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Briefe

Die Taliban verlieren bereits die Kontrolle über das frisch eroberte Afghanistan, besser Klima schützen oder Wohnraum schaffen, und warum nahm sich Jérôme Boatengs Ex-Freundin Kasia Lenhardt das Leben? Das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 36/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • Wer schützt jetzt die Frauen, Kinder und Andersgläubigen in Afghanistan? In den 20 Jahren wuchs eine mit westlichen Werten groß gewordene Generation heran. Was geschieht mit ihnen? Zurück in die Steinzeit? Welche Möglichkeit haben sie, sich diese westlichen Werte zu erhalten? Und wollen das überhaupt noch alle nach diesem totalen Versagen der Vertreter des Westens?
    Udo Bauer, Wedel (Schl.-Hol.)

  • »Tarnen, täuschen und verpissen« ist okay in der Grundausbildung, aber keine Option für Afghanistan. Klar: Wir könnten den Taliban nun fasziniert beim vorausgesagten Kontrollverlust zuschauen, könnten vielleicht mit klammheimlicher Freude noch nachhelfen. Aber das wäre strohdumm. Wir müssen die Region stabilisieren, müssen eine neue schwärende Terrorwunde verhindern. Waisenknaben sind die Taliban bestimmt nicht. Aber auch einige unserer traditionellen Freunde sind keine Klosterschülerinnen – und bei uns selbst habe ich zunehmend Zweifel.
    Karl Ulrich Voss, Burscheid (NRW)

  • Ich schäme mich, dass wir nicht in der Lage waren, die Afghanen zu beschützen, die uns geholfen haben. Ich frage mich, wie alle die Lage so falsch einschätzen konnten, obwohl wir seit 20 Jahren vor Ort waren. Es macht nur traurig und fassungslos.
    Anita Schönherr, Baruth (Brandenburg)

  • Die zahlreichen Schuldzuweisungen über das Versagen der USA und der Verbündeten beim Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft führen zu keinem Ergebnis. Für die Zukunft sollten jedoch Lehren gezogen werden. Bereits vor 20 Jahren wagte Rudolf Augstein in seinem Kommentar im SPIEGEL Nr. 47/2001 mit dem Titel »Abenteuer und Strategen« einen Blick in die Zukunft mit der Schlussbemerkung: »Das Völkerrecht wird schon seit langem hin- und hergezogen, nach Gutdünken und eigenen Machtinteressen vor allem von den USA.« Diesem Kommentar ist auch nach 20 Jahren nichts hinzuzufügen.
    Claus Jürgen Lehmann, Oestrich-Winkel (Hessen)

  • Deutschland ist ein souveräner Staat. Er hätte in den letzten Monaten seine einheimischen Schutzbefohlenen geordnet registrieren und ausfliegen können. Auch wenn niemand mit dem derart raschen Kollaps der afghanischen Armee rechnete, war allen klar, dass man die Ortskräfte eher früher als später in Sicherheit bringen muss.
    Werner Ritter, Schaffhausen (Schweiz)

  • Wenn man den afghanischen Ortskräften und den Mitarbeitern der GIZ Versprechungen für deren Sicherheit macht, muss man diese auch halten und nicht am deutschen Überbürokratismus und aus wahltaktischen Gründen – man könnte ja Stimmen an die AfD verlieren – scheitern lassen. Es ist ein erbärmliches Bild, das diese Regierung abgibt: abwarten, aussitzen, nichts tun. Und wenn doch etwas getan wird, dann zu spät. Man kann nur hoffen, dass die hauptbeteiligten Minister und die Kanzlerin nie wieder ein Amt in der Bundesregierung bekommen.
    Peter Wacker, Hörden (Bad.-Württ.)

  • Im Chaos von Kabul und weiteren Städten Afghanistans spiegelt sich ein epochales Versagen westlicher Politik. In einem Land, mit einer Vielzahl rivalisierender ethnischer Gruppen demokratische Strukturen einführen zu wollen, war vermessen und im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Zu befürchten ist, dass sich die äußerst fragile Lage durch das neuerliche Anwachsen des IS noch dramatischer und unberechenbarer darstellen wird. Ein Bürgerkrieg mit fatalen Folgen für die Region ist nicht auszuschließen.
    Horst Winkler, Herne (NRW)

Zutiefst erschütternd

Nr. 34/2021 Macht: Was trieb Jérôme Boatengs Ex-Freundin Kasia Lenhardt in den Tod ?

