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Briefe

Impfen, die Pandemie und Karl Lauterbach waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 30/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • Es reicht, ich will mein Leben zurück! Nach der Lektüre Ihres Artikels sind meine Illusionen nun auch geplatzt. Ich arbeite seit März 2020 durchgängig im Homeoffice, halte mich strikt an alle Vorgaben, trage jede Maßnahme mit und erreiche Ende Juli nach zähem Ringen um einen Termin den vollständigen Impfschutz – alles im Hinblick auf das Ziel der Erreichung der Herdenimmunität. Mein Verständnis für Impfskeptiker ist aufgebraucht; daher plädiere ich für die Einführung einer Impfpflicht, denn der oftmals beschworene Gemeinsinn gebietet auch, dass nicht viele unter wenigen zu leiden haben.
    Marina Laiso, Köln

  • Die Gretchenfrage an jeden Impfgegner lautet: Hältst du dich für unfehlbar? Wer das bejaht, muss sich fragen, ob er sich noch als Teil der menschlichen Gemeinschaft sieht. Irren ist menschlich, darüber sind sich seit Jahrtausenden alle einig.
    Sabine Lange, Hamburg

  • Der Trick des Virus ist die »Erfindung« neuer Varianten, die es den Waffen des Menschen – Kontaktbeschränkungen, Atemschutzmasken und Impfungen – entgegensetzen kann. Dabei ist das Virus nicht mit einer Steigerung der Virulenz, sondern mit einer Erhöhung der Infektiosität erfolgreich. Ihm helfen nicht zuletzt die Uneinsichtigkeit vieler Menschen und die Inkompetenz mancher Staatenlenker.
    Dr. Bernd Warkentin, Lörrach (Bad.-Württ.)

  • Sie machen am Samstag nach einer der größten Katastrophen, die Deutschland je gesehen hat, das Thema Corona auf das Cover. Da kann ich nur sagen: Thema verfehlt, Note 6. Tut mir leid, dafür habe ich kein Verständnis.
    Matthias Frank, Bergisch Gladbach (NRW)

  • Als ich meine zweite Impfung erhielt, überkam mich ein überwältigendes Glücksgefühl. Eine Last fiel ab, das Warten hatte ein Ende, ich war auf der sicheren Seite. Klar, ich wollte die Spritze auch zum Schutz meiner Gesundheit und der meiner Mitmenschen und wollte auch daran teilnehmen, den Inzidenzwert herunterzubringen. Das Rationale freute sich, aber das Emotionale war aus dem Häuschen. Ja, es bedarf einer viel emotionaleren Ansprache, um Zögerer, Skeptiker und Ignoranten zu bewegen, sich immunisieren zu lassen.
    Alan Benson, Berlin

  • Mir ist nicht erklärlich, warum wir nicht in der Lage sind, das Thema Impfpflicht offen und kontrovers zu diskutieren. Ich kann persönlich nicht erkennen, wieso eine Impfpflicht (selbstverständlich nicht bei medizinischen Risiken) so abwegig ist. Wegen des überwiegenden Interesses am Gemeinwohl bin ich dafür.
    Heinz Orth, Waldorf (Hessen)

  • Das Cover nebst Titelstory zeichnet das Bild vom ignoranten, zweifelnden und unsolidarischen in der »Corona-Sonne« liegenden Corona-Ignorierers. Tendenziöser geht es kaum, und der Artikel schafft es tatsächlich, den Druck zu erhöhen und mir ein schlechtes Gewissen »einzuimpfen«. Aussagen wie »Impfverweigerer stellen ihre eigenen Vorbehalte über den Schutz der Allgemeinheit« oder »eine ganze Gesellschaft muss Rücksicht auf die Verweigerer nehmen« tragen dazu bei, dass die Gräben sich noch mehr vertiefen, dass man an seinem eigenen Solidaritätsbewusstsein zweifelt. Als treue SPIEGEL-Leserin hätte ich mir mehr Objektivität und Neutralität erwartet und gewünscht.
    Angelika Preyer-Glöckler, Ingoldingen (Bad.-Württ.)

