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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Der Angriff auf die Ukraine, Eislaufstar Walijewa, Psychotherapie und die Ochsenknechts – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 10/2022

Der Angriff, der die Welt verändert

Heft 9/2022 Chronik eines angekündigten Krieges 

  • »Bricht jetzt der Dritte Weltkrieg aus?«, fragten mich meine Schüler:innen am 24. Februar, live informiert von TikTok und anderen Social-Media-Kanälen. Die Frage wurde in der Vergangenheit anlässlich anderer Konflikte oft gestellt, und immer antwortete ich ehrlich mit einem eindeutigen Nein. Hoffentlich bleibt das meine letzten 18 Dienstjahre so – ganz sicher bin ich mir da langsam nicht mehr.
    Christian Höpfler, Schorndorf (Bad.-Württ.)

  • In meinen Augen ist dieser Krieg auch ein Ergebnis der Regierung Merkel, die immer auf Sicht gefahren ist und meinte, Putin mit einer Beschwichtigungspolitik dauerhaft ruhighalten zu können. Dieser Fehleinschätzung schlossen sich die meisten Staaten an. Spätestens die Annexion der Krim hätte doch zu massivsten Sanktionen gegenüber Russland führen müssen.
    Ullrich Herzau, Berlin

  • Wenn Merkel noch regieren würde, wäre Putin genauso in die
    Ukraine einmarschiert wie er es gerade getan hat. Putin hätte Merkel genauso angelogen wie Scholz oder Baerbock und alle anderen internationalen Politiker. Auch Trump hätte den Einmarsch Putins nicht verhindert. Trump hätte nicht einmal auf diesen Angriffskrieg reagiert. Mit Sicherheit hätte es unter ihm keine Sanktionen gegeben. Polen und die baltischen Republiken hätten von Trump keinerlei Unterstützung erfahren. Um das vorherzusehen, muss man nicht Prophet sein oder Politik studiert haben.
    Manfred Sommerfeld, Hamburg

  • Wochenlang hat der SPIEGEL vor diesem Krieg gewarnt und die Demokratien des Westens zu wirksamen Reaktionen aufgefordert. Er musste sich dafür auf den Briefe-Seiten der Panikmache und sogar des »Kampagnenjournalismus« bezichtigen lassen. Manchmal gebietet es der Anstand, dass Leser:innen Journalist:innen um Entschuldigung bitten.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • Ich kann nur hoffen, dass Sie spätestens jetzt diese dümmlichen Leserreaktionen nicht mehr abdrucken, in denen dem Westen eine Mitschuld an der heutigen Situation gegeben wird. Die
    Sorge der Balten und Polen, die Angst vor Russland sind stets berechtigt gewesen. Der Nato-Beitritt war folgerichtig. Wenn sich ein Regime von einem Verteidigungsbündnis aus liberalen, westlichen Demokratien »bedroht« fühlt, lässt das tief blicken. Aber leider wird hierzulande trotzdem gern der Kreml-Sprech von der »Ausdehnung der Nato« und dem »Heranrücken an Russland« unreflektiert wiederholt. Die Nato bedroht niemanden. Es ist vielmehr ein Segen, dass sich der Westen nicht an irgendwelche Zusagen gebunden gefühlt hat, die noch zu Zeiten der Sowjetunion gemacht wurden. Was für eine Situation hätten wir heute in Europa, wären zum Beispiel Estland, Lettland und Litauen nicht durch die Nato-Mitgliedschaft geschützt? Es war ein katastrophaler Fehler von Angela Merkel, der Ukraine 2008 diesen Schutz zu verwehren.
    Jörg Hinz, Hannover

  • Der Angriffskrieg Russlands ge­gen die Ukraine zwingt die freien Nationen Europas zu entscheiden, ob wir die Souveränität unter demokratischen Regeln an die EU transferieren und damit gemeinsam verteidigen wollen oder ob wir sie uns eine nach der anderen einzeln von aggressiven Nachbarn abpressen lassen. Dazu bedarf es einer einheitlichen zentral koordinierten Außen- und Sicherheitspolitik, die die strategischen Interessen der Europäer klar definiert und durchzusetzen sucht. Diese muss wehrhaft sein. Ansonsten werden wir nicht in der Lage sein, eine erfolgreiche Außenwirtschaftspolitik zu betreiben und einseitige Abhängigkeiten von anderen Mächten zu vermeiden. Kein europäischer Staat kann allein eine an Menschenrechten und Umweltfragen wertegeleitete Außen- und Wirtschaftspolitik erfolgreich betreiben. Allein ist jede europäische Nation brutal erpressbar. Wir müssen zu einem europäischen Bundesstaat kommen mit einem gesetzgebenden Parlament, einer Regierung und einer Armee. Nur so vereinigt, werden wir die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit, unsere Freiheit und den Frieden für uns und die Zukunft wiedergewinnen und erhalten können.
    Dr. Rüdiger Klän, Rheda-Wiedenbrück (NRW)

