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Artikel 75 / 76

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Putin, Wind- und Solarkraft, Markus Söder, Außenpolitik – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 45/2022

Putins Spiel mit der Bombe

Heft 44/2022 100 Sekunden bis Mitternacht 

  • Das Fatale auch an diesem Titelbild: Es wird Putin gefallen.
    Stefan Waasem, Köln

  • Respektable Zusammenfassung, wissensstark und konkludent – aber aufdringlicher Titel und schwieriger Schluss.
    Rolf Pühlhofer, Nürnberg

  • Eine beeindruckende Hermeneutik der Angst, die Dirk Kurbjuweit in seinem Text ausbreitet. Ja, die Deutschen haben Angst, und das ist gut nachvollziehbar. Dennoch kann es im Moment nicht um unsere eigenen Ängste gehen. Stattdessen muss es um die Angst der Ostmitteleuropäer, der Balten und natürlich der Ukrainer selbst gehen, die am akutesten durch die russische Aggression bedroht sind. Frau Baerbock hat recht, wenn sie sagt, dass Putin auf keinen Fall Erfolg mit seiner Politik der Einschüchterung haben darf. Vor einer Welt, in der ihm dies doch gelingen sollte, müssen wir uns am Ende am meisten fürchten.
    Henning Preuß, Schwerin

  • Es ist nicht mehr die Frage, ob Russland Nuklearwaffen einsetzt, sondern nur noch, wann und wo. Die weiträumige Evakuierung der Region Cherson spricht dafür, dass hier der erste Schlag erfolgt, vorausgesetzt, die Windrichtung stimmt und die Ukrainer geben ein lohnendes Ziel ab, indem sie dort große Mengen an Menschen und Material zusammenziehen. Mit einer militärischen Antwort des Westens rechnet Putin nicht, vermutlich zu Recht. Hingegen hofft er, dass die Verluste und die Demoralisierung die Ukrainer zur Aufgabe zwingen. Was dann auch eine Folge dessen wäre, dass der Westen seine eigene Abschreckung durch Zögerlichkeit, Uneinigkeit und halbherzige Rüstung unterminiert hat.
    Joachim Grüner, Frankfurt am Main

  • Ich habe keine Angst, denn ich glaube nicht, dass es zu einem Atomschlag kommen wird. Es ist die psychologische Seite des Kriegs. Das Spiel mit unserer Angst. Auch die verrücktesten Machthaber wissen, dass ein Atomkrieg nichts bringt.
    Thomas Schiferle, Nürnberg

  • Diese ewige Selbstbezogenheit hierzulande geht mir gehörig auf die Nerven. Es geht hier, verdammt noch mal, nicht ständig um unsere Sorgen und Ängste. Die Ukraine ist das Opfer eines brutalen russischen Regimes und muss von uns mit allen Mitteln unterstützt werden – politisch, wirtschaftlich und vor allem militärisch. Und unter keinen Umständen dürfen wir uns von dem Diktator in Moskau einschüchtern oder erpressen lassen. Wohin Appeasement führt, hat man 1938 gesehen.
    Christofer Grass, Freiburg im Breisgau

  • Das Interview mit dem Konfliktforscher Goedmans zeugt von analytisch scharfsinniger Urteilskraft. Er versucht, den Deutschen die Angst vor der atomaren Eskalation dadurch zu nehmen, dass er ihnen empfiehlt, dem Kriegsverbrecher Putin Paroli zu bieten und so zu handeln, als müssten sie ihn nicht ernst nehmen. Diese Empfehlung ist allerdings unrealistisch und sogar äußerst gefährlich. Dass er de facto einen Sieg der Ukraine antizipiert, muss man für eine Illusion halten. So lehnt er jegliche Verhandlungslösung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab, weil er eben auf diesen von ihm herbeigesehnten Sieg spekuliert. Das ist eine fahrlässige Sichtweise, die außer Acht lässt, dass für Verhandlungen früher oder später keine Alternative besteht und je später diese in Gang kommen, die Gefahren für Menschenleben und Infrastruktur umso größer wären.
    Dr. Aref Hajjaj, Bonn

  • Natürlich wird Putin die Atombombe ins Spiel bringen, und zwar eine kleine schmutzige. Denn es spricht aus seiner Sicht alles dafür und nichts dagegen. Wenn eine Handvoll Dörfer verstrahlt sind, wird der Westen sich spalten über die Reaktion. In der Ukraine wird die gewollte Angst der gesamten Bevölkerung weiter zunehmen – und zu Hause kann Putin sich erneut als starker Mann präsentieren. Vor allem skrupellos, was im zimperlichen Westen eher als Makel verstanden wird. Dagegen spräche nur die weltweite Ächtung Putins; aber das ist diesem Egoisten sowieso egal.
    Walter Hofmann, Dachsberg (Bad.-Württ.)

