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Leserbriefe

Die Krise der katholischen Kirche, die Verteilung der Impfstoffe und das Versagen der Ämter im Fall Lügde waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 22/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Foto: Illustration: Brian Stauffer / DER SPIEGEL
  • Vielen Dank für den ausgezeichneten, keineswegs polemischen Beitrag über Aufbrüche und Aktivitäten an der Basis, die sich immer weniger um die spätmittelalterlich-absolutistisch fixierten Betonköpfe in Rom kümmert. Papst Franziskus möchte ich hier ausnehmen, er sitzt nicht nur auf dem Heiligen Stuhl, sondern vielmehr zwischen allen Stühlen. Bei den Neubesetzungen des Kardinalkollegiums, das früher oder später seinen Nachfolger zu wählen hat, bemüht er sich um vorsichtige Neuorientierung.
    Hans Gercke, Heidelberg

  • Die Kirche hat in der Tat akute Probleme. Was sie aber qua ihres Auftrags, nämlich das Evangelium zu verkünden, nicht tun kann, ist, den Glaubensinhalt den Forderungen von Laien anzupassen. Jene Katholiken und Katholikinnen, die nach Frauenordination und Homo-Ehe rufen, haben auch mit anderen Kerninhalten des Katholizismus Probleme, etwa der Transsubstantiationslehre, dem Papstamt oder dem Beichtsakrament. Doch anstatt die Kirche zu wechseln, wollen sie die katholische Kirche in eine weitere protestantische transformieren.
    Benjamin Wellinger, Berlin

  • Ich möchte Ihnen danken, dass Sie die Machenschaften dieses Verbrechervereins so gut recherchiert und aufgedeckt haben. Käme Jesus zurück, er würde diese Pharisäer aus dem Tempel Vatikan jagen.
    Gabriella-Mireille Bolz, Darmstadt

  • Es ist eine Mär, dass die Kirchen eine unverzichtbare Säule der Gesellschaft sind. Kirchliche Krankenhäuser werden vollständig vom Staat finanziert, Kindergärten und Schulen ähnlich hoch wie andere Träger. Alle, die sich scheiden lassen, sich als Homosexuelle outen oder aus der Kirche austreten wollen, müssen, wenn sie bei kirchlichen Einrichtungen arbeiten, um ihren Arbeitsplatz fürchten. Welch eine Diskriminierung im Namen des Herrn. Alles dank staatlich legitimiertem Sonderarbeitsrecht der Kirchen. Wäre bekannt, wie viel der Kirchensteuereinnahmen in karitative Zwecke fließen, würden die Austrittszahlen noch weiter ansteigen.
    Nicole Sonneborn und Axel Püschel, Bad Nauheim (Hessen)

  • Aus eigener Erfahrung (zwei Priester in der Verwandtschaft) weiß ich um eine breite Reformbereitschaft unter Klerikern. Sie sind dabei auf die Unterstützung ihrer Gemeindemitglieder angewiesen. Wäre da nicht eine Zusammenarbeit produktiver als ein Sich-Abwenden?
    Lisa Berger, Heidelberg

  • Revolten von der Basis wie Maria 2.0 erklären: Hinter uns steht die Öffentlichkeit. Die Bischöfe kontern: Hinter uns steht Gott. An diesem Argument sind bisher alle Reformbewegungen gescheitert.
    Karlheinz Wolf, München

  • Schon vor mehr als 60 Jahren, als ich aus der Kirche austrat, war ich der Meinung, dass diese Institution bei Betrachtung ihres Verhaltens in der Geschichte und in der Gegenwart in jedem Rechtsstaat als kriminelle Vereinigung eingestuft werden sollte.
    Peter Heinrichs, München

Überflüssige Neiddebatte

Nr. 20/2021 Gebt Biontech den Jüngeren!

