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Briefe

Die Baupreise, das neue Heftdesign des SPIEGEL und Leander Haußmann waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Wochen die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 21/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

Ungleiche Chancen gab es immer

Nr. 20/2021 Unbezahlbar – Warum ­Normalverdiener sich heute kaum noch ein Eigenheim leisten können 

  • Die exorbitant gestiegenen Baupreise sind die direkte Folge der inflationären Geldpolitik der EZB. Die Menschen flüchten in Sachwerte. Ansonsten: Bauen war schon immer teuer. Ich selbst habe vor 40 Jahren mein Haus nur durch einen hohen Anteil an Eigenleistung erstellen können. Jetzt habe ich etwas zu vererben, und nun sollte der Staat nach Ansicht vieler einen Großteil davon abgreifen dürfen. Wäre ansonsten doch total ungerecht allen anderen gegenüber. Interessanter wäre ein Bericht zu den Konsequenzen, die viele aus der misslichen Lage ziehen: über Tiny Houses, Vanlife und Ähnliches.
    Hans Gerd Scholz, Delbrück

  • Stadtplanungsämter, aufgewacht! Entsorgt in Deutschland endlich die antiquierten jahrzehntealten Bebauungspläne in den Nachkriegssiedlungsgebieten. Baulücken sind reichlich vorhanden und damit auch Platz für Zweit- und Drittbebauungen auf einem Grundstück (Stichwort: Verdichtung). Weitere Baulandausweisungen auf der grünen Wiese sind ökologischer Irrsinn und unnützer Flächenverbrauch.
    Anne Rose Tisje, Architektin, Schweich (Rhld.-Pf.)

  • Es hat mich gefreut, dass Sie sich dieses Themas annehmen, das unsere Gesellschaft seit Jahrzehnten zunehmend spaltet. In der Tat können wir unseren doppelverdienenden Kindern kaum erklären, dass es vor circa 60 Jahren für unsere Eltern mit nur einem Gehalt und drei oder vier Kindern möglich war, ein Haus zu bauen. Ihre Recherche lässt jedoch einen wichtigen Aspekt außen vor: Deutschland ist nach wie vor ein Paradies für Geldwäsche. Der Staat lässt es zu, dass der Immobilienmarkt im Umfang von 20 Milliarden Euro jährlich mit Geld aus kriminellen Machenschaften geflutet wird, ohne dass wirklich etwas dagegen unternommen wird. Daher muss sich niemand wundern, wenn bei dieser Konkurrenz die jungen Familien zunehmend auf verlorenem Posten stehen.
    Dr. Norbert Schupp, Aschaffenburg

  • Soll Erbvermögen umverteilt werden? Diese sozialistischen Vorschläge passen nicht in unsere Leistungsgesellschaft. Wenn Großeltern oder Eltern das bereits mehrfach versteuerte, durch Lebensarbeitsleistung erworbene Vermögen an ihre Nachkommen weitergeben, dann hat die neidische Gesellschaft daran nicht zu partizipieren. Ungleiche Startchancen nicht nur beim Erben hat es immer gegeben und wird es immer geben.
    Karin Mölter, Oberhausen (NRW)

  • Wieso bringt niemand die Idee einer progressiven Grundsteuer ins Spiel, bei der die Steuersätze nach Fläche und Gesamtwert der gehorteten Immobilien ansteigen? Mit der Bundesverfassung beziehungsweise dem Grundgesetz wäre das problemlos vereinbar, wird doch das Einkommen seit je progressiv besteuert. Sachlich argumentierbar wären daher sogar Spitzensteuersätze, die das Horten von Immobilien ab einer Wertgrenze unwirtschaftlich machen würden; darin läge keine Enteignung, denn die Abgabe wäre entgeltlich. Würde die Erbschaftsteuer angehoben, könnte im Gegenzug eine spürbare Entlastung der Einkommen durchgeführt werden. Kleinere Immobilienbesitzer mit gutem Einkommen hätten dadurch kaum Verluste zu erwarten, für sie wäre es ein Nullsummenspiel. Die große Mehrheit der abhängigen Einkommensbezieher würde aber gleich zweifach profitieren: durch geringere Mieten und durch mehr Netto vom Brutto.
    Wolfgang Helm, Wien

