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Artenschutz-Experte beim WWF »Die größte Herausforderung ist das Zusammenleben von Mensch und Tier«

Weltweit sind viele Arten vom Aussterben bedroht. Ein Lichtblick: In Nepal hat sich die Zahl der Tiger in letzter Zeit fast verdreifacht. Wie das gelang, erklärt WWF-Artenschutz-Fachmann Arnulf Köhncke.
Protokolliert von Claudia Beckschebe

»Nepal ist ein wunderschönes Land in Südasien. Ich arbeite von hier für die Organisation WWF. Seit etwa einem Jahr lebe ich mit meiner Familie in der trubeligen Hauptstadt Kathmandu. Vom Fenster aus kann ich die gigantischen Berge des Himalaja sehen, des berühmten Gebirges. Einige Autostunden entfernt liegt der Chitwan-Nationalpark. Das ist vor allem dichter Dschungel auf einer Fläche größer als Berlin.

Zur Person
Foto: Daniel Seiffert / WWF

Arnulf Köhncke, 42, leitet den Fachbereich Artenschutz beim WWF Deutschland. Er kümmert sich um den Schutz sogenannter Flaggschiffarten. Dazu zählen zum Beispiel Elefanten, Nashörner, Menschenaffen, Großkatzen, Eisbären und in Europa der Wolf oder der Luchs. Von ihrem Schutz profitieren auch andere Arten. Köhncke befasst sich außerdem mit der Wilderei und dem Handel mit illegalen Wildartenprodukten.

Der Name Chitwan bedeutet ›Wald des Leoparden‹. Hier wohnen aber auch andere Großkatzen: Tiger. Er ist sogar Teil der tigerreichsten Region der Erde. Und es gibt eine tolle Entwicklung: 2009 lebten in Nepal noch 121 Tiger, heute sind es 355. Die Zahl hat sich also fast verdreifacht. Damit ist Nepal in Sachen Tigerschutz ein Vorbild für andere Länder.

Tiger sind weltweit stark bedroht. In einigen Ländern Asiens, in Laos, Vietnam und Kambodscha, sind sie schon ausgestorben. Auch in Myanmar und Malaysia gehen die Zahlen zurück. Aber das Beispiel Nepal zeigt, was möglich ist, wenn alle zusammenarbeiten. Menschen aus der Politik, Naturschützende und die Leute, die hier wohnen: Alle haben das Thema ernst genommen und sich starkgemacht für den Tigerschutz.

Dein SPIEGEL: Fake News
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Fake-News, Verschwörungsmythen, Werbelügen – das Internet ist voll davon. Sie werden gelesen, geglaubt, geteilt. Mit einem Klick landen Inhalte im WhatsApp-Chat oder in der Direkt-Nachricht bei Instagram. Wer verbreitet Lügen im Internet und warum? Woran erkennt man sie? Das Kinder-Nachrichtenmagazins »Dein SPIEGEL« erklärt, was man über solche Täuschungen wissen muss und wie man weniger leicht auf sie hereinfällt. Das Magazin gibt es am Kiosk und online:

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Natürlich gehört dazu, dass Wilderei streng verboten ist. Das ist sie auch in anderen Ländern, doch in Nepal gibt es viele Wildhüterinnen und Wildhüter. Sie kontrollieren, dass wirklich niemand Tiger erlegt – oder die anderen Tiere, die hier leben. Bei uns gibt es zum Beispiel auch Panzernashörner.

Im nepalesischen Chitwan-Nationalpark leben neben Tigern auch Rhesusaffen.

Im nepalesischen Chitwan-Nationalpark leben neben Tigern auch Rhesusaffen.

Foto: Cegalerba Szwemberg / Hemis / laif
Auch Panzernashörner sind dort beheimatet.

Auch Panzernashörner sind dort beheimatet.

Foto: Navesh Chitrakar / REUTERS

Die größte Herausforderung für funktionierenden Artenschutz ist das Zusammenleben von Mensch und Tier. Das kann man am Tiger gut erklären. Tiger brauchen große Lebensräume und viele Beutetiere. Will man Tiger schützen, muss man riesige Landschaften erhalten. Aber die menschliche Bevölkerung wächst, Städte breiten sich aus.

Tiger sind in Nepal keine exotischen Zootiere, sondern eine ganz reale Bedrohung. Etwa für Menschen, die zum Feuerholz-Sammeln in den Wald gehen. Also muss man erreichen, dass Menschen weniger Feuerholz benötigen. Sie müssen anders heizen. Eine einfache und sehr effektive Maßnahme für den Tigerschutz sind deshalb Biogas-Anlagen in privaten Haushalten. Diese Heizsysteme brauchen kein Feuerholz. Sie funktionieren mit dem Kot von Tieren.

Viele Menschen hier halten Büffel als Nutztiere. Mit deren Dung werden die Biogas-Anlagen betrieben. Das klappt hervorragend. Zuvor mussten die Leute bis zu vier Stunden am Tag Holz sammeln, eine körperlich sehr anstrengende Arbeit, die zusätzlich die Gefahr der Tigerangriffe barg. Diese Zeit ist jetzt frei für anderes. Und das Haus ist trotzdem warm.

Außerdem haben mehr Menschen hier jetzt Ställe für ihre Tiere gebaut – früher wurden Ziegen einfach vor dem Haus angebunden und waren für hungrige Tiger deshalb leichte Beute. Doch in einen eingezäunten Stall dringen die Großkatzen nicht so leicht ein.

Gesucht: eure Einfälle für die Vielfalt
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Immer mehr Lebewesen weltweit sind bedroht. Dabei ist jede einzelne Art wichtig. Es ist höchs­te Zeit, darauf aufmerksam zu machen. »Dein SPIEGEL« und die Drogeriemarkt-Kette ROSSMANN suchen die besten Plakat-Ideen für den Artenschutz. Weitere Infos und das Teilnahmeformular findest du hier.

Wenn man andere für den Artenschutz gewinnen will, muss man erst mal hören, welche Bedürfnisse sie haben, anstatt ihnen direkt irgendwelche Regeln zu verordnen. Die Leute hier wissen ja, dass sie im Lebensraum der Tiger wohnen. Und es ist nicht leicht, wenn Haus und Leben ständig von wilden Tieren bedroht sind. Die Nepalesinnen und Nepalesen möchten Konflikte mit den Tigern vermeiden. Dafür muss man ihre Probleme ernst nehmen. Dazu gehört, dass die Regierung Entschädigungen zahlt, wenn Haus- und Nutztiere von Tigern getötet werden.«

Dieses Protokoll erschien in »Dein SPIEGEL« 01/2023.

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