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Artikel 70 / 71

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die Pipeline-Lecks, Bully Herbigs Relotius-Film, ein Trockenklo in der Natur und Hasso Plattners Kunsthaus – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 41/2022

Wer macht so etwas?

Heft 40/2022 Titel: Operation Seebebens 

  • Putins »Machthebel«, Gas nach Belieben an- und abzustellen, abhängig von unserem Verhalten, ist kaputt. Alle Mitbürger, die für russisches Gas demonstrieren wollten, können jetzt zu Hause bleiben. Die Entscheidung zu weiterer Solidarität wurde uns abgenommen. Hätte Russland mit diesem Terrorakt nicht ein Eigentor geschossen? Egal, Putin muss der Übeltäter sein! Andernfalls müssten wir in diesem Krieg unsere Koordinaten für Gut und Böse ja neu justieren, und unser Vertrauen wäre bis in die Grundfesten erschüttert.
    Wolfgang Berger, Ebersbach (Sachsen)

  • Nun haben Saboteure unsere schöne neue Pipeline Nord Stream 2 zusammen mit der älteren Röhre an vier Stellen gesprengt. Wer macht so etwas? Ich frage in diesem Zusammenhang: Wer war seit Baubeginn gegen dieses Projekt – und wer hat die technischen und logistischen Möglichkeiten, so eine Sprengung im Meer heimlich durchzu­führen? Gegen das Objekt waren viele unserer europäischen Nachbarn, besonders Polen. Dann lautstark die USA, die aber Gründe nannten, die nichts mit ihrem Wunsch zu tun hatten, uns ihr teures LNG-Gas zu liefern. Und Putin? Warum sollte er seine Pipeline zerstören, an der der Staatskonzern Gazprom rund zur Hälfte beteiligt ist?
    Horst Mockenhaupt, Hamm

  • Welchen Nutzen hätte Russland davon, eine Leitung, eine Verbindung zu zerstören, die zukünftig noch sehr nützlich hätte sein können? Die im Artikel vorgetragene Vermutung, Russland wolle mit einem etwaigen Anschlag Schadenersatzforderungen begegnen, ist wenig schlüssig. Wer Völkerrecht bricht, hat auch keine Sorge, Handelsrecht zu brechen. Den USA hingegen sind die Nord-Stream-Pipelines seit jeher ein Dorn im Auge. Ein Profiteur des Krieges ist das Land zudem. Geostrategisch wird Russland geschwächt, und wirtschaftlich ist der große Konkurrent Europa geschwächt. Zudem können uns die USA endlich ihr teures Flüssiggas verkaufen.
    Reiner Gorning, Hamburg

  • Ihr Titelartikel passt zum Tag der Deutschen Einheit. Was wäre geschehen, wenn ein Präsident Putin, der uns mit einer nationalistischen Blut-und-Boden-Ideologie und überwunden geglaubter Hassrhetorik wider den Westen zurück in die Zeit des Kalten Krieges katapultiert, 1989 an der Macht gewesen wäre? Die friedliche Revolution, die zur deutschen Einheit führte und die alle Grenzopfer und Mauertoten gern erlebt hätten, ist wahrlich ein Wunder.
    Anastasia Klann, Hamburg

  • Putin fordert immer wieder, dass Nord Stream 2 zum Einsatz kommt, und verlangt das Ende der Sanktionen, damit er Nord Stream 1 wieder nutzen kann (was natürlich Quatsch ist). Da ist die Unterstellung, Russland habe die Pipelines beschädigt, ja wohl Unfug. Wenn es die norwegischen Röhren getroffen hätte, würde ich sagen, er will beweisen, dass wir Gas nur von ihm bekommen können. Aber es waren ja seine. Die Balten, die Polen und die USA versuchen seit Jahren, uns zu zwingen, auf beide Ostseepipelines zu verzichten. Und jetzt, wo ein bekannter deutscher Politiker und immer mehr Bürger die Nutzung von Nord Stream 2 verlangen, werden die Pipelines beschädigt. Da ist doch wohl klar, wer das verschuldet hat.
    Evelin Hildebrandt, Gütersloh

  • Wer auch immer die Sabotage zu verantworten hat, es wurden nun Fakten geschaffen, und die entwürdigende Prostitution der Deutschen vor Putins Gashahn hat endlich ein Ende.
    Andrea Bauer, Oberammergau (Bayern)

Plakative Einzelfälle

Heft 39/2022 Verbrechen: Wie können Behörden Gewalttaten psychisch Erkrankter verhindern? 

