Foto: Anna Tarrin / Dein SPIEGEL

Baumschul-Chef im Kinder-Interview »Bäume sind wie Haustiere«

Bernhard von Ehren leitet eine der größten Baumschulen Europas. Die Kinderreporterinnen Paula und Mia wollten von ihm wissen, wie Städte in Zukunft bepflanzt werden.
Redaktionelle Begleitung: Claudia Beckschebe

Dein SPIEGEL: Wie viele Baumsorten können Sie aufzählen?

von Ehren: Hm, wenn ihr mich nicht stoppt, komme ich bestimmt auf ein paar Hundert lange Namen, etwa Quercus frainetto »Trump«. Dieser Name setzt sich zusammen aus der Gattung, der Art und der Sorte.

Dein SPIEGEL: Welches ist Ihr liebster Baum?

von Ehren: Quercus robur, die Stiel-Eiche. Das ist ein mächtiger Baum, der sehr alt und groß werden kann. Stiel-Eichen gab es schon vor der Eiszeit.

Dein SPIEGEL: Wie gut kommt dieser Baum mit Trockenheit oder starkem Regen zurecht?

von Ehren: Gar nicht gut. Wenn es wochenlang extrem regnet, bekommt die Eiche nasse Füße: Die Wurzeln nehmen Schaden. Trockenheit ist ein noch größeres Problem. Eine hohe Eiche trinkt viele Hundert Liter Wasser am Tag. Wenn sie die nicht aus dem Erdreich bekommt, stirbt sie. Die extrem trockenen Sommer 2018 und 2019 waren das Todesurteil für viele Eichen und andere Bäume in den Wäldern.

Dein SPIEGEL: 14 Sport-Profis verraten ihre Tricks
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Dreimal pro Woche sollten Kinder so richtig ins Schwitzen kommen, empfiehlt die WHO. Wer sich daran hält, fühlt sich besser, nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf. Aber Sport ist mehr als nur Fitness. Sport ist Teamwork, Wettbewerb, Horizonterweiterung. Und am Ende macht es auch einfach Spaß, einen neu erlernten Skateboardtrick das erste Mal zu stehen, einen perfekten Pass zu spielen oder die Gegnerin beim Judo auf die Matte zu schmeißen. Wie Kinder in verschiedenen Sportarten besser werden können und warum sie jetzt unbedingt diese eine Sportart ausprobieren sollten, erzählen ihnen in der neuen Ausgabe von »Dein SPIEGEL« 14 Profis. Hier kann man das Heft online bestellen:

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Dein SPIEGEL: Welche Veränderungen bringt die Klimakrise noch für unsere einheimischen Bäume?

von Ehren: Früher hatten wir vier sehr unterschiedliche Jahreszeiten. Jetzt gibt es von Oktober bis März kaum große Temperaturunterschiede. Es ist viel zu mild, selbst im Februar wird es nachts nicht mehr richtig kalt. Das bringt die Natur durcheinander. Die Pflanzen schlagen ihre Blätter zu früh aus und verlieren sie häufig erst im November. Der Klimawandel strapaziert die Bäume.

Dein SPIEGEL: Betrifft die Klimakrise Bäume in Wald und Stadt in gleicher Weise?

von Ehren: Im Wald gibt es gute, feuchte Luft und lockeren, nährstoffreichen Humusboden mit Milliarden kleiner Lebewesen. Das fehlt in Städten. Böden sind dort oft voller Schotter, Baureste und Öl. Hunde pinkeln an die Bäume, im Winter wird Salz gestreut. Das mögen Bäume gar nicht. Städte sind also schwierige Standorte. Das immer extremer werdende Wetter macht die Situation für Stadtbäume noch stressiger.

Dein SPIEGEL: Aber Sie verkaufen auch Bäume an Menschen, die im Auftrag von Städten Straßen und Parks begrünen sollen. Was raten Sie denen?

von Ehren: Bäume sind wie Haustiere. Man muss sich vor der Anschaffung überlegen: Was braucht der Baum? Wo soll er leben? Welchen Boden kann ich ihm bieten? Am wichtigsten darf nicht sein, wie hübsch die Blüten anzusehen sind. Ich rate, in der Stadt robuste Bäume zu pflanzen, die auch in dem schwierigen Lebensumfeld gedeihen – zum Beispiel den Amberbaum oder die Gleditschien.

Dein SPIEGEL: Wofür sind Bäume in der Stadt so wichtig?

von Ehren: Erstens machen sie Sauerstoff und binden CO₂. Das ist lebenswichtig für uns. Zweitens sind sie natürliche Klimaanlagen. Beton, Glas und Asphalt heizen sich im Sommer auf und sorgen dafür, dass es in der Stadt extrem heiß werden kann. Bäume verdunsten Wasser und kühlen die Luft. Und drittens helfen sie den Menschen beim Entspannen. Wer sich wohlfühlen will, geht im Park spazieren.

Die Kinderreporterinnen Paula (links) und Mia (rechts) sind Freundinnen und besuchen beide die Klasse sechs der Schule Grumbrechtstraße in Hamburg. Mia zeichnet gern in ihrer Freizeit, vor allem Animes und Manga. Auch in der Schule gehört der Kunstunterricht zu ihren Lieblingsfächern. Paula tanzt Hip-Hop und spielt Klavier. Mit Mia teilt sie den Spaß an den kreativen Schulfächern wie Theater und Kunst.

