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Briefe

Börsen-Hype, Deutschlands Verwaltung und Rufmord waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 24/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • Ganz wunderbar! Und wieder einmal ist es Ihnen gelungen, den Finger in die Wunde zu legen, sachlich begründet, mit Fakten unterfüttert, im gewohnt charmanten Stil und seelenruhig »dem Volk aufs Maul geschaut«. Unerträgliche Beispiele von überheblichen und arroganten Interviewpartnern, die nichts Besseres zu tun haben, als das höchstwahrscheinlich hart erarbeitete Geld der Eltern so verplempern zu wollen, es im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fenster schmeißen zu wollen.
    Olav Garz, Hünfelden-Dauborn (Hessen)

  • Die Frage drängt sich auf: Sind Kryptowährungen nur eine perfide Art eines Pyramiden- oder Schneeballsystems? Einige verdienen mit rein virtuellen Werten viel reales Geld, während andere viel reales Geld mit rein virtuellen Werten verlieren. Dazu ist das alles enorm umweltschädlich.
    Julius Bauer, Wien (Österr.)

  • Die Titelstory fand ich großartig. Man erfährt eindrucksvoll, wie die Börse in der Vergangenheit funktionierte, wie sie die Gegenwart widerspiegelt und wie sie deuten kann, was sich in der Zukunft erwarten lässt.
    Lambert Kottler, Gernsbach (Bad.-Württ.)

  • Meine Frau und ich erlagen im Jahr 2000 aufgrund frei verfügbaren Kapitals, das wir nicht zum Leben benötigten, den damaligen Verlockungen und investierten in verschiedene Aktienbereiche, ohne tatsächliche Ahnung zu haben. Nach anfänglichen Erfolgen kamen die Misserfolge, welche meist auf Tipps zurückzuführen waren, die diverse Ratgeberzeitschriften anpriesen. Nun scheint sich alles zu wiederholen, mit dem Unterschied, dass man es mit anonymen Institutionen zu tun hat. Die Verlockungen sind immer die gleichen, und eine Erkenntnis bleibt: Der Gewinn des einen basiert immer auf dem Verlust des anderen. Wenn ein Start-up mit einer angemieteten Fünfzimmerwohnung und »ultimativem Know-how« höher bewertet wird als eine solide mittelständische Firma mit guten Produkten, kann irgendetwas nicht stimmen.
    Peter Januszewski, Berlin

Verloren im Paragrafendschungel

Nr. 22/2021 Deutschlands Verwaltung braucht eine Generalüberholung 

  • Es ist beschämend, dass eine reiche Nation wie unsere in der technischen Ausstattung ihrer Verwaltung im internationalen Vergleich so sehr hinterherhinkt und im Paragrafendschungel schier erstickt. Nicht weniger beschämend ist es, dass in vielen Amtsstuben das viel gepriesene Grundgesetz anscheinend bis heute nicht angekommen ist: Der Staat hat dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt.
    Lothar Kindereit, Rottenburg (Bad.-Württ.)

  • Die deutsche Bürokratie schafft sich ihr Eigenleben abseits des technologischen Fortschritts. Der Beamtenapparat zeichnet sich durch Beharrungsvermögen gegen Änderungen aus. Da es anstelle eines Leistungsprinzips nur ein Vollversorgungsprinzip gibt, hat man wenig Anreiz, einen wirklichen Umbruch zu wollen. Einzelne gelungene Reformen verbreiten sich zu langsam. Statt immer mehr Verwaltungsbeamter müsste mehr fachkompetentes Personal für Digitalisierung, Organisation und Verfahrensoptimierung von außen abgestellt oder eingestellt werden.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

  • Den Artikel kann ich nur bestätigen, auch wenn das Beispiel Tesla schlecht gewählt ist, denn bei so einem Unternehmen ist man schon mal dankbar, wenn die Verwaltung lahmt und den Turbokapitalisten ausbremst. Es fällt auf, dass von der Digitalisierung immer als großer Gefahr oder großer Chance gesprochen wird. Nur bei den Ländern und Kommunen wohl nicht, denn die mieten immer neue Gebäude für ihre Verwaltungen an. Wahrscheinlich drucken die den Inhalt ganzer Festplatten aus und heften ihn ab.
    Claus Hansen, Brokenlande (Schl. Holst.)