  • Nein, der russische Angriff auf die Ukraine ist kein Angriff auf Europa. Er könnte aber dazu werden, wenn die Medien, allen voran der SPIEGEL, und Politiker, allen voran die Grünen, fortfahren, diesen Konflikt mit pathetischem Geschwafel zum Kampf Gut gegen Böse hochzureden. Natürlich ist Russland verantwortlich für den Überfall auf die Ukraine. Aber die Saat dafür haben auch grüne Frauen wie Rebecca Harms und Marieluise Beck gelegt, als sie auf dem Euromaidan Butterbrote geschmiert haben. Ja, ich habe Angst vor einem dritten Weltkrieg. Ich habe Angst, weil Deutschland Waffen an die
    Ukraine liefern möchte und zusätzlich 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr ausgeben will. Ich habe Angst, weil unsere Medien Russland und Präsident Putin dämonisieren.
    Thomas Arnold, Nauheim (Hessen)

  • Putins Krieg ist der Krieg eines einsamen Menschen, der sich souverän brutal über alle Regeln zwischenmenschlichen Zusammenlebens hinwegsetzt. Putins unergründliche und rückwärtsgewandte Machtgelüste, um jeden Preis ein großrussisches Reich wiederzuerschaffen, werden vermutlich an seiner eigenen Irrationalität scheitern. Putin hat zwar vor dem Einmarsch in die Ukraine bereits Vorsorge getroffen gegen innerrussische »Widerstände« durch Verhaftungen und Einsperrungen. Doch das Land eines Bulgakow, Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Pasternak und Solschenizyn mit gegenwärtig etwa 145 Millionen Einwohnern kann auch ein Putin nicht vollständig in Gulags wegschließen! Der Widerstand des russischen Volkes und der demokratischen Weltgemeinschaft wird auch dem putinschen Verbrechen an der Menschheit in der Ukraine – hoffentlich früher als später – ein Ende bereiten.
    Dr. Udo Küppers, Bremen

  • Ist das das letzte Gefecht Putins? Der Kreml-Führer wirkt angeschlagen angesichts der unerwartet heftigen Reaktionen großer Teile der Weltgemeinschaft auf seine Aggression gegenüber der Ukraine. Das könnte ihn zu hochgefährlichen Kurzschlusshandlungen verleiten, wie das Versetzen russischer Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft zeigt. Er scheut sich nicht, mit der atomaren Keule zu drohen. Ist das ein Hinweis darauf, dass hier ein politischer Überlebenskampf im Gange ist, der mit dem Sturz des »Zaren« von der Weltbühne der Politik sein Ende findet? Ist der außen- und innenpolitische Druck mittlerweile so groß geworden, dass er die Vollendung seines Traums von einer zu alter Größe wiedererstarkten Sowjetunion dahinschwinden sieht und ihn politische Suizidgedanken plagen? Das wäre der atomare Super-GAU!
    Wolfgang Gerhards, Berlin

  • Der menschenverachtende Psychopath erklärt damit indirekt seine Bereitschaft zu einem atomaren Erstschlag. Bei seinem grenzenlosen Machtanspruch nähme er in Kauf, als Initiator eines dritten Weltkriegs in die Geschichtsbücher einzugehen – sofern diese dann überhaupt noch fortgeschrieben werden könnten.
    Werner Salzinger, Fürstenzell (Bayern)

  • Putin hält uns nicht nur alle für Weichlinge, wichtige Teile der SPD-Führung hält er offenbar auch für käuflich. Zu Recht. Die Außen- und Energiepolitik fällt uns gerade auf die Füße, und das Interview mit Sigmar Gabriel zeigt ganz gut, warum. Eine sehr milde Absetzbewegung vom Altkanzler. Dessen Netzwerke funktionieren offenbar noch hervorragend, er soll nur von seinen Ämtern zurücktreten. Schröder ist eine Schande für unser Land. In anderen Ländern hat sich Putin Naziparteien gekauft, um die Gesellschaften zu spalten und den Westen zu schwächen. Bei uns war es offenbar die SPD. Schröders Gehälter haben einen Preis. Den zahlen die Ukrainer gerade mit Blut, und wir werden mit viel Geld bezahlen.
    Dennis Seikowski, Braunschweig

  • Ja, das ist Putins Krieg. Aber durch die unerschütterliche Nibelungentreue seines Gas-Kumpanen Gerhard Schröder, der immer noch fest an der Seite dieses Kriegsverbrechers steht, auch: Schröders Krieg. Und durch die in den letzten 16 Jahren total vermurkste Außenpolitik in Sachen Russland, Ukraine und Osteuropa, beschämenden deutschen Wirtschaftsegoismus, die unerträgliche vorsätzliche Blauäugigkeit und die bereitwillige Aufgabe etlicher moralischer Werte und ethischer Prinzipien ebenso leider: Merkels Krieg.
    Anton Leontjev, Hamburg