  • Ich finde es erschreckend, wie sich der SPIEGEL am Senioren-Bashing und der Entsolidarisierung der Gesellschaft beteiligt. Als über 60-Jähriger würde ich mich auch mit AstraZeneca impfen lassen. Aber das lässt sich doch nicht vorschreiben. Die Freiheit der Entscheidung, die sonst im Kontext der Coronakrise überall – zu Recht – sehr hochgehalten wird, gilt in gleicher Weise für die 60-plus-Personengruppe.
    Dirk Riggers, Heikendorf (Schl.-Holst.)

  • Mein Mann und ich (65 und 67 Jahre) haben uns mit AstraZeneca impfen lassen. Nie wären wir auf die Idee gekommen, Biontech oder Moderna zu verlangen. Diese Impfstoffe gehören unseren Kindern! Unser kleiner Beitrag zur Generationengerechtigkeit.
    Dorothea Kopp, Karlsruhe

  • Werden Rentenbezieher angeprangert, weil sie die Erhöhung nicht postwendend an die Versicherungsträger zurückerstattet haben? Die Versorgung mit Impfdosen nimmt stetig zu, die Priorisierung wird in absehbarer Zeit entfallen. Etwas Geduld, besonnenes und rücksichtsvolles Handeln bei allen Beteiligten bringt uns weiter. Spalter und Besserwisser gibt es in dieser Pandemie schon genug.
    Reinhard Wölfel, Würzburg

  • Wären die älteren Menschen gefragt worden, ob sie den Impfstoff ihren Kindern oder Enkelkindern zur Verfügung stellen, was meinen Sie, wie hätten diese Menschen entschieden? Zu der Frage, welcher Impfstoff an die Älteren verimpft wird, kann ich nur sagen, dass man keineswegs wählen kann. Ich zum Beispiel hätte gern eine andere Vakzine genommen und Biontech meiner berufstätigen Tochter gegeben. Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die so entschieden hätte.
    Karin Patt-Hammerschmidt, Koblenz

  • Der Leitartikel trifft es. So wie es ist, ist es nicht schön. Ich bin über 60, helfe als Impfarzt beim Impfen. Und ich erlebe genau das, was Sie beschreiben und kritisieren. Nicht immer, aber oft. Offensichtlich fehlt der politische Mut.
    Dr. Uli Pfaff, Bielefeld

  • Wieso nicht auch endlich mal: Her mit dem Konflikt der Geschlechter? Die ganze Zeit geht es rein um das Alter, aber es waren doch auch weit mehr Frauen als Männer von Hirnvenenthrombosen betroffen. Sollten wir nicht beide Faktoren kombinieren und entscheiden, dass AstraZeneca ab sofort an Männer über 60 verimpft wird?
    Kirsten Hildebrecht, Bremen

  • Dieser Kommentar besteht zu 100 Prozent aus Renten- und Impfneid und hat mit Fakten rein gar nichts zu tun: Alle Rentensteigerungen betreffen alle Renten. Nicht nur die der aktiven Rentner, sondern auch der zukünftigen. Eine Absenkung beträfe auch die kleine Rente der pensionierten Pflegerin. Ist das gewünscht?
    Peter Mewes, Hamburg

  • Nach Jahrzehnten des wirtschaftlichen Aufstiegs zeichnet sich seit Jahren eine Stagnation bis hin zu einem Rückgang des Wohlstands für die jüngeren Generationen ab. Was wir in dieser Situation unbedingt vermeiden sollten, ist eine Spaltung der Generationen, und genau das machen Sie mit Ihrem Artikel.
    Erich Breuer, Hagen im Bremischen (Nieders.)

