja schön, dass Frau Bas eine Luxussteuer, die Verschärfung des Erbschaftsrechts und Verbesserungen beim Bafög anbietet. Aber das kann sie nicht voranbringen. Die Krise entsteht aus der Handlungsunfähigkeit.
    Karl Jetter, Planegg (Bayern)

  • Mit Interesse habe ich das Interview gelesen, bin aber sehr gestolpert über die Benennung »Oma und Opa von nebenan«. Ich vermute, sie meint damit ältere Menschen, da vorher Rentnerinnen und Rentner erwähnt wurden. Ich gehöre auch dazu, aber verstehe mich nicht als Oma, die ich im Übrigen auch nicht bin. Ebenso könnte ein Ausweichen in Wärmehallen auch andere soziale Schichten betreffen. Wenn nicht diskriminierend, so empfinde ich diese Wortwahl zumindest als despektierlich. Solch ein Fauxpas dürfte ihr in diesem Amt nicht passieren.
    Karin Mühlenhoff, Düsseldorf

Anklagebank statt Sessel

Heft 29/2022 Ex-US-Außenminister Henry Kissinger im SPIEGEL-Gespräch über die Frage, wie sich der Krieg beenden ließe 

  • Ich finde es bemerkenswert, dass der SPIEGEL einen Mann, der sich nicht mehr aus seinem Land raustraut, weil er sonst in einigen Staaten wegen Kriegsverbrechen vor Gericht landen könnte, zum Krieg in der Ukraine befragt. Vermutlich hat Kissinger mehr Blut an den Händen als Putin. Aber es war ja immer für die »gute« Sache, nicht wahr? Und dass die Amerikaner mehr Bomben auf Kambodscha abgeworfen haben als auf Deutschland und Japan zusammen, interessiert ja auch nicht. Ist ja schon lange her.
    Dirk Wege, Schönebeck/Elbe (Sachs.-Anh.)

  • Im Untertitel wird Kissinger als »legendärer« US-Außenminister bezeichnet. »Berüchtigt« wäre passender, in Anbetracht der zahlreichen Opfer, die seine Politik und die seines damaligen Präsidenten Nixon zu verantworten hatte. Nicht überraschend, dass sich Kissinger hinsichtlich der Praktiken der damaligen Regierung reinzuwaschen versucht. Er bittet darum, Kambodscha und Chile doch fairerweise im Kontext zu betrachten. Allerdings hält er den Korridor seines Kontextes ziemlich eng. Ohne illegalen Krieg in Vietnam keine toten amerikanischen Soldaten. Auch erwähnt er hinsichtlich Chile nicht, dass die CIA bereits vor dem Sturz Salvador Allendes versuchte, die Regierung zu diskreditieren und zu destabilisieren. Und was ist mit der anschließenden Militärdiktatur Pinochets, mit den unzähligen Opfern, für die Kissinger nach meiner Auffassung indirekt mitverantwortlich ist? Der Mann ist für mich ein Kriegsverbrecher und gehört auf die harte Anklagebank des Internationalen Strafgerichtshofs und nicht in einen bequemen Sessel, wo er den SPIEGEL zum Interview empfängt.
    Reiner Gorning, Hamburg

Globale Tragödie

Heft 29/2022 Wladimir Putin setzt Getreide im Ukrainekrieg als Waffe ein 

  • Sie drucken die verschwundenen Dienstleister als Titelgeschichte in Heft 29, ein nationales Pro­blem. Und hinten, in der Rubrik Ausland versteckt, die Analyse zum drohenden Hunger aufgrund des fehlenden Getreides – fürwahr ein globales Problem. Das eine ist keine Tragik, das andere schon. Das eine kann man über gezielte Migration steuern und lösen. Beim anderen Thema ist die drohende Migration nicht steuerbar.
    Dr. Bernd Lüders, Gauting (Bayern)

  • Die Nato ist das mit Abstand mächtigste Militärbündnis. Wa­rum wird diese Stärke nicht ausgenutzt, um Millionen Menschen vor dem Hungertod zu retten? Das Schwarze Meer ist bis auf die jeweilige Hoheitszone der Anrainerstaaten ein freies Meer. Die Sperrung des westlichen Meeres durch Kampfschiffe der Nato und anderer Staaten, um Getreideschiffen aus den verbliebenen Seehäfen der Ukraine eine sichere Durchfahrt zu ermöglichen, wäre doch die schnellste und einfachste Lösung des Problems. Was kann Putin schon dagegen unternehmen? Die Nato angreifen? Das wäre für ihn in jeder Hinsicht reiner Selbstmord, und das weiß er auch.
    Florian Mock, Lingen (Nieders.)

