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Verena Brüning / Dein SPIEGEL

Alexander Zverev im Kinder-Interview »Manchmal trainiere ich sieben Stunden am Tag«

Alexander Zverev ist einer der besten Tennisspieler der Welt. Mit den Kinderreporterinnen Lisa-Marie und Lilly sprach er über das Reisen, kaputte Schläger und seinen Sieg bei Olympia.
Redaktionelle Begleitung: Pelle Kohrs

Dein SPIEGEL: Stimmt es, dass du schon als Dreijähriger mit dem Tennisspielen angefangen hast?

Zverev: Vielleicht sogar noch früher. Ich hatte schon einen Tennisschläger in der Hand, kurz nachdem ich das Laufen gelernt habe.

Dein SPIEGEL: Als Kind hast du auch Hockey gespielt. Warum hat dir Tennis besser gefallen?

Zverev: Weil mir das Eins-gegen-eins-Duell so viel Spaß gemacht hat. Es hängt dabei nur von einem selbst ab, ob man gewinnt oder verliert. Das mag ich sehr.

Dein SPIEGEL: Und wie bist du Profi geworden?

Zverev: Ich komme aus einer Tennisfamilie, meine Eltern waren Profis und mein großer Bruder auch. Als Kind war ich oft bei seinen Turnieren dabei, deswegen kannte ich dieses Leben schon immer. Und ich habe mir damals das Ziel gesetzt, dass ich das später auch machen möchte.

Dein SPIEGEL: 14 Sport-Profis verraten ihre Tricks
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Dreimal pro Woche sollten Kinder so richtig ins Schwitzen kommen, empfiehlt die WHO. Wer sich daran hält, fühlt sich besser, nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf. Aber Sport ist mehr als nur Fitness. Sport ist Teamwork, Wettbewerb, Horizonterweiterung. Und am Ende macht es auch einfach Spaß, einen neu erlernten Skateboardtrick das erste Mal zu stehen, einen perfekten Pass zu spielen oder die Gegnerin beim Judo auf die Matte zu schmeißen. Wie Kinder in verschiedenen Sportarten besser werden können und warum sie jetzt unbedingt diese eine Sportart ausprobieren sollten, erzählen ihnen in der neuen Ausgabe von »Dein SPIEGEL« 14 Profis. Hier kann man das Heft online bestellen:

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Dein SPIEGEL: Bei den Olympischen Sommerspielen im vergangenen Jahr hast du eine Goldmedaille gewonnen. Wie hat sich das angefühlt?

Zverev: Das war unglaublich. Bei den Olympischen Spielen mitmachen zu dürfen und dann auch noch die Goldmedaille zu holen, ist größer als alles andere im Sport. Was ich toll fand: dass ich dort mal nicht auf mich allein gestellt war. Ich war zusammen mit vielen anderen deutschen Athleten vor Ort, und wir haben uns gegenseitig angefeuert.

Dein SPIEGEL: Im Halbfinale musstest du gegen Novak Djoković antreten, der auf dem ersten Platz der Tennisweltrangliste steht. Wie hast du es geschafft, ihn zu besiegen?

Zverev: Das war richtig schwierig. Ich war kurz davor, das Match zu verlieren. Aber als ich hinten lag, habe ich mir vorgenommen, die Bälle von nun an so hart wie möglich auf die andere Seite zu schlagen. Und das hat funktioniert.

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Tennis liegt in der Familie

Foto: Nadine Rupp / Bongarts / Getty Images

Dein SPIEGEL: Welche Turniere möchtest du noch gewinnen?

Zverev: Die größten Turniere im Tennis sind die vier Grand-Slam-Turniere. Diese zu gewinnen ist mein nächstes Ziel.

Dein SPIEGEL: Im vergangenen Jahr fanden viele Turniere ohne Zuschauer statt. Wie war das für dich?

Zverev: Das war für uns Profis natürlich ein komisches Gefühl, als die Ränge leer waren. Mit 20.000 Zuschauern im Stadion macht es einfach viel mehr Spaß.

Dein SPIEGEL: Macht es dich gar nicht nervös, wenn dir so viele Leute zuschauen?

Zverev: Doch, aber das ist ganz normal. Wir Menschen teilen ja die gleichen Emotionen. Deswegen werden Profis genauso nervös wie Amateure. Das gehört dazu.

Dein SPIEGEL: Viele Tennisspieler hauen während eines Spiels ihre Schläger kaputt. Bei dir haben wir das auch schon beobachtet. Wieso macht ihr Profis das?