  • Eine absolut überflüssige Neiddebatte, die Verträge mit AstraZeneca laufen sowieso aus. Jemand, der sich impfen lassen möchte, mit was auch immer, ist besser als jemand, der es aus Angst ganz bleiben lässt.
    Christina Lolk, Bremen

  • Ich habe mich, ohne zu zögern, mit AstraZeneca impfen lassen. Das habe ich als mündige Bürgerin selber entschieden. Ich sehe mich nicht als Schutzbedürftige und habe nie verlangt, dass andere verzichten, um mich zu schützen. Die Generationen gegeneinander aufzubringen scheint mir nicht der beste Weg für eine gesunde Auseinandersetzung zu sein.
    Martine Unterleitner, Raubling (Bayern)

Nr. 20/2021 Armin Laschet sollte Wahlkampf gegen die FDP führen

  • Lindners Devise, auf keinen Fall Steuererhöhungen mitzutragen, verhindert eine Koalition mit Grünen und SPD und die Rückkehr der FDP in den Kreis der staatstragenden Parteien – seine Karriere steuert damit auf ihr Ende zu.
    Alexander Kühn, Essen

Nr. 20/2021 Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler über Nato, Marx und zu hohe Mieten

  • Frau Wissler hat sich auf Objekte bezogen, die dem Wohnungsmarkt zur Spekulation entzogen werden. Elegant wäre es gewesen, ein Gesetz aus der Tasche zu ziehen, das dieses Problem angeht, und damit Wahlkampf zu machen.
    Robert Lüdtke, Tirana (Albanien)

Nr. 20/2021 Was ist gutes Deutsch? Ein SPIEGEL-Gespräch mit Autor Michael Maar

  • Genau dieses Gespräch! Eine Wohltat für Hirn und Gemüt! Das ist, als ob Corona vorbei wäre! Die Floskel, die bei mir eigentlich Hausverbot hat, passt hier sehr gut: nachhaltig.
    Sanda Unberath, Fürth

Die Schwächsten schützen

Nr. 20/2021 Wie die Ämter im Fall Lügde daran scheiterten, missbrauchte Kinder zu schützen

  • In Ihrem Artikel »Blinde Wächter« wird die Schuld am Versagen der Jugendbehörden, vor allem den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, gegeben. Aus meiner jahrelangen Supervisionserfahrung bei Jugendämtern stellt sich für mich als eine zentrale Frage, welches Budget für einen angemessenen Schutz der zu betreuenden Kinder und Jugendlichen zur Verfügung steht. So bleibt häufig die Unterbringung bei einem »netten Bekannten der Mutter, der auf einem Campingplatz haust«, so viel preiswerter, dass es vermutlich schwer durchzusetzen ist, eine heilpädagogische Einrichtung oder eine längerfristige sozialpädagogische Maßnahme zu installieren. Die Aufregung der Politiker im Düsseldorfer Landtag sollte darin münden, dass dem Jugendamt angemessene finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.
    Anna-Angelika Dibbern, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Köln

  • Wenn Herr Börschel als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses von einer kaltherzigen Verwaltungslogik spricht und sagt, Ähnliches wie in Lügde könne auch in anderen Jugendämtern passieren, trifft er den Nagel auf den Kopf. Als im Hamburger Jugendamt tätiger Sozialarbeiter bin ich deutlich mehr mit dem Abwickeln von Prozesslandschaften und dem formellen Abarbeiten von PC-Vorgaben beschäftigt als mit praktischem Kinderschutz, persönlichen Gesprächen mit den Beteiligten.
    Jochen Schulz, Hamburg

  • Die Grundgesetzänderung zu den Kinderrechten ist notwendig. Aber der Fall Lügde macht deutlich, dass die Sätze aus dem Gesetzentwurf: »Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen« und »Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt« das Kindeswohl nicht sicherstellen können. Die Kindesmutter bringt ihr Kind bei einem Pädophilen unter und bekommt hierbei Hilfe durch das Jugendamt. Wo leben wir eigentlich, wenn wir die Schwächsten nicht schützen können?
    Gottfried Meyer-Hoffmann, Steinhagen (NRW)

