Gutes tun? Ehrensache! Wie Kinder sich für andere einsetzen

Ehrenamtlich helfen - das machen mehr Leute, als man denkt. Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland setzen sich für andere ein, darunter viele Kinder und Jugendliche. Wir stellen hier vier Kinder vor, die freiwillig Gutes tun.

Die 11-jährige Nora baut sich manchmal Hügel auf die Haut und malt sich mit Kunstblut scheinbar klaffende Wunden auf Arme und Beine. Lukas, 11, saß schon mal als Huhn verkleidet im Gefängnis, und der 13-jährige Johannes engagiert sich als "Frischer Fisch".

Was die drei gemeinsam haben: Sie helfen ehrenamtlich. Das machen mehr Leute, als man denkt. Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland setzen sich für andere ein, darunter viele Kinder und Jugendliche. Sie kümmern sich um Kranke und Alte, sorgen sich um Tiere und die Umwelt oder helfen in Vereinen, Organisationen oder in der Kirche - ohne dafür bezahlt zu werden.

Johannes Klassenkameraden machen sich manchmal über ihn lustig. Sie sagen, dass er als Einzelner eh nichts bewirken kann. "Aber das stimmt nicht. Man muss halt im Kleinen anfangen", sagt er.

In Dein SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder, erzählen Johannes, Nora, Lukas und Carlotta, wie sie sich engagieren und warum es ihnen Freude macht.

SOZIALES

Carlotta, 12, aus Klein Hansdorf, ist "Zeitschenkerin" im Verein Nestwärme und kümmert sich um einen schwerkranken Jungen

Jeden Freitag nach der Schule, wenn meine Freundinnen sich zum Spielen treffen, fahre ich mit meiner Mutter zu Philipp. Als er und ich uns das erste Mal begegneten, waren wir neun Jahre alt. Er hat mir in die Augen geblickt und mich angelächelt. Da war mir klar, ich will ihm helfen. Philipp ist nämlich ein besonderer Junge. Er hat eine seltene Stoffwechselkrankheit, die Mukopolysaccharidose heißt. Dadurch verlernt er alle Dinge, die für uns normal sind: Sprechen, Hören, Laufen und Schlucken. Um ihm und seinen Eltern zu helfen, bin ich "Zeitschenkerin" geworden. Das ist ein Programm des Vereins Nestwärme. Er unterstützt Familien mit schwerkranken und behinderten Kindern. Eigentlich ist es ganz einfach: Ich spiele mit Philipp, tanze ihm vor oder füttere ihn. In der Zeit kann seine Mutter sich in aller Ruhe um etwas anderes kümmern. Mir gefällt es, mit ihm zusammen zu sein. Nur manchmal bekomme ich Angst. Philipp hat nur eine Lebenserwartung von etwa 15 Jahren. Mir ist es wichtig, ihn jeden Freitag zu sehen. Dafür lasse ich sogar die Geburtstagsfeiern von meinen Freunden ausfallen. Freunde werde ich immer haben, Philipp leider nicht.

TIERSCHUTZ

Lukas, 11, ist Mitglied im Tierschutzverein Groß-Dortmund

Ich saß schon einmal im Gefängnis - als Huhn. Ich habe mich mit anderen Kindern aus unserem Tierschutzverein verkleidet und mich in einen Käfig gesetzt. Damit wollten wir zeigen, wie schlecht es Hühnern in Legebatterien geht. Ich mag Tiere sehr. Leider geht es vielen nicht gut, weil sie nicht artgerecht gehalten werden. Oder weil sie keinen Platz mehr finden zum Leben. Jedes zweite Wochenende und in den Ferien treffen wir uns mit der Gruppe vom Tierschutzverein, um etwas daran zu ändern. Ich bastle und werkle gern und habe schon mehrere Tierhäuser gebaut: ein Insektenhotel aus Holz, Lehm und Stroh, in dem Käfer und Bienen rasten können. Und ein Gehege für Ziegen. Zusammen mit meinem Opa mache ich jetzt einen Kasten für Fledermäuse. Das sind meine Lieblingstiere. Wenn er fertig ist, hänge ich ihn in den Wald. Den besuchen wir dann regelmäßig und räumen Müll weg, denn auch der schadet den Tieren. Im Februar stellen wir Krötenzäune an den Straßenrändern auf, damit die Kröten auf ihrer Wanderung nicht überfahren werden. Und ich trage sie sicher auf die andere Straßenseite.

UMWELT

Johannes, 13, aus Berg in Bayern hat in seiner Schule eine Umweltgruppe gegründet und ist bei Greenpeace aktiv

Für die Umwelt interessiere ich mich schon lange. Wenn ich schlechte Nachrichten im Fernsehen gesehen habe, von einer Ölpest oder über Atomkraft, hat mich das wütend gemacht. Irgendwann wollte ich nicht mehr tatenlos zusehen, wie die Welt zerstört wird, sondern selber etwas tun. Als ich in einer Anzeige von Greenpeace gelesen habe, dass es dort auch Kindergruppen gibt, wusste ich gleich: Das mache ich. Ich habe Schulfreunde und Kinder aus der Nachbarschaft angesprochen und ein eigenes Greenteam gegründet. Wir nennen uns "Frischer Fisch". Manche Klassenkameraden machen sich über mich lustig. Sie sagen, dass man als Einzelner eh nichts bewirken kann. Aber das stimmt nicht. Man muss halt im Kleinen anfangen. Auch in der Schule habe ich jetzt eine Umweltgruppe gegründet. Zum Glück bin ich nicht schüchtern und kann gut reden. Das ist wichtig, wenn man andere überzeugen möchte. Mit anderen Greenteams habe ich bei Demonstrationen und Menschenketten mitgemacht. Da sieht man dann, dass aus Einzelnen schnell viele werden. Und die können eine Menge bewirken.

GESUNDHEIT

Nora, 11, aus Hamburg ist Mitglied beim Deutschen Jugendrotkreuz (JRK)

Manchmal schminke ich mich. Ich nehme rote, schwarze und blaue Theaterschminke und lege los. Mit Kitt baue ich mir kleine Hügel auf die Haut, die wie Beulen aussehen. Dann zaubere ich mit Kunstblut Wunden herbei. Wenn ich fertig bin, sehe ich aus, als hätte ich einen Unfall gehabt. Das ist so gewollt. Denn ich möchte Kindergartenkindern zeigen, wie sie Erste Hilfe leisten können. Ich bin Mitglied bei der Jugendorganisation vom Deutschen Roten Kreuz. Unsere Gruppe trifft sich immer freitags. Wir machen dann verschiedene Dinge. Im Kindergarten tue ich so, als sei ich verletzt, und lasse mich von den Kindern verarzten. Manchmal besuchen wir auch ältere Leute. Einige von ihnen können nicht mehr gut laufen und sind einsam. Manchmal basteln, malen oder kochen wir auch oder lernen selbst, wie man Wunden verbindet oder Verbrennungen behandelt. Am besten finde ich aber, anderen zu helfen. Es ist toll, wie sehr die Leute sich darüber freuen.