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Artikel 77 / 78

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Erziehung, Umgang mit Putin, Rasenkultur und fragwürdige Immobiliendeals in den USA – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 42/2022

Sie können es nicht richtig machen

Heft 41/2022 Erzogen oder verzogen? 

  • Das Problem sind nicht die Kinder, es sind die Eltern! Kinder benötigen Eltern, die sie liebevoll erziehen, auf dem Weg in die Eigenständigkeit anleiten und natürlich nachahmenswerte Vorbilder sind. Kinder müssen selbstverständlich lernen, was »nein« bedeutet. Die Mehrzahl der Eltern wird dieser Aufgabe gerecht, aber eine zunehmende Zahl ist völlig hilflos. Die Basis für ein gutes Erwachsenwerden von Kindern liegt immer in der Familie. Unterstützend benötigen wir unbedingt auch bestens ausgestattete Bildungseinrichtungen, beginnend in der Kita, denn zu viele Kinder erhalten weiterhin bei uns nicht die Bildungschancen, die sie benötigen.
    Dr. med. Wolfram Hartmann, Kreuztal (NRW)

  • Ein schöner Artikel. Der Grat zwischen Achtsamkeit und benötigter Richtungsweisung ist schwer zu finden. Eltern haben es heute nicht leicht. Immer wieder werden sie kritisch beäugt, belächelt aufgrund von scheinbarer Unfähigkeit, und ernten ein Kopfschütteln, wenn Sie dem Sprössling dann doch mal die Meinung geigen. Ob im Restaurant, in der Schule oder in Vereinen: Eltern können es nicht richtig machen, und die Kinder auch nicht. Ein Durchschnittsmensch ist gewünscht, ein bisschen angepasst, aber nicht zu sehr, gut in der Schule, aber nicht unbedingt ein Überflieger, im Sport bitte nicht zu ehrgeizig sein. Wann immer das Kind Ausschläge in die eine oder andere Richtung zeigt, haben wir die Schuldigen schnell gefunden.
    Sabrina von Jena, Koblenz

  • Mit Ihrem Artikel bin ich nur wenig einverstanden. Natürlich sollten wir unseren Kindern Selbst- und Demokratiebewusstsein mit auf den Weg geben. Natürlich gehören dazu Liebe, Einfühlung und Aufmerksamkeit, die Grundlage sind für ein gesundes Urvertrauen und das Entstehen von tragfähigen Bindungen. Aber unsere Kinder sollten auch zu sozialen Wesen erzogen werden. Dazu gehört, ihnen zu erklären, dass es Menschen mit anderen Interessen gibt, die sich nicht grundsätzlich den kindlichen Bedürfnissen anpassen müssen. Wenn Kinder sich zum Beispiel in einem Restaurant austoben müssen, könnten die Eltern ihnen auch sagen, dass sie mit ihnen lieber woanders hingehen, wo sie ungestört toben können. Das ist keine Strafe, sondern Konsequenz. Die ist wichtig, damit Kinder lernen können, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen. Negative Reaktionen ihrer weiteren Umwelt werden auch von kleinen Kindern bemerkt und machen sie eher abhängig von ihren Eltern, als dass sie ihr Selbstbewusstsein stärken.
    Ute Trillmich, Berlin

  • Kinder haben in der Pandemie viel mitgemacht, sie wurden zum Schutz anderer isoliert, Schulen und Kindergärten waren über Monate geschlossen, die Lernrückstände sind enorm, die Zahl psychischer Erkrankungen hoch. Das Bildungssystem ist überlastet, das Klima wandelt sich schnell und es gibt wieder Krieg in Europa – keine schönen Zukunftsaussichten. Kinderrechte haben es immer noch nicht ins Grundgesetz geschafft, und mancherorts wird Kindern der Zugang zu Cafés und Restaurants verwehrt, ganz legal. Diese und andere Belege für eine strukturelle Ignoranz bis Feindlichkeit gegenüber Kindern und ihren Bedürfnissen hätte einen SPIEGEL-Titel verdient. Aber doch nicht die Frage »Dürfen Kinder heute alles?«
    Anne Seibring, Bonn