  • Wir haben jahrzehntelang die Landwirtschaft in Afrika mit unseren hoch subventionierten Agrarprodukten kaputtgemacht. Wir haben unter unbeschreiblichen Umweltschäden riesige Monokulturen in Südamerika für unseren unstillbaren Hunger nach billigem Fleisch gefördert. Wir rauben den Einheimischen ihr Land, vergiften Boden, Wasser und Luft, bereichern uns an ihrem Reichtum. Wir könnten mit der derzeitigen Nahrungsmittelproduktion ohne Probleme zwölf Milliarden Menschen ernähren. Doch wir tun es nicht. Das ist das eigentliche Problem. Es ist ja so einfach zu sagen, Putin ist schuld, dass Menschen verhungern.
    Jochen Richter, Karlsruhe

Wie kam der Jazz nach New Orleans?

Heft 29/2022 Der Pianist Nduduzo Makhathini erneuert Jazz und Weltgeschichte 

  • Ich habe den Artikel über den südafrikanischen Pianisten Nduduzo Makhathini sehr bewusst und intensiv gelesen, einige Passagen mehrmals. Ich beneide den Mann, weil er Musik so tief empfinden kann, was den meisten von uns verloren gegangen ist. Regelrecht bewusstseinserweiternd natürlich auch seine Aussagen, unter anderem zur Kolonialisierung Afrikas und der Entdeckung des Jazz. Jazz war für mich immer New Orleans, wie er aber dorthingekommen ist, war bisher keine Frage!
    Arnold Brauer, Buxheim (Bayern)

  • Tobias Rapp schreibt, dass der Jazz seit Längerem stagniere. Dies kann man wohl nur behaupten, wenn man sich außerhalb jeglicher Wahrnehmung der Diskurse, Erscheinungen und Ereignisse in den sozialen Medien bewegt. Sonst hätte man etwa Kenntnis von aktuellen Phänomenen und Entwicklungen wie Jacob Collier, Louis Cole, Domi und JD Beck, Snarky Puppy und vielen mehr. Jazz lebt, mehr als je zuvor. Und man kann dies außerdem nur behaupten, wenn man apodiktisch einem längst überholten, mythologischen mo­nochromen Jazz- und Kulturbegriff nachhängt. Eine Position Stanley-Crouch’scher und Wynton-Marsalis’scher Prägung, die längst überwunden schien. Jazz war immer polychrom und ein Musterbeispiel einer synkretisch entstandenen und nach wie vor synkretistischen Kunstform.
    Prof. Dr. Bernd Englbrecht, Hochschule für Musik Detmold

Solarboom auf Balkonien

Heft 29/2022 Solaranlagen am heimischen Balkon boomen 

  • Die Stecker-Solarmodule inklusive Wechselrichter müssen schnellstens ins Angebot der Baumärkte. Zugleich muss die überflüssige Anmeldepflicht beseitigt werden. Da wären ganz schnell enorme CO₂-freie Energiegewinne möglich.
    Werner Lang, Berlin

Ärztemangel auf dem Land

Heft 29/2022 Wenn Patienten keine Hausarztpraxis finden 

  • Wenn es insgesamt zu wenige Ärzte gibt und viele Ärzte kurz vor der Rente stehen, dann müssen in der Konsequenz auch deutlich mehr Medizinstudienplätze geschaffen werden. Genügend Interessenten dafür gibt es ja.
    Helga Wandel, Frankfurt am Main

Krawall in den Bergen

Heft 29/2022 Rücksichtslose E-Mountainbiker in den Bergen 

  • Sporttrend? Ganz ehrlich: Was hat das Bergauffahren mit elektrisch unter-stützten Fahrrädern mit Sport zu tun? Wer es nicht aus eigener Kraft nach oben schafft, muss eben unten bleiben. Und schon wäre manches Problem keines mehr.
    Heinrich Becher, Schwandorf (Bayern)

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 67 / 68
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.