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Artikel 64 / 65

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Die Zukunft unserer Kinder, Coronahotspot Hildburghausen, Michael Kretschmer, Migration und »Legal Affairs« – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 1/2022
  • Schön, dass zur Weihnachtszeit ein fast optimistischer Blick in
    die Zukunft geworfen wird. Es braucht aber einen radikalen Paradigmenwechsel, für den das Zeitfenster schon in wenigen Jahren geschlossen sein wird. Den halte ich kurzfristig für unmöglich im Hinblick auf die globale Bevölkerungszahl und die wach­senden Ansprüche der Menschen in den Schwellenländern, die
    von unserer Konsumgesellschaft schon längst angefixt wurden. Wir haben jetzt schon die Ökosysteme und die auch für uns existenzielle Biodiversität zerstört. Der Klimawandel und die daraus resultierenden Verteilungskämpfe werden ihr Übriges tun. Das Anthropozän neigt sich dem Ende zu.
    Uwe Schmidt, Karlsruhe

  • Na ja, wenn wir die Probleme unserer Zeit nicht in den Griff bekommen, dann wird die Zukunft unserer Kinder nicht nur aufregend, sondern auch kurz. Und wenig erbaulich.
    Thomas Wascher, Bonn

  • Genial, Herr Fichtner! Aber wer hätte es von Ihnen anders erwartet? Ihr Aufsatz ist eine großartige Diskussionsgrundlage. Was Ihnen gelingt, das ist relativ selten: Sie berühren in herausragender Sprache alle Bereiche, über die wir nachdenken müssen, verzichten auf eigene Thesen, Sie stellen viele Fragen, allesamt zukunftsweisend oder zukunftsrelevant, Sie zitieren viele namhafte Autoren und Forscher. Wo anschließend diese Diskussion ihre Fortsetzung findet, sehen wir dann. Schließlich muss auch das Handeln in den Fokus, trotz aller Unsicherheiten. Nichthandeln, sagte der Pädagoge Alfred Treml, ist auch Handeln.
    Fernand Schmit, Seevetal (Nieders.)

  • Pillenknick, Mauerbau, Atombombe, Tsunami, Finanzkrise, Pandemie und so weiter: All diese Dinge konnte man schon wenige Jahre zuvor nicht vorher­sagen. Jetzt 100 Jahre in die Zukunft zu schauen erscheint mir doch sehr sportlich!
    Martin Spranck, Bonn

  • Es gibt bescheidene, leise, nachdenkliche Bürger, es sind nicht wenige, die ein neues, nachhal­tiges Leben begonnen haben,
    die nicht mehr fliegen, kein Auto mehr fahren und wenig Fleisch essen, kurzum ein enkelfähiges Leben bestreiten. Sie führen nirgendwo ein großes Wort. Sie haben in den Parlamenten von Bund und Ländern keine Stimme. Es fehlt die neue Kultur eines zukunftsfähigen Lebens.
    Dr. Jürgen Onken, Hude (Nieders.)

  • Nach all den Hiobs-Informationen, zuletzt über die Rückkehr der Missernten, muss es ja endlich auch schöne Perspektiven für das Gleichgewicht der Erwartungen geben. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch beruhigend.
    Klaas Ockenga, Hassloch (Rhld.-Pf.)

  • Übermorgen wird es in der Tat was geben. Die größte Gabe des Menschen allerdings ist seine Fähigkeit zur Selbstreflexion! Ein Kapitän sagte mir einmal: Von achtern her zu leben erfüllt das Leben mit Sinn; »respice finem« steht deshalb über dem mecklenburgischen Schloss Bothmer in Klütz: »Bedenke Dein Ende!« Wer täglich so lebt, dass er gut scheiden kann, lebt sinnvoll. Das ist genug; das genügt; erst das bringt Genugtuung. Und genau diese menschliche Fähigkeit sollte auch übermorgen noch mehr entfaltet werden.
    Anni Weilandt, Bad Malente (Schl.-Holst.)

