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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die Angst vor der Inflation, die documenta, der Gasmangel in Deutschland, Deglobalisierung und Tod im Krankenhaus – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 28/2022
  • Ja, die Not frisst sich nicht nur nach oben, sondern der Fisch stinkt vom Kopf! Die Wut auf unsere gewählten Volksvertreter sollte groß sein. Warum bitte haben diese klugen Köpfe nicht schon Putins Annexion der Krim oder den russischen Konflikt mit Georgien zum Anlass genommen, die unbedingte Abhängigkeit von russischem Öl abzufedern oder ganz zu beenden? Die Anlässe dazu waren doch schon gravierend, und nicht wenige Länder sahen dies zu dem damaligen Zeitpunkt so kommen, wie es nun gekommen ist. So sind es wieder wir, die Bürger:innen, die dafür teuer bezahlen müssen.
    Manfred Haas, Ingelheim (Rhld.-Pf.)

  • Natürlich ist es in diesen Zeiten der Preissteigerungen auf fast allen Gebieten das Gebot der Stunde, sich möglichst sparsam zu verhalten. Grundsätzlich trifft es auch zu, dass die Gruppe der Besserverdienenden mit einer inflationären wirtschaftlichen Entwicklung besser zurechtkommt als diejenigen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht so gut betucht sind. Allerdings kann ich dann nicht verstehen, wenn jemand, wie im Artikel, nicht bereit ist, auf das Auto zu verzichten, mit der Begründung, dass er dann etwas mehr als eine Stunde mit dem ÖPNV zur Arbeit fahren müsste. Das ist doch wohl zumutbar. Man muss das Auto ja nicht gleich verkaufen, aber man kann es etwas weniger benutzen und dadurch Energie einsparen.
    Martin Lisienski, Falkensee (Brandenb.)

  • Wenn alte, weiße Männer einen alten, weißen Mann auf die Titelseite des SPIEGEL bringen, ohne seinen Namen zu nennen, dann habe ich Verständnis für alle, die alte, weiße Männer kritisieren. Der Mann heißt übrigens Ludwig Erhard, war mal Bundeskanzler. Ralf-Uwe Weule, Hamburg

  • Obwohl ich mir als Rentner mit Grundsicherung das SPIEGEL-Abo eigentlich nicht leisten kann, bleibe ich treu. Der Nachteil liegt auf der Hand: Die Kugel Eis oder der Espresso entfällt dadurch. Das ist zwar purer Sarkasmus, aber dass die Rentenerhöhung einfach auf die Grundsicherung angerechnet wird, ist Fakt. Dass die Grundsicherung seit Jahren fest betoniert ist, ebenfalls. Man könnte die Liste beliebig fortsetzen. Und dann hat man Angst vor den Rändern der Gesellschaft, die die FDP gar nicht kennt. Trotzdem verfolge ich die verzweifelten Versuche der jeweiligen Regierungen mit Interesse und einem gequälten Seufzer.
    Kurt Stehmeyer, Konstanz

  • Die FDP erweist sich einmal mehr als sozialpolitischer Bremsklotz. Diese Partei hat nur das Wohl der Reichen im Blick. Die Bundesregierung muss aber im Interesse der Allgemeinheit handeln. Und da ist nach wie vor richtig: Breite Schultern können mehr tragen als schwache. Neben Arbeitnehmern sollten vor allem Familien mit Kindern mit dem Abbau der kalten Progression unterstützt werden.
    Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)

  • Die Bundesregierung sucht verzweifelt nach Lösungen für die Krise und verzettelt sich dabei immer mehr. Schon in der Vergangenheit haben es alle Verantwortlichen nicht geschafft, zügig einen sinnvollen Weg in Richtung der erneuerbaren Energien einzuschlagen. Dabei ist relativ klar, was zu tun gewesen wäre und jetzt erst recht zu tun ist, bevor es gänzlich zu spät ist und ein Schaden eintritt, der gar nicht mehr zu steuern ist. Was ist denn daran so schwer? Stattdessen wird wieder nichts in diese Richtung forciert. Lieber verteilt man etwa Ausgleichsrabatte mit der Gießkanne. Diese Maßnahme verpufft so schnell wie das angezündete Gas.
    Marco Doering, Wien

  • Politiker und Wirtschaftsexperten sind sich weitgehend einig in ihrer Prognose, dass der Bundesrepublik sehr harte Zeiten und möglicherweise sogar eine schwere Wirtschaftskrise bevorstehen. Die Ursache liegt hauptsächlich im Krieg in der Ukraine und den daraus resultierenden bekannten Folgen. Aber nicht ausschließlich. Dieses Land hat viele Jahre »gut und gerne« über seine Verhältnisse gelebt. Im Vertrauen darauf, dass der Wohlstand unendlich sei, wurde das Tafelsilber, das eigentlich für die kommenden Generationen bestimmt war, verscherbelt, und dringend erforderliche Investitionen in die Zukunft wurden unterlassen. Der Dampfer Deutschland ist bereits vor Jahren leckgeschlagen. Aber auf dem Deck wird noch immer Tanz­musik gespielt.
    Alfred Kastner, Weiden (Bayern)

