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Für Kinder erklärt Was hat der Eisverlust in der Arktis mit uns zu tun?

Auf der Erde wird es wärmer und wärmer. Das Eis der Arktis und der Antarktis schmilzt – und das hat Folgen für den ganzen Planeten.
Von Antonia Bauer

Vor wenigen Monaten passierte etwas Gewaltiges. Die meisten Menschen bemerkten es nicht, es machte kaum Schlagzeilen, und trotzdem hat es großen Einfluss auf unseren Planeten. Ein Stück des größten noch existierenden Gletschers der Arktis brach ab. 113 Quadratkilometer Eis – eine gigantische Fläche, größer als die französische Hauptstadt Paris. Über die letzten Jahre hinweg hatte der Gletscher an der Nordküste Grönlands während der warmen Sommermonate immer mehr Risse bekommen. Dann löste sich die Riesenplatte endgültig ab.

Hier ist zu sehen, wie sich die riesige Gletscherplatte an der Nordküste Grönlands ablöste.

Hier ist zu sehen, wie sich die riesige Gletscherplatte an der Nordküste Grönlands ablöste.

Foto: HANDOUT / AFP

Die Arktis verliert eine Million Tonnen Eis pro Minute – Eis, das sich teilweise über Hunderttausende Jahre gebildet hat. Noch nie seit Beginn der Messungen verlor Grönland so viel Eis wie in den vergangenen beiden Jahren, Tropfen für Tropfen geht es verloren. Es ist normal, dass im arktischen Sommer Eis schmilzt, aber mittlerweile werden die Winter nicht mehr kalt genug, um eine entsprechende Menge wieder gefrieren zu lassen.

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Grönland und seine Gletscher fühlen sich weit weg an, für die allermeisten Menschen existiert die Region nur in Bildern, Zahlen und Videos. Und doch hat das, was dort passiert, Auswirkungen auf uns alle. Nirgendwo sieht man so deutlich wie in der Arktis, was der Klimawandel mit der Erde anrichtet.

Was mit Klimawandel eigentlich gemeint ist, kann man sich so klarmachen: Wetter ist, wenn heute die Sonne am wolkenlosen Himmel scheint. Klima ist, wenn es viele Sommer in Folge häufig warm ist. Während sich das Wetter jeden Tag ändert, ist mit Klima das gesamte Wetter in einem Gebiet über einen langen Zeitraum hinweg gemeint. Ein Klimawandel tritt also dann ein, wenn sich durch dauerhaft veränderte Temperaturen – es wird deutlicher wärmer oder kälter – auch die Natur dauerhaft verändert.

Warum sich das Klima ändert
Foto: DPA

Autos, Fabriken und Kraftwerke pusten viel zu viele Abgase in die Luft. Die enthalten CO₂, auch Kohlendioxid genannt. Die Atmosphäre kann nur eine gewisse Menge CO₂ vertragen, ohne dass sich die Erde erwärmt.

Die Menschen essen zu viel Fleisch, deswegen gibt es Massentierhaltung. Beim Verdauen stoßen Rinder das Gas Methan aus – und das ist für die Umwelt noch schädlicher als Kohlendioxid.

Weil das Klima heißer und trockener wird, schmilzt das Eis an den Polen. Es gibt mehr extreme Stürme, und die Wahrscheinlichkeit für Waldbrände nimmt zu.

Innerhalb der vergangenen 120 Jahre ist es auf der Erde deutlich wärmer geworden. Es kann sein, dass 2020 das wärmste Jahr überhaupt seit Beginn der Aufzeichnungen war. Das Klima hat sich über die Jahrmillionen der Erdgeschichte schon häufiger verändert, zum Beispiel weil sich Kontinente verschoben haben. Das ist sehr langsam passiert, über Zehntausende Jahre hinweg. Doch diesmal ist alles anders.

Das Klima auf der Erde verändert sich schneller, und an dem Grund dafür gibt es keinen Zweifel. Der Wandel wird hauptsächlich durch Gase wie Kohlendioxid und Methan verursacht. Überall auf der Welt gibt es unzählige Fabriken, Schiffe, Autos und Flugzeuge, die Gase in die Atmosphäre pusten. Kohlendioxid (CO₂) entsteht, wenn etwas verbrannt wird, zum Beispiel Kohle in einem Kraftwerk oder Benzin in einem Motor.

CO₂ sorgt dafür, dass die Erde Wärme von der Sonne einfangen kann, es wirkt wie eine Art Decke, die die Wärme festhält. Je mehr CO₂ in der Luft ist, desto weniger Wärme kann ins Weltall entweichen. Die Erde heizt sich auf. Zugleich gibt es immer mehr Massentierhaltung und immer weniger große Waldflächen und Moore. So gibt es weniger Bäume und Torfböden, die Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen können.

Kurz: Am gegenwärtigen Klimawandel sind wir Menschen schuld, wir ganz allein.

Vor 40 Jahren betrug die Fläche des arktischen Meereises im Sommer noch rund 7,6 Millionen Quadratkilometer. Dieses Jahr waren es nur noch rund 3,7 Millionen Quadratkilometer: Die Hälfte des arktischen Eises ist geschmolzen.

Die dunkel- und mittelblauen Felder dieser Grafik zeigen an, wie viel größer die Meereisfläche innerhalb des Polarkreises vor 40 und vor 20 Jahren noch war – gemessen im September, dann ist am wenigsten Meereis vorhanden. Inzwischen ist nur noch die hellblaue Fläche übrig. Das verursacht viele Probleme, unter anderem für die Eisbären, deren Lebensraum bedroht ist.

