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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Deutschlands wirtschaftliche Abhängigkeit vom Folterstaat China, die Forderung nach einem militanten Klimakampf und das Leiden einer jungen Frau am chronischen Fatigue-Syndrom – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 23/2022

Im Fernen Osten nichts Neues

Heft 22/2022 Titel: Folterstaat China – Deutschlands furchtbarer Partner 

  • Bitte das Datum festhalten: Am 28. Mai 2022 erläutert der SPIEGEL, wie Deutschland sich schon jetzt Peking ausgeliefert hat. Wenn China in einigen Jahren wirklich beginnen sollte, Taiwan militärisch zu unterwerfen, werden unsere Politiker erklären, das sei jenseits ihrer Vorstellungen gewesen. Man habe sich geirrt und sei sehr betroffen.
    Hans Rentz, Waging am See (Bayern)

  • Auch der SPIEGEL hat uns in den vergangenen Jahren immer wieder Titelgeschichten über die Wirtschaftsmacht China präsentiert, in denen die Situation der Menschenrechte allenfalls am Rande vorkam. Umso erfreulicher Ihr jetziges unüberhörbares Engagement zu diesem Thema.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • »Kein Reich des Bösen« nannte Horst Teltschik, BMW-Vorstand und Berater der Regierung Kohl, China in einem SPIEGEL-Interview im Jahr 1996. Gleichwohl war auch damals die Volksrepublik ein totalitäres System, das Menschenrechte in Tibet verletzte und die Tibeter zur Minderheit im eigenen Land machte. Kritik daran sei überzogen, weil, so der Interviewte, Wachstum auch in China nur durch »Liberalisierung« und diese wiederum »nur durch politische Reformen« zu haben sei. Alles wird gut! Welcome to reality! Die zweckoptimis­tische bis reichlich naive These vom Wandel durch Handel ist krachend gescheitert. Tibet war vorgestern und ist genauso wie Hongkong schon wieder aus dem medialen Fokus verschwunden. Was wird aus Xinjiang und den Uiguren? Was aus Taiwan? Der sorgfältig recherchierte Artikel des SPIEGEL lässt Böses er­ahnen.
    Heinz Sternke, Fischen im Allgäu (Bayern)

  • Mein Resümee Ihrer Titelstory: im Fernen Osten nichts Neues. Jedenfalls nichts, was uns alsbald veranlassen wird, unseren hehren westlichen Werten de facto einen höheren Rang einzuräumen als dem Mehr an Wohlstand, welcher der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit China unter anderem geschuldet ist. Die »Politik des Wegschauens«, die nicht nur VW eigen ist, wird auch weiterhin unser Tun und noch mehr unser Lassen dominieren. Bis auch Xi Fakten schafft, die auch von uns Deutschen beim allerbesten Willen nicht mehr ignoriert werden können.
    Erwin Bixler, Rodalben (Rhld.-Pf.)

  • Wie konnten wir uns China ausliefern? Wie konnten wir uns von russischem Gas abhängig machen? Kierkegaard kennt die Antwort seit etwa 200 Jahren: »Das Leben lässt sich nur rückwärts verstehen.«
    Ulrich Bihler, Homburg

  • Die Falun-Gong-Bewegung in China ist seit vielen Jahren Opfer gezielter staatlicher Drangsalierung, Verfolgung und Ermordung zwecks Organentnahmen, auch der SPIEGEL berichtete Mitte Juni 2021. Konsequenz für den Handel mit dem diktatorischen Regime: null. Auch die neuen Enthüllungen werden, so ist zu befürchten, keine Folgen haben. Die theoretischen Fundamente unserer westlichen Zivilisation finden – wie schon so oft – dort ihre Grenzen, wo es um das Geschäft geht. Bill Clinton hatte recht: »It’s the economy, stupid!« Und genau deswegen geht unsere vermeintlich werteorientierte Gesellschaftsform den Bach runter: Wir wehren uns nicht.
    Prof. Dr. Alexander Lerchl, Bremen