  • Dieser Bericht hat mich zutiefst erschüttert; eine junge Frau begeht Suizid, und die Boulevardpresse und Social Media sind dafür verantwortlich. Wenn Boateng bereit ist, die »ganze Wahrheit« zu sagen, und meint, er wisse »mehr als alle anderen«, dann klingt das mehr als unglaubwürdig. Ich danke dem SPIEGEL für seine gut recherchierten Beiträge und insbesondere die Gespräche mit Adrianna Lenhardt, die mit Dokumenten ihrer Tochter vieles richtigstellen konnte. Ihr gilt mein tiefes Mitgefühl.
    Erika Wiese, Wachtberg (NRW)

  • Der SPIEGEL war für mich immer ein Medium, das sich hinsichtlich Sprache und Inhalten deutlich von anderen Zeitschriften und Zeitungen abhob. Nun lese ich in der neuesten Ausgabe den Artikel über Jérôme Boateng und dessen ehemalige Freundin. Ich verstehe sehr gut, worauf Sie in moralischer Hinsicht hinauswollen. Ich respektiere die Absicht der Familie. Aber ich muss sagen: Wenn ich den Text lese und mir die Bilder anschaue, frage ich mich, wo der Unterschied zur »Bild«-Zeitung ist. Muss so viel Mainstream wirklich sein? Gibt es keine wichtigeren Dinge, über die Sie schreiben könnten?
    Christiane Dumas, Tannay (Schweiz)

  • Eigentlich hatte ich dieses Thema nicht im SPIEGEL erwartet, sondern eher in den nachmittäglichen Boulevardmagazinen der TV-Sender. Trotzdem meinen Dank und meine Anerkennung, dass Sie nicht meiner, zugegeben etwas dünkelhaften Erwartung entsprochen haben, sondern sich einfühlsam in die Niederungen unserer sozial verwahrlosten Promis begeben haben und uns Leser in diese traurige Geschichte mitnehmen. Sicher muss man hier als Berichterstatter:innen aufpassen, dass man wirklich Hintergrund recherchiert und nicht zum bloßen Werkzeug einer Seite gemacht wird. Ich denke, das ist Ihnen in vorzüglicher Weise gelungen; faktenreich und informativ sowie mitfühlend und einfühlsam im Ton.
    Klaus Lemacher, Pulheim (NRW)

Einfach höher bauen

34/2021 Klima schützen oder Wohnraum schaffen – vielerorts drohen Konflikte 

  • Wer den Berliner Osten kennt, weiß, dass große Innenhöfe und Grünflächen bei 11- bis 20-stöckigen Plattenbauten nicht verkehrt sind. Ich verstehe die Vorbehalte der Bewohner bezüglich »Verdichtung«: Spielplätze sind weg, dafür wird die S-Bahn voller. Da die Menschen nicht weniger werden, tut Wohnungsbau aber Not. Die Frage ist doch: Wie wird gebaut? Es gibt bereits jetzt Konzepte für Fassaden- und Dachbegrünung, in einen Neubau lassen sich auch im Erdgeschoss oder in oberen Stockwerten Gemeinschaftsflächen integrieren. Bungalows, in denen Discounter für gewöhnlich untergebracht sind, gehören der Vergangenheit an. Verkaufsräume sollte man in Mehrzweckgebäude mit Wohnungen einbinden.
    Dr. Angelika Koller, München

  • Herr Schrader hat in seinem Artikel den aktuellen Zielkonflikt am Beispiel Berlin-Pankow dargestellt. Dieser Konflikt könnte sehr einfach und pragmatisch gelöst werden, und zwar durch die Änderung des Baurechts in den Metropolen. Man könnte einfach höher und damit flächensparend bauen. Für Inspiration sei den zuständigen Stellen Singapur empfohlen oder auch Projekte in den Niederlanden. Ökologie und Wohnen sind dort im besten Einklang realisiert. Die Wohnungsnot ist hausgemacht durch unser antiquiertes Baurecht.
    Dirk Foerster, Blomberg (NRW)

  • Der beschriebene Fall zeigt, wie weit weg wir doch von einer partizipatorischen Demokratie sind. Alle vier Jahre Kreuze auf dem Stimmzettel zu machen allein reicht nicht. Bundestagspräsident Schäuble hat daher sogenannte Bürgerräte vorgeschlagen. Um das Zerfransen der Städte zu verhindern, müssen intelligente Konzepte erarbeitet werden, um einerseits den Wohnungsbedarf abzudecken, andererseits aber genügend Kaltluftkorridore zu erhalten und möglichst wenig zusätzlich an Fläche zu versiegeln. Intakte Gemeinschaften wie hier in Pankow sollten nicht auseinandergerissen werden.
    Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)

