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Briefe

Die Rollenbilder von Vätern und Müttern und die Entschädigungen von Stasi-Opfern waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 34/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • Ich möchte in Verteidigung der Mütter sagen, dass wir für das »Loslassen« nicht unbedingt gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Mein Mann und ich haben den gleichen Beruf und haben seit der Geburt unseres ältesten Kindes vor sieben Jahren beide abwechselnd Elternzeit genommen, beide teilweise in Teilzeit und Vollzeit gearbeitet. Bis heute versuchen wir, die Betreuung der Kinder und das Arbeiten fürs Familieneinkommen so gut wie möglich zu teilen. Regelmäßig werde ich von Kollegen, Vorgesetzten und Verwandten bewundernd bis skeptisch gefragt, wie ich Kinderbetreuung und Arbeiten unter einen Hut bekomme. Mein Mann wurde das nicht ein einziges Mal gefragt.
    Constanze Wunberg, Tübingen (Bad.-Württ.)

  • Wenn ich in den Siebzigerjahren meine Kinder mit dem Kinderwagen zum nächsten Spielplatz fuhr, an dem nur Mütter mit ihren Kindern anzutreffen waren, kam ich mir exotisch vor. Mich trafen neidische Blicke, aber ich spürte auch Bewunderung: »Was für ein lieber, geduldiger Papa.« Heute sind immerhin ein paar Papas mehr auf besagtem Spielplatz. Das liegt auch daran, dass die Mütter – ich beobachte es bei meinen Töchtern – mehr Einsatz der Väter in Erziehung und Haushalt einfordern. Und auch erhalten. Erleichtern könnte das noch die Politik, indem sie endlich Kindererziehung wertschätzt und diese Arbeit belohnt. Egal wer sie leistet, Papa oder Mama.
    Harald Dupont, Ettringen (Rhld.-Pf.)

  • Ich wünsche mir eine Welt, in der jede:r das sein kann, was am besten passt – unabhängig von Rollenerwartungen und kapitalistischen Einschränkungen. Bestimmt gibt es diese Mütter, die dort skizziert werden. Die nicht abgeben können oder wollen, die nerven und unentspannt sind. Und es wird auch Väter geben, die darunter leiden. Allerdings bleibt in Ihrem Artikel unterrepräsentiert, wie Mütter in diese Situation hineingeraten sind – und warum sie daraus immer noch so schwer herauskommen. Denn wahr ist auch: Mütter haben sich diesen Dreck oft nicht ausgesucht. Es geht hier um gesellschaftliche Konzepte und um Machtverteilung. Es tut mir leid für jeden einzelnen Menschen, der die Elternrolle nicht so leben kann, wie er oder sie es sich wünscht. Aber wir lösen das Problem ganz bestimmt nicht, indem wir den Müttern zubrüllen, dass sie sich entspannen sollen. Wir werden uns alle anstrengen, viel Verständnis füreinander aufbringen, oft miteinander reden und zusammenarbeiten müssen, damit uns das gelingt. Ich bin dabei. Sie auch?
    Kathrin Terdues, Berlin

  • Als »Mensch zweiter Klasse« (Frau, Mutter) bin ich sehr verwundert über diesen Artikel. Ich selbst habe mit Bestnote promoviert. Das reichte für einen schnellen Aufstieg in die erste Managementebene. Mit meiner Karriere war es nach der Geburt der ersten Tochter sehr schnell vorbei – trotz schneller Rückkehr in den Beruf. Statt Anerkennung gab es nur Kritik und Geringschätzung. Daher kann ich wirklich keiner Frau raten, Kinder und Beruf zu wollen. Tatsächlich haben Frauen heute die Wahl zwischen Altersarmut, Erschöpfung und Einsamkeit. Ich verstehe jede Frau, die sich für die Altersarmut entscheidet. Und nun sind die Frauen auch noch schuld daran, dass es bei den Vätern nicht so klappt? Dieser Artikel wirkt im Jahr 2021 deplatziert.
    Dr. Sandra van der Kruijs, Kassel

  • Es liegt nicht allein an den Müttern, sondern auch an Behörden, die noch dem Männerbild der Siebzigerjahre verhaftet scheinen. Die Mutter meiner Tochter und ich haben uns nach der Trennung jahrelang die Betreuung 50:50 geteilt. Daher habe ich nur die halbe Woche gearbeitet. Als ich eine neue Partnerin hatte, wollte die Mutter das plötzlich nicht mehr, sondern Geld. Die Familienrichterin sagte wörtlich zu mir: »Gehen Sie Vollzeit arbeiten, schaffen Sie Geld ran, und überlassen Sie das Kind der Mutter!«
    Nils Ramsauer, Berlin

  • Als Erziehungswissenschaftlerin weiß ich um die unterschiedliche Bedeutung von Müttern und Vätern für die kindliche Entwicklung und darum, wie wichtig der respektvolle Umgang miteinander ist. Solche Artikel empfinde ich als wenig hilfreich.
    Ute Steffens, Nordstrand (Schl.-Holst.)

