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Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Briefe

Der Konflikt mit Russland, der Missbrauch in der katholischen Kirche, Gerhard Schröder, Schwangerschaftsabbrüche und Amanda Knox – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 9/2022
  • Die vielen diplomatischen Anstrengungen einerseits und die Verbalattacken andererseits zeigen nur allzu gut, wie fragil der Frieden in Europa gerade ist. Auch wenn es kein echter Frieden ist, denn seit 2014 sind mehr als 13.000 Tote im Donbass zu beklagen. Die Truppen-Bewegungen und –Verlegungen wirken wie ein Schach-Gefecht, mit allen Mitteln von Taktik und Strategie. Umso wichtiger ist es für Europa, Abhängigkeiten, gerade auch im Energiebereich, abzubauen und auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn Europa im Innern stark und selbstbewusst ist, dann ist das die beste Gegenwehr nach außen, auch ohne militärische Muskelspiele.
    Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)

  • Sehr bemerkenswert finde ich, dass die zahlreichen Journalisten, die sich in dieser SPIEGEL-Ausgabe mit Putin und der Ukrainekrise befasst haben, alle in Westdeutschland geboren und sozialisiert worden sind. Nicht ein einziger aus Ostdeutschland ist beteiligt. Könnte es sein, dass man im Westen Deutschlands verlernt hat, Fehler zuzugeben? Und es war ein Fehler, in den Neunzigerjahren auf Konfrontation zu Russland zu setzen und sich der Meinung der Amerikaner anzuschließen. Gorbatschow wollte zusammen mit Deutschland und den anderen europäischen Staaten das »Europäische Haus« aufbauen. Die Russen – nicht nur Gorbatschow, auch Putin – wollten, wie viele Ukrainer auch, zu Europa gehören. Das wurde leider im Westen ignoriert.
    Dr. Klaus Haase, Wohnort angefragt

  • Der Artikel ist an sich recht ausgewogen, meinte ich. Erstaunt hat mich allerdings, dass ein Detail der Forderungshintergründe Putins erst auf Seite 25 unter der Kleinmitteilung »Archivfund stützt russische Version« so nebenbei unter kleiner Überschrift mitgeteilt wurde. Die Amerikaner haben also Verrat begangen, indem sie die Nato-Osterweiterung trotz anderweitiger Zusagen betrieben. Hätte diese Tatsache nicht im Hauptartikel ausführlich beleuchtet werden müssen?
    Bodo Lehmann, Dahme/Mark (Brandenb.)

  • Unter Putin hat sich Russland zu einer Diktatur und einem Pariastaat entwickelt. Wenn uns die Geschichte etwas lehrt und wenn uns Europa und unser demokratischer Way of Life etwas bedeuten, kann es nicht die geringsten Zugeständnisse gegenüber einem derart korrupten und kriminellen Regime geben.
    Nedju Buchlev, Berlin

  • Die diplomatischen Bemühungen Europas und der USA sind gescheitert, weil man den politischen Machtpoker des russischen Präsidenten Putin von vornherein falsch eingeschätzt hat. Auch haben vor allen Dingen Deutschland und die EU sich mit ihrer Taktik des Herumlavierens einen Bärendienst erwiesen, weil sie Putin nicht gleich von Anfang mit einer einschneidenden Sanktionsliste in seine Schranken verwiesen haben. Die nunmehr vorgenommene Anerkennung von Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten durch Russland und die gleichzeitige Entsendung von sogenannten russischen Friedenstruppen in die Ostukraine kommen einer Kriegserklärung gleich. Nun sollte die westliche Welt endlich aufwachen und den ukrainischen Präsidenten Selenskyj nicht im Stich lassen, denn das ukrainische Volk hat es verdient, das man seinen demokratischen Weg und seine Souveränität mit allen Mitteln unterstützt und verteidigt.
    Thomas Henschke, Berlin

Heft 8/2022 Wladimir Putins Spiel mit dem Westen 

  • »Being Wladimir Putin« wäre der bessere SPIEGEL-Titel gewesen. Wie alle Welt, so rätselt selbst der SPIEGEL, wer oder was im Kopf des russischen Präsidenten sein Unwesen treibt. Ein bizarres Kopfkino.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pfl.)

