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Leserbriefe

Die Flutkatastrophe, die Auktionsplattform Ebay, Inflation und der Verkauf einer LSD-ähnlichen Droge waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 31/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • Vielen Dank für Ihre emotionale und wachrüttelnde Titelstory über die Hochwasserkatastrophe. Ihre Recherche deckt die Missstände in unserem Land auf. Zuständigkeiten werden hin- und hergeschoben wie auf dem Reißbrett, ohne sich um das entstehende Leid auf schnellstem Weg zu kümmern. Wie in der Pandemie auch hier wieder Versagen auf breiter Front. Beeindruckend ist lediglich der Zusammenhalt in der Bevölkerung. Nicht zuletzt habe ich auch Hochachtung vor Ihren Mitarbeitern wie Herrn Polonyi, der sofort die Lage erkannte und zur Schaufel griff. Chapeau!
    Hans-Georg Bolz, Florstadt (Hessen)

  • Ich war am Freitag unfreiwillig in Ahrweiler, das Navi schaffte die Umleitungen nicht mehr, und ein freundlicher Zeitgenosse hatte eine Absperrung auf die Seite geschoben. So folgte ich einigen Fahrzeugen mit Kennzeichen AW. Was ich sah, ist nicht zu beschreiben, zerstörte Häuser, Berge von verschlammtem Müll, das gesamte Hab und Gut der Bewohner von Ahrweiler Müll, der vom THW auf riesige Lkw geladen wurde. Das einst liebenswerte Städtchen ist seit einer Woche kaputt, ohne Wasser und Strom, die Menschen notdürftig versorgt von DRK und Lebenshilfe. Wer das gesehen hat, schämt sich, selbst Küche und Bad mit Strom und Wasser zu haben. Es ist nur zu hoffen, dass unser »verwalteter Staat« die Mittel und den richtigen Weg findet, diesen Menschen ein wertes Leben und ihre Würde zurückzugeben. Das Leid kann man nicht bezahlen.
    Helmut Frank, Bad Ems (Rhld.-Pf.)

  • Diese Naturkatastrophe hat uns knallhart vor Augen geführt, wie hilflos der Mensch ist, trotz einer hoch technologisierten und digitalen Welt. Eine Katastrophe, die alles mit sich riss, darunter Menschen und ganze Existenzen. Es wurden Infrastrukturen zerstört – und es wird Monate oder gar Jahre dauern, um diese klaffenden Wunden wieder zu schließen.
    Detlef von Seggern, Pforzheim

  • Das Cover der Ausgabe und die Berichterstattung haben mich überzeugt, dass Sie fundierten Journalismus nah am Puls der Menschen betreiben. Genau das habe ich gesucht und gefunden: kritische Berichterstattung anstatt Hofjournalismus und Kotau vor den Regierenden. Das Bild auf dem Cover, die Dame auf dem Sofa, die bei allem Verlust ihre Würde behält, spricht mir aus dem Herzen und ergreift mich, ohne in Kitsch oder Gefühligkeit abzugleiten.
    Alexander Schmitt, Burg (Rhld.-Pf.)

  • In der Bibel geht ein Regenbogen nach der Sintflut über der Erde auf und kündet von göttlicher Bündnistreue; wir hoffen alle auf einen solchen Regenbogen im Katastrophengebiet. Danke an alle Einsatzkräfte.
    Ingeborg Ziethen, Ratzeburg (Schl.-Holst.)

  • Ich habe im Juni 2016 in der Grafschaft Nierendorf (fünf Kilometer Luftlinie von Bad Neuenahr entfernt) solch eine Überflutung miterlebt. Am Ende war kein Amt dafür verantwortlich. Damals wurden viele Pläne gemacht, und ein neuer Damm wurde versprochen. Dann hat man Jahre nichts gehört, und zum Schluss wurde von einer Vollendung nicht vor 2026 gesprochen. So weit unsere Bürokratie, die sich in alle Lebensbereiche der Bürger einmischt, aber am Ende keine Verantwortung tragen will.
    Peter Ruthsch, Nierendorf (Rhld.-Pfl.)