Die Kinderreporterinnen Paula (links) und Mia (rechts) sind Freundinnen und besuchen beide die Klasse sechs der Schule Grumbrechtstraße in Hamburg. Mia zeichnet gern in ihrer Freizeit, vor allem Animes und Manga. Auch in der Schule gehört der Kunstunterricht zu ihren Lieblingsfächern. Paula tanzt Hip-Hop und spielt Klavier. Mit Mia teilt sie den Spaß an den kreativen Schulfächern wie Theater und Kunst.

Foto: Anna Tarrin / Dein SPIEGEL

Dein SPIEGEL: Welche Bäume werden unsere Enkelkinder mal nicht mehr im Stadtbild sehen?

von Ehren: Eichen, Rotbuchen, Kastanien, Eschen – alles große, stolze Bäume. Wenn es so weitergeht wie bisher, werden sie aus den Städten verschwinden. Vor allem die Kastanie ist schwer angeschlagen. Sie kämpft mit Schädlingen und Bakterien, die mit dem Klimawandel hier eingewandert sind. Langfristig wird die Kastanie aussterben.

Dein SPIEGEL: In Ihrer Baumschule gibt es einen Garten, in dem ausschließlich sogenannte Klimabäume stehen. Was macht einen Klimabaum aus?

von Ehren: Er kommt etwas besser mit Hitze und Dürre zurecht. Die Birke zum Beispiel hat eine Strategie, wenn sie kein Wasser mehr bekommt: Sie wirft einfach ihre Blätter ab. Wenn sie Glück hat, überlebt sie so eine Dürre. Eichen oder Buchen können so etwas nicht. Wenn die Wasserversorgung vom Boden zur Krone abbricht, ist das fast immer ein Todesurteil für diese Bäume.

Im Klimabaum-Hain der Baumschule Lorenz von Ehren stehen etwa 70 verschiedene Baumarten, die voraussichtlich besser mit dem Klimawandel zurechtkommen als die bislang in Städten gepflanzten Bäume. Die Gärtnerinnen und Gärtner der Baumschule beobachten hier über Jahre, wie die neuen Arten gedeihen.

Im Klimabaum-Hain der Baumschule Lorenz von Ehren stehen etwa 70 verschiedene Baumarten, die voraussichtlich besser mit dem Klimawandel zurechtkommen als die bislang in Städten gepflanzten Bäume. Die Gärtnerinnen und Gärtner der Baumschule beobachten hier über Jahre, wie die neuen Arten gedeihen.

Foto: Rene Grygier / Baumschule von Ehren

Dein SPIEGEL: Wo finden Sie Baumsorten, die sich gut für den Klimawandel eignen?

von Ehren: Es gibt Modelle, die vorhersagen, wie das Klima hier in 10, 20 Jahren sein wird: insgesamt wärmer und trocken und heiß im Sommer. Regionen, die bereits dieses Klima haben, haben auch passende Pflanzen. Wir schauen uns in Gebieten fernab der Küste um, weit im Landesinneren – etwa in Colorado in den USA.

Dein SPIEGEL: Kann man fremde Baumsorten direkt hier einpflanzen?

von Ehren: Nein, man muss lange beobachten, wie sie hier zurechtkommen, und sie an verschiedenen Lebensorten ausprobieren: in Parkanlagen, in kleinen Gärten, mitten in der Stadt und auch in unserer Baumschule. Das dauert mindestens zehn Jahre. Man braucht Geduld für diese Arbeit.

Dein SPIEGEL: Kann es auch Probleme geben, wenn man heimische Baumsorten durch andere ersetzt?

von Ehren: Pflanzen und Tiere haben sich über Jahrtausende aufeinander abgestimmt. Es ist wichtig, behutsam zu schauen, wie Insekten und Vögel auf neue Bäume reagieren. Bisher überwiegt die Erkenntnis, dass viele fremde Baumsorten ebenfalls gut von den heimischen Tieren angenommen werden.

Im Interview erzählte Bernhard von Ehren, dass sein ältester Baum 200 Jahre alt ist. Er würde die Eibe (im Bild) aber nur an jemanden verkaufen, der ihr ein perfektes Zuhause bieten kann.

Im Interview erzählte Bernhard von Ehren, dass sein ältester Baum 200 Jahre alt ist. Er würde die Eibe (im Bild) aber nur an jemanden verkaufen, der ihr ein perfektes Zuhause bieten kann.

Foto: Anna Tarrin / Dein SPIEGEL

Dein SPIEGEL: Warum fühlt man sich so wohl, wenn man unter einem Baum sitzt oder sich an seinen Stamm lehnt?

von Ehren: Manche Menschen umarmen sogar jeden Morgen einen Baum. Sie sagen, das sei ihre Energiequelle. Vögel zwitschern in der Krone, die Blätter rauschen – Bäume sind das pure Leben. Das spürt man, wenn man unter ihnen sitzt.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 05/2022.

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