  • Die Aussage, die Zeit sei reif für eine »grundlegende Modernisierung der deutschen Verwaltung«, ist sicher richtig. Indessen ist der von Ihnen zitierte Herr Johannes Ludewig mit seiner Forderung nach einem »Bürokratieabbau« hierfür sicherlich kein geeigneter Zeuge. Er verdankt seine Karriere im öffentlichen Dienst (zuletzt »Spitzenbeamter im Bundeskanzleramt«) wohl maßgeblich seiner langjährigen und treuen Parteizugehörigkeit bei der CDU. 1997 wurde er sogar mit dem Posten des Vorstandsvorsitzenden bei der Deutschen Bahn »belohnt«. Als Ökonom sollte er die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft kennen. Einer ihrer tragenden lautet: Eine starke Wirtschaft braucht einen starken Staat. Also: Wir brauchen eine Modernisierung der deutschen Verwaltung, aber keineswegs deren Abbau.
    Siegfried Bierwirth, Rheinbach (NRW)

Ein irreparabler Schaden

Nr. 22/2021 Wie ein Erzieher als Kinderschänder diffamiert wurde 

  • Ich hatte bereits zuvor tiefe Achtung vor Ihrer journalistischen Unabhängigkeit, aber mit diesem Artikel beweist der SPIEGEL darüber hinaus ein extrem hohes Maß an Mut und Neutralität. Mein Respekt gilt auch der relativ besonnenen Reaktion der breiten Öffentlichkeit auf diesen unsäglichen Fall.
    Bernd Neumaier, Berlin

  • Ein sehr wichtiger, erschütternder Bericht. Es entsetzt mich ebenfalls, dass sich die Staatsanwaltschaft weigert, gegen die Verursacherin dieses unglaublich grausamen Rufmords ein Verfahren wegen Vortäuschung einer Straftat einzuleiten. Haben wir noch einen Rechtsstaat?
    Gerd Ullmann, Alfter (NRW)

  • Mein Dank für diesen aufwühlenden Bericht. Die Reportage versucht, die hoffentlich noch nicht »verlorene Ehre des Frank M.« zu retten, spricht den zu Unrecht beschuldigten Erzieher frei von jeglichem Fehlverhalten, steht auf der Seite des Rechts und der Gerechtigkeit, deutet zudem ein mögliches Motiv der unglaubwürdigen Kläger an, die offenbar inzwischen vor ihren eigenen Lügen geflohen sind – »wohin, weiß niemand«.
    Dr. Fred Maurer, Mannheim

  • Dieser Fall ist mehr als Rufmord, er ist die Vernichtung eines Menschen und seiner Existenz. Das beinhaltet auch seine lebenslange Traumatisierung. Der durch die Eltern und allen anderen Mitverbreitern angerichtete Schaden ist irreparabel.
    Günter Knop, Hüttenberg (Hessen)

  • Eine schreckliche Geschichte. Als Gesellschaft müssen wir uns schützen, Plattformbetreiber und Versender von Falschinformationen zur Rechenschaft ziehen. Vor allem aber bedarf es eines Bewusstseinswandels in jedem und jeder von uns. Ich trage Verantwortung für das, was ich weitergebe und verbreite, ich muss mich vor jedem Klick fragen: Bin ich sicher, dass ich Wahrheit weitergebe – und wem schade ich?
    John Stevens, Bad Münstereifel (NRW)

Unabsehbare Folgen

Nr. 22/2021 Wie ein 18-Jähriger durch die Pandemie kommt 

  • Anhand der Geschichte des 18-jährigen Leonardo wird eindrücklich veranschaulicht, wie sich die Coronakrise auf die Jugendlichen auswirkt und welche Irrungen und Wirrungen sich daraus ergeben. Dabei trifft der Bericht voll ins Schwarze. Bei der Lektüre dachte ich sofort an meinen jüngeren Bruder, 15. In den vergangenen Monaten hat er eine ähnliche Entwicklung durchlaufen. Auch ihn hat die Coronakrise komplett aus der Bahn geworfen: Aus einem Energiebündel, das sich für keinen Spaß zu schade war, wurde ein mürrischer, in sich gekehrter Mensch, der die Welt nicht mehr verstand. Dank der sinkenden Inzidenzen kann er endlich wieder in die Schule und bekommt sein Leben allmählich wieder in den Griff. Aber ich fürchte, dass viele Gleichaltrige es nicht schaffen, aus diesem Loch zu entkommen. Die Folgen werden sie ein Leben lang begleiten. Ich hoffe, dass Sie dieses Thema auch in den kommenden Ausgaben wieder aufgreifen, der Coronaknick, den Kinder und Jugendliche durchgemacht haben, wird unsere gesamte Gesellschaft noch sehr intensiv beschäftigen.
    Jeremy Teutsch, Student, Tübingen

Selbstgefällige Bildwahl?

