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Leserbriefe

Der Sommer der Extreme, die Impfung der Weltbevölkerung, Altkanzler Gerhard Schröder im SPIEGEL-Gespräch zum Afghanistan-Einsatz sowie der Aufbruch einer deutschen Fregatte in den Indopazifik waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
aus DER SPIEGEL 33/2021

Patrick Mariathasan für den SPIEGEL

  • Am Titel des Covers zeigt sich die Hybris unserer Generation: Gerät das Klima außer Kontrolle? Wir hatten das Klima nie unter Kontrolle! Und jetzt zeigt uns das Klima mal, wer hier wen im Griff hat!
    Inge Schönefuß, Nierstein (Rhld.-Pf.)

  • Die Frage muss lauten: Können wir die Erderwärmung zumindest so begrenzen, dass wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen nicht verlieren? Können wir bessere Ziele definieren als materiellen Wohlstand und stetiges Wachstum in einer durchaus begrenzten Welt? Eines sollte im Sommer 2021 jedem klar geworden sein: Mit der Natur kann man nicht verhandeln.
    Michael Sauer, Sommerach (Bayern)

  • Ihr Titel ist eine umfassende Bestandsaufnahme mit den möglichen Auswirkungen. Was ich vermisse, ist eine Bewertung der Ursachen. Die Entwicklung der Zivilisation führt zu bald acht Milliarden Menschen, zu Konsum und Wohlstand, zu individueller Mobilität. Alles Ursachen einer unaufhaltsamen Vernichtung von Ressourcen und Quellen der Folgeprodukte (CO², Wärme et cetera). Die Zivilisation löst damit eine sie selbst vernichtende Entwicklung aus – dies ist wie ein noch nicht formuliertes Naturgesetz. Es ginge demnach nicht mehr darum, ob, sondern wann die Kipppunkte erreicht werden.
    Klaas Ockenga, Haßloch (Rhld.-Pf.)

  • Wohltuend verzichten Sie auf Begriffe wie Klimakrise und Ähnliches; dem Klima ist es schließlich egal, was wir Menschen tun. Es reagiert ausschließlich auf physikalische Gesetzmäßigkeiten. Wir sind die Krise. Bauchschmerzen habe ich auch bei dem Begriff menschengemachter Klimawandel, das ist mir zu einfach. Sie selbst schreiben ja auch, das Klima ist eine der wandelbarsten Größen überhaupt. Präzession der Erdachse, Klimageschichte und anderes spielen da bestimmt auch noch mit. Mir gefiele besser: anthropogen beeinflusster Klimawandel.
    Ralf Wendt, Berlin

  • Hatten wir jemals das Industriewachstum unter Kontrolle?
    Ulrich Willems, Düsseldorf

  • Am 29. Juli war der diesjährige Erdüberlastungstag. Seit dem 30. Juli lebt die Menschheit von gestohlenen Rohstoffen, die den kommenden Generationen gehören. Weniger Luxus ist mehr Lebensqualität für die gesamte Menschheit und macht uns die Hölle nicht im Sauseschritt heiß!
    Martin Ramschulte, Schöppingen(NRW)

  • Die Menschen verändern das Klima, aber kontrollieren konnten sie es nie und werden es wohl auch nicht so bald können. Die Menschen in den heutigen und künftigen Katastrophengebieten können nicht auf dieses Wunder warten. Statt viel Energie in untaugliche Versuche zu stecken, den Klimawandel zu bremsen, sollte man sich auf ihn vorbereiten. Die Menschheit geht nicht unter, aber Emden und New York wird es in 200 Jahren nicht mehr geben.
    Roland Pott, Emden (Nieders.)

  • Wir befinden uns alle auf einem sinkenden Schiff, das Wasser steht uns bis zum Hals, unsere Wissenschaftler tun alles, um herauszufinden, warum und wie das Schiff sinkt, in der Hoffnung, dass dieses Wissen uns rettet. Aber niemand schöpft das Wasser aus dem Schiff, höchstens ein paar Leute mit Kaffeetassen. Und niemand dichtet es ab. Warum kann die Politik nicht ein weltweites, riesiges Aufforstungsprogramm starten, und jedes Land, das kann, fängt schon mal an? Warum kann man nicht die Regierungen, die lebenswichtige Wälder abholzen lassen, unter Druck setzen? Sie nehmen ja schließlich der ganzen Welt, uns allen, die Lebensgrundlage.
    Helga Arfert, Affalterbach (Bad.-Württ.)