  • Was fehlt bei all den Ratschlägen, um Putin und anderen Despoten Einhalt zu gebieten? Wir müssen die Aussetzung der Wehrpflicht sofort beenden. Demokratie ohne wehrbereites und wehrhaftes Volk macht keinen Sinn und ist dem Untergang geweiht. Allen Respekt dem ukrainischen Widerstand!
    Rüdiger Rühfel, Augsburg

  • Plötzlich wurden die Deutschen aus ihrem bequemen, naiven Friedenstraum von einem verlogenen, kaltblütig mordenden Despoten aufgeweckt. Die jetzige Aufrüstungshektik wird ihn aber kaum stoppen – vielleicht schafft das die junge Generation in Russland, wenn sie erkennt, dass die Volte zurück in die Fünfziger für alle ein Desaster bedeutet.
    Hasko Neumann, Stuttgart

  • Der Westen hat abgerüstet. Putin dagegen hat mit seinem Überfall auf die Ukraine gezeigt, dass er jederzeit Stärke zeigen kann. Deshalb muss der Westen wieder aufrüsten. Putin ist noch mehr zuzutrauen.
    Karl Wetzel, Calden (Hessen)

Ein Stück weit selbstbewusster

Heft 8/2022 Die Nebenwirkungen von Psychotherapien 

  • Psychotherapeuten freuen sich mit den Patienten, wenn diese zum Beispiel ihre depressive Verzagtheit überwinden und sich mutiger für eigene Interessen einsetzen. Aber: Wenn dabei Beziehungen zu nahen Angehörigen in die Brüche gehen, ist die Freude rasch verflogen. Wie können solche Beziehungskrisen vermieden werden? Indem Patienten durch eine bessere Selbstwahrnehmung zwar lernen, sich zu behaupten, aber zugleich durch Empathie für die Gefühle und Bedürfnisse auch der Angehörigen sich nicht nur »egoistisch« durchsetzen müssen. Wenn diese erhöhte Selbst- und Fremdwahrnehmung besser gelingt, werden Interessenkonflikte leichter auszuhandeln. Und sollte dies nicht reichen, kann in der Therapie dazu geraten werden, parallel zur Einzeltherapie auch eine Paar- oder Familientherapie in Anspruch zu nehmen.
    Dr. med. Terje Neraal, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Gießen

  • Wer zum Psychotherapeuten kommt, sucht Hilfe und verspürt einen Leidensdruck oder einen sozialen Konflikt im Umfeld. Es muss und sollte sich demnach im Lauf der Therapie unbedingt etwas verändern. Dass das zwischendrin an manchen Ecken und Enden – wie beim internistischen oder chirurgischen Eingriff auch – wehtut, ist oft bitter nötig, um einen Heilungsprozess überhaupt erst anstoßen zu können. Soll bei einer Therapie das familiäre Umfeld, in dem offensichtlich Kindesmissbrauch passiert, »zum Zwecke der Schadensbegrenzung unangetastet« bleiben? Wie bei allen medizinischen Eingriffen ist auch Psychotherapie nie risikolos, aber sie ist meist ein selbst gewählter, emanzipatorischer Versuch, im Rahmen der therapeutischen Beziehung etwas Altes, Verhärtetes zu lösen und in der Veränderung ein Stück weit selbstbewusster zu werden.
    Rainer Ehrenreich, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Vilshofen (Bayern)

  • Ein wichtiger Artikel. Der Schlusssatz, »Eine Therapie machen sollte daher nur, wer sie wirklich brauche«, ist allerdings sehr fragwürdig. Wer würde das bei Bluthochdruck oder einem Rückenleiden propagieren? Fachpsychotherapeuten sollten befragt werden, ob eine Psychotherapie angemessen ist. Hier ist der (alten) Bundesregierung zu danken. Über die Telefonnummer 116 117 kann jeder gesetzlich Krankenversicherte ohne Überweisungscode einer/s Hausärztin/Hausarztes einen Termin oder eine Einschätzung erhalten. Ich erlebe es immer wieder, dass speziell depressive Menschen durch die Maxime »erst, wenn wirklich nötig« die Behandlung verschleppen. Auch das Propagieren von »Psychotherapie erst, wenn wirklich nötig«, hat Nebenwirkungen.
    Gerhard Leinz, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Kiel

Heft 08/2022 Kind des Kalten Krieges 

  • Unbeirrt werden in Aussicht auf Medaillenglanz junge Toptalente gezüchtet und verheizt. Diese sympathische und talentierte Heranwachsende wurde ruiniert, ihrer Zukunft beraubt.
    Nicola Huber, Baar-Ebenhausen (Bayern)

Heft 8/2022 Eine schrecklich berühmte Familie 

  • Ich kann verstehen, dass sich Menschen daran erfreuen, wie Halb- oder Viertelpromis leben, lenkt es doch vom eigenen nicht schönen Leben ab. Aber das muss doch nicht im SPIEGEL stehen.
    Gudrun Iser-Freese, Weiterstadt (Hessen)

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