Zur Ausgabe
Artikel 87 / 88
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die neue deutsche Hilfsbereitschaft, die Legalisierung von Cannabis und der dramatische Alltag des Pflegepersonals – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 17/2022
  • Ich sehe die momentane Solidarität unserer Gesellschaft zugunsten der ukrainischen Menschen mit ungläubigem Staunen. Wie kann eine Gesellschaft nach außen so hilfsbereit sein, wenn sie nach innen so sozialdarwinistisch handelt, sei es durch das Bunkern von Grundnahrungsmitteln, sei es durch die Verweigerung einfachster Schutzmaßnahmen zur Überwindung einer Pandemie?
    Joachim Schwede, Aichach (Bayern)

  • Ich gönne den Ukrainern die Hilfsbereitschaft, aber ich frage mich: Sind Syrer, Kurden und afghanische Hilfskräfte der Bundeswehr keine Menschen, oder war ihre Not nicht groß genug? Die einen hat man in Polen mit Wasserwerfern und Tränengas abgewehrt, die anderen in Afghanistan sitzen lassen.
    Gernot Engler, Ilmensee (Bad.-Württ.)

  • Danke für die großartige Titelgeschichte. Die noch nie da gewesene Hilfsbereitschaft für Menschen in Not, wie sie Deutschland zurzeit erlebt, kann uns stolz machen. Das Glück des Helfens leuchtet ein, wenn man sieht, wie die wunderbaren Helfer ihre Zuwendung ohne Rücksicht auf die eigene Person – sozusagen direkt vom Herzen weg – leisten und damit das biblische Gebot umdrehen in: »Liebe dich selbst wie deinen Nächsten!« Wer gütig ist, darf sich auch selbst gut fühlen. Unvergesslich das Titelbild: eine Madonna dieser Tage.
    Ludwig Engstler-Barocco, Bonn

  • Was haben Sie sich eigentlich bei diesem Titelbild gedacht?
    Max Toepffer, München

  • Der Antrieb allen menschlichen Handelns ist Egoismus, auch der von guten Menschen, denn letztlich geht es darum, sich selbst lieben zu können. Aber diese Form von Egoismus bewirkt Gutes, während Putins Egoismus Böses erzeugt. Deshalb ist auch mein Wunsch, dass Putin im Diesseits oder Jenseits für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wird, nicht frei von Egoismus, schließlich sind die Bilder vom Leid der Ukrainer kaum noch zu ertragen.
    Annemarie Fischer, Wielenbach (Bayern)

Mit Entsetzen gelesen

Heft 15/2022 Debatte: Die Legalisierung von Cannabis reicht nicht 

  • Ich würde mir sehr wünschen, dass der SPIEGEL an dem Thema dranbleibt, öfter über Drogen berichtet und vor allem auch mal Menschen porträtiert, denen es geht wie mir: die mitten im Leben stehen, Leistungsträger der Gesellschaft sind, Drogen – auch sehr harte – nehmen, aber trotzdem meilenweit entfernt sind von dem Bild des verwahrlosten Junkies auf der Straße. Denn oft wird nur dieser kleine Prozentsatz der Konsumenten sichtbar, und das verfälscht die ganze Debatte.
    Name und Wohnort der Redaktion bekannt

  • Mit Entsetzen habe ich den Artikel gelesen. Allen Ernstes wird die Legalisierung bislang illegaler Drogen akzeptiert, sofern Anbau und Verkauf »streng kontrolliert würden«. Richtig ist, dass Tabak und Alkohol nicht verboten sind und jeder das Recht hat, sich selbst zu schädigen. Wenn dann allerdings die Gesellschaft die Kosten für die diversen Folgekrankheiten mit ihren Krankenkassenbeiträgen übernehmen darf, hört für mich der Spaß auf. Von der Gefährdung Dritter beispielsweise im Straßenverkehr ganz zu schweigen.
    Dr. Samir Muhammad, Nürnberg

  • Den Artikel über die Legalisierung von Drogen habe ich wie ein Genussmittel konsumiert. Ich befürworte die Legalisierung von Cannabis. Als Vater von zwei Kindern erweckt in mir allerdings die Idee, alle Drogen zu legalisieren, ein gewisses Unbehagen.
    Name und Wohnort der Redaktion bekannt

  • Zum Glück müssen Sie sich nicht mit der Therapie Drogenabhängiger beschäftigen, da schreibt sich so ein Artikel natürlich locker-flockig. Ich empfehle Ihnen den Besuch von entsprechenden klinischen Einrichtungen und Gespräche mit Fachpersonal. Danach werden Sie Ihre Zeilen sicher noch einmal überdenken.
    Ralf Bonke, Dresden

Der Baum ist am Brennen

Heft 15/2022 Der dramatische Alltag des Pflegepersonals – Protokoll eines Notstands 

  • Über Verstöße gegen die Menschenrechte wird sich in Deutschland immer extrem aufgeregt. Wie zynisch, wo wir den groben Verstoß dagegen täglich erdulden – in fast allen Altenheimen und Krankenhäusern.
    Irene Weidlich, Berlin