Wozu noch die Nato?

Heft 7/2022 Nato-Osterweiterung: Hat Putin recht? 

  • Ein sehr zutreffender Artikel, der es wagt der vorherrschenden Meinung zu widersprechen. Ich kann mich genau erinnern, was damals erzählt wurde. Interessant wäre aber noch: wozu noch die Nato? Weder der Kommunismus noch eine expandierende UdSSR sind mehr da. Nur noch ein stark geschrumpftes Russland.
    Prof. Dr. Dimitrios Kolymbas, Innsbruck (Österreich)

  • Die perfide Argumentation des Westens: Eine Ausweitung der Nato näher an die Grenzen der Sowjetunion wird es nicht geben, die Sowjetunion existiert aber nicht mehr und Russland haben wir die Zusage nicht gemacht.
    Michael Schade, Wolfsburg

Der Unsozialdemokrat

Heft 7/2022 Die Russlandjobs des Altkanzlers: Schröders Agenda 2022 

  • So blamabel die Äußerungen des Ex-Kanzlers für alle Deutschen und die deutsche Außenpolitik sein mögen, dürfte das Herrn Schröder vielleicht egal sein. Wie hat doch Wilhelm Busch geschrieben? »Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.«
    Dr. Asok Mukherjee, Erlangen

  • Die weichgespülte Kritik des SPIEGEL an Gerhard Schröder kann über eins nicht hinwegtäuschen: Mit seinen geldgierigen Aktivitäten für den Diktator Putin ruiniert er das Ansehen der SPD als demokratische Rechtsstaatspartei. Und die SPD ruiniert ohne seinen Parteiausschluss das internationale Ansehen der Bundesrepublik Deutschland als Bündnispartner und demokratischer Rechtsstaat.
    Dr. Thomas Stehl, Potsdam

  • Mit dem ersten Schuss in der aktuellen Ukraine-Krise muss die SPD Gerhard Schröder aus der Partei werfen.
    Manfred Müller, Ulm

  • Schröder ist für die SPD, was Max Otte für die CDU ist: Ein Mensch, der eine unerfüllte Erwartung an die eigene Partei hat, dessen Selbstwahrnehmung und eingeforderte Wertschätzung Wunsch, nicht Wirklichkeit widerspiegelt. Reicht der eigene Garten nicht aus als Beschäftigung? Anscheinend nicht, solange es immer noch Menschen wie Putin, oder im Falle Ottes die AfD, gibt, die den Geltungsdrang bedienen und ihn sich zunutze machen. Das Abgleiten in die Lächerlichkeit spiegelt die Gesellschaft beiden zurück. Doch das scheint nicht zu interessieren. Schröder befindet sich in einem Tunnel. Die Zeit, in der die eigene Partei für ihn einen Ausgang schaffen konnte, ist vorbei. Jetzt heißt es für die SPD, das Dilemma auszusitzen.
    Marie Weydmann-Kühn, Kriftel (Hessen)

  • Es ist bemerkenswert, wie wenig Selbstbewusstsein die SPD-Spitze – allen voran Olaf Scholz – trotz gewonnener Bundestagswahl hat, dass sie Altkanzler Schröder aus seiner Hannoverschen Altbauwohnung weiterhin Ton und Kurs einer sogenannten Volkspartei vorgeben lässt, selbst wenn dies gar nicht sein Anliegen zu sein scheint und er viel lieber charmante Filmchen über seinen oftmals drolligen Zeitvertreib auf Instagram posten lässt.
    Sönke Weiss, Dortmund

