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Leserbriefe

Long Covid, die Folgen des Klimawandels, der Wahlkampf der Grünen sowie unser SPIEGEL-Spaziergang Dorothee Bär waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 32/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

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[M]: Rafael Heygster für den SPIEGEL

  • Ihre deutlichen Beschreibungen möglicher Langzeitfolgen einer Coronaerkrankung sollten insbesondere alle Impfskeptiker lesen. Die verantwortlichen Politiker:innen müssen zur Kenntnis nehmen, dass neben der aktuellen Belegung der Krankenhäuser mit Coronainfizierten auch die künftige Belastung des Gesundheitswesens durch notwendig werdende Reha-Maßnahmen bei Long-Covid-Patienten eine entscheidende Rolle spielt. Bei zehn Prozent Long-Covid-Erkrankten unter den Coronainfizierten sprechen wir über massive finanzielle Herausforderungen, zumal entsprechende Einrichtungen erst aufgebaut werden müssen. Gesundheitsminister Spahn sollte seine Aussage, wonach eine Inzidenz von 200 die neue 50 wäre, daher schnell revidieren.
    Andreas Meißner, Dresden

  • Sie zitieren Lauterbach, »eine Coronainfektion kann sogar zu einem IQ-Verlust führen«. Angesichts Millionen Impfverweigerern kann man annehmen, dass dies auch ohne Infektion gut möglich ist. Die Anwesenheit des Virus genügt.
    Walter Leipold, Zirndorf (Bayern)

  • Es wäre schön gewesen, wenn Sie in diesem Artikel auf die extrem auffälligen Parallelen zum Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) hingewiesen hätten, an dem in Deutschland aktuell etwa 250 000 Menschen leiden. Diese oft sehr schwerwiegend beeinträchtigende Krankheit gibt es schon seit vielen Jahren. Leider hat sie es ohne Covid weder zu medialer Aufmerksamkeit noch zu Forschungsgeldern gebracht. Das Leiden dieser Menschen verläuft in der Tat still und ist meist nicht einmal als echte Krankheit anerkannt. Zu Wirkungsmechanismen und Ursachen gibt es zwar viele Theorien, beide sind aber immer noch unklar. Auffällig ist, dass CFS sehr häufig zeitlich auf eine Viruserkrankung folgt. Deshalb sollten wir nicht nur Long Covid anerkennen, sondern endlich auch CFS – und an einer Hilfe für beide Krankheiten forschen.
    Thomas Kuklinski, Herxheim (Rhld.-Pf.)

  • Hervorragender Artikel, schon beim Lesen fällt auf, wie ähnlich die Long-Covid-Symptome denen von ME/CFS (Myalgische Encephalomyelitis /Chronisches Fatigue-Syndrom) sind. Leider klingt im Artikel schon an, dass auch die Long-Covid-Patienten ein ähnliches Schicksal wie ihre Leidensgenossen mit ME/CFS erwarten könnte: Inkompetenz und Unverständnis bei Medizinern, eine ratlose Gesundheitspolitik, die auf eine »international vereinbarte Definition« wartet und mit dieser Zögerlichkeit Krankenversicherungen und Sozialgerichten den Vorwand zur Untätigkeit liefert nach dem Motto: »Das ist ja keine anerkannte Krankheit.«
    Patrick Anhaus, Altrip (Rhld.-Pf.)