Volltreffer und Fehlgriff

Nr. 19/2021 - Zum neuen Heftdesign des SPIEGEL

  • Nach der Vorfreude über das neue Heft kam nach dem ersten Durchblättern ein entsetztes »Was haben die sich dabei denn gedacht?«. Für mich ist das neue Heftlayout ein totaler Fehlgriff, erneut geht es in Richtung »Stern« und »Focus«. Überschriften wirken zu reißerisch, Rubriken sind nicht klar. Von mir als treuem Leser eine glatte Fünf für das Designteam.
    Marc-Andre Kruse-Friedrich, Hemsbach (Bad.-Württ.)

  • Ich gratuliere zum neuen Layout. Nach einigen Optimierungen in den letzten zehn Jahren gelang Ihnen nun der Volltreffer. Das 75 Jahre alte Magazin versprüht nun jugendliche Frische, die den Akzeptanzgrad und die Bereitschaft, länger zu lesen, eindeutig steigern wird.
    Claus Kind, Remscheid

  • Meine Kritik richtet sich gegen die überbordende Flut an Fotos, die – allzu oft ohne Mehrwert – den Platz dort rauben, wo ein sachlich-nüchterner Text die Leserschaft informieren könnte. Gute Fotos gern – aber »Fotos um jeden Preis« bitte nicht!
    Cäcilia Cowalski, Neubrandenburg

  • Als langjährige Leserin habe ich die verschiedenen Neugestaltungen des Blattes miterlebt. Die jetzige gefällt mir besonders gut. Als fast 89-jährige Architektin brauche ich ein Journal zum Hin- und Herblättern. Das macht mir nun ganz besonders viel Spaß, da mir jede einzelne Seite attraktiv sofort ins Auge springt, ohne großflächige Fotos und mit einer besseren Textverteilung. Es ist alles so, wie von Ihnen gesagt: eben »dezent«.
    Hannah Schreckenbach, Magdeburg

  • Seit Jahrzehnten lese ich das Heft, aber so selbst eingeschnürt habt ihr euch noch nie. Alles sieht eng, zusammengepfercht und ins Korsett gepresst aus. Vertikale schwarze Linien verstärken diesen Eindruck noch. Am schlimmsten: Auch Ihre Leserinnen und Leser werden älter. Bisher schaffte ich die Lektüre ohne Lesebrille, aber jetzt? Ich sehne mich nach mehr »Weiß« auf den Seiten.
    Siegbert Philipp, Saarbrücken

  • Auf den ersten Blick sieht der »neue« SPIEGEL so aus wie immer schon. Erst auf den zweiten Blick, zumal mit der Auswahl des Titelbildes, wirkt er einfacher, klarer, unaufdringlicher und damit eindringlicher: zeigen, was ist.
    Prof. i. R. Friedrich Pieper, Ulm

  • Die SPIEGEL-roten Applikationen in der Titelstory machen Sinn und wirken lebendig. Aber was sollen diese tristen schwarzen Balken überall, diese bornierten Einkastellungen, die leeren Felder? Wirkt wie eine Mischung aus Kreuzworträtsel und Traueranzeige.
    Tilman Metzger, Lüneburg

  • Dass die Leserbriefe beim SPIEGEL vom vorderen Teil des Heftes nach hinten verschoben wurden, habe ich noch hinnehmen können, obwohl ich sie seitdem kaum noch lese. Die letzte Neuerung ist leider eine totale Verschlimmbesserung. Die bereitet beim Lesen Kopfschmerzen. Der Lesefluss ändert sich durch die wechselnde Spaltenbreite von Seite zu Seite, und es ist für mich sehr anstrengend, die einzelnen Artikel (kopf-)schmerzfrei zu lesen.
    Wolfgang Pyka, Berlin

