Oliver Pocher im Kinder-Interview "Ich bin so, wie ich bin"

Zwei Kinderreporter von Dein SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazion für Kinder, trafen Oliver Pocher zum Interview. Der Fernsehstar erzählte den Geschwistern Lotta und Moritz, welche Frechheiten ihm heute leidtun (keine), wie oft er sich selbst googelt (dauernd) und ob seine Freundin ihn eigentlich lustig findet (manchmal).

DPA

Dein SPIEGEL: Olli, bist du lieber berühmt oder beliebt?

Oliver Pocher: Auf jeden Fall berühmt. Mir bleibt auch gar nichts anderes übrig, da ich ja nicht so komplett beliebt bin. Die Leute finden mich entweder total lustig oder total bekloppt. Dazwischen gibt es wenig.

Dein SPIEGEL: Wie oft googelst du dich?

Oliver Pocher: Fast täglich. Die Zeit nehme ich mir. Oft sogar zwei- bis dreimal. Immer die News-Seiten. Aber ich lese nur die Überschriften. Wenn da steht: "Pocher peinlich", dann breche ich sofort ab, da ich mir denken kann, wie der Artikel weitergeht. Meine Eltern dagegen sammeln alles, jeder Zeitungsartikel wird ausgeschnitten und von meiner Mutter in Alben geklebt.

Dein SPIEGEL: Gibt es eigentlich Beleidigungen, die dir heute leidtun?

Oliver Pocher: Im Moment fällt mir keine ein. Manchmal rede ich mich raus und sage hinterher: "Sorry, tut mir echt leid, aber das haben Autoren für mich geschrieben." Findet ihr denn, mir sollte etwas leidtun?

Dein SPIEGEL: Na ja, dass du Mariah Carey als Presswurst bezeichnet hast, vielleicht?

Oliver Pocher: Das stimmt so nicht. Ich habe, als sie die Treppe runterkam, den Dolmetscher gefragt, was eigentlich Presswurst auf Englisch heißt. Das hat mich in dem Moment einfach interessiert. Mariah Carey ist eine Frau, die ihre Kleider grundsätzlich sechs Nummern zu klein trägt, trotzdem sagen ihr immer alle "Wow, siehst du wieder toll aus". Da dann mal einen Vergleich herzustellen, der ja durchaus für alle ersichtlich ist, das finde ich in Ordnung.

Dein SPIEGEL: Was ist denn der Unterschied zwischen einem Gag und einer Beleidigung?

Oliver Pocher: Wenn man hingeht und sagt: "Du Idiot" oder "Du Presswurst", dann ist das beleidigend. Das mache ich aber nicht. Ich spreche nur aus, was die Mehrheit denkt, sich aber nicht trauen würde, direkt zu sagen. Ich weise die Menschen humorvoll auf ihre Fehler hin. Das empfinden manche Leute vielleicht als Beleidigung, aber ich finde, dass muss jeder aushalten, der freiwillig ins Fernsehen geht. Ich bin so, wie ich bin: kommentiere alles und sage ungefiltert meine Meinung.

Dein SPIEGEL: Denkst du denn nach, bevor du einen Spruch machst?

Oliver Pocher: Ja, meistens läuft es so: Ich sehe etwas, habe spontan einen Gag im Kopf und dann etwa eine halbe Sekunde Zeit, um zu entscheiden, ob ich auf den Lacher setze oder das Maul halte. In 90 Prozent der Fälle wähle ich den Lacher.

Dein SPIEGEL: Gibt es Dinge, über die du dich auf keinen Fall lustig machen würdest?

Oliver Pocher: Kinder sind natürlich tabu.

Dein SPIEGEL: Nee, jetzt mal im Ernst.

Oliver Pocher: Bei Menschen, die mit Fernsehen nichts zu tun haben, bemühe ich mich, dass alles mit einem Lächeln passiert. Und über Tragödien mache ich mich auch nicht lustig. Wenn ein Flugzeug abstürzt, würde ich sicher keine Witze über die Verunglückten machen. Aber wenn eine Sondersendung in der ARD über das brennende Flugzeug dann "Brennpunkt" heißt, dann mache ich mir Gedanken darüber, ob das der passende Titel ist.

Dein SPIEGEL: Wie viele deiner Gags sind spontan und wie viele harte Vorarbeit?

Oliver Pocher: Geschrieben ist fast gar nichts. Es gibt eine Idee, die wir gemeinsam in der Redaktion erarbeiten, und dann drehen wir die. Nach diesem Interview zum Beispiel werden wir zu einem Kino fahren und versuchen, Männer davon abzuhalten, sich "Sex and the City" mit ihrer Frau anzuschauen. Ich werde mich da hinstellen, mit einem Bier-Bike und drei leichtbekleideten Damen, und schauen, was passiert. Das ist alles spontan.

Dein SPIEGEL: Wann hast du gemerkt, dass du lustig bist und unterhalten kannst?

Oliver Pocher: Ich hatte schon als Kind vor niemandem Angst und konnte sehr offen auf Menschen zugehen, seien es meine Lehrer oder Leute auf der Straße. Mit 12 Jahren habe ich zum Hochzeitstag meiner Eltern eine halbe Stunde lang Szenen ihrer Ehe vorgespielt. Das war mein erster richtiger Stand-up. Auch in der Schule habe ich früh gemerkt, dass ich im Mittelpunkt stehe, wenn ich Sachen mache, die ich eigentlich nicht machen sollte.

© Dein SPIEGEL 7/2010
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