Zur Ausgabe
Artikel 68 / 69

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die Machtbalance in der künftigen Regierung, das politische Versagen in der Coronakrise und die Rolle der Stiko – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 49/2021

Auf liberaler Schleimspur

Heft 48/2021 Titel: Es kann nur einen geben 

  • Die FDP übernimmt das Verkehrsministerium. Kommt jetzt Mindestgeschwindigkeit 130 auf der Autobahn?
    Fritz Brehm, Frankfurt am Main

  • Die Große Koalition hat in ihrer Zeit der Zusammenarbeit keine großen Gemeinsamkeiten gepflegt und gezeigt. Warum jetzt also schon vor Aufnahme der Arbeit der Ampelkoalition unken? Natürlich wird es auch in dieser Koalition genug Reibungspunkte geben, und es werden nicht alle auf der Agenda von SPD, Grünen und FDP stehenden Ziele erreicht werden. Trotzdem tut doch gerade jetzt ein bisschen Aufbruchstimmung ganz gut. Also schauen wir mal.
    Anja Throl, Wolfsburg

  • Gerade habe ich den neuen SPIEGEL aus dem Briefkasten geholt – und erst mal laut gelacht. Vielen Dank für dieses herrliche Titelbild. Da ich mich manchmal schon kräftig über SPIEGEL-Titelseiten geärgert habe, möchte ich Ihnen diesmal auch meine Freude mitteilen.
    Gerhild Lemke, Grasberg (Nieders.)

  • »Es kann nur einen geben«, wird getitelt, und im Artikel doch tatsächlich Christian Lindner zum Highlander, Fußballer Labbadia würde sagen, »hochsterilisiert«. Was ist da passiert? Ein Parteivorsitzender der FDP schwadronierte einst davon, dass er »nicht wüsste, was ihm ein Herr Scholz anbieten könnte«, um bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags mit »Herr Scholz wird ein guter Kanzler sein« dem zukünftigen Chef auf der liberalen Schleimspur wendehalskonform entgegenzurutschen. Mir ist ein manchmal schwurbelnder, aber bodenständiger Robert Habeck deutlich lieber als der glatte, kalte Rhetoriker Lindner.
    Michael Zimmermann, Butzbach (Hessen)

  • Da haben sich SPD, FDP und die Grünen endlich zu einem flotten Dreier gefunden, und dann kommt der SPIEGEL, reißt die Tür auf und macht das Licht an.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (NRW)

  • Die Koalitionäre haben sich auf einen Vertrag geeinigt. Darin hat die FDP am nachhaltigsten ihre Positionen geltend gemacht. Nun gilt es, die Probleme des Landes, Europas und der Welt einer Lösung zuzuführen. Um effektiv und vertrauenerweckend zu agieren, wirken parteipolitisches Gezänk und Eifersüchteleien eher störend und hemmend. So sollten auch Habeck und Lindner ihre Machtgelüste zum Wohle eines guten Ganzen schnell begraben. Denn: Eine geschliffene Rhetorik ist das eine, sinnvolles und zweckmäßiges Handeln das andere.
    Horst Winkler, Herne (NRW)

  • Es ist schon erstaunlich, wie weit die FDP mit nur 11,5 Prozent Wählerstimmen, knapp zwei Jahren Freiheitsgeschwafel und flapsigen Sprüchen kommen konnte. Sie bestimmte nicht nur die Koalitionsverhandlungen, sondern wird dafür auch noch mit vier Ministerien, darunter dem Finanzministerium, belohnt. Obwohl Frau Baerbock von den Grünen im Wahlkampf nicht überzeugte, soll sie Deutschland als Außenministerin vertreten. Und das in einer immer komplizierter werdenden Welt und mit keinerlei Regierungserfahrung. Die SPD mit Kanzler Scholz in spe hütet noch ihr Geheimnis, wer zukünftig Verantwortung tragen wird. Doch gerade wo Corona das Gesundheitswesen im Chaos versinken lässt und neue Mutationen im Anflug sind, könnte sich diese Geheimniskrämerei noch als großer Fehler erweisen. Wenigstens soll Cannabis legalisiert werden. Dann können sich die Bürger die neue Koalitionsregierung nicht nur schöntrinken, sondern mit ein paar Joints noch zusätzlich verschönern.
    Hans Amling, Panketal (Brandenb.)