  • Junge Menschen, habt ihr nichts bei Jan Tschichold über einen schnell begreif- und lesbaren Seitenaufbau gelernt? Über den sparsamen attraktions- und aufmerksamkeitssteigernden Einsatz von bildhaften Mitteln wie Balken, Linien und fetten Versalien bei Moholy-Nagy und Herbert Bayer? Der SPIEGEL besitzt nunmehr die Anmutung einer Reklamebroschüre.
    Dr. Jeannine Fiedler, Berlin

  • Super, das neue Layout. Erfrischend, abwechslungsreich, optisch top. Es wird natürlich wieder – wie beim letzten Mal auch – die Mäkler und Mäklerinnen geben: sieht aus wie »Focus«, SPIEGEL-Flair ist dahin, warum immer was anderes?
    Günter Vogel, Jülich (NRW)

Bleibt locker

Nr. 19/2021 Regisseur Leander Haußmann findet gendergerechte Sprache hochinteressant 

  • Großartig, die Überlegungen von Leander Haußmann. Sowohl in der Wortwahl wie in den Konsequenzen, die er für sich zieht. Jetzt das Problem: Wie bekommen wir Boris Palmer dazu, Haußmanns Text nicht nur zu lesen, sondern auch zu beherzigen? Beide sind ja ähnlich selbstbezogen und öffentlichkeitsinteressiert. Trotzdem so unterschiedlich in der Haltung.
    Elisabeth Kramer, Weinheim (Bad.-Württ.)

  • Herr Haußmann findet klare Worte für ein Problem, das meistens nur Betroffene verstehen. Meine Frau ist dunkelhäutig, hat schon lange die deutsche Staatsbürgerschaft und ist stolz darauf. Beinahe täglich wird sie aber mit Worten, die »Neger« oder »Mohr« oder »Asylantensau« beinhalten, diskriminiert. In allen Bereichen des Lebens erfährt sie, was es heißt, in Deutschland als Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. Wenn sie das Thema im Kreise Weißer anspricht, glauben viele nicht, was ihr widerfährt, oder sie kontern: »›Mohrenkopf‹ haben wir halt früher so gelernt. Was ist schon dabei? Hab dich nicht so. Das tut doch nicht weh.« Doch, das tut es.
    Tebogo Mench, Kirchzarten (Bad.-Württ.)

  • Mich stören dieselben Details, ich habe dieselben Einsichten. In unserem Sprachgebrauch ist vieles inzwischen anachronistisch, so zum Beispiel die männliche Bezeichnung von Berufen, die aus einer Zeit stammt, als die Frauen normalerweise nicht arbeiteten, wenn ihre Männer es sich »leisten« konnten, die Familie zu ernähren. Das »Missionarische der bereits Wissenden« treibt auch mich auf die Barrikaden. Über unsere Sprache neu nachzudenken finde ich richtig und wichtig, aber bleibt doch dabei einfach mal locker!
    Regine Ulbrich, Buchholz

  • Das Bahnbrechende am Urteil des Verfassungsgerichts ist, dass der kantsche Imperativ um eine Dimension erweitert wurde: Wir sind aufgefordert, so zu handeln, dass unser Handeln auch das Wohlergehen zukünftiger Generationen berücksichtigt.
    Peter Calais, Lübeck

Nr. 19/2021 Wie der Klimawandel noch aufzuhalten ist

  • Die Geschichte vom Hasen und dem Igel ist gut gewählt. Wobei aus der Fabelwelt Fuchs oder Wolf auch passen würden – listig, durchtrieben oder auch rücksichtslos. So oder so heißt es für ihn immer: Söder First, alle anderen Second.
    Noah Lambertz (17 Jahre alt), Düsseldorf

Nr. 19/2021 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand – Söder First!