  • Müssen wir wirklich so viele Vor- und Endprodukte in China kaufen, nur damit sich hier die Konzerne die Taschen vollmachen können? Die enormen Preisdifferenzen sind nur durch sittenwidrige Löhne und teilweise unmenschliche Lebensbedingungen möglich. Aber schon die geringste Störung zeigt, wie abhängig wir inzwischen geworden sind. Die Pandemie oder eine Blockade des Seewegs bremst uns fast vollständig aus. Da fehlen die Chips für die Autoindustrie oder wichtige Rohstoffe für die Pharmaindustrie, und schon sind lebensnotwendige Medikamente nicht verfügbar. Wir in Europa können das alles selbst produzieren. Aber dann verdienen die Konzerne weniger, und wir Verbraucher müssen für das jeweilige Produkt etwas mehr bezahlen. Auch hier keine Vorratslager zu halten und alles auswärts oder rollend zu lagern rächt sich in Krisenzeiten.
    Björn Uhlhorn, Laatzen (Nieders.)

Ein Schlag ins Gesicht

Heft 21/2022 Krankenkassen: Techniker-Chef Jens Baas über steigende Beiträge und sinnlose Gesetze 

  • Wie muss ich das verstehen, Herr Baas? Weitere Krankenhausschließungen und Bettenabbau, damit wir uns wieder über Triage unterhalten dürfen? Das kann doch kein Ernst sein!
    Gisela Neudeck, Wiesbaden

  • Zu viel Geld ausgegeben – da ruft Herr Baas nach dem Staat, der es richten soll. Die Krankenkassen sind also, laut Herrn Baas, nicht in der Verantwortung. Vater Staat möge den rettenden Tropf bereitstellen. Überhaupt erweckt Herr Baas in seinen Ausführungen den Eindruck, dass die Kassen für gar nichts verantwortlich sind: Kürzungen bei Therapie und Einsparungen bei der Behandlung werden von der Politik vorgenommen, Steigerungen der Beiträge kommen wie biblische Plagen über uns. Herr Baas sagt sie vo­raus, hat damit aber nichts zu tun. Und es war natürlich auch der Staat, der die TK gezwungen hat, Homöopathie anzubieten. Als geradezu frech empfinde ich Herrn Baas’ Behauptung, dass in Deutschland kein Mangel an Pflegekräften herrsche, sondern einfach nur zu viele Krankenhausbetten existieren würden. Sobald die Betten abgebaut werden, wären ja auch wieder genug Pflegekräfte da. Genial, ein Taschenspielertrick! Ernsthaft: Auf so einen Schwachsinn muss man erst mal kommen.
    Gabriele Schwartz, Hamburg

  • Wenn Herr Baas über zu viele Krankenhausbetten in Deutschland wettert, was mit Sicherheit Einsparungspotenzial enthält, dann sollte er aber fairerweise erwähnen, dass wir mit Sicherheit auch viel zu viele Krankenkassen mit enormen Verwaltungsapparaten in Deutschland haben. Wenn ich mir dann die Gehälter in den Verwaltungsabteilungen anschaue, dann wäre es wohl angebracht, erst einmal in den eigenen vier Wänden einzusparen und nicht immer gleich nach höheren Beiträgen zu schreien.
    Uwe Brei, Konstanz

Ein bösartiger Kreislauf

Heft 21/2022 Das Chronische Fatigue-Syndrom zwingt eine 19-Jährige zu einem Leben in Stille und Dunkelheit 