  • Long Covid wird in seinen gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen ein Ausmaß erreichen, das sich die meisten noch gar nicht vorstellen können. Wenn gerade die junge und mittlere Generation in noch größerem Maße betroffen sein wird, wird Long Covid überhaupt erst wahrgenommen. Noch zu viele wissen gar nicht, was Long Covid bedeutet und was für schreckliche Auswirkungen es hat. Es ist ihnen eigentlich egal. Endlich frei von allen Einschränkungen zu sein und das Leben zu genießen ist jetzt die Losung. Befeuert wird diese Stimmung durch die Coronaleugner aller abstrusen, aber gefährlichen Strömungen.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

  • Ich bedaure jeden Menschen, der infolge einer Covid-19-Erkrankung mit Langzeitfolgen zu kämpfen hat. Denn ich weiß selbst, was Langzeitfolgen sind. Bis zu meinem 50. Lebensjahr war ich topfit. Das änderte sich alles nach einer eigentlich komplikationslosen Operation. Seitdem habe ich vielfältige Symptome, die mein Leben komplett veränderten: Herzrasen, hohen Blutdruck, Nahrungsunverträglichkeiten mit Verdauungsbeschwerden und Dauerbauchschmerz, Fibromyalgie, Migräne, depressive Zustände, erhöhter Gamma-GT (Leberwert), Dauermüdigkeit und Energieverlust. Es stellte sich heraus, dass ich Hashimoto habe. Meine Leistungsfähigkeit wird vermutlich auf einem sehr niedrigen Level bleiben, auch die chronischen Schmerzen werden mich lebenslang begleiten. Zum Glück hat es mich nicht in ganz jungen Jahren erwischt. Aber was ist mit den jungen Frauen, die schon mit 20 oder 30 Jahren daran erkranken? Keine tolle Perspektive. Die neuen Volkskrankheiten, das sind offenbar die immer mehr zunehmenden Autoimmunkrankheiten. Ich muss mich nur wundern, warum gerade Long Covid medial so aufgeblasen wird und zur neuen Volkskrankheit stilisiert wird, obwohl es doch alles andere als außergewöhnlich ist, dass einige Krankheiten, insbesondere Virus- oder bakteriell bedingte Krankheiten, Langzeitfolgen nach sich ziehen können.
    Jutta Geiger, Marburg (Hessen)


Selbst aktiv werden

Nr. 30/2021 Leitartikel: Die Idee des Vollkaskoschutzes kommt in Zeiten der Krisen und Naturkatastrophen an ihr Ende 

  • Die dramatischen Ereignisse der Unwetter- und Klimakatastrophe in Deutschland, Europa und anderen Erdteilen mit der Notwendigkeit sofortiger, wirkungsvoller und unbürokratischer Hilfe für die Betroffenen brachten mich auf den Gedanken der Einrichtung eines »Klimawandel-Notopfers«, wie ich es nennen möchte. Wie wäre es, wenn jeder, dem es möglich ist, jeden Monat freiwillig 50 Cent oder einen Euro für die Linderung menschlicher Not spenden würde? Ich glaube, es könnte eine gewaltige Hilfeleistung daraus entstehen.
    Rolf Westernhof, Elzach (Bad.-Württ.)

  • Der Klimawandel ist da – er zeigt sich mit voller Wucht: ungeheuerliche Überschwemmungen in Deutschland, extreme Hitze im Westen der USA und Kanadas mit verheerenden Bränden. Wollen wir darauf warten, dass die Regierungen aktiv werden, um ihn zu stoppen? Nein, wir müssen selbst aktiv werden. Und versuchen, weniger CO² zu verursachen – indem wir öfter vegetarisch essen, zu Fuß gehen und das Auto stehen lassen und auf Ökostrom wechseln. Wir sollten dazu beitragen, die Erde für unsere Kinder und Enkel lebenswert zu erhalten. Worauf warten wir? Fangen wir am besten gleich damit an.
    Lis Jäger, Mauer (Bad.-Württ.)