  • Die Verheißungen der neuen Koalition halten sich in Grenzen. Beim Thema soziale Gerechtigkeit soll weitgehend der Status quo regieren. Wichtige Fragen, etwa zur Zukunft der Rentenversicherung und danach, wer die Coronaschulden bezahlen soll, werden nicht beantwortet. Entscheidend wird sein, was am Ende der Amtszeit der Ampel im Gesetzblatt steht und ob es der Mehrheit der Menschen in Deutschland besser geht als vorher.
    Andreas Meißner, Dresden

  • Habe ich das richtig gelesen, der SPD-Kanzler in spe schlägt sich auf die Seite der Neoliberalen? Die sich – unausgesprochen zwar – immer noch als die Partei der Besserverdienenden verstehen. Welch eine Steilvorlage für Kevin Kühnert.
    Hans Neubig, Goldkronach (Bayern)

  • »Mehr Fortschritt wagen«: So steht es über dem Vertrag der Ampelkoalition. Allein das Verb »wagen« bedeutet, dass man vielleicht damit anfangen will, aber auch sofort wieder damit aufhört, wenn es nicht klappt. Wir sollten uns darüber im Klaren sein.
    Manfred Mengewein, Arnsberg (NRW)

  • Solange man noch nicht regiert, ist natürlich allseits gut bluffen und lassen sich vielversprechende Absichten zuversichtlich verkünden. Sollte es aber der neuen Regierung nicht gelingen, das Coronavirus zu besiegen, und sich hier das Auf und Ab fortsetzen, wird sich bei einer dann nicht ganz unwahrscheinlichen fünften Welle zum Ende 2022 die Kassenlage so verschlechtert haben, dass das rot-gelb-grüne Bündnis kaum etwas von dem, was es verkündet hat, noch umzusetzen vermag. Die Absicht bedarf der Möglichkeit.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Sehr guter Sprech des Herrn Lindner, fast staatstragend. Wirkt manchmal nur etwas abgehoben, fast gestelzt. Ein wenig Witz und Charme könnte nicht schaden.
    Hermann von Kamp, Halle (NRW)

  • Die beißende, nur schwer zu ertragende Arroganz von Christian Lindner, die schon in allen seinen TV-Auftritten zu beobachten ist, setzt sich nahtlos auch in diesem Interview fort. Bleibt zu hoffen, dass er bei seinen zwangsläufigen Auslandsauftritten nicht auch noch zum Prototyp des stets besser wissenden »Ugly German« mutiert.
    Walter Krombach, Rüsselsheim (Hessen)

  • Nur um an die Macht zu kommen, haben die Grünen sich verkauft. Wenn schon das wichtigste Ministerium – das der Finanzen – durch die FDP erobert worden ist, kann man nicht das wichtige Verkehrsministerium, mit dem wirksame Umweltpolitik betrieben werden kann, aufgeben. Was ist von grüner Politik übrig geblieben? Machterhalt, sonst kaum etwas.
    Klaus Heck, Wachtberg (NRW)

Verfrüht, wohlfeil und überzogen

Heft 47/2021 Leitartikel: Die Ampel scheitert an ihrer Bewährungsprobe 

  • Ist er nicht ein wenig unfair, dieser Leitartikel? Im Kontext der aktuellen Lage von einem nicht bestandenen Stresstest der Ampelkoalition zu reden, scheint mir insofern nicht zutreffend, als noch immer eine amtierende Koalition für die notwendigen Entscheidungen zuständig ist. Wie sollte das denn gehen? Etwa so, dass die noch nicht regierende Koalition – sofern sie denn zustande kommt – die noch amtierende »berät«?
    Dr. Günther Bach, Berlin

  • Beifall zu Ihrem Artikel, der, erstaunlich für den SPIEGEL, sachlich nüchtern bilanziert. Keine Frage, die Politik trägt für die Versäumnisse die Verantwortung, weil sie nicht den Mut hatte, den Empfehlungen der Fachleute zu folgen und lieber den Beifall der breiten Masse suchte. Von verantwortungsvoller Führung keine Spur. Fachleute können nur empfehlen, entscheiden muss die Politik.
    Alexander Reiter, Kirchzarten (Bad.-Württ.)

  • Jens Spahn hat die Coronakrise nicht in den Griff bekommen. Wie soll eine noch nicht regierende Koalition wirkungsvoller sein als ein gescheiterter Gesundheitsminister mit Hunderten von Mitarbeitern? Wir sollten mehr Geduld haben. Es kann nur besser werden.
    Jürgen Cieslik, Jülich (NRW)

  • Eine sich erst noch bildende Regierungskoalition aus drei sehr unterschiedlichen Parteien schon jetzt für alles verantwortlich zu machen ist verfrüht, wohlfeil und überzogen. Sie haben bisher eine große Disziplin gezeigt, sich nicht jeweils ihre Absprachen in der Öffentlichkeit und in den Medien zerreden zu lassen. Das passt manchen Journalisten nicht ins Konzept, ist aber lobenswert.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

Dilettantismus in Vollendung

Heft 47/2021 Der gesunde Menschenverstand – Schön gemütlich

  • Die Aufgabe der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist nicht die Bekämpfung der Pandemie, sondern die Beurteilung von Nutzen und Risiken einer Impfung für den Einzelnen. Das große Vertrauen der Bevölkerung in Impfungen basiert auf der Beurteilung und Einschätzung dieses Gremiums, welches unabhängig von politischen Forderungen arbeiten soll. Die Tatsache, dass die Stiko im Verlaufe der Pandemie ihre Einschätzungen geändert hat, spricht nicht gegen, sondern für ihre Qualität, da sich die wissenschaftliche Evidenz geändert hatte. Einen derartig populistischen Beitrag hatte ich Markus Feldenkirchen gar nicht zugetraut.
    Dieter Firnrohr, Hamburg