  • Putin blufft. Er weiß genau, dass ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist.
    Reinhard Metzger-Haitz, Reutlingen

Ins Schwarze

Heft 43/2022 Leitartikel: Die Regierung redet gern von Wind- und Solarkraft, tut aber noch viel zu wenig 

  • Der zögerliche Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien liegt nicht nur an der langsamen Bürokratie oder den Einwänden der Naturschützer, sondern einfach an deren Wirtschaftlichkeit, zum Beispiel im windstillen Süden, und an den Kosten. Der Anteil der Windenergie durch circa 30 000 Windräder erzeugte Anteil der Windenergie am gesamten Energieverbrauch in Deutschland beträgt etwa 5 Prozent. Um auf 50 Prozent zu kommen (Rest dann Fotovoltaik), benötigt man 300 000 Windräder. Bei Kosten von mehr als 3 Millionen Euro pro Windrad sind dazu rund eine Billion Euro erforderlich. Eine hochindustrialisierte Ökonomie wie Deutschland kann man nicht mit Windmühlen betreiben, genauso wenig wie den globalen Warenverkehr wieder mit Segelschiffen.
    Dr. Bruno Kolb, Owingen (Bad.-Württ.)

  • Der Leitartikel trifft ins Schwarze: Nicht Atomkraftwerke oder Flüssiggasterminals sind die Waffen gegen die Klimakrise, sondern der schnelle Zubau von Windrädern und Photovoltaik. Gerald Traufetter nennt für Windkraftanlagen als erforderliche Zubau-Leistung für dieses Jahr 10 000 Megawatt anstelle der zu erwartenden 2000 Megawatt. Beschleunigungen in solcher Größenordnung sind erforderlich: Wenn man bis 2045 rechnet, Deutschlands Zieljahr für Klimaneutralität, müssen gegen Ende dieses Jahrzehnts jährlich um die 50 000 Megawatt aus Windkraft zugebaut werden, aus Photovoltaik etwa 60 000. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) kennt diese Zahlen. Auf dessen Internetseite findet man leider nur wenige Ziel-Zahlen, und diese gehen immer noch von Robert Habecks Ansätzen in der »Eröffnungsbilanz Klimaschutz« aus dem Januar 2022 aus, mit etwa einem Drittel der oben genannten Zubau-Leistungen. Gerald Traufetters Forderung, dass sich das BMWK ab sofort auf die Erreichung der Zielwerte oben konzentrieren sollte, kann ich mich nur anschließen.
    Dr. Reiner Nollau, Göttingen

  • Viele private Investoren (vor allem auch Kleinanleger!) würden liebend gerne in Projekte der erneuerbaren Energien investieren, wenn es nicht das Verlustrisiko gäbe. Siehe Prokon, EEV, UDI, Leonidas, Green City und so weiter. Würde der Staat eine Hermes-Ausfallversicherung für entsprechend zertifizierte Projekte anbieten, so wie bei risikobehafteten Exportgeschäften, dann würde das Geld vom Himmel regnen – ohne Kosten für die Staatskasse und mit sehr überschaubarem Haftungsrisiko.
    Gerhard Brandenburger, Bergisch Gladbach (NRW)

  • Als Projektentwickler für große Wind- und Solarkraftwerke kann ich den Artikel bestätigen: Das überragende öffentliche Interesse der erneuerbaren Energien und des Klimaschutzes unterliegt in der Praxis immer noch den eingefahrenen bürokratischen Wegen, die uns wertvolle Jahre kosten. Allen Entscheider*innen in Politik und Behörden rufe ich deshalb ermunternd zu: Zeit ist Energiewende! Wer zu spät genehmigt, den bestraft der Klimawandel!
    Dr. Philipp Schmagold, Kiel

Geschöntes Bild vom Ausbau

Heft 43/2022 SPIEGEL-Gespräch mit Markus Söder über die Energiekrise und seinen Positionswechsel 

  • Ich habe selten ein so lustlos geführtes SPIEGEL-Gespräch gelesen. Ihnen ist noch nicht ein­mal beim Atomkraftbefürworter Nummer eins die Frage eingefallen, wo denn in Bayern der Atommüll vergraben werden könnte? Schade, Frau Amann! Sie sind doch sonst für Schärfe und Prä­zision bekannt – oder nur bei SPD-Politikern?
    Gerd Pfeiffer, Haslach (Bad.-Württ.)

  • Schon bei der ersten Frage und deren Beantwortung durch den bayerischen Ministerpräsidenten musste ich schallend lachen. Der Landesvater der Bajuwaren war schon immer ein rückgratloser Wellenreiter auf jeder Stimmungsschwankung, die ihm die populistische Strömung unter sein blau-weißes Board gespült hat. Prust, gacker, gacker!
    Markus Sautter, Schlat (Bad.-Württ.)