  • Zu erwarten ist, wenn sich das Meer weiter aufheizt, dass sich die in riesigen Mengen unterseeisch vorhandenen Methanhydrat-Lager auflösen und gigantische Methanmengen in die Atmosphäre entlassen. Die Permafrostböden tauen rasant schneller auf, als die Wissenschaft prognostiziert hat. Wie könnte das noch kontrolliert oder gar verhindert werden? Ganz zu schweigen von den bekannten aktuellen Problemen wie der weltweiten Kohleverbrennung, der Waldvernichtung, der Verschmelzung und Versauerung der Meere. Optimismus könnte nur entstehen, wenn ein völlig neuer Ansatz für eine wirklich nachhaltige Politik gefunden und tatsächlich praktiziert würde. Ist das wahrscheinlich?
    Klaus Vitt, Bonn

  • Fazit: Wer nicht hören will, muss fühlen!
    Katja Mackens-Hassler, Hamburg

  • Die Erklärung für die extremen Vorkommnisse ist meines Erachtens simpel: Die Erde wehrt sich und schlägt zurück! Vielleicht lernen viele daraus, dass ihnen der Planet nicht gehört und sie Verantwortung für diesen und für zukünftige Generationen tragen!
    Dr. Wolf Günther, Berlin

  • Im Jahr 1800 wurde die Welt von einer Milliarde Menschen bevölkert. 1960 waren es drei Milliarden. Aktuell sind es 7,8 Milliarden. 2060 sollen es bereits 10 Milliarden sein. Alle Menschen streben ein gutes Leben mit einem gewissen Komfort an. 1960 waren in der Bundesrepublik 8 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, aktuell sind es 60 Millionen. Die Ressourcen der Erde werden immer mehr ausgebeutet, das früher vorhandene natürliche Gleichgewicht der Natur ist schon längst nicht mehr gegeben.
    Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)

  • Die angestrebte CO²-Reduktion der nächsten Jahrzehnte ist erstmals der intelligente und zugleich verzweifelte Versuch, das Klima »unter Kontrolle« zu bekommen bzw. wohl eher, es zu besänftigen. Es wird bei dem ambitionierten Versuch bleiben, weil die Zeit nicht ausreichen wird und weil ein Großteil der wohlhabenden Menschen immer noch fest daran glaubt, sich mit Geld eine Oase kaufen zu können, die von der Wetter-Apokalypse verschont werden wird: irgendwie, irgendwo, aber vermutlich nicht auf diesem Planeten.
    Andreas Dechange, Bochum

Recht auf körperliche Unversehrtheit

Nr. 31/2021 Leitartikel: Es ist höchste Zeit, die gesamte Weltbevölkerung zu impfen

Mobiler Sanitäter bei Impfung in Kenia

Mobiler Sanitäter bei Impfung in Kenia

Foto: Brian Ongoro / AFP
  • Danke für diesen erfrischenden Leitartikel, der zur Solidarität mit den Armen in der Welt aufruft. Jetzt ist es wirklich an der Zeit, dass alle ungenutzten Vakzinen via NGOs an örtliche Gesundheitsstationen in den ärmsten Ländern abgegeben werden, um dort Menschenleben zu retten. Wäre natürlich toll, wenn die EU das unbürokratisch und schnell auf die Reihe bekommen könnte, um ein Zeichen zu setzen, aber ein kleiner Anfang von Deutschland aus wäre als Signal auch schon okay. Und sollte es hier wieder schlimmer werden, na ja, dann müssten die Impfzögerer eben etwas länger warten, bis wieder neue Impfdosen nachgeliefert werden, denn Zeit genug zum Impfen hatten sie ja.
    Dipl. Ing. Jürgen Koppelmann, Buxtehude (Nieders.)