  • Ein Wort vermisse ich im gesamten Artikel: Konsequenz. Nur drei Beispiele: Versprechen einzuhalten, oder ein Kind nicht zu züchtigen, wenn es die Eltern wegen einer Sache kritisiert, wegen der es selbst von den Eltern kritisiert wurde, oder wenn es zwei Fernseher zerdeppert, weil es nicht dieselbe Zuwendung wie der Fernseher erfährt.
    Wolfgang Luckner, Bonn

  • Das Problem ist nicht die Entscheidung für einen autoritären oder bindungsorientierten Erziehungsstil. Der autoritäre Stil ist eindeutig überholt und total ungeeignet für die Entwicklung des Kindes zu einem emotional ausgeglichenen Menschen mit Sozial- und Sachkompetenz sowie einem gesunden Selbstwertgefühl. Das eigentliche Problem liegt in der Fehlinterpretation der beiden Erziehungsstile durch viele Eltern. Es zeugt weder von Achtsamkeit noch von emotionaler Zuwendung, wenn Eltern erlauben, dass ihr Kind jede unsinnige Laune auslebt. In kritischen Situationen ist auch ein entschiedenes »Stopp, so nicht!« angebracht. Das ist kein Zeichen einer autoritären Erziehung, es ist eine wichtige Orientierungshilfe für das Kind.
    Prof. Roland Gorges, Hohenstein

  • Ein Schlusswort im pädagogischen Gespräch mit Eltern und Kindern in meiner pädiatrischen Praxis war oft die scheinbar banale Aussage »Es ist immer schwer, die eigenen Fehler bei seinen Kindern wegzuerziehen.« Eine tröstende, oft motivierende, manchmal auch frustrierende Feststellung.
    Dr. Karl Zeller, Kinderarzt, Ludwigshafen

  • Zwei Dinge sind aus meiner Sicht bei der Erziehung am wichtigsten: eine tiefe Empathie (auch für die Menschen in der Umgebung) und damit verbunden ein großzügiges Angebot von Zeit.
    Birgit Heid, Landau (Rhld.-Pf.)

Warum so verzagt?

Heft 40/2022 Leitartikel: Wer blufft hier? 

  • Ich stelle fest: Im Hauptstadtbüro des SPIEGEL haben Putins Maßnahmen schon Erfolg. Nun wird Zurückhaltung gegenüber Putin das Wort geredet. Wieso jedoch die »Hoffnung irrig« sein soll, mit Panzerlieferungen Putin aufhalten zu können, begründen Sie nicht. Gerade wegen der bisher erfolgten Waffenlieferungen existiert die Ukraine noch und hält ihre bewundernswerte Widerstandsmoral aufrecht. Weitere erforderliche Lieferungen ändern an der völkerrechtlichen Situation nichts, wonach man dadurch nicht Kriegspartei wird. Rücksicht auf Putins kranke Befindlichkeit an erste Stelle zu stellen, würde ohnehin nicht helfen, sieht er sich doch schon längst im Krieg mit den Demokratien, oder besser, der Demokratie an sich. Signale der Schwäche zu senden, wäre eben nicht »verantwortlich«, sondern würde ihn nur bestärken.
    Thomas Jensen, Vallendar (Rhld.-Pf.)

  • Was ist denn das für ein verzagter Leitartikel? Jetzt gilt es mehr denn je, besonnen, aber entschlossen an der Seite der Ukraine zu stehen, statt schwankend anzudeuten, dass man auseinandergehen wird.
    Dr. Thomas Baecker, Bielefeld

  • Ein verantwortungsbewusster Artikel. Erfreulich, ihn im SPIEGEL zu lesen. Leider gibt es eine Menge Politiker wie Frau Dr. Strack-Zimmerman (FDP), die lauthals Leopard-Lieferungen fordern – auf die Gefahr hin, damit die beschleunigt Nato in den Ukrainekrieg hineinzuziehen. Unser Bundeskanzler hat bisher den Mut bewiesen, einen kühlen Kopf zu bewahren.
    Alexander Reiter, Kirchzarten (Bad.-Württ.)