  • Gerhard Schröder ist so wenig ein Sozialdemokrat wie sein Freund Putin ein Demokrat ist. Mit seiner »Agenda 2010«, deren logische Folge die immense Ausweitung des Niedriglohnsektors war, hat der Basta-Kanzler die Partei auf den Hund gebracht. Jetzt, da sie sich wieder einigermaßen berappelt hat, wirft er den Genoss:innen von der Seitenlinie aus Stöcke zwischen die Beine. Warum lässt eigentlich der SPIEGEL diesen Unsozialdemokraten regelmäßig zu Wort kommen?
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

Weder Duldung noch Privilegien

Heft 7/2022 Leitartikel: Missbrauchsskandale, verkrustete Strukturen – Der Staat muss sich endlich lossagen von der katholischen Kirche 

  • Da hat Ullrich Fichtner erfreulich deutliche Worte geschrieben zur grundlegenden Entflechtung von Staat und Kirche und zur Erosion politischer Gewissheiten. Es fragt sich nur, wann und von wem diese sehr guten Gedanken endlich aufgegriffen und konsequent umgesetzt werden.
    Peter Treitz, Stennweiler (Saarl.)

  • Eine Religion, die ein bereits vor Jahrhunderten durch eigenes Verschulden (stures Festhalten am Zölibat, an katholischer Sexual- und Morallehre und systematischer Vertuschung von Missbrauchsskandalen ohne Ende) in den Brunnen gefallenes Kind auf Kosten von zahllosen unschuldigen Kindern noch zu retten versucht, dürfte wohl bei keinem gerechten und gütigen Gott dieser Welt und in keinem auch nur halbwegs demokratischen Land weder mit Duldung noch mit Privilegien rechnen dürfen. Alles hat eben seine Zeit.
    Dr. Gerhard Birk, Chemnitz (Sachsen)

  • Religion ist der Kitt einer Gesellschaft. Religion ist mehr als eine Institution Kirche. Das christliche Menschenbild ist die wesentliche Grundlage unseres Rechtssystems. Ohne die christliche Botschaft hätte es keine Reformation gegeben, ohne Reformation keine Aufklärung und keine Demokratie. Die Regelungen zu den Staatsausgleichszahlungen und zur Erhebung der Kirchensteuer sind »nur« Verwaltungsvorgänge. An diesen Geldern bereichern sich nicht Einzelne, sie kommen unserer Gesellschaft zugute und dienen dem Gemeinwohl. Entsprechend flach sollte der Ball gehalten werden.
    Theodor Peschke, Jena (Thür.)

Keine Spaltung der Gesellschaft

Heft 7/2022 Debattenkultur im dritten Coronajahr: Die Deutschen sind in mentaler Quarantäne 

  • Ja, beenden wir das Schubladendenken und respektieren Andersdenkende, ohne sie zu diffamieren. Das würde der Kommunikation viel negative Spannung nehmen.
    Gisela Neudeck, Wiesbaden

  • Natürlich dürfen Impfgegner demonstrieren. Zweifelhaft wird es, wenn offensichtliche Lügen und pseudowissenschaftliche Fehlinformationen lautstark auf die Straße getragen werden, um die Ziele der Gesundheitsvorsorge bewusst zu konterkarieren – mit dem Fernziel, den Staat zu destabilisieren.
    Liane Martin, Nürnberg

  • Ich bedanke mich bei Herrn Maxwill für seinen Artikel, weil er klarstellt, dass unterschiedliche Meinungen für eine funktionierende Demokratie essenziell sind und nichts mit einer Spaltung der Gesellschaft zu tun haben. Wer es allerdings nicht akzeptiert, dass das Gegenüber anderer Meinung ist und für sich eigene Regeln beansprucht, spaltet nicht die Gesellschaft, sondern gefährdet den Grundkonsens unserer Demokratie. Hoffentlich erweist sich diese dann als wehrhaft.
    Dr. Wilfried Thommes, Köln

Hass gegen Frauen

Heft 7/2022 Medizinerin Kristina Hänel über Abtreibungen: »Ich wollte die Frauen nicht im Stich lassen« 

