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Leserbriefe Unversöhnliche Härte

Die Kanzlerfrage der Union, der Prozess gegen Dieter Wedel und Aufforstung waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 17/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • »Ihre Karikaturen im Stile der Asterix-Hefte sind Bombe. Einfach absolut lustig, aber auch so was von treffend. Ich muss jedes Mal laut lachen. Danke.«
    Rainer Springer, Neumarkt (Bayern)

  • Dieses schlechte Schauspiel um die Kanzlerkandidatur wird mittlerweile auch zur peinlichen Posse. Die Union beweist durch das grottenschlechte Handwerk ihrer Minister – zum Beispiel für Verkehr, Verteidigung, Wirtschaft und Gesundheit – dass sie, egal, auf wen man sich nun noch »einigt«, abgewirtschaftet hat. Nach 16 Jahren gehört sie eindeutig nicht mehr ins Kanzleramt!
    Frank Platte, Wuppertal

  • Das Problem der Kandidatenkür liegt in einem Geburtsfehler der Union begründet: Bayerische Eigenbrötelei wollte eine eigene christlich-konservative Partei. Wäre Herr Söder Mitglied eines bayerischen Landesverbandes der CDU, hätte er sich in Konkurrenz zu Herrn Laschet um den Bundesvorsitz der CDU bewerben, gewählt und so auch Kanzlerkandidat werden können.
    Hans-Eugen Weber, Münster

  • Beeindruckend, wie der SPIEGEL am Debakel um die Kanzlerkandidatur konsequent und ohne Scheuklappen dranbleibt. Als befreundete Nachbarn schauen wir in der Schweiz dem unsäglichen Politschacher zu. Nach seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist Armin Laschet die zweite Abbruchbirne für die C-Parteien. Die Einzigen, die sich als Dritte freuen, sind die Grünen.
    Roger E. Schärer, Trin Mulin (Schweiz)

  • Es ist mal wieder die hohe Zeit der sensationslüsternen Medien, und leider kann auch der SPIEGEL der Versuchung nicht widerstehen. Die Kontrahenten werden als wild gewordene Schlägertypen dargestellt – machtgeil und selbstverliebt. In Wirklichkeit ist das, was hier passiert, das Natürlichste von der Welt: Zwei Alphatiere kämpfen um die Macht, und es ist noch nie jemand ohne ausgeprägten Machtwillen im Kanzleramt gelandet. Was ist schlimm daran? Es ist doch nicht verwerflich, einen durchsetzungsstarken Kanzler zu haben. Kein Grund, aus diesem legitimen Kampf um die Macht charakterliche Defizite herzuleiten.
    Hannelore Schreiner, Saarlouis (Saarl.)

  • Die Union hat sich da in eine Sackgasse manövriert. Wenden geht nicht mehr, und der Rückwärtsgang klemmt. Bruderliebe sieht anders aus. Egal, wer gewinnt, es gibt nur Verlierer. Nun wird wieder die Forderung nach Ausweitung der beiden Parteien auf das gesamte Bundesgebiet laut werden. Merkel hatte alles im Griff. Was ab September folgt, ist ungewiss. Sachthemen bleiben aktuell auf der Strecke. Gerade jetzt, wo es vonnöten ist.
    Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)

  • Interessant ist doch die Tatsache, dass sich niemand um die 33 Prozent der Befragten kümmert, die das Amt weder Laschet noch Söder zutrauen. Und erinnern wir uns an die Umfragewerte von Martin Schulz?
    Ute Holte, Krefeld

  • So viel Lügen, Heuchelei und politische Meuchelmorde haben selbst ernannte Christen an einem heiligen Sonntag wohl selten vollbracht. Hoffentlich erfolgt auch eine Strafe.
    Dr. Ulrich Wettmann, Saarlouis (Saarl.)

  • Mit der Aufrechterhaltung seiner Kandidatur entgegen seiner vorherigen Ankündigung, bei einer Entscheidung der CDU für Herrn Laschet auf die Kandidatur zu verzichten, handelte Herr Söder mit schlitzohriger Mentalreservation, denn im Augenblick seiner Ankündigung wusste er sehr wohl, dass es nur der Bundesvorstand der CDU und nicht die Fraktionsgemeinschaft oder Umfrageergebnisse sein würden, die am 12. April über die Kanzlerkandidatur entscheiden sollten. Man hätte erwarten dürfen, dass er seinen Verzicht deutlich auch unter dem Vorbehalt der Berücksichtigung der Meinungen in der Fraktion und der Umfrageergebnisse stellt.
    Bernhard Langlotz, Hamburg