  • Mit der Pandemie und dem Hochwasser bekommt ein Szenario, das der Soziologe Ulrich Beck bereits 1986 entworfen hat, konkrete Konturen: die moderne Risikogesellschaft, in der der Ausnahmezustand zum Normalfall wird.
    Dr. Helge Jani, Hamburg

Eine Ohrfeige für die Betroffenen

Nr. 30/2021 Die Flutkatastrophe ist Armin Laschets Nagelprobe fürs Kanzleramt

  • Vermeintlich unbeobachtet konnte Ministerpräsident Armin Laschet sich echt, also so wie er ist, verhalten und wohl einen Witz erzählen, anstatt Bundespräsident Steinmeier zuzuhören. Das ist eine unerhörte Respektlosigkeit dem Staatsoberhaupt gegenüber und eine Missachtung gegenüber den schwer betroffenen Flutopfern.
    Helmut Brenner, Bad Salzuflen (NRW)

  • Ich war wütend, fassungslos und beschämt, als ich Armin Laschet lachend in den Nachrichten sah. Was denkt Herr Laschet sich dabei? Ich bin ganz sicher: Meine Wählerstimme bekommt er nicht. Das ist unverzeihlich und eine Ohrfeige in die Gesichter der Betroffenen.
    Martina Möller, Bad Marienberg (Rhld.-Pf.)

Vom Missionar zum Kämpfer

Nr. 30/2021 SPIEGEL-Gespräch mit Förster Peter Wohlleben über Wälder als Schutz vor Hochwasser

  • Auch wenn ich mich bislang meist sehr kritisch zu Peter Wohllebens Ansichten zum Wald und Baum geäußert habe, so muss ich einräumen, dass ich mit seinen Einlassungen im aktuellen SPIEGEL-Gespräch weitgehend einverstanden bin. Die deutsche Forstwirtschaft hat in der Tat auf großer Fläche abgewirtschaftet. Sie hat das Versprechen, das sie der Öffentlichkeit nach dem verheerenden »Wiebke«-Sturm vom Februar 1991 gegeben hat, nämlich zum naturnahen Waldbau zurückzusteuern, nicht gehalten. Wie ihr Name schon sagt, ist sie mehrheitlich »Wirtschafter« des Waldes geblieben, das Geld blieb ihre Haupttriebfeder. Waldökologie fand allenfalls in Sonntagsreden statt.
    Karl-Josef Prüm, Forstingenieur, Trier (Rhld.-Pf.)

  • Ich konnte ihn nicht mehr hören, sehen, geschweige denn lesen: besserwisserisch, dünkelhaft, eitel und ewig monologisierend. So empfand ich den selbst ernannten Messias der deutschen Waldwirtschaft und salbungsvollen Bäumeversteher. Wohlleben wirkte wie ein Evangelikaler im Walde des Herrn. Er war mir unerträglich geworden. Und jetzt das Interview: angriffslustig, provozierend, deutlich und fordernd. Sein metaphorischer Stil wirkt süffig, fast kabaretthaft und zeigt, wie man mit dem Thema den Leser »anzünden« kann. Aus dem »Missionar« des Waldes ist mit Aplomb ein Kämpfer geworden.
    Wilhelm Stauch-Becker, Stuttgart