  • Man muss sich das vorstellen: Im Namen des Lebensschutzes droht man einer Ärztin mit Mord. Genau das sagt aber, dass es sogenannten Lebensschützern keineswegs um den Schutz des Lebens geht, sondern dass sie ihren persönlichen Machtanspruch auf Frauen übertragen, der sich neben tiefem Misstrauen gegenüber Frauen als Hass seinen Weg sucht, der sich in Rachegedanken offenbart. Das ist kein Lebensschutz, sondern erbitterte Gegnerschaft, die sich nicht einmal die Mühe machen will, die Probleme betroffener Frauen zu erkennen.
    Martina Gromeier-Pautk, Holm (Schl.-Holst.)

  • Ich verstehe nicht, dass hier immer nur von Frauen die Rede ist. Entstehen Kinder durch Jungfernzeugung? Ich habe mich in den Achtzigerjahren sterilisieren lassen, weil ich mir mit meiner damaligen Frau einig war, kein gemeinsames Kind zu zeugen – und der Eingriff für den Mann ambulant gemacht werden konnte, im Gegensatz zu dem bei einer Frau. Wäre das nicht einmal ein Thema für den SPIEGEL? Den Spaß wollen die Herren haben, die Verantwortung sollen aber die Frauen tragen? Wie heuchlerisch ist diese Gesellschaft eigentlich aufgebaut?
    Wolfgang Fladung, Bad Camberg (Hessen)

Auch dem Klischee aufgesessen?

Heft 7/2022 »Ich bin kein Monster«: Wie ein Justizirrtum das Leben von Amanda Knox zerrüttete 

  • Lebenslänglich trotz Freispruch: Für dieses Dilemma einer Frau, die vier Jahre lang unschuldig im Gefängnis saß und nach ihrer Entlassung nicht mehr von dem Bild loskommt, das ein Justizirrtum ihr brutal aufs Gesicht drückte, tragen die Sensationsmedien durch vorschnelle und plakative Etikettierung in besonderem Maße Verantwortung. Seriösen Presseorganen bleibt es vorbehalten, den von den Verursachern leichtfertig herbeigeführten und später nicht öffentlich bedauerten Schaden so weit wie möglich wiedergutzumachen. Der SPIEGEL hat dazu mit diesem Artikel wertvolle Arbeit geleistet.
    Ludwig Engstler-Barocco, Bonn

  • Einige Leser des Artikels werden die Lektüre mit besonderer Beklemmung wahrnehmen, weil auch sie »lebenslänglich« haben. Dem muss kein so spektakuläres Ereignis zugrunde liegen, auch ein folgenschweres Fehlurteil in einem Zivilprozess ist geeignet, das Vertrauen, dass man in einem Rechtsstaat lebt, zu zerstören. Ein Betroffener wird eine derartige Erfahrung kaum als Einzelfall bewerten. Die Voraussetzungen für Fehlurteile sind so vielfältig, dass sie durch die gegebenen Revisionsmöglichkeiten nur unzureichend erfasst werden können. Eine Verbesserung der Rechtsqualität ist durchaus auch in Deutschland überfällig.
    Burkhard Homburg, Eutin (Schl.-Holst.)

  • Mit großer Anteilnahme habe ich Ihren herzbewegenden, tieftraurigen und doch nicht hoffnungslosen Artikel gelesen. Ich habe mich sofort an die sehr packend geschriebenen früheren SPIEGEL-Berichte über den Fall und den Prozess erinnert und diese wieder gelesen. Erstaunlicherweise habe ich mich danach gefragt, ob es denn überhaupt stimmen könne, dass Amanda Knox wirklich unschuldig ist – ob sie nicht eher aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden sei. Stimmt mein Eindruck, dass auch der SPIEGEL in seiner früheren Berichterstattung suggeriert hat, an den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft müsse doch etwas dran sein? Ist nicht auch der SPIEGEL zumindest ein wenig dem Klischee des »Engels mit den Eisaugen« aufgesessen?
    Sven Heß, Berlin

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