  • Das A und O für uns als Paar war, unsere Erwartungen und Pläne offen zu besprechen. Schnell wurde klar, wir teilen uns alles. Ich mache Karriere, muss aber auch die Mutterkontrolle abgeben. Zugegeben, es war anfangs hart. Und ja, unsere Kinder sind unter meiner Aufsicht gekämmt, eingecremt und top gestylt. Aber interessiert das die Kids? Nein, nicht wirklich.
    Anja Kränzle, Kloten (Schweiz)

  • Ich bin Mama mit Partner in Elternzeit und zwar gerne. Ich habe mich auf diesen Artikel gefreut, weil wir uns im Fifty-fifty-Modell einrichten und ich mir Input über verschiedene Wege erhoffte. Stattdessen bekam ich »Klischees und Zuschreibungen über Geschlechter« mit dem Hinweis, sie seien hartnäckig, weil sie »permanent wiederholt werden«. Oder wie ist das mit den »giftigen Müttern« in der »Vierkorn-Milchbrei-Bubble« gemeint?
    Tonia Krüger, Neustadt am Rübenberge (Nieders.)

  • Jahrzehntelang wird Frauen ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn sie zu früh in die Berufswelt zurückkehren. Sollte sich Frau doch dafür entscheiden, bleibt trotz allem das schlechte Gewissen.
    Annika Rauschberger, Wien

Bitter und frustrierend

Nr. 32/2021 Ein 86-Jähriger, Opfer der Stasi, muss seit 30 Jahren um angemessene Entschädigung kämpfen 

  • Das, was das 86-jährige StasiOpfer erlebte, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Meinen Bekannten erging es in der DDR nicht besser. Bereits seit früher Kindheit war ich im Fokus der DDR-Staatssicherheit. Zudem wurde meine Gesundheit durch SED-hörige Ärzte weitreichend zerstört, sodass ich aufgrund der Folgen dieser Fehlbehandlungen einen Grad der Behinderung von 80 Prozent aufweise. Perspektivische Berufe konnte ich nicht ergreifen, meine Lebensgestaltung wurde beeinträchtigt. Ich spielte vor fehlbehandelten Sportverletzungen am linken Arm mehrere Instrumente. Nach 1990 wurde das alles verharmlost und ignoriert.
    Dr. Marko Michels, Schwerin

  • 30 Jahre deutsche Einheit und noch immer Unrecht. Traurig, aber wahr. Den Tätern geht es oft besser als den Opfern. Ich habe es selbst erfahren müssen, aber vorher nicht für möglich gehalten. Danke für den guten Beitrag.
    Peter Schmidhammer, Schriesheim (Bad.-Württ.)

  • Die Wiedergutmachung hat man sich wohlweislich schon im Einigungsvertrag vom Halse gehalten. Opfer staatlicher Willkür können gegen niemanden Haftungsansprüche geltend machen. Die damaligen DDR-Entscheider sind durch die Staatshaftung persönlich nicht in Anspruch zu nehmen, der Bund und die Länder sehen sich nicht in der Pflicht und auch nicht in der Rechtsnachfolge. Es ist verständlich, dass dieses Ins-Leere-laufen-Lassen bitter und frustrierend ist.
    Sven Hüber, Berlin

Nr. 32/2021 Frauen, Migranten und queere Menschen sind im Bundestag unterrepräsentiert – sieben Kandidaten, die das ändern könnten 

  • Der Bundestag muss keineswegs ein Spiegelbild der Gesellschaft sein. Ich wünsche mir mehrheitlich kluge Köpfe im Parlament – und die sind nicht die Bevölkerungsmehrheit.
    Bernd Tödte, München

Nr. 32/2021 Die Gegendarstellung: »No Cash«

  • Alexander Neubacher trifft mit seinem Artikel ins Schwarze. Wenn man nur eine Sekunde darüber nachdenkt, erkennt man sofort, dass das bargeldlose Zahlen kein Freiheitsgewinn ist – sondern genau das Gegenteil. Dann hätten nämlich die Banken ihre Hand auf unserem Geld und wir kämen nicht mehr dran. Welch fatale Abhängigkeit.
    Carmen Straub, Bad Homburg (Hessen)

Wofür wird es sich künftig noch lohnen zu sterben?