  • Nach diesen erschütternden Berichten von Pflegekräften aus Krankenhäusern frage ich mich, wie die Vertreter der politischen Parteien, die immer noch eine Privatisierung unter anderem der Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Altenheime fordern, überhaupt noch in den Spiegel schauen können. Hier setzen sie bewusst Menschenleben aufs Spiel. Und alles nur für noch mehr Profit! Wollen wir wirklich so eine Gesellschaft?
    Thomas Rexroth, Berlin

  • Ja, solch ein Artikel braucht Zeit für die Recherche. Doch kommt er erst jetzt – dabei war schon vor der Coronapandemie der Baum am Brennen. Auch verstehe ich nicht, warum man solch einen wichtigen und provozierenden Text ausgerechnet im Wirtschaftsteil unterbringt, statt ihn auf die Titelseite zu setzen.
    Patrick Labahn, Crivitz (Meckl.-Vorp.)

  • An dem Pflegedebakel wird sich nichts ändern: Höhere Kassenbeiträge für bessere Arbeitsbedingungen der Pflegenden sind unpopulär (Urlaub, Freizeit und Auto sind den Menschen wichtiger). Die explodierende Bürokratie im Gesundheitswesen frisst dabei Unsummen und bremst den Ablauf in den Kliniken unerträglich, nach dem Motto: Dokumentieren ist wichtiger als Pflegen.
    Dr. med. Rudolf Jakob, Neusäß (Bayern)

  • Schon der erste Bericht über die Hebamme in der Vivantes-Klinik lässt einen fassungslos zurück. Alle Kliniken und Krankenhäuser müssen in staatliche Hand, bei guten Ausbildungschancen und ordentlichen Gehältern.
    Lothar Wirth, Berlin

  • Haarsträubend, diese Horrorgeschichten! Es genügt eben nicht, eine schöne Klinik zu haben, gut bezahlte Manager, und dafür an der Basis zu sparen. Der Einzige, der einer Klinik Geld bringt, ist der Patient. Ihm sollte man doch den bestmöglichen Service sowie die beste Therapie und eben Pflege bieten können. Es ist zu hoffen, dass der politische Wille entsteht, dieses gewinnmaximierende System in ein humaneres umzuwandeln.
    Elisabeth Valär, Pragg-Jenaz (Schweiz)

Wie feministisch ist der SPIEGEL?

Heft 15/2022 Wie schlägt sich Annalena Baerbock im Auswärtigen Amt nach ihrer Chaoskandidatur? 

  • Den roten Faden Ihres Artikels kann ich nicht nachvollziehen. Sie werfen Frau Baerbock »Kehrtwenden« vor, in einer Zeit, in der jede:r Politiker:in angesichts der Situation und der sich immer weiter verschärfenden Eskalation Kehrtwenden vollziehen muss. Sie bemängeln, dass sie den Begriff der feministischen Außenpolitik nicht erklärt, später dann, dass sie ihn nicht mehr erwähnt. Sie werfen ihr vor, nicht mehr Selbstkritik zu üben und bisweilen unüberlegt zu sprechen. Ich finde: Im Gegensatz zu unserem recht blassen Bundeskanzler ist Frau Baerbock präsent, sie ist empathisch, und sie sagt bisweilen auch emotionale Sätze, die andere eben nicht sagen. Das macht sie authentisch. Offenbar müssen sich Frauen aber immer noch dafür rechtfertigen, sich nicht ein- oder unterzuordnen.
    Annika Stephan, Kandern (Bad.-Württ.)

  • Wie feministisch ist der SPIEGEL denn wirklich? Sie schreiben, »in dieser Phase des Neuanfangs scheint Baerbock zeigen zu wollen, wie Selbstbewusstsein und Weiblichkeit in einer politischen Rolle zusammenkommen können.« Wie kommen Sie darauf? Und inwiefern sind dies Gegensätze? Sie kommentieren ihren Kleidungsstil (»sie trägt häufig Röcke, hohe Schuhe, immer wieder kommt sie auf Kinder zu sprechen«), na, wenigstens spricht einer auch mal von Kindern und damit von der nächsten Generation! Ich frage mich ernsthaft, ob es einen solchen Artikel auch über Christian Lindner geben würde – der kaum mehr Erfahrung in solchen Ämtern mitbringt und nun immerhin das Finanzministerium besetzt. Würden Sie bei ihm auch beurteilen, welche Kleidung er trägt und wie »laut und selbstbewusst« er auftritt – oder tun Sie dies nur bei Frau Baer­bock, da diese eben eine Frau ist in einer noch immer männerdominierten Politik? Leider glaube ich, dass auch der SPIEGEL vom Feminismus, also von echter Gleichberechtigung der Geschlechter, noch weit entfernt ist.
    Myriam Wagner, Landau (Rhld.-Pf.)