Glaubhaft und empathisch

Heft 26/2022 »Putin will, dass sich unser Land zerlegt. Aber wir zerlegen uns nicht« 

  • Die Bundesregierung ist nicht konsequent und handelt wider die Vernunft. Ein Tempolimit lässt sich laut Wirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck nicht umsetzen, weil der Koalitionsvertrag das nicht vorsieht. Dabei haben sich die politischen Rahmenbedingungen längst verändert (Zeitenwende!) und erfordern wirksam-flexible Maßnahmen. Habeck selbst liefert die überzeugenden Argumente für die Einführung eines solchen Tempolimits: Energie- und CO2-Einsparung, Unfallreduzierung und Stressabbau – knickt aber gegenüber dem Koalitionspartner FDP ein. Es darf nicht sein, dass die parteipolitischen Ambitionen den lebenswichtigen Interessen der Allgemeinheit geopfert werden.
    Dr. Dieter Barth, Münster-Wolbeck (NRW)

  • Selten habe ich ein so klugscheißerisches SPIEGEL-Interview gelesen. In dem Interview wird meines Erachtens deutlich, wie schwierig die aktuellen Aufgaben von Herrn Habeck sind, Deutschland durch diese Krise zu führen. Über seine Pläne kann und muss man diskutieren, aber seine Antworten wirken glaubhaft und setzen Empathie frei. Von den Interviewern kommt nur: aber, aber, aber. Man muss kein Fan von Herrn Habeck und den Grünen sein, aber die Bemühungen, diese aktuell extrem schwierige Situation zu meistern, darf man auch einmal würdigen.
    Dr. Werner Mischke, Hamburg

Globalisierung mit Augenmaß

Heft 26/2022 Jetzt geht es um unseren Wohlstand 

  • Gerade die letzten zwei Jahre haben uns vor Augen geführt, wie wichtig eine gewisse Autarkie für Europa ist. Da gab es in der Anfangsphase der Pandemie massive Probleme bei der Beschaffung von Masken und durch die derzeitigen Gegenmaßnahmen Russlands ist die Energieversorgung für Privathaushalte und Wirtschaft gefährdet. Es ist sinnvoll, existenzielle Güter in Europa zu produzieren. Dadurch würden auch Transporte, die das Klima unnötig belasten, minimiert. Das Anlegen strategischer Ressourcenvorräte ist ebenso wichtig. Man stelle sich vor, China würde bald Taiwan angreifen, und unsere Politiker würden infolgedessen massive Sanktionsmaßnahmen beschließen. Und dann?
    Reiner Gorning, Hamburg

  • Ich vermisse die Erwähnung der extremen sozialen Verwerfungen, die durch die Globalisierung in Deutschland verursacht wurden. Die AfD ist nur eines der bitteren Ergebnisse dieser von der Politik stets heruntergespielten Vorgänge. Millionen Verlierer wurden zynisch belächelt, sich selbst überlassen und ausgegrenzt. China hat durch die unfaire deutsche Subventionspolitik hierzulande ganze Branchen vernichtet. Die jetzt Regierenden sind in der Pflicht, lebenswichtige Schlüsselindustrien wieder nach Deutschland zurückzuholen, die durch leichtsinnige Geldgier verschleudert wurden. Jetzt haben Politiker die Chance, Globalisierung mit Augenmaß und Vernunft zu gestalten.
    Irene Weidlich, Berlin

  • Auf acht Seiten, von acht namhaften Journalisten erarbeitet, öffnet der SPIEGEL seinen Lesern die Augen für die globalen Zusammenhänge der letzten Jahrzehnte. Spalte für Spalte Auf­klärung darüber, wie die Glo­balisierung so nützlich und wohlstandsträchtig wurde und wie sie nun frisst, was alle geglaubt und gehofft haben. Regierungen, Politiker, Banken- und Wirtschaftsbosse halten plötzlich inne: Ihnen schlägt das Herz im Hals.
    Charlotte Waltraut Lemke, Goslar (Nieders.)

Leider kein Einzelfall

Heft 26/2022 »Komm schnell, sie holen ihn jetzt!« 

  • In meiner 23. Schwangerschaftswoche verbrachte ich im November 2013 einen langen Abend im Wartezimmer des UKE-Kreißsaals. An das Gefühl der Hilflosigkeit und Angst in diesen Stunden erinnere ich mich sehr gut. Meine Intuition sagte mir, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Deswegen fuhr ich hin. Ich wartete dort sieben Stunden lang. In diesen Stunden hätte mein Kind durchaus zur Welt kommen können. Abends um kurz nach elf wurde ich dann endlich aufgerufen, der Gebärmutterhals wurde per Ultraschall ausgemessen und stellte mit einer Länge von knapp drei Millimetern akutestes Frühgeburtsrisiko dar – und das in der 23. Schwangerschaftswoche, also an der Schwelle zur Lebensfähigkeit. Ich ging an diesem Abend nicht mehr nach Hause, sondern verbrachte zwei Monate stationär. Heute habe ich drei gesunde Mädchen. Das dritte erblickte am 1. Juni 2019, also neun Tage nach dem Tod von Silja Greuner und ihrem Kind, das Licht der Welt in einem Kreißsaal des UKE. Der Bericht berührt mich daher zutiefst. Rückblickend bin ich dem UKE, insbesondere einer Oberärztin, für die medizinische Begleitung meiner drei Schwangerschaften dankbar. Die Erfahrung lehrte mich jedoch: Man ist der Maschinerie des Systems in Momenten von Schwäche und Krankheit restlos ausgeliefert, insbesondere als Schwangere. Und vieles steht und fällt dann mit den Menschen, auf die man im System Krankenhaus trifft.
    Dr. Sunita Ramakrishnan, Hamburg