  • Deutschland und den Deutschen geht es gut, zu gut. Der vorhandene und nicht verbrauchte Impfstoff muss so schnell als möglich dahin gebracht werden, wo er gebraucht wird und willkommen ist. In Deutschland ist er das anscheinend nicht.
    Lothar Wirth, Berlin

  • In der DDR hatten Impfungen einen hohen Stellenwert, waren aber auch Pflicht. Der Westen setzte auf Freiwilligkeit, außer bei der Pockenimpfung. Die Politik sollte über die Einführung einer Impfpflicht zur Eliminierung des Coronavirus nachdenken. Das Recht des Einzelnen auf Selbstbestimmung endet spätestens dann, wenn das Recht aller auf körperliche Unversehrtheit gefährdet wird.
    Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)

Nr. 31/2021 Wird sich die SPD noch mal in ein Bündnis mit der Union zwingen lassen?

  • Mit einem Kanzler der freundlichen Untätigkeit Laschet, einem Minister Merz und mit Lindners Partei der sozialen und ökologischen Verantwortungs-verweigerung auf der Regierungsbank zu sitzen wäre nun wirklich der unüberbietbare sozialdemokratische Albtraum.
    Andreas Knipping, Eichenau (Bayern)

Nr. 31/2021 SPIEGEL-Gespräch mit CSU-Chef Markus Söder über die Angst vor dem Gang in die Opposition

  • Sehr bemerkenswert sind die kurzsichtigen Aussagen von Herrn Söder zum Klimaschutz. Die Hochwasserkatastrophe sei ein »Weckruf« für die Klimapolitik, der Klimaschutz müsse »deutlich ehrgeiziger werden«, wir brauchten einen »Klimaruck«. Was konkrete Maßnahmen betrifft: kein Wort zum CO²-Preis, zu Anpassungs- oder Transformationsstrategien.
    Prof. Dr. Kai van de Loo, Bochum

Nr. 31/2021 Was sich Real Madrid den Wechsel des Bayern-Spielers David Alaba kosten lässt

  • Raffgierige Spieler mit ihren Beratern und in neuester Zeit mit ihren Familien, selbstherrliche Präsidenten, die ihre Klubs in den Ruin treiben und dann neue Wettbewerbe fordern, damit der ganze Zirkus weiterläuft – egal was auf der Welt passiert und auch während der immer noch grassierenden Pandemie – die Herren kicken und kassieren munter weiter.
    Thomas Mayer, Hamburg

Politische Hybris

Nr. 31/2021 Altkanzler Gerhard Schröder verteidigt im SPIEGEL-Gespräch den Afghanistan-Einsatz

Kanzler Schröder in Kabul 2002: »Zweimal hätten wir uns nicht weigern können«

Kanzler Schröder in Kabul 2002: »Zweimal hätten wir uns nicht weigern können«

Foto: photothek.net / SZ Photo
  • Schröders Entscheidung war falsch, von Anfang an, und bleibt es. Daran ändern seine Einlassungen nichts. Historisch scheiterten bereits Engländer wie Russen. Das war damals bekannt. Was bleibt heute? Nahezu nichts. Der politische Schaden (Glaubwürdigkeit) ist heute weitaus größer, als es ein deutsches Nein damals gewesen wäre. Auch hier irrt Schröder. Das desaströse Scheitern der USA und ihrer Verbündeten war vorhersehbar. Ohne wie mit uns. Das erkannten, wie ich aus Gesprächen mit etlichen Generälen damals weiß, auch viele deutsche Militärs, machten aber mit. Welch politische Hybris! Mein Glück damals: Alle meine Leute kamen heil zurück! Dieses Glück hatten andere Kommandeure nicht. Mich als Berufssoldaten bewog nicht zuletzt das fatale Afghanistan-Abenteuer wenige Jahre später zum vorzeitigen Ausstieg.
    Matthias Richter, ehemaliger Regimentskommandeur, Ulmen (Rhld.-Pf.)