Bodenlos frauenverachtend

Nr. 30/2021 Wie keine andere Partei werden die Grünen mit Falschnachrichten attackiert 

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Christoph Soeder / picture alliance / dpa

  • Auch wenn ich die Grünen nicht wählen werde und hoffe, dass die CDU in der Opposition landet, so finde ich persönliche Angriffe, Diffamierungen und Drohungen egal gegen welche Politiker absolut schändlich. Das hat nichts mehr mit Wahlkampf zu tun.
    Ralf Scheel, Konstanz

  • Nur mit Mühe und Grausen konnte ich diesen Artikel darüber lesen, was für Hetze und Bedrohungen und Statements es ungestraft im Netz gibt. Zwei Aussagen waren darin zitiert, die ich so bodenlos frauenverachtend und die andere so NS-affin menschenverachtend finde, dass sich mir wirklich die Nackenhaare hochstellen. Früher gab es mal einen Beleidigungsparagrafen. Lächerlich, ungestraft kommen Internet-User davon, die ekelhafte Sprüche posten. Und wie man liest, ungleich höher liegt der Anteil an Hassbotschaften, wenn eine Frau im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht.
    Monika Fischer, Waddeweitz (Nieders.)

  • Ich glaube, der so wenig aggressive Wahlkampf der Grünen ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Die Anfeindungen sind zahlreich und niederträchtig, man kann darüber im aktuellen SPIEGEL lesen. Die Grünen weigern sich zurückzuschlagen, wollen sich partout nicht auf das Niveau ihrer Gegner begeben. Das ist eine Frage der Haltung. Ich finde das einerseits bewundernswert, andererseits taktisch problematisch. Sie sollten jetzt schon so agieren, dass die Menschen sie verstehen. Das würde voraussetzen, dass sie Betroffenheit zeigen, wo man sie erwarten kann. Und auf aggressive oder dümmliche Angriffe reagieren, indem sie mindestens die Mechanismen der Wahlkampftaktik politischer Gegner und Medien bloßstellen und ihnen argumentativ begegnen.
    Hans Cronau, Hannover

  • Ich finde es bemerkenswert, dass der SPIEGEL hier im Sprachduktus eines Donald Trump daherkommt. Es ist mehrfach die Rede von »Fake News« und »Fakes«. Statt sich sprachlich auf diese Ebene der gefühlten Verniedlichung und Sprachverhunzung zu begeben, sollten die Dinge beim Namen genannt werden. Es handelt sich, dem Verständnis der deutschen Sprache nach, doch wohl um Lügen.
    Fabian Klein, Schönböken (Schl.-Holst.)

  • Auf diese Attacken lässt sich nur mit Sartre antworten: Wer Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen.
    Elisabeth Steinfeld, Neu Wulmstorf (Nieders.)


Zu unkritisch

Nr. 30/2021 SPIEGEL-Spaziergang mit Staatsministerin Dorothee Bär

  • Ein wirklich braves Interview mit der Staatsministerin für Digitales. Ich weiß ja nicht, welche Aufgaben dieses Amt hat, es kann aber nicht wirklich was mit Digitalem zu tun haben. Vier Jahre im Amt, und Deutschland hat seinen Platz im hinteren Drittel im Digitalvergleich nicht verlassen können.
    Robert Lehner, Karlsfeld (Bayern)

  • Nicht eine kritische Frage an die Staatsministerin und Beauftragte für Digitalisierung zu ihrer Arbeit der vergangenen Jahre. Es bleibt die Erkenntnis, dass nicht Frau Dorothee Bär, sondern Corona einen guten Schub für die Digitalisierung geleistet hat. Frau Bär könnte sich also gut einreihen in die Riege ihrer CSU-Kollegen Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer. Ich schlage Frau Bär vor als zukünftige Verkehrsministerin.
    Wolfgang Packeiser, Frankfurt am Main

  • Dorothee Bär wird dank erfolgreichem Eigenmarketing und Schaufensterpolitik wohl auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Exekutive dieses Landes spielen – dem angesichts der Wichtigkeit des Themas Digitalisierung geringen Output und der blamablen Leistungsbilanz zum Trotz. Schade, dass der SPIEGEL mit so einem oberflächlichen Interview diese Selbstvermarktungsmaschinerie auch noch füttert.
    Julian Nolte, Berlin