  • Die SPD hat in all den Koalitionen unter Merkel redlich gearbeitet, viel Gutes auf den Weg gebracht und leider beim Wähler dafür keine Anerkennung bekommen. Der jetzigen Koalition wäre man wohl doch besser ferngeblieben.
    Josef Panzirsch, Amberg (Bayern)

Nr. 19/2021 In der SPD wächst die Angst vor einem Wahldesaster

Eigentum verpflichtet

Nr. 19/2021 Muss der Patentschutz für Impfstoffe fallen? 

  • Während auf der Welt Hunderttausende an und mit Covid-19 sterben und sich Pharmakonzerne und Staaten um die Modalitäten von Patentfreigaben streiten – und sich die Konzerne schon auf die Entwicklung nötiger Vakzinen gegen viel gefährlichere Mutanten vorbereiten –, sind vermutlich Russland und vor allem China dabei, sich als Wohltäter bei vielen ärmeren Staaten anzubieten, um die »Überlegenheit« ihrer Systeme zu beweisen.
    Willi Schmirali, Maxhütte-Haidhof (Bayern)

  • »Eigentum verpflichtet«, heißt es im Grundgesetz, und das gilt ja wohl auch für Eigentum an Verwertungsrechten. Man kann sich an der Zwangsbewirtschaftung von Böden und Märkten im Falle einer Hungersnot orientieren, da gehen die Erzeuger ja auch nicht leer aus, und ihr Eigentum bleibt gewahrt.
    Peter Kampa, Dörpen (Nieders.)

Ein echter Dobrindt

Nr. 19/2021 Landesgruppenchef Alexander Dobrindt rechnet im SPIEGEL-Gespräch mit den Grünen ab 

  • Dobrindt sagt: »Die Grünen glauben, Deutschland könne allein den Klimawandel bekämpfen, wenn man nur mit maximaler Härte CO² einspart.« Das haben die Grünen nie gesagt, Herr Dobrindt! Hier hätte der Interviewer einhaken müssen, denn die Grünen sind die Letzten, die auf nationale Alleingänge setzen. Auch dass die SPD Genesenen und Getesteten Rechte vorenthalten wolle, stimmt nicht.
    Dr. Martin Böttger, Stadtrat der Grünen, Zwickau

  • Nach der Lektüre des Interviews mit Alexander Dobrindt erinnerte ich mich daran, warum ich den SPIEGEL seinerzeit abonniert hatte – »Sagen, was ist«. Ein echter SPIEGEL-Bericht. Aber auch ein echter Dobrindt, na ja, mit Abstrichen. Fast wie zu seinen alten Zeiten. Sich zu winden und zu drehen war ja immer sein Geschäft, aber auch zu treten und zu beißen. Sehr sinnhaftig das Bild: Dobrindt in der Ecke, mit dem Rücken zur Wand.
    Alfred Garbardi, Duisburg

  • Sie springen dem Gesprächspartner gleich zu Beginn ins Gesicht, und so geht es drei Seiten lang. Wenn im SPIEGEL ein Marxist oder Grünextremist befragt wird, nehmen die Reporter eine Haltung ein, dass spätestens ab der zweiten Frage kein Kopf mehr erkennbar ist, politische Feinde aber werden vorgeführt.
    Manfred Köppl, Baden bei Wien (Österreich)

Klimawandel geht nur mit Veränderung – bedeutet im Klartext: Verzicht, Einschränkungen, Reduzierung von Konsum, also Verbote! Auch wenn Herr Dobrindt es elegant umschreibt mit: »... die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie zu beachten«, diese Aussage würde doch in einer konsequenten Umsetzung vergleichbare Maßnahmen erfordern. Mit einem Klimaschutz »light« der Union wird es nicht funktionieren. Ergebnis einer inkonsequenten Klimapolitik wären dann spätestens in zehn Jahren deutlich stärkere Einschränkungen und Kosten. Die Entlarvung der Grünen durch Herrn Dobrindt kann ich nicht wirklich erkennen. Es sei denn, man akzeptiert populistische und/oder unsachliche Aussagen als Fakten.
Norbert Hönig, Sinzheim

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (leserbriefe@spiegel.de ) gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter www.spiegel.de zu archivieren.

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