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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Das tragische Vermächtnis des Michail Gorbatschow, ein Debattenbeitrag über die Bedrohung der Meinungsfreiheit und das Porträt eines 17-Jährigen, der in Mariupol seine ganze Familie verlor – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 37/2022

Spasibo, Herr Gorbatschow!

Heft 36/2022 Titel: Michail Gorbatschow – Der Anti-Putin 

  • Nach vielen Wochen endlich wieder eine SPIEGEL-Titelgeschichte, die Hoffnung macht. Sie erinnert angemessen an den für mich einflussreichsten Staatsmenschen des 20. Jahrhunderts. Und das im ganz und gar positiven Sinne. Auch wenn er am Ende, wie vom Autor beschrieben, zum ungewollten Lehrmeister eines Autokraten wurde. Ohne Mi­chail Gorbatschows Reformgeist und seinen Glauben an freiheitliche Werte säßen ich und viele meiner Mitmenschen vielleicht noch immer hinter Mauern und Stacheldraht in einem anderen Land. Gorbatschow war ein mutiger und aufrichtiger Visionär; in einer Gesellschaft, deren Alltag von Gewalt, Unterdrückung und Stagnation geprägt war, hat er an menschlichen Wandel geglaubt. Leider hat sich dieser Wandel in seiner Heimat bis heute (noch) nicht vollzogen. Der Geist der alten Sowjetunion ist in der Person Wladimir Putins omnipräsent. Bleibt zu hoffen, dass es auch im System Putin einen ähnlich demokratisch gesinnten Reformer gibt, der in erster Linie nach seinem Gewissen handelt und entsprechend den Status quo infrage stellt.
    Cindy Baginski, Potsdam

  • Der Westen hätte auf die weitreichenden außenpolitischen Zugeständnisse Gorbatschows mit maximaler Kooperation, vertrauensbildenden Maßnahmen und besonders mit einem hocheffizienten ökonomischen Wiederaufbauplan für die marode Sowjetwirtschaft reagieren müssen. Das ist das tragische Vermächtnis dieser Jahrhundertfigur. Heute zahlen wir die Quittung.
    Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)

  • Nun ist auch Michail Gorbatschow verstorben, ein Mann, der in der westlichen Welt hochgeachtet, in Russland aber eher hoch verachtet wurde und wird. Putin hat dann am 7. Mai 2000 übernommen – und jetzt haben wir alle den Salat. Von einem »Wind of change« sangen die Scorpions 1990. Heutzutage bläst uns ein ganz anderer, sehr rauer Ostorkan voll ins Gesicht!
    Klaus Jaworek, Büchenbach (Bayern)

  • Michail Gorbatschow hat als Erster im damaligen Ostblock erkannt, dass Werte wie Freiheit und Demokratie Voraussetzungen für das Überleben eines Staates sind. Die Abwesenheit dieser Werte in der damaligen DDR bedeuteten ihr Ende. Das war ihm klar. Daher galt er bei den Ostdeutschen natürlich als Hoffnungsträger, bei den Nomenklaturkadern aber als Verräter. Die Geschichte hat gezeigt, wer sich am Ende durchgesetzt hat. Möge man ihn nie vergessen.
    Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)

  • Nur wenige verdienen die Titel »Legende« und »Vorbild«, ob im Sport, in der Kultur oder in der Politik. Michail Gorbatschow war beides. Treffend sagte er 1989: »Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.« – also auf jene, die ignorant, selbstherrlich, selbstverliebt und abgehoben agieren. Für ihn waren das Selbstbestimmungsrecht, die Unabhängigkeit der Völker und die Freiheit das Nonplusul­tra. Und nicht zuletzt die Menschlichkeit.
    Dr. Marko Michels, Schwerin

  • Unbestritten bleibt, dass Gorbatschow die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglicht hat. Es ist schäbig und feige, ihm nicht von offizieller Seite die letzte Ehre erwiesen zu haben. Dank ist heutzutage offenbar keine Kategorie mehr.
    Sylvia Pürthner, Wiesbaden

  • In der Verwendung von Superlativen sollte man bekanntermaßen vorsichtig sein, aber wenn ich Michail Gorbatschow als den vielleicht bedeutendsten Staatsmann des 20. Jahrhunderts betrachte, liege ich wahrscheinlich nicht ganz daneben. Danke für das, was Sie für Deutschland, Europa und den Rest der Welt geleistet haben, Herr Gorbatschow. Ich bin 1976 geboren und durfte in einem von Frieden und Wohlstand gezeichneten Umfeld aufwachsen. Das habe ich in letzter Konsequenz auch Ihrer Politik zu verdanken. Spasibo!
    Matthias Kaiser, Schutterwald (Bad.-Württ.)