  • Das Grundrecht des Individuums auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und das Recht der Allgemeinheit auf Schutz vor den Folgen einer nicht mehr kontrollierten und behandelten krankhaften Entwicklung psychisch Kranker aus dem schizophrenen Formenkreis stehen immer wieder im Konflikt miteinander. Nur bei Gefahr für das eigene oder fremde Leben dürfen Zwangseinweisung und -behandlung erfolgen. Das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist hier nicht mehr gegeben, weil diese Entscheidung des Kranken nicht »frei«, sondern durch Auswirkungen der Krankheit ein­geschränkt ist. Gegen die Gefahr für das eigene oder das fremde Leben schützt gegebenenfalls die Zwangsbehandlung; gegen den sozialen, beruflichen Abstieg und Persönlichkeitszerfall hat die derzeitige Rechtsprechung keine gesetzliche Regelung vorgesehen. Der/die Erkrankte muss zuerst »bedrohlich« für sich oder andere werden, bevor Zwang ausgeübt werden darf. So werden Existenzen zerstört, die man rechtzeitig hätte auffangen können.
    Dr. Gerd Haffner, Reutlingen

  • Leider illustrieren Sie Psychose, Amoklauf und Gewalt an plakativen Einzelfällen. Damit setzen Sie eine halbe Million betroffene Menschen in Deutschland unter Generalverdacht. Es gibt auch strukturelle Ursachen: beispielsweise die Unterversorgung in psychiatrischen Krankenhäusern und den überlasteten Maßregelvollzug.
    Prof. Dr. Andreas Spengler, Wunstorf (Nieders.)

Das verdient Respekt

Heft 39/2022 Glaube: Ein katholischer Ordensbruder auf Tour durch das gottlose Mecklenburg-Vorpommern 

  • Genau so sollte Kirche sein! Danke für dieses wunderbare Beispiel!
    Ingrid Kunz, Freiburg

  • Vielen Dank, dass auch diese kleinen Lichtblicke in Ihrem Heft einen Platz haben. Ich selbst habe mit Glauben keine Berührung mehr, aber der Einsatz von Herrn Zörnig verdient allergrößten Respekt! Sollten aber nicht Politiker:innen den Menschen im Land so aufmerksam zuhören? Denn nur sie sind in der Lage, flankiert durch gezielte, öffentlich geförderte Forschung, Gesetze zu verabschieden, die einen Unterschied erwirken.
    Lukas Orbke, Herford (NRW)

Erst mal totgelacht

Heft 39/2022 Eine Meldung und ihre Geschichte: Was ein Trockenklo in der Natur mit dem Krieg in der Ukraine zu tun hat 

  • Nachdem ich mich beim Lesen erst mal totgelacht habe, aber dann wieder auferstanden bin, hier meine Eloge. Derart viel Feinsinn für schwäbische Skurrilität – Herr Smoltczyk, einfach danke! Manches im SPIEGEL überfliege ich oder lasse es weg. Aber Ihr Bericht war für mich das Beste diesmal. Mag die Welt gerade untergehen, Corona, Inflation und Energiemangel die Seiten füllen, des Wanderers Nachttopf bekommt Besseres ab.
    Peter Wolter, Leonberg (Bad.-Württ.)

  • Eine ähnliche Toilette wie die von Ihnen beschriebene habe ich im vergangenen Jahr beim Umrunden des Titisees gesehen und genutzt. Die Recherche im Netz hat ergeben, dass dieses Modell von einer ortsansässigen Firma gebaut wird und es bei der Entsorgung der Hinterlassenschaften offenbar ähnliche Probleme gibt. Amtsschimmel, ick hör dir trapsen.
    Dr. Hans-Jürgen Hofmann, Bremen

  • Ehre, wem Ehre gebührt, sagte schon Paulus zu den Römern. Das schwäbische Trockenklo ist keinesfalls das erste Trockenklo Deutschlands. Im Pfälzerwald gibt es solche bereits seit vielen Jahren auf den sehr beliebten Trekkingplätzen. Also, bitte mal das »erste Waldklo Deutschlands« da lassen, wo es schon immer war, nämlich im schönen Pfälzerwald!
    Erwin Zetz, Rotkreuz (Schweiz)

Uff!

Heft 39/2022 Museen: Hasso Plattners Kunsthaus »Das Minsk« in Potsdam verklärt die DDR 

  • Im SPIEGEL liest sich die Minsk-Eröffnung ungefähr so: Nachdem der übergriffige Helikopter-Sponsor Plattner der Stadt Potsdam das Barberini übergeholfen hat, kratzt er sich nun mit seinem zu steril geratenen Minsk-Nachbau bei den Ostalgikern ein (Würzfleisch, Schallplattenunterhalter, Lukaschenko, deutsch-sowjetische Freundschaft und so). Und so bläst Plattner also mit dem linientreuen Mattheuer und dem Minsk zur Ost-Kunstgeschichtsverklärung. Uff! Wie gut, dass wir Potsdamer von diesem Plan nichts wussten. Sonst hätten wir uns bestimmt nicht so über das Minsk gefreut.
    Jörg Hafemeister, Potsdam