Zverev: Vor allem weil wir von uns selbst genervt sind. Zum Beispiel weil wir nicht so gut spielen, wie wir gern würden.

Dein SPIEGEL: Wie viele Schläger hast du schon zerstört?

Zverev: Das weiß ich nicht genau. Doch einige Hundert werden es schon sein. Ich versuche aber, mir das abzugewöhnen. In diesem Jahr habe ich – bei meinem Aus im Achtelfinale in Australien – bisher einen Schläger kaputt gemacht.

Die Kinderreporterinnen Lilly und Lisa-Marie, beide 11, trafen Alexander Zverev, 24, im Berliner Tennis Club WISTA.

Die Kinderreporterinnen Lilly und Lisa-Marie, beide 11, trafen Alexander Zverev, 24, im Berliner Tennis Club WISTA.

Foto: Verena Brüning / Dein SPIEGEL
Gleich zwei Gegnerinnen auf einmal: Nach dem Interview stellte sich Zverev den Kinderreporterinnen auf dem Sandplatz.

Gleich zwei Gegnerinnen auf einmal: Nach dem Interview stellte sich Zverev den Kinderreporterinnen auf dem Sandplatz.

Foto: Verena Brüning / Dein SPIEGEL

Dein SPIEGEL: Beim Tennis spielt man auf verschiedenen Untergründen. Meistens auf Hart-, Sand- oder Rasenplätzen. Welcher gefällt dir am besten?

Zverev: Die größten Erfolge hatte ich immer auf Sand- und Hartplätzen. Rasenplätze gefallen mir nicht so gut.

Dein SPIEGEL: Wieso nicht?

Zverev: Weil die so weich sind, dass der Ball dort sehr tief abspringt, nachdem er auf dem Boden aufgeprallt ist. Und da ich mit fast zwei Metern sehr groß bin, muss ich mich dann immer ganz tief bücken.

Dein SPIEGEL: Ein Tennisspiel kann lange dauern. Kannst du dich noch an dein längstes Match erinnern?

Zverev: In Australien habe ich mal mehr als viereinhalb Stunden gegen Rafael Nadal gespielt. Und bei den letzten US-Open in New York fast genauso lange gegen Djoković. Das waren echt lange Matches.

Dein SPIEGEL: Was ist anstrengender: das stundenlange Hin- und-her-Rennen auf dem Platz oder dass man die ganze Zeit konzentriert bleiben muss?

Zverev: Während eines Tennisspiels ist so viel Adrenalin in dir, dass du die körperliche Anstrengung gar nicht richtig bemerkst. Viel schwieriger ist es, stundenlang konzentriert zu bleiben.

Dein SPIEGEL: Wie oft trainierst du?

Zverev: Zweimal täglich. Wenn ich mich auf ein Turnier vorbereite, trainiere ich manchmal sogar bis zu sieben Stunden am Tag.

Dein SPIEGEL: Was machst du in dieser Zeit alles?

Zverev: Erst mal wärme ich mich auf. Dann sind vier Stunden für Tennis-Einheiten eingeplant. Da übe ich meine Aufschläge oder spiele gegen meinen Trainer. Und den Rest der Zeit verbringe ich im Fitnessstudio, um an Kraft und Ausdauer zu arbeiten. Ich laufe dann auf dem Laufband, mache Schnelligkeitsübungen, hebe Gewichte oder trainiere meine Sprungkraft.

Dein SPIEGEL: Die großen Tennisturniere finden auf der ganzen Welt statt. Ist das viele Reisen nicht anstrengend?

Zverev: Ja, ist es, aber es macht auch riesigen Spaß. Als Tennisprofi bist du in den schönsten Städten und Ländern der Welt. Das ist etwas ganz Besonderes.

Dein SPIEGEL: Hast du denn überhaupt Zeit, dir die Städte anzuschauen?

Zverev: Das kommt drauf an, wie gut ich spiele. Wenn ich in einem Turnier weit komme, eher nicht. Wenn ich aber früh rausfliege, schon. Deswegen hoffe ich immer, dass ich am Ende nicht viel von den Städten gesehen habe.

Dein SPIEGEL: Du bist in Hamburg geboren und lebst heute in Monaco. Deine Eltern kommen aus Russland. Wo fühlst du dich zu Hause?

Zverev: In Monaco fühle ich mich sehr wohl, weil ich dort viele Freunde habe. Aber in Hamburg bin ich aufgewachsen. Deswegen wird Hamburg immer meine Heimat bleiben.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 03/2022.

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