  • Den wichtigsten Satz dieser zehn Seiten langen Titelgeschichte hat der russische Journalist und Autor Mikhail Zygar geschrieben: »Putin wird man vergessen, an Gorbatschow wird man sich erinnern«. Damit ist alles über diesen Jahrhundertpolitiker gesagt.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • Der Tod Gorbatschows erinnert uns an einen Staatsmann, der sich um ein friedliches Zusammenleben der Europäer mit Russland bemühte. Er zeigte, wie ein einzelner Mensch die Welt verändern kann. Auch wenn Gorbatschow letztlich mit seinen Reformbemühungen im eigenen Land scheiterte, so verdanken wir ihm nicht nur die Wiedervereinigung Deutschlands, sondern auch die Erkenntnis, dass Russland nach (!) der Ära Putin den Weg ins »europäische Haus« finden muss!
    Hans-Jürgen Ferdinand, Aachen

  • Auch wenn dieser kommende Winter gefühlt kälter werden wird, ein Blick in die Gesichter von Michail und Raissa auf dem SPIEGEL-Titelbild wird mich jedes Mal aufs Neue von innen erwärmen.
    Karsten Thormaehlen, Wiesbaden

  • Gorbatschow war gemeinsam mit Helmut Kohl der Architekt, zumindest Förderer des aus deutscher Sicht historisch wichtigsten Ereignisses der Nachkriegszeit. Ungezählt die Konrad-Adenauer- oder Willy-Brandt-Gedächtnisstätten, -plätze und -straßen. »Gorbi« hätte es verdient, wenn der Potsdamer Platz in Berlin künftig seinen Namen tragen würde. Ohne ihn keine Wiedervereinigung.
    Christoph Schönberger, Aachen

Note eins für Einseitigkeit

Heft 35/2022 Ex-Verfassungsrichter Andreas Paulus wirft Russland im SPIEGEL-Gespräch den Missbrauch des Völkerrechts vor 

  • »Im Irak ging es den USA und ihren Partnern auch um verbotene Waffen.« Windelweich schöngeschrieben, Herr Paulus! Der zweite Irakkrieg begann mit einer Lüge, vorgetragen von US-Außenminister Colin Powell. Und er endete mit einem vernichteten Land und nach Schätzung 500.000 zivilen Toten. Mit »Völkerrecht« hat das nichts zu tun.
    Walter Wigand, Hamburg

  • Es ist hübsch zu lesen, wie behutsam die ehemaligen Studenten mit ihrem gestrengen Dozenten umgehen, aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Widersprüche und Lücken in den Argumentationsketten selbst denen auffallen, die nicht vom Völkerrecht kommen. Jetzt könnte Mensch sich auf ein »Geht’s noch, lieber SPIEGEL?« beschränken oder doch wenigstens die Note eins für Einseitigkeit vergeben.
    Hans-Joachim Olgemann, Krefeld

Gefühlvoll, tieftraurig, wütend

Heft 35/2022 Ein 17-Jähriger verlor in Mariupol seine ganze Familie – wie lebt man weiter nach einem solchen Verlust? 

  • Machen Sie unbedingt weiter damit, den Krieg in der Ukraine auch anhand von Einzelschicksalen zu erzählen. Der Artikel schafft es, dass man sich – bei aller Unterschiedlichkeit zu unserer Situation – in Kolja hineinversetzen kann und mit ihm fühlt und hofft, dass er das Erlebte irgendwann verarbeiten kann.
    Christoph Zschucke, Bremen

  • Diese Schilderung bewegt den hartgesottensten Menschen, ist an Authentizität wahrscheinlich nicht zu übertreffen. Sehr gefühlvoll, aber gleichzeitig tieftraurig bis zur Wut über das Geschehen.
    Helmut Haller, Breisach am Rhein (Bad.-Württ.)

  • Als ich in den Hausmitteilungen den Kurzbericht von Alexandra Rojkov las, habe ich mir zweimal überlegt, ob ich den Beitrag wirklich lesen soll. Mir war klar, dass er mich sehr traurig und wütend machen wird. So war es dann auch. Kolja hat unermessliches Leid erfahren und lebt weiter, entwickelt sogar Ziele. Da bleibt einem nur tiefe Bewunderung für den Jungen. Für uns als Gesellschaft, die im Vergleich zur Ukra­ine in Frieden und Wohlstand lebt, sollte es einmal mehr darum gehen Solidarität zu zeigen. Das Jammern über gestiegene Kosten, die Angst vor dem Verlust von Privilegien halten wieder mehr und mehr Einzug in der öffentlichen Diskussion. Man kann nur hoffen, dass die Politik ihren Kurs beibehält und wir hier unseren solidarischen Beitrag weiter leisten werden.
    Andrea Maria Klepper, Rüsselsheim (Hessen)

  • Was Sie schildern, kann einem den Glauben nehmen, den Glauben an die Menschlichkeit, an das Recht und nicht zuletzt an diesen angeblich so liebenden und allmächtigen Gott.
    Hans Neubig, Goldkronach (Bayern)