  • Ihre Redakteure ergehen sich nun über Monate in immer drastischeren Forderungen nach Lieferung immer mehr schwerer Waffen an die Ukraine, sie haben Bundeskanzler Scholz ständig kritisiert für seine aus meiner Sicht wohlüberlegte Zurückhaltung und sein Zögern und haben dem absolut unflätigen ukrainischen Botschafter Melnyk – und nicht nur ihm – eine Bühne für seine unverschämten Angriffe auf den Bundespräsidenten und die gesamte Regierung geboten. Nun rudern Sie endlich zurück, plötzlich fällt ihnen auf, wie segensreich die Vorsicht von Olaf Scholz doch ist. Das lässt hoffen! Bei aller Solidarität gegenüber der Ukraine ist der nämlich zuallererst verpflichtet, das Wohl seiner Bürger im Auge zu haben und nicht die Gefährdung unserer Sicherheit zu riskieren. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.
    Josef Panzirsch, Amberg (Bayern)

  • Melanie Amann fordert zu Recht, dass wir keine Leopard-Kampfpanzer an die Ukraine liefern sollten. Dabei handelt es sich um Angriffswaffen. Ich erinnere daran, dass Deutschland 1941 die damalige Sowjetunion angegriffen hat, mit schrecklichen Folgen. Schon aus diesem Grund sollte es die Lieferung von Angriffswaffen anderen Staaten überlassen.
    Heinz-Jürgen Wurm, Siegburg (NRW)

  • Warum jetzt bei der Unterstützung der Ukraine Zurückhaltung üben? Putin hat sich verzockt, er braucht dringend neues Kanonenfutter, und der Versuch, uns durch seine völkerrechtswidrigen Annexion Angst einzujagen, ist zu durchsichtig. Es besteht überhaupt kein Grund, sich vor Putin zu verkriechen. Jetzt sollten alle Verbündeten Mut zeigen und die ukrainische Armee verstärkt auch mit Kampfpanzern, Mehrfachraketenwerfern und Schützenpanzern unterstützen; hierdurch kann der Krieg verkürzt werden. Putin braucht ein starkes Signal! Einen Atomkrieg wird er nicht wagen.
    Dieter Weber, Wandersleben (Thüringen)

  • Dass jemand von »ukrainischen Nöten« schwadroniert, wenn sich eine europäische Demokratie im brutalen militärischen Abwehrkampf gegen einen imperialistischen Kriegstreiber befindet, macht einen sprachlos. Die »westlichen Interessen« liegen mit Sicherheit nicht darin, die sehr spezielle Atomangst Frau Amanns reduzieren zu wollen, indem man dem »Krokodil Putin« (ebenfalls SPIEGEL 40/2022) seinen Landraub zugesteht, in der Hoffnung, als Letzter gefressen zu werden.
    Ernst-Christoph Meier, Kleinmachow (Brandenb.)

  • Der einzige Weg, den Einsatz von Nuklearwaffen durch die Russen vorerst zu verhindern, wäre, sofort sämtliche Waffenlieferungen an die Ukraine einzustellen und sie so zu zwingen, die russische Annexion – letztlich ihres ganzen Landes – hinzunehmen. Das würde Putin allerdings ermutigen, danach Moldawien oder das Baltikum ins Visier zu nehmen, und da seine Armee konventionell nicht mit der Nato konkurrieren, andererseits die Nato aber auch nicht wieder nachgeben kann, würde er eben dann Nuklearwaffen einsetzen, und zwar deutlich besser vorbereitet als jetzt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur sein, der Ukraine alles, was der Westen an Waffen aufbringen kann, zur Verfügung zu stellen, sodass Putin mit oder ohne Nuklearwaffen eine vernichtende Niederlage erleidet.
    Joachim Grüner, Frankfurt am Main

  • Putin wartet, bis der Westen einknickt. Er braucht eine starke Antwort: zum Beispiel die Lieferung einiger Marder- und Leopard- 2-Panzer – in »besonnener Anzahl«, um keine Überreaktion zu bewirken.
    Dr. Franz-Friedrich Rohmer, Königswinter (NRW)

Wer mistet aus?