Nr. 22/2021 Nur mit strategischer Geduld lässt sich Putin eindämmen 

  • Über dem Leitartikel wird ein Foto einer »Belarus-Aktivistin in Warschau« gezeigt. Die junge Frau trägt ein Shirt oder Kleid, dessen Ausschnitt fast bis zum Bauchnabel reicht, ohne BH darunter, versteht sich. Warum druckt der SPIEGEL zu so einem ernsten Thema so ein Foto ab? Was will die Redaktion damit bei Leserinnen und Lesern erreichen? Wenn das Gerede über die Selbstgefälligkeit alter weißer Männer nervt, dann sollte sich der SPIEGEL nicht so verhalten, dass ich als Leserin denken muss, dass bei der Fotowahl nur ein Mann – und ganz bestimmt ein älteres, ewig gestriges Exemplar – am Werk gewesen sein kann.
    Mechtild Blankenagel, Berlin

Aus der Luft gerissen

Nr. 22/2021 Die Entführung einer Passagiermaschine zeigt die Rachsucht von Machthaber Alexander Lukaschenko 

  • Die EU hat sich bislang fast ohne Ausnahme dadurch ausgezeichnet, dass es kaum möglich war, alle Mitgliedsländer unter ein Dach zu bringen. Schon gar nicht innerhalb von nur zwei Tagen. Die durch den belarussischen Staatspräsidenten Lukaschenko wohl angeordnete Entführung eines Passagierflugzeugs hat zu einer fast unglaublichen und vor allem auch kurzfristigen Solidarisierung unter den EU-Staaten geführt. Dies ist Lukaschenko zu verdanken. So kann auch eine kriminelle Tat noch etwas Gutes haben. Loben sollte man ihn dafür aber nicht.
    Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)

  • Lukaschenko wird häufig als letzter Diktator Europas bezeichnet. Dabei gibt es noch eine Reihe anderer Anwärter, die ebenfalls in diese Kategorie fallen könnten, aber eher als Autokraten beschrieben werden. Kennzeichnend sind Einschränkungen und Verletzungen von Menschenrechten, Manipulation der Wahlen, besonders aber auch eine angestrebte Präsidentschaft auf Lebenszeit. Entsprechend hart ist das Vorgehen gegen jegliche Opposition.
    Dieter Wurzel, Bad Zwischenahn (Nieders.)

  • Am Pfingstfest danken wir für den Heiligen Geist – in diesem Jahr fiel dies auf den Tag unseres Grundgesetzes, den 23. Mai. Mitten in Europa zeigt sich am selben Tag der Ungeist der Unterdrückung freier Rede durch eine erzwungene Flugzeuglandung. In unserer Schulklasse 8b in der katholischen Sankt-Paulus-Schule in Billstedt haben wir daher die völlige »Unselbstverständlichkeit« thematisiert, dass uns das Grundgesetz die freie Meinungsäußerung garantiert.
    Bettina Meinert, Lothar Remer, Felix Evers, Hamburg

  • Zwei Menschen werden Europa entrissen. Die wie immer wirkungslose Sanktionsspirale beginnt sich zu drehen. Einmal anders und überraschend wäre dieses Szenario: Steinmeier und Van der Bellen kündigen den Besuch mit einer EU-Delegation bei Lukaschenko an. Biden führt ein verbindliches Gespräch mit Putin. Europa könnte dadurch den später notwendigen Besuch des Trauergottesdienstes für Protassewitsch verhindern. Mit dieser Herausforderung würde auch der gezeigte Respekt vor Sophie Scholl und all den anderen Widerstandskämpferinnen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, eine andere Dimension erlangen.
    Harald Büchele, Innsbruck (Österr.)

Nr. 22/2021 Ethikrat-Mitglied Muna Tatari über muslimisches Leben in der Pandemie 

  • Am Ende des Interviews mit Frau Tatari habe ich einen Satz vermisst, dem ich mich eigentlich gerne von Herzen angeschlossen hätte: »Frau Tatari, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.«
    Alex Bauch, Freiburg

Nr. 22/2021 Professorin Verina Wild im Interview über Public Health 

  • Ein kleiner Artikel, große Bedeutung: Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit. Wir benötigen Aufklärung der Bevölkerung über Ernährung und Hygiene, ein gemeinnütziges staatliches Gesundheitswesen und eine Patientenversorgung, die auf den Säulen Vorsorge, Schulmedizin und Alternativmedizin ruht.
    Robert Wunder, Nürnberg

Nr. 22/2021 Die Agenda von US-Präsident Joe Biden gerät ins Stocken 

  • Vielen Dank an Roland Nelles für die sehr interessante und sehr gute Analyse. Ich hoffe, US-Präsident Joe Biden zieht im Senat die »nukleare Option«. Ein derart archaisches Instrument wie der Filibuster gehört abgeschafft.
    Werner Seeliger, Stuttgart

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