  • Eigentlich war es erwartbar, dass Peter Wohlleben die schreckliche Flutkatastrophe in unserer Region nutzen würde, um auf sich und sein neues Buch aufmerksam zu machen. Dass es so schnell gehen würde und er im Prinzip viele der Opfer, nun als Waldbesitzer, für die Katastrophe mitverantwortlich machen würde, hätte ich selbst von ihm nicht erwartet. Wer die betroffene Region kennt, weiß, dass die Aussage, ein intakter Wald hätte diese Wassermassen einfach weggesteckt, nicht haltbar und ein ungeheuerlicher Vorwurf gegenüber allen Waldbesitzern in der Region ist. Leider ist es im Rahmen eines Leserbriefs nicht möglich, sich mit den polarisierenden Aussagen von Herrn Wohlleben im Detail auseinanderzusetzen. Es stünde einem Nachrichten-Magazin wie dem SPIEGEL, das eigentlich für Qualität und Pluralität steht, daher gut zu Gesicht, auch andere Akteure aus dem Bereich der Waldwirtschaft zu Wort kommen zu lassen. An dieser Stelle möchte ich noch einen großen Dank an die vielen Forstunternehmer richten, die selbstlos ihre, von Herrn Wohlleben so verteufelten Maschinen bei der Katastrophenhilfe einsetzen und Großartiges leisten, während dieser sich in selbstgerechtem Gerede ergeht.Jens Marx, Geschäftsführer Waldbauverein Ahrweiler, Adenau (Rhld.-Pf.)

Nr. 29/2021 Naturschützer wehren sich gegen den Ausbau der Windenergie auf dem Meer

  • Es ist ungeheuerlich, dass die Politik den Meeresschutz dem Klimaschutz opfert. Was nützt es da den Schweinswalen und den Trottellummen, dass der Umweltschutz und der Tierschutz als Staatsziele ins Grundgesetz festgeschrieben wurden?
    Therese Deitermann, Ahaus (NRW)

Nr. 29/2021 Tausende Studierende können ihr Auslandssemester nicht antreten

  • Der Lockdown war nötig, um die Vulnerablen zu schützen. Aber jetzt sind die Jungen dran. Durchhaltevermögen und digitale Kompetenzen lernen sie auch ohne Lockdown, da bin ich mir sicher. Zwischenmenschliche Kompetenzen eher nicht.
    Andrea Bauer, Oberammergau (Bayern)

Verkomplizieren und abkassieren

Nr. 29/2021 Der Niedergang der Auktionsplattform Ebay

  • Es ist nicht nur ein Problem mit den großen Linien, es ist auch oft der Umgang mit Kunden, also Bietern und Verkäufern. Das Verkomplizieren von einfachsten Abläufen scheint ein Leistungskriterium zu sein. Für das Abkassieren von Gebühren, auch unberechtigterweise, sind offenbar alle zuständig. Für das Lösen von Problemen dann aber wieder niemand – oder jeden Tag ein anderer.
    Wolfgang Kessler, Beckenried (Schweiz)

  • Ich habe jahrelang als Privatmann bei Ebay vom Rennrad über die Kamera bis zum Buch alles Mögliche mit Erfolg angeboten und verkauft. Doch dann kam man dort wohl zu der Erkenntnis, man müsse Murphys Gesetz abgewandelt befolgen: »Was sich bewährt hat, wird geändert werden.« So nahm man, nach den vielen kleinen Änderungen der Benutzeroberfläche im Laufe der Zeit, eine Generalrevision vor, schuf einen derartigen Irrgarten, dass ich nicht mehr folgen kann. Vielleicht liegt es an meinem Alter. Jedenfalls habe ich seitdem nichts mehr einstellen können. Schade.
    Joachim Mandrysch, Bensheim (Hessen)

Ein massiver Vertrauensbruch

Nr. 29/2021 Die übertriebene Furcht vor der Inflation im Sparbuch-Mekka Deutschland 

  • Das ist schon eine besondere Art des Zynismus, dass deutsche Unternehmen und Verbraucher sich an schnell steigende Preise, eine in dreifacher Hinsicht höher ausfallende Inflationsrate und Strafzinsen auf ihre Ersparnisse gewöhnen müssen.
    Rolf Renken, Buxtehude (Nieders.)