Heft 40/2022 Die wundersame Geldvernichtung des Bistums Eichstätt 

  • Der Artikel beschreibt nur einen von Dutzenden Skandalen innerhalb der katholischen Kirche, benennt aber nicht das Grundübel dieser und anderer Religionen: Sie sind Institutionen zur Ausübung und zum Erhalt von Macht. Die Mächtigen auf Erden erfanden irgendwann einen Allmächtigen, auf den man sich berief, die Hölle als Disziplinarmaßnahme für die Schäfchen. Kritik oder auch nur ein Hinterfragen ist Gotteslästerung. Der »Heilige Vater« bestimmt, wo es langgeht, alle anderen Klerikalen haben zu gehorchen. Mittelalter oder 21. Jahrhundert?
    Alfons Selt, Lohmar (NRW)

  • In Zeiten, in denen Gott, Glaube, Werte, Vertrauen, Kirche immer wichtiger werden, ein weiteres, verheerendes Signal nach draußen, zu den Menschen! Die Verantwortlichen handeln im Höchstmaß unverantwortlich. Dieses Vermögen ist ihnen anvertraut, es sollte sinnvoll eingesetzt werden, gerade jetzt, vor allem für hilfsbedürftige Menschen – wofür sonst? Wer mistet diesen Saustall aus?
    Axel Füssmann, Havixbeck (NRW)

  • Trennt endlich Kirche und Staat komplett und tretet konsequent aus diesem gottlosen System aus. Wer an einen Gott glaubt, braucht keine verlogene Kirche und ihre satten Vertreter.
    Erich Janoschek, Kaiserslautern

Kein Platz für Insekten

Heft 40/2022 Härtetest im Vorgarten 

  • Leider halten nicht nur private Gartenbesitzer trotz Klimawandel, Wasserknappheit und Artensterben an ihrem englischen Rasen fest. Auch in öffentlichen Grünanlagen werden Rasenflächen, die weder als Spielfeld noch als Liegewiese genutzt werden, nach wie vor regelmäßig gemäht. Da ist kein Platz für insektenfreundliche Blühstreifen oder -inseln vorgesehen.
    Paul Korf, Hamburg

  • Rasen senkt Umweltgifte, bringt Sauerstoff, er ist ein Staub-, Luftfilter und senkt die Temperatur um fünf bis acht Grad Celsius. Familien mit Kindern brauchen eine Spielwiese, gerade heute in der Pandemiezeit, Rasen ist begehbar zum Feiern, eine Bienenweide oder Blumenwiese ist es nicht. Das hindert Gartenbesitzer aber nicht, die restlichen Gartenflächen mit einer Mischung aus heimischen Blumen oder mit Wildblumen zu besähen. Dazu könnte man ein selbst gebasteltes Wildbienenhaus aufstellen – wie ich es in meinem Garten habe. Mein Zierrasen wurde in diesem Jahr nicht beregnet, bei gutem Sommerschnitt auf etwa fünf Zentimeter trocknet er aus, wird dürr, aber aus dem Wurzelstock treibt er nach dem Regen wieder aus. Mit einem Langzeitdünger, der nicht brennt, Menschen und Tiere nicht gefährdet, und zweimal im Jahr ausgebracht wird, sind diese Kosten im Rahmen.
    Rudolf Stöcklin, Überlingen (Bad.-Württ.)

Ein Herz für Russen

Nr. 40/2022 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand

  • Gebt den jungen Russen eine Chance und nehmt sie auf, denn sie sind diejenigen, die nach dem Krieg mithelfen werden, ein demokratisches Russland aufzubauen.
    Helmut Degethoff, Hofgeismar (Hessen)

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