  • Wir von der Friedensinitiative Nordheide suchten angesichts des Irakkriegs der Amerikaner nach einer Möglichkeit, Bundeskanzler Schröder gegen eine deutsche Kriegsbeteiligung zu unterstützen. Innerhalb von sechs Wochen sammelten wir in Buchholz in der Nordheide 1000 Unterschriften gegen eine deutsche Beteiligung. Die Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn begleitete uns nach Berlin zur Übergabe an Bundeskanzler Schröder, der die Unterstützung für seine Politik gern annahm. Das hat ihn, die SPD – nach dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan – nach Meinung der Friedensinitiative bedingt rehabilitiert.
    Gerd Weißmann, für die Friedensinitiative Nordheide, Buchholz (Nieders.)

Symbolische Geste

Nr. 31/2021 Weshalb eine deutsche Fregatte in den Indopazifik aufbricht

Fregatte »Bayern« in Wilhelmshaven: Kluft zwischen globalen Ambitionen und realen Möglichkeiten

Fregatte »Bayern« in Wilhelmshaven: Kluft zwischen globalen Ambitionen und realen Möglichkeiten

Foto: Martin Brinckmann / DER SPIEGEL
  • Ihr Artikel schildert anschaulich die politischen Risiken der Asienfahrt der Fregatte »Bayern«. Die Fahrt wird von der chinesischen Führung sicherlich als Affront betrachtet, wobei noch unklar ist, ob sie den ihr dadurch drohenden Gesichtsverlust durch eine Einladung der »Bayern« nach Shanghai in eine großzügige Goodwill-Geste ummünzt oder einen aggressiven Gegenkurs fährt. Im letzteren Fall: Will Deutschland dann ein Geschwader nachschicken wie weiland Kaiser Wilhelm zur Zeit des »Boxer«-Krieges?
    Dr. Andreas Musolff, University of East Anglia, Norwich (Großbritannien)

  • Es sind ja nicht wieder Kanonenboote auf dem Jangtse, sondern Marineschiffe von demokratischen Ländern, die noch die letzten Möglichkeiten nutzen wollen, einer diktatorischen und aggressiven Macht vor Augen zu führen, dass es wirtschaftspolitische Freiheiten zu verteidigen gilt.
    Dr.-Ing. Frank Leschhorn, München

  • Mit der Entsendung der Fregatte »Bayern« in die pazifischen Gewässer vor der Ostküste Chinas beteiligt sich die Bundeswehr an einer groß angelegten und von den USA gesteuerten Drohkulisse gegen die Volksrepublik China. Die Begründung, eine Beeinträchtigung der Seehandelswege in dem fraglichen Gebiet und damit der Lieferketten nach Europa hätte gravierende Folgen für Wohlstand und Versorgung unserer Bevölkerung, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Von den sechs größten Häfen der Welt liegen fünf an der Ostküste Chinas. China als größte Handelsmacht beliefert insbesondere Europa auf dem Seeweg. Die Handelsmacht China hat nicht das geringste Interesse, die Seewege nach Europa zu blockieren.
    Dr. Thorolf Stegmann, Leinfelden-Echterdingen (Bad.-Württ.)

  • Deutschland will also Flagge zeigen und entsendet eine Fregatte in ein politisch vermintes Gelände. Soll dies eine Drohgebärde gegenüber China sein? Diese würde doch nur dann Sinn machen, wenn Deutschland auch im Ernstfall – bei einer Beeinträchtigung der Seehandelswege durch China – bereit wäre, sich in eine militärische Auseinandersetzung mit den Chinesen zu begeben. Die Gebietsansprüche Chinas im Südchinesischen Meer beeinträchtigen mitnichten die Lieferketten von und nach Asien, es geht um militärische Macht, wie es auch den Amerikanern nur um eine globale militärische und wirtschaftliche Hegemonie ging und immer noch geht. Es ist doch nichts weiter als eine symbolische Geste gegenüber den USA, Australien, Japan und Südkorea, welche unser Verhältnis zu China nur beschädigen kann.
    Klaus Bétac, Aumühle (Schl.-Holst.)

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (leserbriefe@spiegel.de ) gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter www.spiegel.de zu archivieren.

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