Die Welt verstehen Wir sind Unternehmer!

Wer als Kind eine Geschäftsidee hat, wird von Erwachsenen häufig nicht ernst genommen. Dabei haben Kinder oft gute Ideen. Hier berichten junge Unternehmer, mit welchem Plan sie Geld verdienen wollen - und welche Probleme noch zu knacken sind.
Von Antje Helms

Einen eigenen Laden aufmachen, etwas basteln und verkaufen, Geld verdienen - gar nicht so schwer, wie man denkt. Einige Kinder tun das bereits. Wer schon eine gute Idee hat oder wer erst noch herausfinden will, was ihm Spaß machen könnte, der ist bei Judith Wilske an der richtigen Stelle. "Kinder zu Unternehmern" steht auf ihrem Bus, mit dem die Wirtschaftswissenschaftlerin durchs Land fährt und Jugendlichen und Kindern Tipps gibt, wie man Unternehmer wird. Wenn die Eltern zustimmen, dürfen in Deutschland nämlich auch Kinder schon Unternehmer sein.

Wer jedoch viel Geld braucht, um seine Idee erst einmal umzusetzen - beispielsweise, um Material für eine Erfindung zu kaufen -, hat als Kind ein Problem: Erst mit 18 Jahren bekommt man von der Bank Geld geliehen. Und das Geld bei Erwachsenen zu leihen ist ebenfalls oft nicht leicht: "Denn viele Geschäftsleute vertrauen den Kindern nicht, dass sie es wirklich ernst meinen und bei der Sache bleiben. Sie denken, dass Kinder schnell die Lust verlieren - und das Geld dann futsch ist", sagt Judith Wilske.

Manchmal aber ist gar nicht viel Geld nötig, um unternehmerisch loszulegen! Das zeigen Anton, Arbnor, Greta und Lennard zusammen mit ihren Freunden.

Spezialitäten-Bäckerei

"Die 2: Arbi & Can": Arbnor Sefaj (14) und Ömercan Asik (14)

Arbnor: "Unsere Spezialität sind verschiedene Brötchen, Brotarten und Gebäck mit typischen Gewürzen aus unseren Heimatländern. Ich komme aus dem Kosovo, Ömercan aus der Türkei. Welche Zutaten wir brauchen und wie gebacken wird, haben wir von unseren Müttern gelernt. Zurzeit haben wir drei Stammkunden, die wir entweder am Wochenende oder nach der Schule beliefern. Vor allem aber zu Geburtstagen und anderen Festen. Sie rufen bei uns an oder bestellen per E-Mail. Belegte Brötchen kosten 1,80 Euro."

Weil die beiden in Zukunft auch Kuchen anbieten möchten, hat Ömercan gerade sein Schulpraktikum in der Konditorei Lindtner in Hamburg gemacht. Demnächst wollen die beiden eine Homepage fürs Internet basteln.

Handgemachte Postkarten

Greta Hardix (8) und Annika Auf der Hart (8)

Greta: "Wir bekleben Postkarten mit gepressten Blumen aus der Natur. Das sieht schön aus. Vorher überlegen wir, welches Papier in welcher Farbe zu den Blumen passt. Dann verkaufen wir sie auf dem Flohmarkt. Uns bringt es Spaß, mit den Leuten auch ein wenig zu reden. Eine Karte mit Briefumschlag kostet 1,50 Euro. Wir würden uns freuen, einen eigenen Raum zu haben, wo wir unsere Karten ausstellen und wo Leute hinkommen könnten, um sie zu kaufen."

Später einmal soll es für "Kinder zu Unternehmern" ein Haus geben. Dort sollen Kinder ihre Sachen verkaufen und sich beraten lassen können. Aber noch fehlt das Geld, um so ein Haus zu bezahlen.

Bestickte Kunsttaschentücher

Anton Zellerhoff (9)

Anton: "Ich besticke Papiertaschentücher mit der Nähmaschine. Wie das geht, habe ich mir bei meiner Mutter abgeguckt. Man kann verschiedene Stiche einstellen. Die Muster entstehen eigentlich wie von selbst. Gepikst habe ich mich noch nicht, denn ich stelle die Nähmaschine auf 'langsam' ein. Auf meiner Website kann man die Muster ansehen und bestellen: www.rafieze.de . Der Name ist mir selbst eingefallen. Klingt cool, finde ich."

Die Idee, seine Taschentuch-Kunstwerke zu verkaufen, hatte Anton letztes Jahr, als er zufällig auf der Straße den "Kinder zu Unternehmern"-Bus sah und beim Workshop mitmachte. Anton hat mittlerweile schon etwa 60 Stück verkauft. Ein Taschentuch kostet zehn Euro.

Vermietungszoo

Lennard Aschmann (11), Leon Dumkowski (12) und Steffen Jorrison (13)

Leon: "Wir stecken noch mitten in der Planung und überlegen, wie wir Geld auftreiben, um ein paar Meerschweinchen, Kaninchen und Vögel anzuschaffen. Die würden wir an Kinder vermieten, die bisher keine eigenen Tiere halten dürfen. Vielleicht können sich Eltern leichter für ein Tier entscheiden, wenn sie es erst einmal ausprobieren. Wir würden die Leute besuchen, die sich Tiere ausleihen, um zu sehen, wie sie mit ihnen umgehen."

Eigentlich wollten die drei ihre eigenen Tiere verleihen. Das Problem ist: Leons Hund würde nie zu fremden Menschen gehen. Und seine Meerschweinchen dürfe er nicht verleihen, sagen die Eltern. Jetzt müssen die Jungs Miet-Tiere kaufen. Immerhin: Lennards Vater hat versprochen, einen Platz für den Mietzoo zu finden.


Mehr Infos unter: www.kinder-zu-unternehmern.de