  • Gewohnt meinungsstark beschäftigt sich Ulrike Knöfel mit dem neuen Kunsthaus Minsk in Potsdam, getreu dem Motto: »Wohin man auch schaut: überall Abgründe«. Vor allem möchte sie wohl Empfehlungen geben, wie und welche Kunst korrekterweise zu präsentieren ist – jedenfalls nicht durch Mäzene, die sich erdreisten, private Sammlungen in selbst finanzierten Räumen auszustellen und sich quasi jeder Kontrolle entziehen. Und dann noch DDR-Kunst, die nicht verboten war oder unterdrückt wurde! Ja, auch das darf man in diesem Land zeigen. Es gibt in Deutschland reichlich öffentliche und private Kunstsammlungen mit unterschiedlichsten Ausrichtungen, und das Minsk ist auch nicht das neue Zentralmuseum für DDR-Kunst, dessen Fokus von Herrn Plattner gesteuert wird. Es geht um etwa 900 Quadratmeter in einem ehemaligen Restaurant.
    Harald Kötter, Berlin

  • Die Autorin hat wahrscheinlich keinen blassen Schimmer von Wolfgang Mattheuers kritischer Sicht auf die DDR in seinen Bildern und auch nicht von Plattners Anliegen, Kunstwerke zu bewahren. Und die Villa Kellermann war zwar kein Traditionslokal, wohl aber ein Kulturhaus. Aber Frau Knöfel versteht es bestens, die positive Entwicklung in Potsdam abzulehnen.
    Gudrun Wagner, Rostock

  • Rätselhaft bleibt, wie es die Verfasserin eigentlich gern hätte. Wenn Hasso Plattner mit viel Geld dazu beiträgt, dass Potsdam wieder etwas von seiner früheren Schönheit zurückerhält, ist er in ihren Augen ein »Säulenheiliger«, der zusammen mit »Helikoptermäzenen« und »Extremgentrifizierern« »übergriffig« bestimmt, wie Potsdam auszusehen hat. Wenn der gleiche Hasso Plattner – ebenfalls mit viel Geld – dazu beiträgt, dass auch Bauikonen der DDR erhalten bleiben, so ist es auch nicht recht: Das ist »Geschichtsverklärung«, und der sanierte Bau ist jetzt »steril« und »ohne Patina«. Was sich aus alldem für den verunsicherten Leser ergeben könnte: Erhaltet die Stadt Potsdam so, wie die Kommunisten sie nach dem Krieg gestaltet haben: hässlich-billige Plattenbauten mit Millionenaufwand sanieren, bevor sie völlig verrotten, geschichtsnegierende Stadtgrundrisse erhalten und vor allem um Gottes willen aufhören, stadtbildprägende historische Bauten zu restaurieren oder gar zu rekonstruieren. Dann endet die böse Gentrifizierung, die Touristen bleiben endlich draußen, und Potsdam sieht nicht mehr so »alt« aus, wie die »zugezogenen Millionäre und Milliardäre« es gern hätten.
    Hans-Jörg Sieber, Stuttgart

Wenig fein

Heft 39/2022 Kino: SPIEGEL-Gespräch mit Michael Bully Herbig über seinen Film »Tausend Zeilen«

  • Unnachahmlich, wie Michael »Bully« Herbig die Redakteure Klusmann und Kuzmany im Zusammenhang mit seiner Mediensatire »Tausend Zeilen« zum Thema Relotius-Skandal interviewt und ihnen den Spiegel vorhält.
    Kevin Jost, Kämpfelbach (Bad.-Württ.)

  • An folgender Stelle des Gesprächs konnte ich nicht mehr ganz folgen: Stefan Kuzmany, SPIEGEL-Redakteur, fragt den Comedian Michael Bully Herbig mit Blick auf dessen den Relotius-Skandal thematisierende Mediensatire: »Haben Sie mal darüber nachgedacht, dass ein solcher Film Wasser auf die Mühlen jener sein könnte, die die Medien pauschal für Lügenpresse halten?« Herbig, ein sehr höflicher Mensch, hielt sich hier zurück – ein Fall für mich: »Werter Herr Kuzmany, haben Sie eigentlich mal darüber nachgedacht, dass es wenig fein ist, den Boten der schlechten Nachricht zu erschlagen und den Verantwortlichen für selbige, den SPIEGEL nämlich, dessen Brot Sie essen, unbehelligt zu lassen?«
    Prof. Dr. Christian Niemeyer, Berlin

Einer wird verlieren

Heft 39/2022 Politik: Problematische Rivalität zwischen Christian Lindner und Robert Habeck 

  • Wenn es den Herren selbst in einer multiplen Krise wie dieser nur um ihre persönlichen Eitelkeiten geht, dann sollten sie ihren Platz räumen und ihre Hahnenkämpfe auf dem Spielplatz austragen.
    Silke Deyhle, Illertissen (Bayern)

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