  • Da wird Armin Laschet über Wochen in aller Öffentlichkeit von einem Teil der Medien genüsslich weich gekocht und gedemütigt (auch vom SPIEGEL: »Häuptling Wirdsonix«), indem man ihm unter anderem Unfähigkeit für das Kanzleramt bescheinigt, und plötzlich fließen Krokodilstränen, weil der Rivale diese Situation für sich zu nutzen versucht. Die Art und Weise, wie Markus Söder das tut, offenbart allerdings erhebliche charakterliche Defizite. Das »Zerlegen« der Union ist einzig und allein das Werk Söders und derer, die ihm auf diesem Weg folgen zu müssen meinen.
    Günther Zeipelt, Fuldabrück (Hessen)

  • Während sich die Union zerlegt und vielleicht sogar wieder einmal die Spaltung droht, während unsere Bundeskanzlerin ihrem politischen Ende entgegendämmert, stehen die Königskinder der Grünen wie Geschwister mit leuchtenden Augen erwartungsfroh vor dem Christbaum und können die Bescherung kaum erwarten, zum Nachteil unseres Landes.
    Wilfried Hübner, Schönau am Königssee (Bayern)

  • Das Gezerre um die Kanzlerkandidatur, aber auch die Korruption in der Bundestagsfraktion der Union und die jahrelange Verweigerungshaltung für mehr Transparenz bei den Nebeneinkünften der Abgeordneten zeigen, dass die CDU / CSU nun reif für die Opposition ist. Das würde der Demokratie im Lande guttun und einer Politik der Erneuerung Raum geben.
    Andreas Meißner, Dresden

  • Der Leitartikel predigt Moral gegen angeblich verruchte Populisten wie Söder, der mit dem dummen Volk sein Spiel treibt. Geht's noch überheblicher? Wunschgemäß haben die CDU-Funktionäre ihren Kandidaten Laschet durchgesetzt. Wie demokratisch auch immer die Wahl durch ein Gremium gewesen sein soll, es hat die Basis, die Fraktion und CDU-Anhänger wenig demokratisch komplett überfahren. Mit dem unpopulärsten Kanzlerkandidaten wird man in demokratischen Wahlen die Quittung bekommen. Volk und Parteibasis herablassend in eine populistische Ecke zu verorten zeigt wenig Souveränität. Das Volk ist und bleibt der Souverän.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

»Selber schuld«

Nr. 15/2021 Die Juristen Thomas Fischer, Peter Gauweiler und Dörthe Korn erklären, wie sie Regisseur Dieter Wedel gegen Vergewaltigungsvorwürfe verteidigen wollen 

Verteidiger Fischer, Korn, Gauweiler

Verteidiger Fischer, Korn, Gauweiler

Foto: Florian Generotzky / DER SPIEGEL
  • Harvey Weinstein begründete sein Verhalten damit, dass früher herrschende Umgangsformen ihn geprägt hätten – »That was the culture then.« Wedels Verteidigungsteam bemüht dieselbe Argumentation. Ex-Bundesrichter Fischer postuliert, dass nicht nur die Zeit eine andere gewesen sei, sondern dass in Hinblick auf das Argument »soziale Schicht« auch die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen fragwürdig sei: Schauspielerinnen seien Personen, die »gerne und schnell in andere Rollen schlüpfen, die aber auch die Gabe haben, überzeugend rüberzukommen in dieser Rolle«. Was gesagt wird: Die Zeuginnen und die mutmaßlich Geschädigte sind von vornherein skeptisch zu betrachten. Verteidiger Gauweiler erklärt: »Sexuelle Nötigung ist etwas Widerliches, aber das In-den-Dreck-Treten eines Nichtverurteilten war es auch.« Das In-den-Dreck-Treten der Geschädigten durch das Verteidigungsteam in diesem Artikel ist sehr viel unterschwelliger, aber nicht weniger unappetitlich – und leider ein absoluter Klassiker. Das Verteidigungsteam scheint die häufig verwendete Strategie zu verwenden: Deflect and blame the alleged victim.
    Dipl.-Psych. Marlies Lübker, Winsen/Luhe (Nieders.)

  • Wow! Der SPIEGEL gewährt den prominenten Verteidigern von Herrn Dieter Wedel kostenlos ein »Opening Statement«, wie wir Strafverteidiger es zu Beginn der Hauptverhandlung als Stellungnahme für den Angeklagten abgeben. Würde mich über einen Anruf freuen, habe auch ein paar interessante Fälle, die vorweg diskutiert werden sollten.
    Andreas Meschkat, Fachanwalt für Strafrecht, Leipzig

  • Es ist beruhigend zu erfahren, dass eine Frau im Minirock nicht mehr ihre eigene Vergewaltigung verschuldet. Sondern nur noch dann, wenn sie einem Mann im Bademantel ins Zimmer folgt.
    Dr. jur. Katharina Rudersdorf, Kornwestheim (Bad.-Württ.)