  • Die Not der Wohnungssuchenden besteht darin, dass der reichlich vorhandene Wohnraum, auch in Berlin oder Hamburg, nicht bedarfsgerecht verteilt ist. Eine Wohnflächenabgabe, ökologisch und sozial, könnte weiterhelfen.
    Helgo Klatt, Hamburg

  • Liest man die beiden Artikel »Pankow statt Nordpol« und »Im Großstadtdschungel«, erkennt man eindeutig, dass mehr Grünflächen für die Städte überlebenswichtig sind. Anstatt Freiflächen zu betonieren, sollte man zunächst einmal jene spärlich genutzten Flächen intensiver nutzen, die längst mit riesigen Flachbauten nebst noch größeren Parkplätzen versiegelt sind.
    Torsten Berndt, Konstanz (Bad.-Württ.)

Es herrscht Wildwuchs

34/2021 Immobilien: Der Häusermarkt floriert, doch die Makler leiden 

  • Als Makler las ich den Artikel nicht ganz ohne Kopfschütteln. So mag sich die Einführung des Bestellerprinzips gut anhören, ist jedoch Unsinn. Was wir meines Erachtens brauchen, ist eine Senkung oder gar Abschaffung der Grunderwerbsteuer für Käufer*innen, die ihre gekaufte Immobilie selbst nutzen oder bewohnen, und eine gesetzliche Obergrenze für Maklerprovisionen. Gerade im Moment herrscht Wildwuchs. Die gesetzlich eingeführte vorgeschriebene Teilung der Courtage hat zu satten Zuwächsen von teilweise ein bis zwei Prozent geführt. Das kann nicht Sinn und Zweck der Sache gewesen sein.
    Johannes Gregor, Hünstetten (Hessen)

  • Hier werden viele Klischees über Makler bemüht, aber leider nur wenige Fakten geliefert. Das Klischee des anstrengungslosen Abkassierens bildet die Realität der professionellen Immobilienmakler ebenso wenig ab, wie die Behauptung, dass das neue Provisionsgesetz die Makler zu illegalen Tricksereien animiert. Derartige Fälle sind bislang nicht an den Ombudsmann Immobilien herangetragen worden. Vermutlich deshalb, weil es sie nicht gibt. Denn jeder Makler, der gegen das neue Provisionsrecht verstößt, riskiert nicht nur seine Provision, sondern auch seine Gewerbeerlaubnis und damit seine Existenz. Die paritätische Teilung der Provision, die am häufigsten zur Anwendung kommt, weil sie als fair empfunden wird, hat zu einer Senkung der Kaufnebenkosten und damit zu einer Entlastung der Käufer geführt. Unabhängig davon bleibt es dabei: Wer eine Immobilie anbietet oder sucht, kann sich an einen Makler wenden, muss es aber nicht. Wer sich an einen Makler wendet, weiß, dass er sich damit Aufwand erspart, der durch die Notwendigkeit eigener Markterkundungen und die Aneignung des marktspezifischen Know-hows zur Beurteilung eines Angebots entstehen.
    Carolin Hegenbarth, Bundesgeschäftsführerin Immobilienverband Deutschland, Berlin

Glorifizierung der Großmannssucht?

Nr. 34/2021 Vermarktung: Die schwache Fußballbundesliga 

  • Leider werden in dem Artikel nur die Vorzüge von internationalen Geldgebern dargelegt, aber nicht auf die damit einhergehenden Probleme eingegangen. Im ersten Diagramm sieht man, dass nur die englische Liga wesentlich mehr Umsatz macht als die Bundesliga: Spanien gleichauf und Italien und Frankreich unter der Bundesliga. Danach wären alle Ligen Zwerge – außer der englischen.
    Jürgen Franke, Ulm (Bad.-Württ.)

  • Wie viel Spannung kann man denn von einer Liga erwarten, wenn der neue Meister schon vor Saisonbeginn feststeht? Die Bayern werden wohl nie begreifen, dass sie sich mit ihrer Dominanz im Endeffekt selbst schaden.
    Gert Schmidt, Lehrte (Nieders.)

  • So ein schwacher Artikel: Glorifizierung der Großmannssucht von überschuldeten oder durch Despoten finanzierten Vereinen. Wozu braucht die deutsche Seele Champions-League-Siege? Brauchen wir Spieler in der Bundesliga, die am Ende ihrer Karriere dreistellige Millionenbeträge einstreichen? Ich selbst finde die Finanz- und Leistungskultur von Bielefeld, Fürth und Freiburg großartig.
    Uwe Dittmann, Röthenbach im Allgäu (Bayern)

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