Niemand wird zum Gendern gezwungen

Heft 35/2022 Debatte: Die Bedrohung der Meinungsfreiheit 

  • Man kann nur hoffen, dass sich Menschen wie Herr Pfister, welche die Werte der freiheitlichen Demokratie schätzen und gefährdet sehen, weithin Gehör verschaffen. In seinem Beitrag führt er viele Beispiele an, die zeigen, welche absurden Auswüchse das gut gemeinte Bestreben, Minderheiten zu respektieren, treiben kann.
    Sonja Hartung, Waldsolms (Hessen)

  • Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Popanz aufgeblasen wird. Anstatt absurde Auswüchse eben als solche zu kennzeichnen, werden sie als exemplarisch behandelt. Ich jedenfalls habe von der Bezeichnung »Mensch mit der Möglichkeit, schwanger zu werden« für eine Frau in meinem Alltag noch nie gehört. Dass massenhaft »Fake-Transfrauen« sich Zugang zu Damentoiletten verschaffen könnten, sagt aus meiner Sicht mehr über die Fantasien derer, die das ernsthaft für ein relevantes Problem halten, als über das geplante Selbstbestimmungsgesetz. Und nein, niemand wird zum Gendern gezwungen, auch wenn etwa frühere Kabarettisten sich offenbar vor nichts so fürchten wie davor, ihr Publikum »Zuschauer« und »Zuschauerinnen« zu nennen. Wo gelegentlich freundliche Ignoranz völlig ausreichend wäre, wird jede noch so sonderbare Aussage zum Maßstab für eine Debatte erhoben, die sich dann nicht mehr um den Regel-, sondern um den Ausnahmefall dreht.
    Steffen Kraft, Berlin

  • Jetzt weiß ich wieder genau, warum ich SPIEGEL lese! Artikel wie diese zeugen von einem Weitblick und einem Problembewusstsein des Verfassers, welche aufgrund der Komplexität der gegenwärtigen politischen uns sozialen Lage selten in dieser Klarheit anzutreffen sind. Unsere Gesellschaft und Politik verliert sich in völlig unproduktiven Kämpfen auf Nebenschauplätzen, wobei die wirklich drängenden Problemfelder auf diesem Planeten nicht mit der notwendigen Konsequenz angegangen werden.
    Alfons Schmidt, Olsberg (NRW)

  • René Pfisters Beklemmung angesichts der Auswüchse linker Identitätspolitik ist im Großen und Ganzen verständlich. Diese jedoch zur wesentlichen Ursache für das Erstarken der »Neuen Rechten« und populistischer Entgleisungen zu erklären, geht eindeutig zu weit. Das in rechten Kreisen beliebte und inzwischen weit verbreitete Narrativ von der angeblich bedrohten Meinungsfreiheit zu bedienen, auch in bester aufklärerischer Absicht, ist für die pluralistische Demokratie weitaus schädlicher, als die ohnehin vom Mainstream geächteten Übertreibungen linker Identitätspolitiker es jemals sein können.
    Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Als alter förderschullehrender Mensch finde ich eine derartige genderorientierte Sprachentwicklung sehr schade, unter anderem da ich das zunehmende Angebot der leichten Sprache toll fand. Erleichtert Gendern Menschen mit Handicaps oder Nichtmuttersprachlern das Verständnis, die Kommunikation? Fördert das die Integration? Die komplizierten Abkürzungen, Anglizismen, Neuerungen sind schon für mich (Abi, Studium, aber alt) ein Problem.
    Christa Post-Baron, Montesquieu-des-Albères (Frankreich)

  • Eine scharfe und differenzierte Sicht der Dinge. Einmal mehr als lesenswerter Artikel, der hoffentlich vermeintliche Besserwisser zum Nachdenken anregt. Wer Menschen auslädt, die ihm nicht genehm sind, verkennt, dass er eben genau dadurch torpediert, was ihm doch angeblich so wichtig ist, nämlich die Vielfalt der Meinungen. Kein Wunder, dass sich mancher nicht mehr mitgenommen, gar mundtot gemacht fühlt und diese aufgeregten Debatten nicht mehr ernst nimmt.
    Maren Bielarz, Herne (NRW)

Sannas Partytauglichkeit

Nr. 35/2022 Kolumne: Die da unten 

  • Sanna Marin hat uns Frauen keinen Gefallen getan. Sich selbst erst recht nicht, denn vermutlich wird sie fortan nur noch auf die Länge ihrer Shorts und ihre Partytauglichkeit reduziert. Schwierig, wenn Selbstinszenierung zum Bumerang wird.
    Susanne Oberheide, Dortmund

Allein zu zweit

Nr. 35/2022 Eine Singlereise durch die Lüneburger Heide 

  • Man kann sich auch zu zweit als Single fühlen. Vor zwei Jahren habe ich mich nach 40 Jahren endgültig von meinem Mann getrennt, bin jetzt 80 Jahre alt und genieße das Leben und mache viele Reisen, freue mich über gute Gespräche und viele nette Bekannte und hoffe, dass es noch eine Weile so weitergeht.
    Monika Hentschel-Fehn, Kleinostheim (Bayern)

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