  • Die Überschrift »Das Leben verlieren, ohne zu sterben« ist wahrlich gut gewählt. Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel. Möglichkeiten, Fähigkeiten, die Hoffnung: Es gibt kaum etwas, das diese Krankheit einem nicht nehmen kann. Welch eine Welt ist das, in der jedem Kind einleuchtet, dass eine kaputte Maschine ohne Betriebsstoff nicht funktioniert, in der man das aber von den an dieser Krankheit leidenden Menschen bedenkenlos erwartet? Denn Leben kann man es wohl kaum nennen, wenn jemand für die Möglichkeit, arbeiten gehen zu können – sofern er das überhaupt schafft –, sämtliche privaten Unternehmungen aufgeben muss. Wieso ist das nicht selten jahrelange Ignorieren und Herunterspielen von Patientenberichten eigentlich keine unterlassene Hilfeleistung? Jahrzehntelang hat man die Forschung vernach­lässigt. Ohne undankbar sein zu wollen: Wie weit wird man da mit fünf Millionen Euro wohl kommen?
    Peggy Dörflinger, Schönau (Bad.-Württ.)

  • Objektiv und dennoch immer einfühlsam legen Sie die Karten auf den Tisch und erklären einem breiten Publikum, was ME/CFS in seiner (fast) schwersten Form bedeutet. Wir Betroffene kennen so gute und richtige Berichterstattung leider kaum. Immer wieder wird falsch psychologisiert und Schwerkranken werden irgendwelche Charakterschwächen vorgeworfen, für deren Überwindung Psychiater abstruse Heilmethoden anbieten. So entsteht ein bösartiger Kreislauf: Den Kranken geht es nicht besser, sondern immer schlechter, was Psychiater in ihrem Glauben an eine psychische Krankheit bestärkt; außerdem wird so dringend notwendige Forschung massiv behindert, was Betroffene immer weiter in die Ecke drängt. Jede/r ME-Kranke akzeptiert ÄrztInnen, die sagen, dass sie keine Antworten haben, aber alles tun, um zu helfen. Dies scheint im medizinischen Betrieb aber nicht vorgesehen: Wir werden immer wieder belächelt und als hysterisch abgestempelt und weggeschickt, anstatt dass man uns glauben würde. Wie eine andere Betroffene in einem Video auf Twitter sagt: »Auch unsere Würde ist unantastbar.«
    Anke Gioia, Ludwigsburg (Bad.-Württ.)

Wut statt Gewalt

Heft 21/2022 Debatte: Klimaaktivist Andreas Malm hält militanten Widerstand für notwendig 

  • Es ist nicht zu glauben: Jetzt druckt der SPIEGEL einen Text ab, der zu Straftaten aufruft, um den Klimawandel zu stoppen. Das ist ein unglaublicher Skandal. Ganz davon abgesehen, dass sich Gewalt gegen Sachen nie von Gewalt gegen Menschen trennen lässt, wie am Beispiel der RAF studiert werden kann. Sie startete mit Brandstiftung in einem Kaufhaus und ging über zu einer Mordserie. Es ist nicht zu erkennen, worin der Sinn liegen soll. Eine schnelle Besserung der Klimaschutzbemühungen ist auch mit dem Luftablassen von SUV-Reifen nicht zu erreichen. Solche Aktionen führen lediglich dazu, dass sich die Klimaschutzbewegung in den Augen der Mehrheit desavouiert.
    Hans Gerd Scholz, Delbrück (NRW)

  • Malm hat recht: Die Zeit des Achselzuckens ist vorbei, beherzt zu handeln, ist notwendig. Er setzt aber den falschen Akzent: Nicht Gewalt ist die Lösung, sondern die ihr zugrunde liegende Emotion: Wut. Es macht wütend, unsere Welt zerstört zu sehen. Wütend, dem nichts entgegensetzen zu wollen. Die Mischung aus Indifferenz und Inkompetenz der Mächtigen verstört. Diese Wut treibt an und sollte uns, anders als Malm herbeisehnt, nicht zur Gewalt führen, sondern zum Handeln! Noch können wir die Folgen der selbst verschuldeten Katastrophe eindämmen. Handeln wir jetzt!
    Dr. Dr. Hubert Niedermayr, Linz (Östereich)