  • Markus Söder darf in diesem Interview mal wieder sein geschöntes Bild vom Ausbau der erneuerbaren Energien in Bayern zeichnen, ohne dass die Interviewerinnen widersprächen. Söder klammert bewusst aus, dass Leistung und Ausbau in Relation zur Einwohnerzahl gesetzt werden müssen, um die Bundesländer vergleichen zu können. Tut man dies, liegt Bayern bei der installierten Fotovoltaik- und Windkraftleistung, den beiden wichtigsten erneuerbaren Energieträgern, in der Summe nur auf Platz acht der 13 Flächenländer. Auch beim Zubau landet Bayern so nur auf Platz fünf und eben nicht auf Platz eins.
    Sebastian Poetsch, Karlsruhe

  • Ausgerechnet der Chef der Maskenhändlerpartei, die schon immer die »fähigsten« Minister der Bundesregierung stellte, macht sich in Sachen Energiekrise zum Oberkritiker der Ampelparteien. Als ob die Deutschen nicht wüssten, wer in Bayern den Neubau von Stromtrassen und die Errichtung von Windturbinen vehement verhindert hat. Man muss sich schämen, in einem Bundesland mit solchen Politikern zu leben.
    Fred Müller, Krumbach (Bayern)

  • Jetzt konnte ich wieder einmal lesen, was die Ampelregierung alles falsch macht – eigentlich alles. Aber wieder einmal konnte ich nichts darüber lesen, wie es Markus Söder besser oder anders machen würde. Seine Aussage über die erneuerbaren Energien hätte ich in einer Faschings­zeitung vermutet, nicht aber im SPIEGEL.
    Robert Lehner, Karlsfeld (Bayern)

Gutes nur aus Gutem?

Heft 43/2022 Debatte: Außenpolitik sollte von Interessen geleitet sein und nicht von Moral 

  • Ralf Neukirch bringt es auf den Punkt: Eine moralisch einwandfreie Außenpolitik zu führen hat bislang noch jeden Außenminister überfordert. Nicht anders verhält es sich bei Frau Baerbock, die aus wirtschaftlichen oder geopolitischen Gründen opportunistische und moralisch fragwürdige Entscheidungen treffen muss. Das ist nicht verwerflich. Im Gegenteil: Nur durch die Abwägung von Interessen und die Suche nach Lösungen kann ein Kompromiss gefunden werden. Jedoch sollte Frau Baerbock das auch so kommunizieren und nicht den Eindruck vermitteln, dass sie eine besondere, wertegeleitete und feministische Außenpolitik praktiziert. Diesem Anspruch wird sie nicht gerecht.
    Robert Falkiewicz, Hameln (Nieders.)

  • Bemerkenswert, dass der SPIEGEL seinem Ruf als kritisches Poli­tikmagazin mal wieder nachkommt. Sehr richtig Ihre Kritik am Agieren unserer Außenministerin, die anscheinend ihren Job als oberste Diplomatin Deutschlands mit dem der Chefanklägerin der Ungerechtigkeiten der Welt verwechselt. Ein Seminar in Diplomatie täte in diesem Fall wohl gut.
    Barbara Böckenhüser, Marl (NRW)

  • Kommt Gutes nur aus Gutem? Eine Außenpolitik, die mit Moral und nicht mit Interessen argumentiert, beschneidet sich selbst. Die missionierende Außenministerin, brillant analysiert von Ralf Neukirch!
    Wolfgang Kirkamm, Berlin

  • Die Außenpolitik der Bundes­regierung sollte sich künftig stärker nach der Maxime des französischen Staatsmanns Charles de Gaulle richten: »Staaten haben keine Freunde, nur Interessen.«
    Helmut Böger, Hamburg

Warum sind die iranischen Frauen nicht auf dem Titel?

Heft 43/2022 Stürzt die Revolte der iranischen Frauen das Mullah-Regime? 

  • Nach welchen Kriterien entscheidet der SPIEGEL eigentlich darüber, ob ein politisches Ereignis eine Titelgeschichte wert ist? Warum verdiente beispielsweise die Unfähigkeit der britischen Konservativen, eine stabile Regierung zu bilden, mehr journalistische Aufmerksamkeit als der Mut der iranischen Frauen?
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

Manipulierbarer Geist?

Heft 43/2022 Die Zukunft ist düster, nur der eigene Körper scheint noch manipulierbar. Zu welchem Preis? 

  • Die Selbstoptimierung scheint sich nur auf optische Körper-»Optimierung« zu beziehen. Warum versucht niemand, seinen Geist oder sein Gehirn zu optimieren?
    Bernd Glaß, Köln

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