Ein undankbares Geschäft

Nr. 28/2021 SPIEGEL-Gespräch mit Karl Lauterbach über sein Leben und Leiden als Corona-Erklärer 

  • Karl Lauterbach hat die Provokationen der Interviewer klug gekontert. Der Mann ist besser als gut: kompetent, belesen, meinungsstark und selbstsicher. Gesundheitspolitisch hat er Wichtiges mit erreicht und verfügt über Visionen für die Zukunft. Er gefällt mir immer besser.
    Dr. Harald Groth, Delmenhorst (Nieders.)

  • Dass die Auftritte oder Äußerungen von Karl Lauterbach immer Werbung für die SPD sind, ist wohl eine sehr einseitige Wahrnehmung der SPIEGEL-Redakteure. Die Vorstellung eines Gesundheitsministers Lauterbach mit der Perspektive eines Dauerlockdowns lässt zumindest mir den Schrecken in die Glieder fahren.
    Christian Maier, Memmingen (Bayern)

  • Lauterbachs Antworten sind garantiert unvollständig wiedergegeben, sonst müsste in jedem Satz mindestens einmal ein »also« zu lesen sein.
    Walter Krombach, Rüsselsheim (Hessen)

  • Am Beispiel von Karl Lauterbach sieht man, dass der Beruf Bundestagsabgeordneter ein undankbares Geschäft ist. Jedenfalls für die meisten.
    Lothar Wirth, Berlin

  • Karl Lauterbach ist einer der seriösesten, präzisesten und unaufgeregtesten Wissenschaftler in der Coronakrise gewesen. Es ist gut, eine solche Koryphäe zu haben. Seine Medienpräsenz ist durch sein Engagement begründet und nicht durch Eitelkeit wie bei manch anderen. Diejenigen, die gegen ihn pöbeln, müssten nur einmal sehr genau zuhören, was er sagt.
    Dr. Eckard Kuhn, Rosengarten (Nieders.)

Affektgesteuerte Säugetiere

Nr. 29/2021 Essay: Ullrich Fichtner über Impfskepsis und irrationale Ängste in der Pandemie 

  • Für den hervorragenden Essay verdient Ullrich Fichtner eine Auszeichnung. Leider muss man sich vergegenwärtigen, dass wieder zu wenige Leute ihn konzentriert lesen werden. Deshalb in aller Kürze das Fazit, das meiner Gewissheit als Hochschulmediziner entspricht: Impfen ist die Rettung.
    Dr. Klaus Sprenger, Heilbronn

  • Die Menschen glauben, dass sie sich von den Tieren durch ihre Vernunft unterscheiden. Sie glauben zwar, vernünftig zu handeln, sind aber leider affektgesteuerte Säugetiere. Der »Kopf« kann nur dann gegen den »Bauch« entscheiden, wenn er durch Aneignung von Wissen, Sachverstand und die Bereitschaft zur Diskussion von Dissonanzen die Oberhand behält.
    Helmut Georgi, Bremen

  • Ein ausgezeichneter Übersichtsartikel, der Pflichtlektüre für alle selbstgefälligen Tatsachenverdreher, Verschwörungstheoretiker und Nebelwerfer sein sollte.
    Robert Günther, Mainz

  • Dem ist nichts hinzuzufügen, ein toller Essay. Ich hoffe, dass ihn viele Leute lesen und auch annehmen. Ein Text ohne Skandalisierung, so wie ich es mir wieder öfter vom SPIEGEL, den ich seit über 50 Jahren lese, wünsche.
    Heinz Köhnen, Kiel