Die dunkel- und mittelblauen Felder dieser Grafik zeigen an, wie viel größer die Meereisfläche innerhalb des Polarkreises vor 40 und vor 20 Jahren noch war – gemessen im September, dann ist am wenigsten Meereis vorhanden. Inzwischen ist nur noch die hellblaue Fläche übrig. Das verursacht viele Probleme, unter anderem für die Eisbären, deren Lebensraum bedroht ist.

Wenn das Eis schmilzt, ist das doppelt schlimm. Ist es weg, verschwindet die weiße Oberfläche auf den Ozeanen, die die Sonnenstrahlung zurück in die Atmosphäre wirft. So erwärmt sich auch das Wasser, weil es nun der Sonne direkt ausgesetzt ist. Das Eis schmilzt zugleich auch von unten – und plötzlich geht es rasend schnell.

Wenn Gletscher, die auf dem Land liegen, schmelzen oder ins Meer fallen, erhöht sich der Meeresspiegel. Auf der anderen Seite der Erdkugel, der Antarktis rund um den Südpol, gibt es viel Festlandeis, das ins Meer fließt, wenn es schmilzt. Wissenschaftler haben errechnet, dass der Meeresspiegel um mehrere Meter steigen wird.

Tiefer liegende Inseln und manche Küstenstädte würden dadurch überschwemmt. Dann läge Hamburg am Meer. Und Amsterdam oder Cuxhaven hätte die Flut verschlungen. Zusätzlich bringt die Entwicklung die Tierwelt durcheinander. In der Arktis können Eisbären zum Beispiel im Sommer und im Herbst nicht mehr richtig jagen.

Eine Welt, in der mit Sonne und Wind Energie hergestellt wird, wäre womöglich friedlicher und nachhaltiger: Um Sonnenenergie braucht niemand Krieg zu führen – anders als um Erdöl. Denn Sonnenschein und Wind gibt es ohne Ende. Mit diesem Strom könnten auch Elektroautos betrieben werden.

Eine Welt, in der mit Sonne und Wind Energie hergestellt wird, wäre womöglich friedlicher und nachhaltiger: Um Sonnenenergie braucht niemand Krieg zu führen – anders als um Erdöl. Denn Sonnenschein und Wind gibt es ohne Ende. Mit diesem Strom könnten auch Elektroautos betrieben werden.

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance/dpa

Die sich erwärmenden Ozeane tragen direkt zur Erderwärmung bei. Und mit der Hitze kommen häufiger Dürren auf dem Festland. Böden vertrocknen, Ernten fallen aus, die Gefahr für Waldbrände steigt.

Das ist eben die Sache mit dem Klimawandel: Er betrifft nicht nur einen Teil der Erde, er ist nicht nur eine Veränderung in einer Region, die weit weg von uns liegt. Verändert sich ein Faktor auf dem Planeten, verändern sich die anderen mit. Schmelzendes Eis, Meeresspiegel, Lebensraum für Tier und Mensch, Extremwetter, Landwirtschaft – all das hängt zusammen. Und die Menschen sind die Einzigen, die etwas dagegen tun können.

Aber tun wir das wirklich? Mehrfach haben die Regierungen der Welt beschlossen, die Erhitzung der Erde zu stoppen. Abgesandte beinahe aller Länder handelten Abkommen aus, das letzte 2015 in Paris. Das Ziel dieses Abkommens: Die Erderwärmung soll auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden. Das bedeutet: Weltweit soll es nicht mehr als zwei Grad wärmer werden, als es vor rund 150 Jahren war.

Das hat bisher nicht geklappt. Denn um das Klima zu retten, braucht es große Veränderungen. Es braucht neue Gesetze, überall auf der Erde – denn es reicht nicht, wenn nur ein paar Länder mitmachen.

Ideen gibt es genug: Alle Länder auf der Welt müssen ihren Strom aus Wind- und Sonnenenergie gewinnen. Es muss mehr Elektroautos und umweltfreundlichere Containerschiffe geben. Häuser müssen so gebaut werden, dass sie nur noch wenig Energie verbrauchen. Es muss weniger Massentierhaltung geben. Es dürfen keine Wälder mehr abgeholzt werden.

Viele Menschen wie die Aktivistin Greta Thunberg fordern von Politikern wie der Bundeskanzlerin Angela Merkel, mehr fürs Klima zu tun. Alle Länder der Welt sollen sich verpflichten, CO₂ einzusparen. Das klappt noch nicht gut. Doch Klimaschützer und Wissenschaftler werden immer einflussreicher.

Viele Menschen wie die Aktivistin Greta Thunberg fordern von Politikern wie der Bundeskanzlerin Angela Merkel, mehr fürs Klima zu tun. Alle Länder der Welt sollen sich verpflichten, CO₂ einzusparen. Das klappt noch nicht gut. Doch Klimaschützer und Wissenschaftler werden immer einflussreicher.

Foto: Florian Boillot

Ja, jeder Einzelne kann etwas tun, aber das Wichtigste ist, dass die Regierenden der Länder handeln. Die jungen Menschen sind laut und wütend, sie protestieren und fordern eine neue Klimapolitik – und das ist gut so. Es sind übrigens nicht nur Kinder und Jugendliche, die das Problem erkannt haben. Auch ihre Eltern stehen häufig dahinter. Denn was in den nächsten Jahren geschieht, entscheidet darüber, welche Zukunft die Kinder von heute erwartet.

Wie wird das Klima im Jahr 2100?

Foto: Jan Woitas / dpa

Bis zum Jahr 2100 könnte es auf der Erde bis zu fünf Grad Celsius wärmer werden, wenn weiter so viele schädliche Gase in die Luft gelangen. Das klingt nicht nach viel, hätte aber große Auswirkungen. Wenn es wenig regnet und gleichzeitig sehr warm ist, kann es Dürren geben, bei denen ohnehin schon trockene Gegenden völlig austrocknen.

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 02/2021.

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