  • Das aktuelle SPIEGEL-Cover hat mehr als nur das gewisse Etwas, fast schon einen Hauch Transzendenz, zwischen Prophetie und schwarzem Humor.
    Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)

  • Eine wirklich gelungene Titel­geschichte – sprachlich brillant zudem: »Scharten in den Fieberkurven der Börsen«, »die Welt per Fax verwalten« oder »Work-Life-Blending« – herrlich! Ja, die Hoffnung ist bekanntlich das, was bis zuletzt bleibt, und sie ist absolut menschlich! Für die Politik zum Nachdenken sollte auch der Satz des Soziologen Harald Welzer sein: »Ziele sind keine Handlung.« So ist es wohl. Ein bisschen ist es in der Politik unseres demokratischen Gemeinwesens wie im Bereich Planen und Bauen: Neuplanung und -bau auf der grünen Wiese ist einfacher als Umbau und Modernisierung im Bestand. Viele Gesetze und Verordnungen sind da und bestimmt auch gut gemacht. Sie werden nur nicht konsequent angewendet. Das zweite Kernproblem liegt »leider« im Wesen der Demokratie selbst: Wer vor Wahlen große Veränderungen ankündigt, wird vermutlich nicht gewählt und kann dann gar nichts verändern. Politik braucht aber mehr Mut für harte Wahrheiten. Dieses akzeptieren zu lernen, ohne gleich neidvoll auf die Nachbarn zu schauen, ist wiederum Aufgabe von uns allen.
    Udo Sonnenberg, Regensburg

  • Ihrer Titelstory fehlt das Schlusswort: Amen.
    Erwin Bixler, Rodalben (Rhld.-Pf.)

Kopfschütteln und Sorge

Nr. 51/2021 Im thüringischen Hildburghausen sind besonders viele Menschen mit Corona infiziert und sehr wenige geimpft. Woran liegt das? 

  • Dieser Artikel lässt mich in wachsender Sorge zurück. Auch ich kenne Mediziner, die die Coronaimpfung ablehnen. Keine selbst ernannten Heilpraktiker, sondern Menschen mit naturwissenschaftlichem Hochschulabschluss, deren Wort bei der Bevölkerung zu Recht hohes Gewicht hat. Bitte finden Sie solche Personen und laden Sie sie ein, wissenschaftlich begründete Argumente vorzutragen! Organisieren Sie SPIEGEL-Streitgespräche auf Augenhöhe. Medizinischen Laien wie dir und mir, deren Impfskepsis auf dem ablehnenden Ratschlag ihres vertrauten Hausarztes beruht, ist erst mal kein Vorwurf zu machen. Wobei keinem verboten ist, sich umfassender zu informieren. Das Stichwort »ärztliche Zweitmeinung« könnte hier helfen – wenn eine solche denn gewünscht wäre.
    Hans-Ulrich Thiel, Halle/Saale

  • Die Situation wäre wohl eine andere, wenn die Coronaopfer mit abgerissenen Gliedmaßen blutüberströmt auf den Straßen liegen würden. Derzeit verbergen sie sich quasi anonym in zahllosen Todesanzeigen, auch in der zitierten »Rundschau«. Diese veröffentlicht übrigens auch Leserbriefe der Impfbefürworter.
    Zu einer ausgewogenen Berichterstattung hätte allerdings ein Hinweis darauf gehört, dass die Mehrheit der 62000 Einwohner Hildburghausens alles tut, um sich vor dem Virus zu schützen.
    Dr. Klaus Swieczkowski, Hildburghausen (Thür.)

Drohungen sind nie hinnehmbar

Nr. 51/2021 Ministerpräsident Kretschmer über Coronaleugner und »Querdenker« 

  • Ja, Deutschland ist ein freiheitlicher, demokratischer Rechtsstaat, und darüber sollte jeder froh sein, der in diesem Land lebt. Aber ein Rechtsstaat ist nur dann einer, wenn das Recht auch gegen Freiheitsmissbrauch und Demokratiefeindlichkeit – nichts anderes sind öffentliche Drohungen nämlich – entschieden und entschlossen verteidigt wird. Drohungen mit körperlicher oder psychischer Gewalt, egal ob privat oder öffentlich, sind nie hinnehmbar.
    Hans-Joachim Lotz, Hamburg

  • Der sächsische Ministerpräsident wirft der FDP in ihrer Funktion als Teil der Bundesregierung erfreulich eindeutig irrlichterndes Verhalten vor. Ein zu hartes Urteil? Wohl kaum, wenn man bedenkt, dass sich der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, immerhin Vizepräsident des Bundestags, nicht entblödet hat, die Befürworter:innen einer Impfpflicht zu bezichtigen, es gehe ihnen um »Rache und Vergeltung«.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

Die bessere Regierungserklärung

Nr. 51/2021 Die Berliner Soziologin Naika Foroutan sagt, Einwanderung muss Machtpolitik werden 

  • Der Beitrag hat mich regelrecht elektrisiert. Seit sechs Jahren warte ich auf so einen Text. Ich kann nur hoffen, dass ihn sehr viele Menschen lesen – besonders Mitglieder der Regierung –, vor allem auch hier in Österreich. Es wäre schön, wenn man sich als Bürger nicht mehr schämen müsste für das, was Migrationspolitik genannt wird – und dieses Thema endlich wieder mit Hirn, wenn schon nicht mit Herz, angegangen wird.
    Notburga Stricker, Hof am Leithaberge (Österreich)