Köstlich und unterhaltsam

Nr. 30/2021 Der Chef des Hamburger Luxushotels Vier Jahreszeiten, Ingo C. Peters, im SPIEGEL-Gespräch über den schwierigen Neustart 

  • Das Interview hat fast schon die Qualität der »Geständnisse eines Küchenchefs« von Anthony Bourdain. Man merkt im positiven Sinne, dass Herr Peters sich von ganz unten hochgedient und er keine Scheu hat, die Schwächen und Verfehlungen seiner Gäste anzusprechen. Ein klassischer Manager würde das in dieser Form nicht tun. Da wirkt die Bodenständigkeit von Herrn Peters sehr erfrischend und vor allem nicht verlogen.
    Nicolas Rutschmann, Stuttgart

  • Ich frage mich nach dem durchaus unterhaltsamen und erhellenden Interview schon, wie ehrlich und respektvoll die Gastfreundschaft tatsächlich ist. Entlarvend empfand ich nebst der Unterscheidung von richtig Wohlhabenden mit altem Geld und den nur Wohlhabenden und neuem Geld auch die Anekdote mit Sir Peter Ustinov. Obwohl ich diesen Mann als genialen Schauspieler verehre, fand ich den Gedanken, dass er andere Gäste hinter deren Rücken und zum Spaß der halben Hotelbelegschaft und anderer Gäste nachäfft und verspottet, schlichtweg unwürdig.
    Barbara Wilhelm, Hannover

  • Die Aussagen von Herrn Peters haben mich regelrecht erschüttert. Angesichts dessen, wie in dem Luxushotel Gäste, die bis zu 20 000 Euro die Woche ausgeben, für dumm verkauft und belogen werden, ihre Anliegen ignoriert und ihre persönlichen Befindlichkeiten verspottet werden, bin ich froh, niemals Gast in diesem Haus gewesen zu sein.
    Felix Omnimann, Wien

  • Ein köstliches Interview, sehr unterhaltsam. Herr Peters nimmt die Sache mit viel Humor. Ob er sich mit dem Ausplaudern seiner kleinen Geheimnisse einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten.
    Andreas Runge, Fürstenfeldbruck (Bayern)


Nr. 30/2021 Fragwürdiger Deal mit Nordstream 2 

  • Man kann unterschiedlicher Meinung zu Nord Stream 2 sein, aber jegliche Kritik kommt zu spät. Nur noch bei zukünftigen Projekten kann man Gegenargumente zu Nord Stream 2 einfließen lassen. Weniger Geschäft mit Russland birgt allerdings das Risiko des Abdriftens in den chinesischen Wirtschaftsraum.
    Dieter Wurzel, Bad Zwischenahn (Nieders.)


Nr. 30/2021 Essay von Gerald Knaus zum Rechtsstaatskonflikt zwischen Polen und der EU 

  • So schafft es die EU, sich selbst zu zerstören. Hätte man früher gehandelt, hätten Polen und auch Ungarn sich nicht so destruktiv verhalten können. Und jetzt immer noch zögern? Ihr Zauderer in Brüssel, herzlichen Glückwunsch zur Abschaffung der EU.
    Gisela Skirl, Düsseldorf


Nr. 30/2021 Warum die Spiele nicht mehr zeitgemäß sind 

  • Das neuzeitliche Olympia war nie nur der Wettkampf der Sportler, sondern in erster Linie ein Wettstreit der Nationen um Ruhm und Ehre, ein heute noch besonders von Diktaturen und Autokraten genutztes Instrument zur Selbstdarstellung, zu dessen Durchsetzung gerne auch, wie wir mittlerweile wissen, gedopt wurde, was das Zeug hergibt.
    Wilhelm-Heinrich Hillers, Marl


Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (leserbriefe@spiegel.de ) gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter www.spiegel.de zu archivieren.

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