Chance verpasst

Nr. 20/2021 Kaum Kontrolle von Lehrern im Distanzunterricht

  • Obwohl die ersten Schulschließungen über ein Jahr zurückliegen, haben es die politisch Verantwortlichen bis heute nicht geschafft, die Schulen und uns Lehrkräfte technisch so auszustatten, dass ein pädagogisch sinnvoller und zeitgemäßer Onlineunterricht möglich ist. Es gibt bei Weitem nicht genug PC-Arbeitsplätze für alle Kolleginnen und Kollegen, dienstliche Endgeräte zur häuslichen Nutzung haben wir auch keine. Dass ich bei sämtlichen technischen Problemen auf mich allein gestellt bin, wollten mir Freunde, die in der freien Wirtschaft arbeiten und selbstverständlich Arbeitsgeräte zur Verfügung gestellt bekommen, nicht glauben. Sie sollten lieber die Politik für die seit Jahren vollkommen verschlafene Digitalisierung des Schulwesens kritisieren.
    Olaf Wickenhöfer, Allendorf/Eder (Hessen)

  • Das grundlegende Versäumnis ist nicht bei aus welchen Gründen auch immer unmotivierten und unfähigen Lehrerinnen und Lehrern zu suchen, sondern in der antizipatorischen Unfähigkeit der Bildungsministerien und Schulämter. Die Pandemie hätte eine echte Chance werden können, die Digitalisierung der Schulen vom Grunde her neu zu konzipieren. Doch die technische Ausstattung und Wartung hängt immer noch von den persönlichen Neigungen und Fähigkeiten Einzelner ab.
    Eva Dolo, Stuttgart

  • Fernunterricht, Erklärvideos und Chatten, zum Teil beobachtet von der ganzen Familie eines Grundschulkindes, sind weder Voraussetzung noch Bestandteil der Ausbildung einer Lehrkraft. Weshalb werden diese Kenntnisse dann immer wieder als selbstverständlich vorausgesetzt? Mit der gleichen Logik könnten Sie fordern, dass YouTuber und YouTuberinnen als Nachhilfslehrkräfte in die Schulen gehen.
    Michael Meisenzahl, Karlstadt (Bayern)

Respekt für junge Menschen

Nr. 20/2021 Vor 50 Jahren entwarf die »Sesamstraße« eine buntere Gesellschaft – mit Erfolg?

  • Was für eine tolle Zeitreise durch die Republik. Einer der besten Artikel, die ich je im SPIEGEL gelesen habe. Mein größter Wunsch ist, noch einmal diese Toleranz der Siebzigerjahre in der Sesamstraße in diesem heutigen Deutschland zu erleben.
    Dagmar Mleziva, Bielefeld

  • Danke an Hauke Goos für dieses trefflich gelungene Vexierbild unserer deutschen Gesellschaft vor genau 50 Jahren am Beispiel der Sesamstraße; das Jahr 1971 als Probejahr einer liberalen deutschen Gesinnung – die uns gegenwärtig wieder abhandenzukommen droht – wider jede hermetische Panzermentalität.
    Peter Pypelinx, Bad Malente (Schl.-Holst.)

  • Wir gründeten 1971 im Westen Hamburgs einen selbst organisierten Kinderladen. Wir wollten unseren Kindern eine andere Möglichkeit des Aufwachsens bieten, im Gegensatz zu den recht autoritären Erziehungsmethoden, die wir selbst erfahren hatten. Wir fanden es wichtig, dass Kinder Neugier lernten und Fragen stellten, warum etwas so ist. Und dann kam eines Tages das Team der Sesamstraße, filmte und berichtete über unsere Initiative. Wir gründeten in Hamburg-Groß Flottbek einen betreuten Abenteuerspielplatz, den es auch heute noch gibt, den Elbe-Aktiv-Spielplatz e. V. Hier konnten Kinder bauen und klettern und selbst gestalten. Solche öffentlichen Spielanlagen vermisse ich heute. Wie können wir denn erwarten, dass sich Erwachsene in unserer Demokratie engagieren, wenn sie nicht von klein auf gelernt haben, dass ihre Fragen zählen, man nichts einfach hinnehmen muss, dass auch junge Menschen Respekt benötigen? Sie sollen doch eine hoffentlich nachhaltigere Welt entwickeln.
    Dr. Irene Schöne, Ökologische Ökonomin, Kiel

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