Nr. 32/2021 Ein Afghanistanveteran fordert mehr Wertschätzung für den Bundeswehreinsatz 

  • Als Bruder eines Bundeswehroffiziers, der im Kosovo und in Afghanistan eingesetzt war, teile ich Herrn Bohners Einschätzungen weitgehend. Wenn er aber die wachsende Skepsis der Bevölkerung gegenüber Kampfeinsätzen damit erklärt, dass sie mit der Entwicklung der Bundeswehr nicht Schritt gehalten habe, muss ich ihm deutlich widersprechen. Es sind vielmehr Soldaten, die an schlecht tradierten »Tugenden« festhalten, was die Annäherung zwischen Bürgern mit und ohne Uniform erschwert. Die Bundeswehr braucht Profis, die so fest wie möglich in unserer Gesellschaft verankert sind.
    Thomas Oswald, Bocholt (NRW)

  • Ohne gesellschaftlichen Rückhalt, angemessene Ausrüstung und Ausbildung werden wir niemanden mehr finden, der sein Leben aufs Spiel setzt. Nach 20 Jahren geben wir alles auf – und Afghanistan fällt zurück auf den Status quo ante. 59 Tote, über acht Milliarden an Kosten, und die Taliban übernehmen erneut die Macht. Wofür wird es sich künftig noch lohnen, zu kämpfen und zu sterben?
    Joachim Stratenschulte, Hamburg

Ein Plätzchen zum Überleben

Nr. 32/2021 Arnold Schwarzenegger möchte die Welt retten 

  • Die Homestory über Arnie hat mir den Sonntagmorgen versüßt, vergnüglich zu lesen. Der Mann schafft es mit seinem glaubwürdigen und unprätentiösen Charakter womöglich tatsächlich, diejenigen mit seiner Klimaschutzmessage zu erreichen, die sich von intellektuellen Botschaften beziehungsweise ihren Sendern nicht angesprochen fühlen. Dazu passt auch, dass er gern herzeigt, was er erreicht hat.
    Stephan Mossakowski, Berlin

  • Leute, die den Terminator gut fanden, werden vermutlich nur von solchen wie Schwarzenegger überzeugt werden, dass der Klimawandel keine Erfindung von Anton Hofreiter ist.
    Iris Freundorfer, Leichlingen (NRW)

  • Wenn wir in den entscheidenden nächsten zehn Jahren ernsthaft etwas gegen den Klimawandel tun wollen, wird es nicht reichen, sich durch Vorbild, Verzicht oder Scheindebatten um innerdeutschen Flugverkehr gut zu fühlen und den deutschen Anteil an den weltweiten Emissionen von zwei Prozent zu verringern. Dann müssten schnell die übrigen 98 Prozent angegangen werden – und zwar richtig. Es geht darum, auch in Zukunft ein Plätzchen zum Überleben zu haben. Aber wollen wir das Problem wirklich lösen, meinen wir es ernst?
    Dr. Wolfgang Wehrl, Berlin

Wahl zwischen Pest und Cholera

Nr. 32/2021 Leitartikel: Warum Baerbock, Laschet und Scholz nicht überzeugen 

  • Das Kanzleramt besitzt Richtlinienkompetenz. Dass wir es im Wahlkampf mit »zweitklassigem Personal« zu tun haben, damit mag Melanie Amann teilweise recht haben; aber andere Kandidaten werden jetzt garantiert nicht mehr in den Sattel gehievt. Damit müssen wir also leben. Auch in der Politik gilt: »You'll never walk alone.« Dafür, dass manche im Amt dann doch bestehen oder gar über sich als »Notbesetzung« hinauswachsen, dürften rückblickend gute Beispiele zu finden sein. Ist nicht Angela Merkel sogar ein solches? Und falls die Angst vor jungen Frauen eine Rolle spielt: Haben wir nicht hervorragende führende Politikerinnen in Finnland (Sanna Marin) und Neuseeland (Jacinda Ardern), die Kompetenz beweisen? Und im Gegensatz zum Präsidialsystem der USA, bei dem die Kandidaten im Vordergrund stehen, wählen wir gar keine Kanzlerin oder keinen Kanzler, sondern Wahlprogramme. Schauen wir doch einmal dort, welches »unbequeme Wahrheiten« ausspricht und wirklich zu glänzen vermag. Hier wäre nun die Erwartung an die Medien, diese Parteiprogramme einander gegenüberzustellen, zu analysieren und damit uns Wähler so stichhaltig und solide zu informieren, dass wir auch alle wirklich durchblicken.
    Gunter Affholderbach, Siegen

  • Dem Tenor des Leitartikels stimme ich gänzlich zu. Ich hätte mir noch vor einem Vierteljahr nicht vorstellen können, dass ich eine so problematische, aber auch reflektierte und kommunikative Persönlichkeit wie Markus Söder als Kanzlerkandidat vermisse. In meiner Fantasie kann ich mir eine mit Markus Söder in ganz Deutschland erschreckend erfolgreiche CSU vorstellen.
    Michael Marx, Garbsen (Nieders.)

  • Der Leitartikel zum Dilemma mit den drei Kanzlerkandidaten hätte nicht besser sein können. Genauso geht es mir mit den dreien. Die diesjährige Wahl im September stellt für mich geradezu eine Wahl zwischen Pest und Cholera dar. Was also tun? Trotzdem zur Wahl gehen, aber auf dem Stimmzettel auflisten, warum die Kandidaten nicht wählbar sind – und so den Stimmzettel ungültig machen. Damit bin ich zumindest meiner politischen Aufgabe als Bürgerin nachgekommen.
    Manuela Pinggèra, Mittenwald (Bayern)

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