  • Herzlichen Dank an die Autorin und den SPIEGEL! Ein Artikel, wie man sich eine Regierungserklärung zum Thema gewünscht hätte: nach vorn blickend, faktenbasiert, ermutigend, ideenreich, mutig in der gedanklichen Verbindung von Themen, die in diesem wohlorganisierten Staat immer nebeneinander gedacht werden. In einem guten Sinn möchte man sagen: Aus Emigrationsnot wird Handlungstugend. So kurz vor dem Fest fast schon eine Weihnachtspredigt.
    Axel Sandrock, Rehburg-Loccum (Nieders.)

  • Unsere Behörden – egal ob das Innenministerium, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder die Landratsämter – haben die positive Seite der Fluchtbewegung noch nicht verstanden. Da sind so viele Arbeitsstellen unbesetzt, aber die Auflagen der Behörden wirken wie Stacheldraht. Die Integration liefe viel leichter, wenn eine schnelle Vermittlung in den Arbeitsmarkt erfolgte. Ja, es fehlt an Mut, Mi­granten aufzunehmen. Das habe ich auch unseren kirchlichen Behörden in den letzten Jahren wiederholt gesagt – und sie schämen sich dafür.
    Helmut Staudt, evangelischer Pfarrer i. R., Gaiberg (Bad.-Württ.)

  • Den exzellenten Artikel von Frau Naika Foroutan sollte man ko­pieren und als Einschreiben mit Rückschein an Mitglieder aller im Bundestag vertretenen Parteien zusenden.
    Dr. Mohammad Behechtnejad, Winsen/Luhe (Nieders.)

  • Ich kann dem Text nur beipflichten. Warum kümmern wir uns nicht intensiver um alle Afghanen, die von den Taliban bedroht werden und ihr Land verlassen müssen? Wir brauchen diese Menschen wie sie uns auch. Gemeinsam können wir ihnen eine Perspektive bieten. Jeder von ihnen sollte nach seiner Ankunft in Deutschland einen Paten zur Seite gestellt bekommen, damit ihre Integration klappt. Das ist anspruchsvoll und anstrengend, aber beschert auch viele Glücksmomente, wenn etwa eine Ausbildung mit Erfolg absolviert wurde. Die Patinnen und Paten lernen wiederum viel über andere Länder und Kulturen. Das ist bereichernd.
    Hans-Volker Domjahn, Halstenbek (Schl.-Holst.)

Ein prickelndes Sektfrühstück

Nr. 51/2021 Thomas Fischer über die Anwälte in der Serie »Legal Affairs« 

  • Wunderbar, dieser Verriss der neuen ARD-Serie »Legal Affairs«. Allein die genussvolle Beschreibung der Hauptakteurin Roth als Staranwältin macht die Lektüre zu einem vergnüglichen Parforceritt durch 360 Minuten sprachliche Leckereien. Tja, fast vergessen: Um Cinemascopisches geht es auch noch. Der Autor, der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer, ist eine wahre sprach­kulinarische Entdeckung.
    Karl-Heinz Groth, Goosefeld (Schl.-Holst.)

  • Genial! Selten habe ich eine so amüsante Satire gelesen wie die Kritik von Prof. Dr. Fischer an
    der Sendung »Legal Affairs«, deren erste Folge ich mir ansehen werde – um darüber hoffentlich erneut so herzhaft zu lachen wie über die einzigartigen Formulierungen des Gastbeitrags. Bitte mehr davon.
    Johannes Zilkens, Köln

  • Was der kritische Thomas Fischer leider nicht geschrieben hat: Lavinia Wilson ist eine sehr gute Schauspielerin.
    Stephan Schneberger, Magdeburg

  • Thomas Fischers Rezension der ARD-Serie »Legal Affairs« – genial.
    Hans-Werner Evers, Duisburg

  • Wer wollte nach diesem herrlich ironischen Beitrag noch behaupten, die Juristen seien mehr­heitlich ohne jeden Humor? Das hatte ich, selbst Jurist, noch nie geglaubt. Und wenn ich daran doch Restzweifel gehabt hätte, dann wäre ich spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Bravo, Herr Dr. Fischer, so etwas Prickelnd-Inspiriertes – fast wie ein Sektfrühstück – würde man
    gerne öfter von Ihnen in diesem Magazin lesen. Ein Hoch auf Ihre Zeilen und Daumen nach unten für diese (das folgende Wort hat einem der Sender ja so schön nahegelegt) »fucking« Serie der ARD!
    Dietrich Wolfgang Haas, Lichtenau (NRW)

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