  • Herr Feldenkirchen bringt es endlich auf den Punkt. Die Stiko handelt in einer Art bewusstlosem Zustand, und wer folgt ihr außer Jens Spahn? Ach ja, das Robert Koch-Institut. Gemeinsamer Dilettantismus in Vollendung. Die ersten Wellen waren sicherlich nicht einfach zu bewältigen, aber jetzt gibt es doch seit fast zwei Jahren Erfahrungswerte aus Deutschland, aus dem Ausland, aus der Welt. Es ist zum Verzweifeln.
    Petra Sattler, Frankfurt am Main

  • Was reitet Herrn Feldkirchen eigentlich, so über die Stiko herzufallen? Wenn man sich Kommentare auf einschlägigen Webseiten von Coronaleugnern, Impfgegnern und was sich da sonst noch alles tummelt, anschaut, ist die Art und Weise, wie dort auf Befürworter strengerer Coronamaßnahmen oder Impfungen eingedroschen wird, kaum schlimmer. Kritik an langwierigen Entscheidungen könnte man sachlich begründet darlegen, aber nicht mit Verweisen auf Äußerlichkeiten bestimmter Personen oder deren Redegeschwindigkeit. Empfehlungen zur Anwendung von Arzneimitteln oder Impfstoffen müssen nicht »zackig« oder »weniger zurückhaltend« erfolgen, sondern wohlüberlegt. Hier stimmt einfach der Ton nicht!
    Reinhard Wölfel, Würzburg

  • Markus Feldenkirchens Beschreibung der Stiko und ihres Chefs, Professor Mertens, ist ein Volltreffer. Ich frage mich schon die ganze Zeit, wieso die Stiko bei ihren Entscheidungen und Empfehlungen so zögerlich agiert und taktiert und fast immer auf der Bremse steht. Deutschland ist gesundheitspolitisch ein Insolvenzfall, und die Stiko trägt mit dazu bei, dass eine rasche und nachhaltige Sanierung verschleppt wird.
    Peter Neutzler, Karlsruhe

Fenster zur Welt

Heft 47/2021 Homestory: Wenn man seine alten CDs wieder hört 

  • Der Artikel von Frau Hardinghaus hat mich sehr berührt und an meine Jugendzeit erinnert, als sich meine Gefühlslagen noch so stark mit Musik verknüpften. Anfangs war es mehr das Radio – Thomas Gottschalk in »Pop nach 8« war das tröstliche Fenster zur Welt, wenn ich abends etwas einsam in meinem Zimmer saß. Ich glaube, wir wussten in diesem Alter auch instinktiv, wie gut sich Musik als Droge, Aufputschmittel oder Medium der Melancholie benutzen ließ. Und heute, ich bin 60 Jahre alt, weiß ich, wie stark sich damals die Musik mit meinen Erinnerungen verknüpfte – »Samba Pa Ti« beim Schiebertanzen in der Jugenddisco, »Kiss« unter dem Kopfhörer beim Lernen für das Abitur, »The Doors« nachts beim Malen der ersten Ölbilder.
    Klaus Köpping, Kaufungen (Hessen)

  • Die Stammleserschaft schätzt am SPIEGEL den engagierten, kritischen Journalismus, die sauberen Recherchen, die klare Positionierung, nicht zuletzt den spezifischen Stil. Für diese Vorzüge nimmt man auch augenrollend in Kauf, dass seit einiger Zeit unter dem irritierenden Rubrum »Reporter« diverse Autoren ihre privatesten Befindlichkeiten ausbreiten. Mit dieser Homestory wurde allerdings ein Gipfel der Banalität und Irrelevanz erklommen. Die Autorin – deren Wohnung, wie sie mitzuteilen nicht umhinkam, mit »bodentiefen Fenstern« ausgestattet ist – liefert eine Auflistung der in ihrem Besitz befindlichen CDs. Geht’s noch?
    Eleonora Martini, Leonberg (Bad.-Württ.)

Heft 47/2021 Drogerie-Erben Roßmann und Werner im SPIEGEL-Gespräch 

  • Wem nützen solche Auskünfte über Leben und »Leiden« von Raoul Roßmann, Christoph Werner und Co.? Roßmann senior nervt schon hinlänglich mit der Werbung für seine dank Finanzkraft auf den Markt gedrängten Bücher.
    Heiko Gerdes-Janssen, Großheide (Nieders.)

Heft 47/2021 Juso-Chefin Rosenthal über die FDP 

  • Christian Lindner und Olaf Scholz werden uns das weitere Herumdoktern an den Symptomen als Lösung der Probleme verkaufen, während die Grünen gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Für die Jusos bleibt nur die Rolle der lautstarken Kritiker:innen.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 68 / 69
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.