  • Der Analyse von Herrn Reiermann kann man nicht folgen. Denn sie unterschlägt, dass es Millionen von Sparern und Kleinanlegern sind, die den Preis für eine völlig verkorkste Eurozonen-Finanzpolitik zahlen und damit um ihr Recht gebracht werden, mit relativ kleinem Einsatz Nutzen aus ihrem Eigentum zu ziehen. Für das ganze Land und seine Demokratie stellt dies einen massiven Vertrauensbruch dar. Wer dem Durchschnittsbürger sein Recht auf Bildung von Privateigentum verweigert, der verstößt, wie es der Finanzexperte und ehemalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof in einem Gutachten nachweist, massiv gegen das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Privateigentum, schließt einen Großteil der Bürger von der Teilhabe am »Kapitalismus« aus und betreibt Finanzsozialismus zugunsten größerer Anlagevermögen.
    Wolfgang Gerhards, Berlin

  • Ja, die Geldpolitik der EZB hat die von Reiermann geschilderten positiven Wirkungen, aber eben nicht nur diese. Völlig ignoriert werden die mit der EZB-Politik verbundenen Verteilungswirkungen. Eigentümer von Immobilien und Aktien sind die großen Profiteure. Der größte Teil der Bevölkerung hat jedoch nicht genügend Kapital, um an der Immobilien- und Aktienhausse teilzunehmen. Im Gegenteil, die Ersparnisse dieser Bevölkerungsschichten werden durch die Inflation tendenziell entwertet.
    Thomas Butz, Sulzbach (Hessen)

Fragwürdige Publicity

Nr. 29/2021 Ein junger Berliner Unternehmer verkauft eine LSD-ähnliche Droge – und narrt damit den Staat

  • Auch im Sommerloch sollte es der SPIEGEL unterlassen, einem wissentlich am Rande der Legalität operierenden Jungunternehmer mittels lobhudelnder Vorstellung seiner fragwürdigen Aktivitäten Publicity zu verschaffen. Die Reportage, die jegliche Kritik an den Geschäftspraktiken des als strahlender Held vorgestellten Start-up-Yuppies vermissen lässt, ist nichts als peinlich.
    Helmut Zimmermann, Potsdam

  • Beim Geldverdienen mit Legal Highs nutzen die Profiteure auf fragwürdige Weise Gesetzeslücken aus. Der Sound der Reportage ist sehr irritierend und lässt viel zu oft das Statement des »Unternehmers«, es handle sich um ein »normales« Start-up, unwidersprochen stehen. Man sollte sich vielmehr mit dem Schaden, den diese »legalen« Drogen anrichten, und den Möglichkeiten einer wirksamen Bekämpfung derselben vor allem durch den Gesetzgeber auseinandersetzen, anstatt dem »Unternehmer« ein solches Forum zu bieten.
    Andreas Schüpfer, Elmshorn (Schl.-Holst.)

  • Das hat uns noch gefehlt: ein vierseitiger PR-Höllentrip über einen völlig durchgeknallten Dealer, der als Start-up-Gründer vom SPIEGEL heiliggesprochen wird, während er auch an Jugendliche LSD-ähnliche Drogen verkauft und sich sein Gewissen dabei schönredet. Das ist nicht legal, sondern nur noch nicht komplett verboten. Und ein guter Chef soll er auch noch sein. Firmenname und Lieferant für Vorprodukte werden gleich mitgenannt und können direkt im Internet gefunden werden. Die perfekte Bauanleitung für Nachahmer, die schon immer ein Start-up gründen wollten.
    Rainer Becker, Kronberg (Hessen)

  • Danke für das Aufzeigen einer besonders absurden Gesetzeslücke. Trotzdem lässt mich der Artikel ratlos zurück: Wird er helfen, diesen Irrsinn zu beenden – oder dem Protagonisten Konkurrenz schaffen? Auf immerhin vier Seiten wird versucht, die Sache nicht zu werten, und liest sich gerade dadurch wie das Bewundern einer tollen Geschäftsidee.
    Volker Dittrich, Riesa (Sachsen)

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