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Alltag eines Pflegers auf der Intensivstation »Es ist ein Beruf, der unheimlich viel zurückgibt«

Jan Neu kümmert sich als Intensivfachpfleger unter anderem um Coronapatienten. Sein Beruf ist durch die Pandemie noch viel anstrengender geworden. Trotzdem macht ihm die Arbeit Spaß.
Von Marco Wedig

Im Besprechungsraum geht es los. »Wer kann alles ECMO?«, fragt der Schichtleiter in die Runde. Jan Neu meldet sich. Er weiß, wie man diese künstliche Lunge bedient. Vier Covid-19-Patientinnen und -Patienten werden auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel gerade damit behandelt.

Es ist Dienstag, der 11. Januar, 12.30 Uhr. Für elf Intensivpflegekräfte beginnt die Spätschicht. 20 Patientinnen und Patienten müssen betreut werden, darunter acht Corona-Fälle. Alle haben sich mit der Delta-Variante des Virus angesteckt.

Von einem Kollegen aus der Frühschicht erfährt Jan, wie es den zwei Menschen geht, um die er sich heute kümmern soll. Auf Zimmer 10 liegt eine Frau, um die 60. Vor zwei Tagen wurde sie aus einem anderen Krankenhaus hierher verlegt. Sie wird über einen Schlauch beatmet. Die Dialyse-Maschine übernimmt die Arbeit der Niere, die ECMO die der Lunge. Jans Kollege sagt: »Was die Sedierung angeht, ist die Situation unverändert.« Sedierung bedeutet, dass der Frau Medikamente verabreicht werden, sodass sie für die Dauer der schweren Behandlung nicht bei Bewusstsein ist.

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Jan macht sich bereit: Über seinen Baumwollkittel streift er zwei Wegwerf-Plastikkittel. Er setzt sich eine Haube auf, tauscht die FFP2-Maske gegen eine FFP3-Maske, zieht sich zwei Paar Latex-Handschuhe an und stülpt eine Skibrille über seine normale Brille. Dann geht er rein. Sein Kollege Marcus Haber begleitet ihn. Marcus arbeitet eigentlich im Operationszentrum der Uniklinik. Doch da wegen Corona viele Operationen abgesagt werden, hilft er auf der Intensivstation aus. »Kannst du eine BGA machen?«, fragt ihn Jan. BGA steht für Blutgasanalyse. Sie liefert verschiedene Blutwerte, anhand derer Jan unter anderem bewerten kann, ob die Beatmungs- und die Dialyse-Maschine richtig eingestellt sind.

Mit einer kleinen Taschenlampe leuchtet Jan in die Augen der Patientin. So kontrolliert er, ob die Blutverdünnung, die für die ECMO nötig ist, Nebenwirkungen verursacht. Das Gerät tauscht das Kohlendioxid aus dem Blut der Frau gegen Sauerstoff aus, da ihre durch Corona geschädigte Lunge das nicht mehr tun kann. Es ist eines der letzten Mittel, die die behandelnden Personen bei einem schweren Krankheitsverlauf anwenden können. Wenige Patienten überleben diese Behandlung.

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Mein Beruf: Intensivfachpfleger

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Jan horcht nun die Lunge und den Bauch ab. Er checkt alle Schläuche, die an der Patientin hängen. Dann vergleicht er, ob sie die Medikamente in der vorgeschriebenen Menge erhält. »Welche Medikamente reingehen, entscheidet ein Arzt. Ich bin Auge und Ohr des Arztes: Geht es der Patientin gut oder schlecht? Das überprüfe ich durchgehend.«

Das Beatmungsgerät zischt, hin und wieder piept die Dialyse-Maschine.

Die Patientin ist ungeimpft. Ärgert ihn das? »Wer hier liegt, wird behandelt, da machen wir keine Unterschiede.« Aber manchmal hat er sich schon während dieser Pandemie geärgert. Zum Beispiel als eine impfunwillige junge Schwangere viele Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin entbinden musste, weil sie so einen schweren Verlauf hatte. Oder als Kolleginnen und Kollegen angefeindet wurden, nachdem sie im Fernsehen zu sehen waren.