  • Der Essay von Ullrich Fichtner ist einer der besten, die ich im SPIEGEL gelesen habe: umfangreich recherchiert, wissenschaftlich fundiert, ausgewogen und verdammt gut geschrieben. Glückwunsch an den Autor.
    Prof. Dr. Wolfgang Pippke, Soest (NRW)

Nr. 28/2021 Leitartikel: Von der Leyen ist viel zu nachsichtig gegenüber Ungarn und Polen 

  • Die EU-Staatschefs und Kommissionspräsidentin von der Leyen müssen Ungarn, Polen und Slowenien vor die Wahl stellen: Rückkehr zu den gemeinsamen Werten oder Rausschmiss.
    Peter Drewitzki, Zweibrücken (Rhld.-Pf.)

Nr. 28/2021 Das rasante, traurige Leben des Tilman Jens 

  • Dieser schonungslose Beitrag geht unter die Haut. Das Beispiel eines familiären Zerwürfnisses zwischen geistigen Höhen und zerstörender Ekstase. Am Ende bleibt nur Tragik und die Frage: »Lag das Schicksal des Menschen Tilman Jens allein in seiner Hand?«
    Dr. Dieter Barth, Münster-Wolbeck (NRW)

Nr. 29/2021 Was ein Forscher in Saurierkot entdeckte 

  • Urzeitkäfer, die dem Betrachter des Dinokots in der Röntgen-Mikrotomografie »genau ins Gesicht« starren – ich musste sofort an den Loriot-Comic über die Steinlaus denken, köstlich.
    Werner Schoninger, Berlin

Wahrgenommen und wertgeschätzt

Nr. 28/2021 Essay: Was man heute noch sagen darf 

  • Ich bin Jahrgang 1966, weiblich, weiß, habe einen »Nazi-Hintergrund« und bin in jeder Hinsicht privilegiert. Meine Kinder sind etwa 30 Jahre jünger, und dank ihnen nehme ich am Diskurs über die Veränderung der deutschen Sprache teil. Ich liebe Sprache und hielt ihre Schönheit zunächst für ein hohes Gut, sodass ich mich gerne an alle alten Zöpfe klammerte. Ich habe dazugelernt: Ich habe mich mit meinem eigenen Alltagsrassismus beschäftigt und erkannt, dass es falsch ist, wenn Privilegierte denjenigen, die Diskriminierungserfahrungen machen, erklären, wie sie auf die Beleidigungen zu reagieren haben. Was Diskriminierungserfahrungen mit Betroffenen macht, ist sehr unterschiedlich. Aber warum schwingen wir uns auf, denjenigen, die wir etwa durch eine unbedachte Äußerung verletzt haben, auch noch zu erklären, wann sie verletzt sein dürfen? Für die Mehrheitsgesellschaft geht es nur um einzelne Wörter, die sie, einmal als verletzend erkannt, aus ihrem Sprachgebrauch verbannen sollen. Für die diskriminierte Minderheit geht es mitunter ums Ganze. Etwa darum, sich zugehörig, wahrgenommen, wertgeschätzt und gleichwertig zu fühlen, weil man ihnen zeigt, dass sie zugehörig, wahrgenommen, wertgeschätzt und gleichwertig sind.
    Stefanie Marsan, Krefeld

Im warmen Regierungssessel beschlossen

Nr. 28/2021 Nach dem Abzug der US-Soldaten nehmen die Islamisten Bezirk um Bezirk ein. Und in Deutschland leiden viele Veteranen unter ihrem Kriegstrauma 

  • Ein sehr treffender Bericht über Soldaten, deren Einsätze und nachfolgende seelische Verarbeitung. Der Historiker Sönke Neitzel bringt es auf den Punkt: Die Politiker sind dafür verantwortlich, wie die Gesellschaft mit Soldaten umgeht. Eine Armee ohne Töten und ohne militärische Handlungen? Schwer vorstellbar. Bleiben wir realistisch und verachten nicht die Soldaten für ihren manchmal grausamen Job und vergessen nicht, dass die Einsätze im warmen Regierungssessel beschlossen werden.
    Werner Heilmann, Riegel am Kaiserstuhl (Bad.-Württ.)