  • Warum um Himmels Willen gibt der SPIEGEL Gauweiler und Komplizen die Gelegenheit, im Vorfeld der Hauptverhandlung gegen Dieter Wedel auf sehr subtile Weise und unwidersprochen die Zeugin der Anklage und Nebenklägerin nach Kräften zu demontieren? Einfach widerlich ist dieses – natürlich mit wohlgesetzten Worten (Frau Dr. Korn: »Was ist eine Frau bereit zu tun, um eine begehrte Rolle zu bekommen?«) insinuierte – »Selber schuld«. Es gehe ihm nicht darum, sagt Thomas Fischer, die Herrn Wedel vorgeworfene Straftat zu relativieren. Aber ... und dann kommt das Aber, das eben doch nichts anderes als eine Relativierung ist: »Aber man muss die Bedingungen zur Kenntnis nehmen. Der Fall spielt (sic! – als wär's ein Film von Wedel) 1996 in der Bundesrepublik Deutschland, in einer bestimmten sozialen Schicht und unter bestimmten Menschen mit bestimmten Vorstellungen.«
    Bernhard Schindlbeck, München

Waldumbau braucht Zeit

Nr. 15/2021 Der überschätzte Nutzen von Aufforstungsprojekten 

Plantage, Wald auf Borneo

Plantage, Wald auf Borneo

Foto: Moment / Getty Images
  • Seit Jahrzehnten sind Forstleute aktiv dabei, den Waldumbau in Deutschland voranzutreiben. Die niedersächsischen Landesforsten beispielsweise begannen bereits in den Achtzigerjahren mit einem entsprechenden Programm – lange bevor andere Disziplinen auf die Thematik aufsprangen. Aber Waldumbau braucht eben Zeit. Wir haben übrigens in unserem hoch industrialisierten Land mit 32 Prozent so viel Waldfläche wie seit mehreren Jahrhunderten nicht mehr, und diese Wälder sind vorratsreicher und stärker strukturiert als zum Beispiel vor 200 Jahren: ein Verdienst von Forstleuten und Waldbesitzern. Man könnte das auch mal würdigen. Der Hauptbotschaft Ihres Artikels lässt sich sicherlich zustimmen: Bäumepflanzen allein wird den Klimawandel nicht aufhalten.
    Dr. Christoph Kleinn, Professor für Waldinventur und Fernerkundung, Göttingen

  • Mit Entsetzen habe ich gelesen, welche Anfängerfehler bei der Aufforstung in Treuenbrietzen gemacht wurden. Es ist längst Grundschulwissen, dass man Wälder nicht mehr »ausfegt« und Ökomasse zwecks natürlicher Düngung im Wald belässt. Und das nicht erst, seit Peter Wohlleben Bücher schreibt.
    Ralf Greve, Buchholz (Nieders.)

  • Es gibt eine Institution, die in mehr als hundert Jahren Erfahrungen mit der nachhaltigen Aufforstung gesammelt hat und bereit ist, diese Erfahrungen mit anderen zu teilen. Dem Keren Kayemeth LeIsrael (KKL), in Deutschland auch als Jüdischer Nationalfonds bekannt, gelang es, das verödete Land zu renaturieren. Die heutigen Wälder in Israel gehen weitgehend auf die Aktivitäten des KKL zurück, der mehr als 250 Millionen Bäume gesetzt hat. Natürlich geschahen in den Jahrzehnten der Aktivitäten auch Fehler, aus denen der KKL aber anders als die Forstleute in Treuenbrietzen gelernt hat.
    Torsten Berndt, Konstanz

  • Die Grafik ist komplett unhaltbar, hier wird ausgesagt, dass ein natürlicher Wald 120 Tonnen Kohlenstoff bindet, dagegen ein Plantagenwald nur magere drei Tonnen (in welchem Zeitraum?). Ein natürlicher Wald kann nur bis zu einem gewissen Maximum Kohlenstoff binden, danach stehen Bindung und Freisetzung in einem Gleichgewicht. Ansonsten würden wir in diesem Wald gegen einen Holzklotz laufen. Sofern man ihn verwerten will, überwiegend als Brennholz, weil wertvolle Holzsortimente hier kaum wachsen. Anders dagegen der Plantagenwald. Er ist in aller Regel darauf ausgerichtet, durch Baumartenwahl, optimale Pflanzung und so weiter einen möglichst hohen Zuwachs zu erzielen. Das wiederum ist verbunden mit einer optimalen CO²-Bindung. Das Holz wird dann als Möbel- und Bauholz und so weiter genutzt und für Jahrzehnte dem Kreislauf entzogen.
    Dr. agr. Franz Zurhake, Emstek (Nieders.)

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (leserbriefe@spiegel.de ) gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter www.spiegel.de zu archivieren.

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