  • Es war falsch vom SPIEGEL, diesen Artikel zu drucken. Aber wie sagte doch Georg Wilhelm Friedrich Hegel: »We learn from history that we do not learn anything from history.«
    Ekkehard Grube, Dinslaken (NRW)

  • Es macht mich schier wahnsinnig, immer und immer wieder die gleichen Floskeln zu hören: »Wir müssen«, »Wir sollten«, »Es ist fünf vor oder auch fünf nach zwölf« – und kaum jemand tut wirklich etwas (wie viele Windkraftanlagen wurden denn seit Regierungsantritt der Grünen in Deutschland errichtet?). Ich kann es deshalb gut nachvollziehen, wenn Leuten, wie Andreas Malm und verschiedenen Aktivistengruppen, der Geduldsfaden reißt und sie ihre (und unsere) Anliegen mit Nachdruck, also auch mit Sachbeschädigungen vorantreiben wollen.
    Andrea Bauer, Oberammergau (Bayern)

Was ist daran logisch?

Heft 21/2022 Wozu brauchen wir noch Latein? 

  • Latein war meine erste Fremdsprache, ich fand es leicht, zumal die Grammatik gut zu erfassen sind. Später wurde ich Deutsch- und Französischlehrerin. Die Frage, ob Latein hilfreich beim Spracherwerb sein kann, hat mich immer wieder beschäftigt. Deswegen nahm ich in den Achtzigerjahren an einer von Hartmut von Hentig geleiteten Fortbildung teil, die genau diese Frage behandelte. Herr von Hentig sah den positiven Effekt. Ich hatte weiter meine Zweifel, denn der Zeitaufwand ist sehr groß und ohne ein Interesse an der römischen Kultur kaum zu rechtfertigen.
    Ulrike Braun, Detmold (NRW)

  • Die Frage, ob man Latein noch brauche, stellte sich uns bereits in den Fünfzigerjahren. Als Antwort erhielten wir: Durch Latein lerne man logisches Denken. Hä? Was ist daran logisch, dass man fast 100 Seiten unregelmäßiger Verben aus dem Grammatikbuch auswendig lernen muss? Wie verzweifelt muss jemand nach Argumenten gesucht haben, bis ihm das eingefallen ist, und wie dankbar haben das andere aufgenommen, denen auch nichts Besseres eingefallen war. Dass es sechs Möglichkeiten gibt, ein Substantiv zu konjugieren anstatt vier (seit 1951 sind es fünf), trägt nicht wirklich zur Verständigung bei.
    Walter Nettenbeck, Freckenfeld (Rhld.-Pf.)

Gesundheit

Heft 21/2022 Kolumne: Das neue Periodensystem

  • Ich bin überzeugt, würde es Männer betreffen, wäre schon längst ein passendes Mittel gegen Endo­metriose gefunden oder erfunden worden. Leider leiden die meisten Frauen immer noch leise vor sich hin.
    Maren Huwald, Lübeck

Schicksale aus dem Krieg

Heft 21/2022 Wer sind die zivilen Opfer des Ukrainekriegs? 

  • Bisher habe ich die Toten in der Ukraine lediglich als Zahlen wahrgenommen. Ihr eindrucksvoller Artikel hat mich umdenken lassen. Sie zeigen einzigartige Individuen, die von mir nun auch als solche erkannt und geachtet werden. Ich bin ganz einfach traurig!
    Wilfried Baum, Backnang (Bad.-Württ.)

Bildungschancen

Heft 21/2022 So werden Kinder an Brennpunktschulen besser 

  • Eine Schule hilft benachteiligten Kin­dern, indem sie ihnen Lesen, Schreiben, Rechnen und klare Regeln beibringt. Und der SPIEGEL schreibt darüber einen Artikel, der komplett ohne das Wort Digitalisie­rung auskommt. Dass ich das noch erleben darf.
    Uwe Lins, Nordhorn (Nieders.)

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