  • Dem Vergleich mit Angela Merkel liegt die törichte Annahme zugrunde, dass Frauen ihr Auftreten (von der Kleiderwahl über die Sprechstimme bis hin zur Gestik) stets als Reaktion auf Männer konzipieren und Weiblichkeit bewusst einsetzen oder bewusst darauf verzichten. Das öffentliche Bild der beiden lässt vermuten, dass sie auch abseits der politischen Weltbühne sehr unterschiedliche Charaktere sind. In jedem Fall sind beide kompetente Politikerinnen. Darauf sollte bei einem Vergleich der Fokus liegen.
    Ines Palm, Heidelberg

Nr. 15/2022 Die Abschaffung der »guten Mutter« 

  • Schon 1953 erkannte der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott: Eine Mutter muss keine sehr gute Mutter sein, auch keine gute Mutter. Es genügt, dass sie eine »ausreichend gute Mutter« ist.
    Dr. Mathias Jung, Lahnstein (Rhld.-Pf.)

Ideologien wie Pullover

Heft 15/2022 SPIEGEL-Gespräch mit dem Putin-Experten Michel Eltchaninoff 

  • Das klug geführte Gespräch mit Herrn Eltchaninoff liefert zwar einen beängstigenden Blick in die Zukunft, dann aber beginnt man mit jedem Satz mehr und mehr Beweggründe und Gedanken Putins für seine Ziele zu erkennen. Es wird nachvollziehbar, dass sich Putin ein zukünftiges Weltbild aus einer philosophischen Gemengelage bastelt, die seine Besessenheit für eine alternative Gesellschaftsordnung speist. Putinismus als Hybridphilosophie eines Einzelnen, der damit bereits im Ansatz seine komplette Irrung zeigt. Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als diesen Irrsinn zu korrigieren. Putin muss weg. Für immer.
    Tom Brüderl, Landshut (Bayern)

  • Eltchaninoff übersieht Putins Gewaltbereitschaft. Ein Gemisch aus Hass, Wut und Enttäuschung ist der primär treibende Faktor seines Handelns. Ideologien sind lediglich sekundär, übergezogen wie ein Pullover. Putin zieht sadistische Befriedigung aus dem, was er dem ukrainischen Volk antut, anders ist sein Verhalten nicht erklärbar.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • Wenn Putin von einer »historischen Mission« besessen ist, dann werden ihn weder das Völkerrecht noch das Kriegsrecht aufhalten und auch nicht hohe Verluste an Menschen und Material.
    Klaus Scheffler, Kirchheim (Bayern)

Nr. 15/2022 Brauchen die Europäer gemeinsame Atomwaffen? 

  • Es ist doch beängstigend, wie plötzlich selbst atomare Aufrüstung für Deutschland und Europa ernsthaft wieder diskutiert wird. Was sich hierzulande niemand so zu nennen traut: Dies wäre hinsichtlich des Atomwaffensperrvertrags ein Völkerrechtsbruch.
    Yannick Rinne, Hildesheim

Nr. 15/2022 Wirtschaftskrimi um Deutschlands Gasversorger 

  • Es ist entsetzlich zu lesen, wie blauäugig und nur auf »Wachstum « bedacht die Politik seit Jahren deutsche Interessen an Russland verkauft hat. Ich wünsche Herrn Habeck nur, dass er weiterhin scharf aufpasst, um nicht noch weiter von Putin über den Tisch gezogen zu werden.
    Dr. Ulrich Bergk, Dresden

Ergebnis der Blockadepolitik

Heft 15/2022 Wie Karl Lauterbach vor lauter Kompromissbereitschaft seine Haltung verliert 

  • Ich finde es völlig unangemessen, wie der SPIEGEL über Karl Lauterbach herfällt. Der Gesundheitsminister arbeitet Tag und Nacht, um die Pandemie zu bekämpfen. Dafür steht er unter ständigen Morddrohungen. Das Scheitern der Impfpflicht im Bundestag ist nicht das Versagen von Lauterbach, der sich bis zuletzt im Interesse der Sache um einen Kompromiss mit der FDP und der Opposition bemüht hat. Sie ist das Ergebnis der Blockadepolitik der FDP und der destruktiven Opposition von CDU/CSU, der es ausschließlich darum ging, die Regierung vorzuführen. Die AfD hat sich mit lautem Jubel bei FDP und CDU/CSU bedankt. Wir erleben gerade mit einem furchtbaren Krieg in Europa und einer Pandemie die größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Da erwarte ich auch von der FDP, der Union und von den Medien, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden.
    Winfried Wolf, Hamburg

  • Am Beispiel Karl Lauterbachs macht sich die Politik eine geübte Praxis aus der Wirtschaft zu eigen, um ungeliebte Mitarbeiter zu entfernen: »Gib ihm/ihr einen Job und beweise ihm/ihr, dass er/sie es nicht kann!« Unverständlich, warum der Kanzler dem Gesundheitsminister keine Rückendeckung gibt. Hat er etwa seine Vorgängerin in Bezug auf Machterhalt zum Vorbild genommen?
    Gerhard Kluger, Bonn

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 87 / 88
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.