Das Schlimme an Covid-19: »Die Patienten kommen in der Regel wach hier an. Sie facetimen noch mit ihren Angehörigen. Und dann können wir von Tag zu Tag mitansehen, wie es schlechter wird. Wir haben in letzter Zeit viele Patienten verloren. Da waren einige jüngere dabei, die standen in der Blüte ihres Lebens.«

In Zimmer 11 liegt ein weiterer Covid-19-Patient, Mitte vierzig, ungeimpft. Er wiegt 180 Kilogramm und hat einige Vorerkrankungen: Diabetes und Bluthochdruck. Jan weiß: »Ich werde diesem Mann nicht mehr helfen können. Dieser Mann wird sterben. Ich muss aber diese Behandlung fortführen, solange es die kleinste Chance gibt, dass er überlebt.« Eine ECMO kommt für diesen Patienten wohl nicht mehr infrage. Das hat Jan eben noch mit dem Oberarzt besprochen. Wie in Zimmer 10 macht er jetzt auch hier den Bettencheck: Er leuchtet in die Augen, horcht Lunge und Bauch ab, überprüft Schläuche und Medikamente. Zwischendurch nimmt er sich einen Moment, um mit der Hand über den Kopf des Patienten zu fahren. Es ist, also wollte er sagen: »Ich bin da.«

Alle drei Tage müssen die Schläuche gewechselt werden, weil sich sonst Keime bilden. Auch das macht Jan. Dann tauscht er das Dialyse-Set, weil das Blut verklumpt ist. Es muss schnell gehen. »Kannst du mir einen grünen Filter bringen?«, fragt er eine Kollegin. Nebenbei lernt er Marcus an der Dialyse-Maschine an. Eine weitere Kollegin schaut rein: »Der Angehörige ist jetzt auf Zimmer 10.« »Ich bin in zehn Minuten da«, antwortet Jan.

Die meisten würden in solchen Stressmomenten wohl überfordert sein. Doch Jan behält die Ruhe. Ein bisschen scheint er es sogar zu genießen: »Ich muss mich ständig auf neue Situationen einstellen. Ich lerne jeden Tag was dazu.« Klar ist auch er oft gestresst, wegen Corona noch mehr als sonst. Und er würde sich wünschen, mehr Zeit für seine Patientinnen und Patienten zu haben. Doch: »Es ist ein Beruf, der unheimlich viel zurückgibt. Auch wenn die Patienten, mit denen ich zu tun habe, nicht immer ansprechbar sind. Manchmal ist ein guter Blutwert, den ich durch eine gute Beatmung hervorrufe, der Lohn eines ganzen Tages.« Dann muss er weiter: zum Angehörigen auf Zimmer 10, dann kurz auf Zimmer 7 aushelfen, hier noch eine Bilanz schreiben, da noch ein Telefonat mit einem Angehörigen führen. Pflege kennt keine Pause.

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 03/2022.

BERUFSINFO

Was ist das Schönste an dem Beruf?

»Die Abwechslung. Hier auf der Intensivstation liegt die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung neben dem Lungenversagen. Das finde ich spannend. Ich mag auch das Arbeiten im Team. Wir, die Ärztinnen, Pfleger und Reinigungskräfte, funktionieren wie ein Uhrwerk.«

Und was ist das Schlimmste?

»Dass einige Patienten hier versterben. Manchmal bin ich deswegen sehr traurig.«

Wie viele Intensivfachpflegerinnen und -pfleger gibt es?

Im Juni 2021 gab es 71.689 Fachkrankenpflegerinnen und -pfleger in Deutschland. Wie viele davon auf der Intensivstation arbeiteten, wurde nicht genau erfasst.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Nach dreijähriger Ausbildung darf man sich Pflegefachmann oder -frau nennen. Die Fortbildung zum Intensivfachpfleger dauert noch mal zwei Jahre. Dabei vertieft man sein Wissen und lernt verschiedene Apparate wie die Dialyse-Maschine besser kennen.

Wie viel verdient man?

Jan verdient zwischen 3600 und 3800 Euro brutto – je nachdem, wie viele Zulagen er für Nacht- oder Feiertagsschichten bekommt. Er sagt: »Die hohe Verantwortung spiegelt sich nicht ganz im Gehalt wider.«

Was muss man können?

• sich schnell auf neue Menschen und Situationen einstellen

• Technik verstehen und anwenden

• Teamwork beherrschen

Für wen ist das nichts?

»Wer kein Blut oder Erbrochenes sehen kann oder wer einen geregelten Arbeitstag von 8 bis 17 Uhr sucht, ist hier falsch.«

VORURTEILE-CHECK

Pflegekräfte sind meist Frauen.

STIMMT TEILWEISE: »Insgesamt arbeiten deutlich mehr Frauen als Männer in der Krankenpflege. In der Intensivpflege ist es aber etwas durchmischter.«

Das ist kein Job, den man bis zur Rente machen kann.

STIMMT NICHT: »Der Beruf ist zwar körperlich sehr anstrengend, zum Beispiel wenn man schwergewichtige Patienten umlagern muss. Aber ich habe einige Kollegen, die den Job schon sehr lange machen. Und ich habe das auch vor.«

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