  • Was heißt hier »rätselhafte Todesfälle«? Eine Schwangere leidet an einer deutlich symptomatischen, sich schnell im Körper ausbreitenden Infektion, wird klinisch und laborchemisch nicht adäquat untersucht und behandelt und verstirbt zusammen mit dem Fetus rund dreißig Stunden nach Symptombeginn. Das ist nicht so ungewöhnlich, wenn nicht umgehend nach Erstkontakt und Asservation der Blutkulturen breit antibiotisch und mit Volumen­gabe behandelt wird (»goldene erste Stunde«). Jede Person, die Medizin studiert hat, muss wissen, dass es eine Sepsis gibt. Jeder verantwortliche Behandler in einem Krankenhaus muss wissen, mit welchen Symptomen sie sich äußern kann und was dann zu erfolgen hat.
    Dr. Rupert Schmid, München

  • Die geschilderte Tragödie zeigt das Hauptproblem bei der Sepsis: Gerade junge und unerfahrene Ärzte übersehen bei Patienten mit grippeähnlichen Symptomen diese lebensbedrohliche Erkrankung. Ohne eine Reform der ärztlichen Ausbildung wird sich an diesem vermeidbaren Missstand nichts ändern.
    Dr. Karsten Strey, Hamburg

  • Ein eindrucksvoller und bewegender Bericht. Das zum Teil unmenschliche Verhalten der Ärzte nach einem solch tragischen Vorfall ist skandalös, aber leider sicher kein Einzelfall. Es wird gemauert, wenn es um den Ruf geht, um ärztliche Beziehungspflege untereinander und um die Abwehr von Versicherungszahlungen durch ausgebuffte Versicherungsprofis. Dem stehen gegenüber: der hilflose Patient und alleingelassene Angehörige.
    Dieter Scheuring, Rosenheim (Bayern)

Kunst geht anders

Heft 26/2022 Meint ihr das wirklich ernst? 

  • Wie kann man in München studieren, ohne etwas über die Geschichte Deutschlands mitzubekommen? Etwas scheint beim Taring-Padi-Künstler Sri Maryanto wohl angekommen zu sein: Wie kann man sonst SS-Symbole zeigen, ohne zu wissen, was dahintersteckt?
    Hannelore Siegritz, Nürnberg

  • Zweifelsohne muss eine Documenta provozieren, das sollte ihr Auftrag sein. Egal, ob mit Olu Oguibes Obelisk vor fünf Jahren, der umstrittenen Treppe von Gustav Lange auf dem Königspalast oder den 5000 gepflanzten Eichen von Joseph Beuys. Kunst darf aber niemals Antisemitismus in einen Vordergrund stellen. Diese Documenta werde ich nicht besuchen, obwohl sie vor meiner Haustür liegt. Kunst geht anders.
    Karl Wetzel, Calden (Hessen)

  • Ich lebe in Kassel und verfolge von Beginn an die Debatte und die Berichterstattung. Ein riesengroßes Lob für diesen Text! Ich bin ehrlich beeindruckt, wie ausgewogen er ist bei solch einem schwierigen Thema. Dass Sie mit dem Künstler:innenkollektiv Taring Padi gesprochen haben, finde ich sehr gut. Nirgendwo habe ich das bisher sonst gesehen, gelesen oder gehört.
    Lara Thiele, Kassel

Erpressung des Westens

Heft 26/2022 Jetzt ist der Zeitpunkt, Putin eine Lektion zu erteilen 

  • Ein außergewöhnlicher Essay von Jonathan Littell, eindringlich und kraftvoll wie ein Donnerhall, doch leider kommt das Echo nicht im Kreml an.
    Erich Krappen, Wegberg (NRW)

Leben mit der Inflation

Nr. 27/2022 Reise durch das deutsche Teuerland 

  • Das, was alle Menschen betrifft, darf nicht in privater Hand, zum Zwecke der spekulativen Gewinnmaximierung, verbleiben. Das sind Geld, Infrastruktur, Energie und Gesundheit.
    Werner Dinkelbach, Sinzig (Rhld.-Pf.)

»Funktionierendes System«

Nr. 26/2022 Lobby kämpft trotz Getreideknappheit für Biosprit

  • Man stelle sich vor, wegen der Verwendung von Getreide zur Produktion von Biosprit müsste die Produktion von Bier und Korn eingeschränkt werden. Nicht auszudenken, was das für Folgen hätte!
    Lothar Cattarius, Mainz

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