  • Wenn Deutschland auch gute Argumente für seine militärische Zurückhaltung hat, ist der Umgang mit der Bundeswehr einfach unwürdig. Man muss kein Militarist sein, um zu begreifen, dass wir den Weltfrieden nicht erschwindeln können, indem wir die Augen vor Gefährdungen verschließen. Aber Waffen in Krisengebiete zu verkaufen und gleichzeitig die eigenen Soldaten schlecht auszurüsten und halbherzig in Kampfeinsätze zu schicken, ohne ihren Einsatz anzuerkennen, ist eine Schande.
    Dr. Brigitte Halewitsch, Köln

  • Die Erkenntnis von Brigadegeneral Sembritzki, dass die Entscheidung, zum Militär zu gehen, im Kern letztlich Tod und töten bedeutet, ist so präzise wie zutreffend. Aber wie stumpf muss ich als Mensch sein, wenn es mich befriedigt, dieser üblen Aufgabe gerecht geworden zu sein?
    Regine Ulbrich, Buchholz in der Nordheide (Nieders.)

Polemisch durch die Pandemie?

Nr. 28/2021 Die Gegendarstellung: Stoppt die Ideendiebe

  • Ein doppeltes Lob für Ihre Kolumne über das Urheberrecht. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich kann auch die »Einladung« unseres sehr verehrten Papstes und des US-Präsidenten an alle möglichen Plagiatspiraten nicht nachvollziehen, sich ohne eigene Mühen und Kosten an geistigem Eigentum zu vergreifen.
    Jean Dörnbrack, Berlin

  • Polemisch durch die Pandemie? Dieses eindimensionale Denken wird uns dabei nicht helfen. Das Aussetzen von Patenten ist kein Diebstahl, und es hülfe der Blick auf die »anderen«, denen man den befristeten, kostenfreien Nutzen ermöglichen will. Dort gibt es womöglich gar keine leckeren Brötchen vor oder hinter einer Paywall. An den »Hunderten Millionen« Kosten im Fall Biontech waren übrigens auch die Steuerzahler beteiligt. Und Annalena Baerbock, deren Übernahme fremder Formulierungen von Allgemeinplätzen sicher niemand den Ruhm kosten wird, gleich zweimal als Diebin zu beschreiben, ist schon bemerkenswert. Es ist nicht gleich gottlos oder unmoralisch, wenn es mal nicht allein ums Geld geht.
    Rolf Boscheinen, Hamburg

  • Ideendiebe, schreibt Herr Neubacher, gefährden unsere Zukunft. Kommt auf die Idee an, würde ich sagen. Kluge Gedanken gehören, wenn sie tatsächlich gut sind, auf schnellstem Wege hinaus in die Welt – mit oder ohne Quellenangabe. Auch in Sachbücher und gern auf alle Kanäle, die Reichweite haben. Wissensgesellschaft eben. Ist es nun fünf vor zwölf oder nicht?
    Martin Meffert, Lauterbach (Hessen)

  • Schön, dass Sie beim anscheinend salonfähig werdenden Ideenklau auch ein wenig die schweigende Seite – nämlich die der Opfer – beleuchten. Aber warum hat nie irgendjemand so ein Plagiatsopfer interviewt? Da gibt es nämlich noch ein anderes, viel übleres Problem, über das zu sprechen lohnen würde: wenn Plagiateure mit ihren fehlenden Kenntnissen zu dem abgekupferten Text noch ihre eigenen dämlichen Fehler dazuschmieren. Womöglich solch peinliche Fehler, dass das arme Plagiatsopfer sich am Ende auch noch von diesem Stuss distanzieren muss.
    Dr. Irene Schwier, Hamburg

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